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Zufällige Begegnungen

Aloha ʻĀina — www.fanfiktion.de · All chapters

Zufällige Begegnungen

Der Nachmittag lag heiß über Oahu, die Luft flirrte über dem Asphalt, und der Duft von gegrillten Garnelen und frischer Ananas hing schwer über dem Parkplatz von Kamekonas Shrimp-Truck. Steve McGarrett lehnte an der Motorhaube des schwarzen Camaro, die Arme verschränkt, und beobachtete, wie Danny Williams mit weit ausholenden Gesten auf ihn einredete.

„Ich sage dir nur, dass es nicht normal ist, Steve. Kein Mensch – und ich betone kein Mensch – bestellt sich drei Portionen Garlic Shrimp und isst sie dann in unter vier Minuten“, sagte Danny und wedelte mit seinem Plastikbecher, in dem noch ein Rest Eistee schwappte.

Steve zuckte mit den Schultern. „Ich hatte Hunger.“

„Du hattest Hunger? Du hast dir die Zunge verbrannt, weil du sie nicht mal abkühlen lassen konntest. Das ist nicht Hunger, das ist – ich weiß nicht – ein Wettbewerb mit dir selbst.“

„Ich habe gewonnen“, entgegnete Steve trocken und ein Hauch eines Grinsens huschte über sein Gesicht.

Danny stöhnte auf und ließ den Kopf in den Nacken fallen. „Siehst du? Genau das meine ich. Du bist unmöglich.“

Kamekona, der breitschultrige Mann hinter dem Tresen, lachte tief und laut. „Eh, Bruder, lass den Commander doch. Ein Mann muss essen. Besonders ein Navy SEAL.“ Er schob eine weitere Portion über die Theke. „Hier, aufs Haus. Für den Sieger.“

Steve nahm sie dankend entgegen, während Danny die Augen verdrehte. „Du ermutigst ihn auch noch.“

„Ich ermutige jeden, der meine Garnelen isst“, sagte Kamekona und zwinkerte.

Bevor Danny zu einer weiteren Tirade ansetzen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit von einem kleinen weißen Auto abgelenkt, das auf den Parkplatz einbog und in einer der freien Lücken zum Stehen kam. Eine Frau stieg aus – schlank, mit dunkelblondem Haar, das sie zu einem unordentlichen Zopf gebunden hatte. Sie trug eine verwaschene Jeans und ein einfaches Tanktop, dazu Turnschuhe, die schon bessere Tage gesehen hatten. Auf dem Rücksitz kämpfte sich eine kleine Blondine aus dem Kindersitz, während eine junge Frau mit dunklen Locken – vermutlich Anfang zwanzig – aus der Beifahrertür sprang und half.

„Oh, schau mal“, sagte Danny und nickte in Richtung des kleinen Grüppchens. „Neue Kundschaft für Kamekona. Und wie es aussieht, hat die Mutter ihre Hände voll.“

Steve folgte seinem Blick. Die Frau – Haylie, wie sie später erfahren sollten – hob ihre Tochter aus dem Auto und setzte sie auf den Boden. Das Mädchen, kaum größer als ein Meter, mit riesigen blauen Augen und einem Sonnenhut, der ihr fast über das ganze Gesicht rutschte, klammerte sich sofort an ihr Bein. Die junge Frau mit den Locken – Elodie – griff nach einer Strandtasche, die viel zu groß für sie schien, und lächelte der Kleinen zu.

„Lily, chérie, willst du vielleicht einen Shave Ice?“, hörte Steve sie mit leichtem französischem Akzent sagen.

Lily schüttelte den Kopf und vergrub ihr Gesicht in Haylies Jeans. Haylie seufzte, strich ihrer Tochter über den Kopf und ging langsam auf den Truck zu.

Danny, der nie eine Gelegenheit ausließ, mit Fremden zu sprechen – besonders wenn sie potenziell in Not waren –, trat einen Schritt vor. „Hey, Kamekona, du hast neue Kunden. Und wie ich sehe, hast du auch Shave Ice für die Kleine da?“

Kamekona drehte sich um und breitete die Arme aus. „Aloha! Willkommen bei Kamekonas. Best shrimp on the island, best shave ice on the planet. Was darf es sein?“

Haylie blieb ein paar Schritte entfernt stehen und musterte die Männer. Ihr Blick war aufmerksam, fast prüfend, als würde sie abschätzen, ob sie sich hier wohlfühlen konnte. Lily lugte hinter ihrem Bein hervor, die Augen neugierig auf den großen Truck und den noch größeren Mann dahinter gerichtet.

„Ich nehme einmal die Garlic Shrimp und zwei Shave Ice – einmal Lilo und Stitch, einmal einfach nur Erdbeere“, sagte Haylie. Ihre Stimme war ruhig, aber bestimmt.

