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A Sky Full of Stars

Akt 3 - System Fehler (Smash Into Pieces) — www.fanfiktion.de · All chapters

A Sky Full of Stars

//Ich habe versucht, alle Akte und deren Kapitel so geschlechts neutral wie möglich zu schreiben. Allerdings wird das bei dem Wechsel der Perspektive vom erzählenden "Du" zum beschreibenden "Ich" fast unmöglich. Daher habe ich mir die Freiheit genommen, dieses Kapitel so zu schreiben, dass der Protagonist/Leser männlich gelesen wird. An alle weiblich gelesene Personen, die das hier lesen, eine große Entschuldigung, stellt euch bitte vor, dass APOC von einer weiblichen Person spricht. Auch Entschuldigung an APOC von Smash Into Pieces, dass ich dir hiermit eine sexuelle Präferenz auferlege.//

Mein Rhythmus ist das Metronom dieser Band. Jeder Schlag auf die Felle, jeder Tritt auf die Bassdrum ist ein perfekt kontrollierter, gnadenlos abgestimmter Impuls, der knapp sechzigtausend Menschen in Bewegung hält. Doch der einzige Rhythmus, der in meinem Leben wirklich zählt, ist der Herzschlag meines Partners.

Ich bin mitten in meinem Drumsolo. Das Adrenalin pumpt glühend heiß durch meine Adern. Ich stehe auf, lasse die schiere Energie der ohrenbetäubenden Menschenmasse ungefiltert durch meinen Körper strömen und peitsche den harten Takt meines Solos unaufhörlich durch die gewaltige Halle. Doch dann fällt mir etwas Ungewöhnliches ins Auge, als ich den Kopf in Richtung der Hallendecke hebe. Weit über mir, balancierend auf den schmalen Stahlstreben der runden Traverse, die das schwere Spotlight und die Moving-Heads für mein Drumkit trägt, entdecke ich ihn. Mein Blut gefriert in den Adern. Mein Takt stolpert für den Bruchteil einer Sekunde, eine Dissonanz, die nur ich spüre. Was zum Teufel hat er da oben zu suchen? Die tonnenschwere Traverse schwankt wie ein morsches Schiff in einem Orkan. Ich schaue hastig zu Chris hinüber, der mir nur einen verwunderten, fragenden Blick zurückwirft und dann zum Rand der Bühne, wo die Stagehands bereits wie aufgescheuchte Tiere hektisch hin und her rennen. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Panisch schnellt mein Blick wieder nach oben. Mittlerweile hat er bemerkt, dass ich zu ihm hoch starre. Doch anstatt in Panik zu geraten, wirft er mir nur ein Lächeln zu. Dieses tapfere, sture, unverwüstliche Lächeln, das ich immer wieder zu sehen bekomme, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Doch dieses Mal reicht es nicht mich zu beruhigen.

Dann passiert es. Ein abscheuliches, metallisches Kreischen schneidet wie eine Rasierklinge durch den perfekt isolierten Sound meiner In-Ear-Monitore und zerreißt die Atmosphäre der Arena. Unten im Publikum zucken Zuschauer verängstigt zusammen, hunderte Finger deuten plötzlich entsetzt nach oben in Richtung der Hallendecke. Dann sackt die dicke Stahltraverse mit einem ächzenden Ruck ab. Die Welt um mich herum bleibt stehen. Die Zeit dehnt sich zu einer quälenden, zähen Ewigkeit, während sich mein Verstand schlichtweg weigert zu begreifen, was meine Augen gerade sehen. Er verliert den Halt. Seine Hände greifen ins Leere, während sein Körper seitlich von der Traverse rutscht. Dann stürzt er hinab. Chris, Per und Benjamin verlassen fluchtartig ihre Positionen auf der Bühne, ihre panischen Rufe, ihnen zu folgen, dringen nur als dumpfes Rauschen zu mir durch. Mein Körper bewegt sich keinen einzigen Millimeter. Mein Herz beginnt so rasend schnell gegen meine Rippen zu hämmern, dass es schmerzt und meine Kehle fühlt sich an, als läge eine dicke Schlinge darum, die sich mit jeder Millisekunde fester zuzieht. Ein lauter, animalischer Schrei entkommt meinem Hals. Rau und ungefiltert. Alles läuft in einer grausamen Zeitlupe ab. Ich muss jeden verdammten Millimeter seines Sturzes mit ansehen. Verzerrte Schreie und Rufe hallen durch den gigantischen Saal. Er dreht sich im freien Fall, sein zierlicher Körper ist völlig hilflos den erbarmungslosen Gesetzen der Schwerkraft ausgeliefert, die ihn Sekunde für Sekunde dem Bühnenboden näher bringen. Es ist, als würde mir jemand bei vollem Bewusstsein das pochende Herz aus der Brust reißen. Dann der Aufprall auf der harten, stählernen Bühnenkante. Er ist so gewaltig, dass ich das Brechen seiner Knochen selbst durch meine In-Ear-Monitore hören kann. Ein Geräusch, das sich unauslöschlich in mein Gehirn brennt. Er knallt auf das Holz, knickt leblos zusammen wie eine Stoffpuppe und rutscht über die harte Kante hinab, dann verschwindet er in dem tiefen, schwarzen Schlund des Bühnengrabens.

