Das Schweigen des Körpers
Das Schweigen des Körpers
Das Summen des Bio-Betts war seit sechs Tagen das lauteste Geräusch in Kathryn Janeways Universum. Es vibrierte durch die Matratze, durch ihre Schulterblätter, bohrte sich in ihren Hinterkopf und erinnerte sie mit jeder Sekunde an das eigene Versagen ihrer Nervenbahnen.
Zuerst war da nur erstickende Schwärze und eine bleierne Stille gewesen – die Nachwirkungen einer verheerenden neuroelektrischen Entladung im Maschinenraum, die ihr zentrales Nervensystem wie einen überlasteten EPS-Verteiler durchgebrannt hatte. Das Sehen war vor zwei Tagen zurückgekehrt; verschwommen zunächst, dann in scharfen, unbarmherzigen Konturen. Das Gehör noch früher: das vertraute, dumpfe Grollen des Warpkerns, das Zischen der Quartiertür, das leise Klacken medizinischer Scanner.
Doch ihr Körper schwieg nach wie vor beharrlich. Unterhalb des Halses gehorchte ihr kein einziger Muskel. Sie war gefangen in ihrem eigenen Fleisch, unfähig, sich die störende Haarsträhne aus der Stirn zu wischen oder die schwere Decke zurückzuschlagen. Sie konnte Schmerz empfinden, Hitze, Kälte und die erdrückende Schwere ihrer reglosen Glieder – doch der Rückweg, der Befehl zur Bewegung, war gekappt.
Für Kathryn Janeway, eine Frau, deren gesamtes Dasein auf Entschlusskraft, Haltung und unerschütterlicher Kontrolle fußte, war dieser Zustand nicht bloß eine Verletzung. Es war eine Folter.
Ein vertrautes Zischen kündigte die Quartiertür an. Samantha Wildman trat ein, in den Händen ein silbernes Tablett mit einer Schale dampfender, künstlich angereicherter Brühe. Dicht hinter ihr folgte Chakotay. Seine Uniformjacke fehlte; die Ärmel seines dunklen Unterhemds hatte er bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Tiefe Schatten lagen unter seinen Augen, Spuren schlafloser Nächte zwischen Brückenschichten und Krankenzimmer, doch sein Blick war von jener tiefen, erdenden Ruhe, die Kathryn schon so oft vor dem Abgrund bewahrt hatte.
»Guten Morgen, Kathryn«, sagte er sanft und trat an die rechte Seite des Bettes. Seine Hand legte sich für einen Moment auf ihre Stirn, prüfend, warm.
Kathryn erwiderte den Gruß nicht. Sie starrte stur an die Deckenverkleidung. Jeder Zentimeter ihres Stolzes sträubte sich gegen das, was nun unweigerlich folgt