Elodie trat neben sie und lächelte in die Runde. „Ich nehme das Gleiche wie Haylie. Also die Garnelen. Und vielleicht einen Eistee?“

Kamekona nickte und machte sich an die Arbeit. „Kommt sofort.“

Danny nutzte die Gelegenheit. „Sie sind neu hier, oder? Ich meine, ich habe Sie hier noch nie gesehen. Und ich kenne jeden, der bei Kamekona isst. Das ist so eine Art – Berufskrankheit.“

Haylie sah ihn an und für einen Moment blitzte etwas wie Amüsement in ihren Augen auf. „Berufskrankheit? Sind Sie Polizist?“

„Detective“, korrigierte Danny und zeigte auf sein Hemd, das tatsächlich ein klein wenig nach Dienst aussah, wenn auch mit einem Fleck Garlic-Sauce am Kragen. „Detective Danny Williams. Und das da drüben ist Steve. Er redet nicht so viel, außer es geht um taktische Manöver oder darum, wie man in unter drei Sekunden eine Waffe zieht.“

Steve, der bisher geschwiegen hatte, nickte Haylie knapp zu. „Ma’am.“

Haylie erwiderte das Nicken. „Haylie. Und das ist Lily.“ Sie deutete auf ihre Tochter, die immer noch hinter ihr stand. „Und Elodie.“

Elodie winkte fröhlich. „Bonjour!“

Lily, die offenbar beschlossen hatte, dass die Männer nicht gefährlich waren, trat einen winzigen Schritt hervor und sah zu Steve auf. „Hast du eine Pistole?“, fragte sie mit ernster Miene.

Danny lachte laut auf. „Oh, das ist großartig. Steve, das Kind hat dich durchschaut.“

Steve kauerte sich auf Augenhöhe der Kleinen. „Ja, habe ich. Aber ich benutze sie nur, um böse Menschen aufzuhalten. Versprochen.“

Lily nickte, als wäre das eine völlig zufriedenstellende Antwort, und wandte sich dann wieder ihrem Shave Ice zu, der gerade fertig wurde.

Haylie sah Steve einen Moment lang an, als würde sie etwas in seinem Gesicht suchen. Dann sagte sie leise: „Danke.“

Steve stand wieder auf. „Wofür?“

„Dafür, dass Sie sie nicht angelogen haben.“ Haylie zuckte mit den Schultern und nahm die Shave Ice entgegen, die Kamekona ihr reichte. „Viele Erwachsene tun so, als gäbe es keine Waffen. Aber sie wird damit aufwachsen. Besser, sie weiß, dass es Menschen gibt, die sie benutzen, um andere zu beschützen.“

Danny hob eine Augenbraue. „Das ist eine ziemlich erwachsene Einstellung für eine Dreijährige.“

Haylie lächelte dünn. „Sie ist eine ziemlich erwachsene Dreijährige.“

Elodie gesellte sich zu ihnen, die Shave Ice für sich und Lily balancierend. „Wir setzen uns dort drüben an den Tisch, ja? Lily, kommst du?“

Lily nickte und lief zu Elodie, die ihr die Hand hinhielt. Haylie blieb noch einen Moment stehen und sah Steve an. „Danke für das Gespräch. Vielleicht sieht man sich mal wieder.“

„Vielleicht“, sagte Steve und beobachtete, wie sie sich abwandte und zu ihrer kleinen Gruppe ging.

Danny stupste ihn mit dem Ellenbogen an. „Was war das denn?“

„Was?“

„Na, das. Du hast mit einem Kind geredet. Und mit einer Frau. Und du hast nicht mal dein übliches ‚Ich bin Commander, ich habe keine Zeit für Small Talk‘-Gesicht gemacht.“

Steve sah ihm nach. Haylie saß jetzt am Tisch, Lily auf ihrem Schoß, Elodie daneben, und alle drei lachten über irgendetwas, das Lily gesagt hatte. „Sie ist interessant“, sagte er schließlich.

Danny grinste. „Interessant. Oh, das ist gut. Das ist sehr gut. Ich gebe dir drei Wochen, dann hast du ihren kompletten Lebenslauf herausgefunden.“

Steve schüttelte den Kopf, aber ein kleines Lächeln blieb. „Komm, wir haben noch Arbeit.“

„Arbeit. Klar. Arbeit.“ Danny folgte ihm zum Camaro, nicht ohne sich noch einmal zu dem Tisch umzudrehen, an dem die drei Neuankömmlinge saßen. „Aber ich sage dir eins, Steve: Diese Frau hat Geheimnisse. Und du bist der Letzte, der Geheimnisse in Ruhe lassen kann.“

Steve antwortete nicht. Aber als er in den Camaro stieg und den Motor startete, wanderte sein Blick noch einmal zu dem Tisch, an dem Haylie gerade Lily ein Stück Shave Ice fütterte. Dann legte er den Gang ein und fuhr los.