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Zufall oder nicht

Aloha ʻĀina — www.fanfiktion.de · All chapters

Zufall oder nicht

Der Fall steckte fest. Jerry hatte die Gesichtserkennung durchlaufen lassen, aber ohne Ergebnis – der Mann mit der Narbe war entweder nicht im System oder tot oder beides. Die Fotos aus Oregon und Washington hatten keine verwertbaren GPS-Daten. Und John Doe schlief im Krankenhaus, die Erinnerung an sein Leben hinter einer Mauer aus Amnesie verschlossen.

„Wir brauchen eine Pause“, sagte Danny, als sie ins Hauptquartier zurückkamen. „Ich meine es ernst, Steve. Wir drehen uns im Kreis. Du drehst dich im Kreis. Und wenn du dich im Kreis drehst, werde ich verrückt.“

Steve sah ihn an. „Du bist schon verrückt.“

„Das ist nicht der Punkt.“ Danny griff nach seinen Autoschlüsseln. „Wir fahren zu Kamekona. Wir essen etwas. Wir denken nach. Und dann sehen wir weiter.“

Steve wollte widersprechen, aber Chin, der am Tisch saß und die Fotos noch einmal durchging, hob den Kopf. „Er hat recht, Steve. Eine Stunde Pause macht uns nicht langsamer. Eher schneller.“

Steve seufzte. „Also gut. Eine Stunde.“

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Der Shrimp-Truck war um diese Uhrzeit gut besucht. Ein paar Touristen standen an der Theke, ein paar Einheimische saßen an den Tischen im Schatten der großen Bäume, und Kamekona selbst stand hinter dem Grill, die Arme verschränkt, als würde er die Welt regieren.

„Eh, Five-0!“, rief er, als Steve und Danny aus dem Camaro stiegen. „Ihr seht aus wie Männer, die eine Pause brauchen. Setzt euch. Ich bringe euch das Beste, was ich habe.“

Danny ließ sich auf einen der Stühle fallen und stöhnte. „Kamekona, du bist ein guter Mensch. Ein großartiger Mensch. Ich sage das nicht oft, aber ...“

„Du sagst es nie“, unterbrach Steve und setzte sich neben ihn.

„Ich sage es jetzt.“ Danny deutete auf Kamekona. „Du bist ein großartiger Mensch. Und ich werde dir das nie wieder sagen, also genieß es.“

Kamekona lachte und verschwand hinter dem Grill. Steve lehnte sich zurück und ließ den Blick über den Parkplatz wandern. Und dann sah er sie.

Ein kleines weißes Auto bog auf den Parkplatz ein und hielt ein paar Plätze entfernt. Haylie stieg aus, das Haar zu einem lockeren Zopf gebunden, eine Sonnenbrille auf der Nase. Sie öffnete die hintere Tür und hob Lily heraus, die heute ein gelbes Kleid trug und einen kleinen Rucksack auf dem Rücken hatte. Elodie folgte aus der Beifahrertür, ein Buch in der Hand.

„Oh nein“, sagte Danny und sah Steve an. „Das ist die Frau vom Strand. Die mit dem Kind. Und der Französin.“

„Ich sehe sie“, sagte Steve.

„Du siehst sie. Klar siehst du sie. Du siehst alles.“ Danny grinste. „Was für ein Zufall, dass sie genau hier auftaucht. Genau jetzt. Genau in dem Moment, in dem du eine Pause machst.“

„Danny.“

„Ich sage ja nur.“ Danny hob die Hände. „Ich sage nur, dass das ein sehr großer Zufall ist.“

Steve antwortete nicht. Er sah, wie Haylie sich umdrehte, den Parkplatz überblickte und ihn entdeckte. Sie blieb einen Moment stehen. Dann, als Lily an ihrer Hand zog und auf den Truck zeigte, setzte sie sich wieder in Bewegung.

„Mommy, da ist der Mann!“, hörte Steve Lily rufen. „Der mit der Pistole!“

Haylie sah in seine Richtung und nickte ihm knapp zu. Steve nickte zurück. Danny beobachtete die Szene mit einem Grinsen, das nicht verschwand.

„Der mit der Pistole“, wiederholte Danny. „Das ist dein neuer Spitzname. Ich werde das nie wieder vergessen.“

„Halt die Klappe.“

Haylie, Elodie und Lily erreichten die Theke. Kamekona begrüßte sie mit derselben herzlichen Art wie alle anderen, und Lily bestellte stolz einen Shave Ice mit Erdbeere. Elodie sah sich um und entdeckte Steve und Danny. Sie winkte fröhlich.

„Bonjour!“, rief sie. „Wir treffen uns wieder!“

Danny hob die Hand. „Bonjour, Mademoiselle. Setzen Sie sich doch zu uns.“

Elodie sah Haylie an. Haylie zögerte. Steve sah es – dieses kurze Innehalten, dieses Abwägen, ob sie sich darauf einlassen sollte oder nicht. Dann sagte Lily: „Mommy, ich will zu dem Mann.“

Haylie sah ihre Tochter an. Dann seufzte sie. „Also gut.“

Sie setzten sich an den Tisch, Haylie mit Lily auf dem Schoß, Elodie neben ihr. Danny rutschte ein Stück, um Platz zu machen, und Elodie setzte sich zwischen ihn und Steve.

„Sie sind also der berühmte Steve“, sagte Elodie und sah ihn an. „Haylie hat mir von Ihnen erzählt.“

„Nicht viel“, sagte Haylie schnell.

