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Disconnect

Akt 3 - System Fehler (Smash Into Pieces) — www.fanfiktion.de · All chapters

Disconnect

Das monotone Dröhnen der Flugzeugtriebwerke und das hektische Treiben an den Gepäckbändern sind in deiner Erinnerung bereits zu einem verschwommenen Rauschen verblasst. Das Einzige, was du jetzt noch hörst, ist das sanfte Knirschen von feinem Kies unter den breiten Reifen des dunklen SUVs. Du blickst aus dem Fenster, während der Wagen die pulsierende Innenstadt Stockholms hinter sich lässt. Die dichte Bebauung weicht langsam einer ruhigeren, von hohen Bäumen geprägten Landschaft. Als der Wagen schließlich auf eine private, von alten Kiefern gesäumte Auffahrt einbiegt, bleibt dir kurz die Luft weg. Vor euch erhebt sich ein wunderschönes, typisch schwedisches Haus. Die dunkle, edle Holzfassade und die großzügigen, einladenden Fensterfronten fügen sich nahtlos in die umgebende Natur ein. Es ist kein isolierter Bunker mitten im Nirgendwo, sondern ein geschmackvolles, modernes Zuhause am Rande der Stadt. Abgelegen genug, um neugierige Blicke von Fotografen oder Fans fernzuhalten, aber nah genug, um das Studio der Band in kurzer Zeit zu erreichen. Sobald der Motor des Wagens verstummt und der Fahrer sich diskret verabschiedet hat, greift APOC nach seiner dunklen Brille und zieht sich die schwarze Stoffmaske vom Gesicht. Ein tiefes, befreites Durchatmen entweicht seinen Lippen, als die kühle, klare schwedische Luft seine Haut berührt. Hier muss er sich nicht verstecken. Hier ist er einfach nur er selbst. Er lächelt dir zu, ein weiches, ehrliches Lächeln, das die letzten Spuren des anstrengenden Reisetages sofort von deinen Schultern wäscht. Er greift nach deiner Hand und führt dich zur massiven Eichenholz-Türe.

Das Innere des Hauses ist durchflutet von warmem Licht und einer unglaublichen Gemütlichkeit. Es riecht dezent nach Zedernholz, frischem Kaffee und ist ordentlicher, als du es von einem Haus eines Rockstars erwartet hast. Doch das Erste, was dir ins Auge fällt, sind die mit deinen Mitbringseln vollgepackten Kartons. Im geräumigen, offen geschnittenen Flur stapeln sich exakt jene braunen Pappkartons, die du Tage zuvor in Deutschland mit gepackt hattest. "Elin, meine Haushälterin, muss sie schon in Empfang genommen haben, als die Spedition ankam.", brummt APOC zufrieden und legt seine schwere Jacke über die Lehne eines Sessels im Flur. Er tritt von hinten an dich heran, schlingt seine Arme um deine Taille und bettet sein Kinn auf deinem Kopf, während ihr gemeinsam auf den Turm aus Pappe blickt. "Willkommen zu Hause, mein Schatz.".

Das restliche Wochenende verschwimmt zu einer warmen, unaufgeregten Blase aus absoluter Zweisamkeit. Die schillernde Rock-Welt, kreischende Fans und dröhnende Bässe bleiben draußen vor der Tür. Ihr tragt weiche, bequeme Kleidung, bestellt abends Pizza, APOC isst seine tatsächlich mit Ananas und macht euch gemeinsam daran, dein bisheriges Leben in sein Bestehendes zu integrieren. Es ist ein faszinierender, fast schon lustiger Kontrast, wenn APOCs gigantischen, tätowierten Hände behutsam deine Kaffeetassen aus dem Zeitungspapier befreien oder er eines deiner T-Shirts hochhält, das gegen seine breite Brust gehalten fast wie Kinderkleidung wirkt. Er räumt ohne die geringste Spur von Zögern die komplette rechte Hälfte seines begehbaren Kleiderschranks für dich leer. Jeden Karton, den ihr ausräumt, zerschneidet er mit einem Taschenmesser und faltet ihn zusammen. Ein leises, befriedigendes Geräusch, das jeden alten Zweifel endgültig in den Müll verbannt. Deine Bücher finden Platz in seinen massiven Holzregalen, deine Jacken hängen neben seinen schweren Ledermänteln und deine abgewetzten Arbeitsschuhe stehen wie selbstverständlich neben seinen Bühnen-Stiefeln im Flur. Es gibt keine erzwungenen Kompromisse. Deine Sachen fügen sich so natürlich in sein Haus ein, als hätten sie schon immer dorthin gehört.

Als ihr am Sonntagabend erschöpft, aber unendlich glücklich und eng umschlungen auf der großen Couch im Wohnzimmer liegt, spürst du eine tiefe, erdende Ruhe in dir. Das sanfte Prasseln von Regen gegen die großen Fensterscheiben und APOCs gleichmäßiger Herzschlag unter deinem Ohr sind der perfekte Soundtrack für diesen Moment. Ihr habt euer gemeinsames Nest gebaut. Doch während der Abend langsam in die Nacht übergeht und APOC sanft durch deine Haare streicht, wandern deine Gedanken bereits zu dem, was morgen auf euch wartet. Montag. Der Beginn deines neuen Alltags. Ein Alltag, der sich in den ersten Tagen noch wie ein wohlverdienter Urlaub anfühlen wird, doch dessen Stille bald lauter sein wird als jedes Konzert. Die Band hat Studio-Termine und stundenlange Meetings für kommende Projekte. Und du? Du bist zum ersten Mal seit Jahren an kein festes Team, an keine engen Tour-Pläne und an keine lauten Messehallen mehr gebunden. Es ist der Startschuss in einen Alltag, den du dir so nie erträumt hättest. Doch wirst du diese neu gewonnene Freiheit genießen können, oder wird sie zu einem Gefängnis mit toller Aussicht?