Meine Drumsticks fallen laut klappernd auf das Podest. Mein gesamtes System stürzt ab. Ein totaler Systemausfall. Ohne nachzudenken reiße ich mir die Maske vom Kopf, dieses nutzlose Stück Plastik, das mich plötzlich wie ein eiserner Käfig erstickt und schleudere sie blindlings zur Seite. Dann springe ich ohne die geringste Rücksicht auf Verluste von meinem hohen Podest, reiße mir im Laufen die In-Ear-Kopfhörer aus den Ohren und stürme blind vor Panik über die Bühne. Ich schreie verzweifelt seinen Namen, aber meine eigene Stimme klingt hohl, fremd und kraftlos in meinen Ohren. Auf Knien rutsche ich über den Rand der Bühne und lande unsanft auf dem rauen Betonboden des Bühnengrabens. Der Aufprall juckt mich nicht. Nichts tut mir in diesem Moment weh, außer dieser alles verzehrenden, nackten Panik, die meine Lungen zerquetscht. Reglos liegt er da. Verkrümmt, totenstill und entsetzlich blass im Halbdunkel des Bühnengrabens, wo kein Scheinwerferlicht ihn erreichen kann. Eine dunkle Blutlache beginnt bereits, sich unaufhaltsam unter seinem Kopf auszubreiten. Ich werfe mich hart daneben auf die Knie. Meine großen Hände, wie immer tiefschwarz von der Theaterschminke, zittern wie Espenlaub. Sie schweben hilflos über seinem reglosen Körper. Ich traue mich nicht, ihn auch nur im geringsten zu berühren, aus purer, lähmender Angst, noch mehr Schaden anzurichten. "Komm schon, bitte…bitte sag doch was!", flehe ich mit brechender Stimme. Die Tränen, die mir in die Augen schießen, brennen wie Feuer. Ich beuge mich tief hinab, lege mein Ohr zitternd an seine blassen Lippen, suche verzweifelt nach dem Hauch eines Atemzugs, nach irgendeinem Lebenszeichen. "Bitte wach auf!". Sanitäter stürmen mit schweren Stiefeln den Graben hinab. Entsetzte Zuschauer und panische Bühnenhelfer drängen sich um uns herum. Grelle Taschenlampen zerschneiden rücksichtslos die Dunkelheit des Grabens. Diverse Hände packen mich an den Schultern und versuchen mich mit Gewalt wegzuzerren. "Fasst mich nicht an!", knurre ich, blind vor rasender Wut und Ohnmacht. Völlig außer mir schlage ich die Hände von mir weg. Ich bin wie ein in die Enge getriebenes Monster, das nur versucht, das Einzige zu beschützen, was ihm auf dieser Welt noch etwas bedeutet. Erst als Chris und Benjamin sich schwer keuchend neben mich fallen lassen und ihre Arme von beiden Seiten um mich schlingen, bricht mein sturer Widerstand. Sie ziehen mich mit vereinten Kräften zurück und drücken mich gegen die kalte Metallkonstruktion der Bühne. Ich sehe hilflos zu, wie die Sanitäter sich über ihn beugen, wie sie hektisch seine Kleidung zerschneiden, Sensoren an seinem Oberkörper befestigen und ihn auf eine Trage heben. Verzweifelt und innerlich in tausend Stücke gebrochen, schaue ich den Sanitätern nach, wie sie ihn aus meinem Sichtfeld tragen. Chris starrt mich vollkommen fassungslos an, während Benjamin mir stumm wieder auf die wackeligen Beine hilft. Erst in diesem Moment, unter dem grellen Licht der Taschenlampen und den geschockten Blicken meiner Bandkollegen, realisiere ich, dass ich völlig ungeschützt vor ihnen stehe. Keine Maske. Kein Schutzwall. Die ganze Welt, Tausende von Kameras und Zuschauern haben mein wahres Gesicht gesehen. Doch das ist mir in diesem Moment so unfassbar egal. Alles ist mir egal. Denn mein Herz liegt blutend auf dieser Trage.