„Genug“, sagte Elodie und zwinkerte.

Kamekona brachte eine Platte mit Garnelen und vier Shave Ice – einen für Lily, einen für Haylie, einen für Elodie und einen für Danny, der protestierte, aber dann doch aß. Steve bekam keinen, weil er keinen wollte, aber Kamekona stellte ihm trotzdem einen hin.

„Du isst“, sagte Kamekona. „Keine Diskussion.“

Steve aß.

Lily, die inzwischen auf Haylies Schoß saß und ihren Shave Ice mit beiden Händen hielt, sah Steve neugierig an. „Bist du ein Held?“

Steve sah sie an. „Nein.“

„Doch“, sagte Lily. „Mommy sagt, du bist ein Held.“

Haylie wurde rot. „Lily.“

„Was? Du hast es gesagt.“

Danny lachte. „Oh, das ist großartig. Das ist wirklich großartig. Steve, du bist ein Held. Offiziell. Das Kind hat es bestätigt.“

Steve sah Haylie an. Sie sah ihn an. Und für einen Moment war da etwas in ihrem Blick, das er nicht deuten konnte. Dann wandte sie sich ab und half Lily, den tropfenden Shave Ice zu halten.

„Wie geht es Ihnen?“, fragte Steve leise, während Danny und Elodie sich über irgendetwas unterhielten – über Frankreich, über das Meer, über Gott und die Welt.

Haylie sah ihn an. „Gut. Warum?“

„Nur so.“

Sie sah ihn an, als wüsste sie, dass es nicht „nur so“ war. Aber sie sagte nichts. Sie sah Lily an, die mit ihrem Shave Ice kämpfte, und lächelte. „Sie ist glücklich heute.“

„Sie ist ein gutes Kind“, sagte Steve.

„Ja.“ Haylie sah ihn an. „Das habe ich Ihnen schon gesagt.“

„Ich weiß.“ Steve sah auf den Tisch. „Aber es stimmt immer noch.“

Haylie sagte nichts. Sie sah ihn an, und für einen Moment war da etwas in ihrem Blick, das Steve nicht deuten konnte. Dann sagte sie: „Sie sind nicht gut im Small Talk, oder?“

Steve sah sie an. „Nein.“

„Gut.“ Haylie lächelte. „Ich auch nicht.“

Sie saßen eine Weile so da, während die Sonne langsam tiefer sank und der Himmel sich rosa färbte. Lily wurde müde und kuschelte sich an Haylies Schulter. Elodie unterhielt sich mit Danny über französische Filme, und Danny tat so, als hätte er Ahnung, was er nicht hatte. Kamekona räumte die Theke auf und summte vor sich hin.

Und Steve McGarrett, der Mann, der nie eine Pause machte, saß da und tat nichts. Nur atmen. Nur zuhören. Nur den Moment genießen. Und er stellte fest, dass es sich gut anfühlte.

„Wir sollten gehen“, sagte Haylie schließlich, als Lily eingeschlafen war. „Sie muss ins Bett.“

Steve stand auf. „Ich helfe Ihnen.“

Haylie sah ihn an. „Ich brauche keine Hilfe.“

„Ich weiß“, sagte Steve. „Aber ich trage trotzdem die Tasche.“

Haylie sah ihn an. Dann seufzte sie. „Also gut.“

Sie gingen zum Auto. Steve trug die Wickeltasche – obwohl Lily längst keine Wickel mehr brauchte, war es die Tasche mit allem, was ein Kind so brauchte –, und Haylie trug Lily. Elodie folgte mit dem Buch, das sie die ganze Zeit gehalten hatte.

Am Auto angekommen, legte Haylie Lily in den Kindersitz und schnallte sie an. Lily murmelte etwas im Schlaf, drehte sich zur Seite und schlief weiter. Haylie schloss die Tür und sah Steve an.

„Danke“, sagte sie.

„Wofür?“

„Für das Tragen.“ Sie lächelte. „Und für das Nicht-Reden. Die meisten Menschen reden zu viel.“

Steve sah sie an. „Ich weiß.“

Haylie sah ihn an. Dann sagte sie: „Vielleicht sieht man sich wieder.“

„Vielleicht“, sagte Steve.

Sie stieg ein. Elodie winkte ihm zu, bevor sie auf der Beifahrerseite verschwand. Der Motor startete, und das kleine weiße Auto fuhr vom Parkplatz. Steve sah ihm nach, bis es hinter der Kurve verschwunden war.

Danny trat neben ihn. „Also. Das war… unerwartet.“

„Was?“

„Du. Hier. Mit ihr. Mit dem Kind.“ Danny sah ihn an. „Du hast gelächelt, Steve. Wirklich gelächelt. Nicht dieses ‚Ich bin Commander und ich habe alles unter Kontrolle‘-Lächeln. Ein echtes.“

Steve sah ihn an. „Und?“

„Und nichts.“ Danny zuckte mit den Schultern. „Ich sage nur, dass es schön ist. Dich so zu sehen.“

Steve sah in die Richtung, in die das Auto verschwunden war. Dann sagte er: „Komm. Wir haben Arbeit.“

„Arbeit“, wiederholte Danny. „Klar. Arbeit.“

Sie gingen zum Camaro. Aber Steve sah noch einmal zurück, in die Richtung, in die Haylie gefahren war. Und für einen Moment – nur für einen Moment – fragte er sich, ob er sie wiedersehen würde. Und ob er wollte, dass er es tat.