Verbündete im Casino
Verbündete im Casino
Die automatischen Schotts zum Casino glitten zischend auf, und das vertraute, warme Gemurmel von Besatzungsmitgliedern zur Abendzeit empfing Samantha und ihre Tochter. Der Duft von geröstetem Wurzelgemüse und exotischen Kräutern lag in der Luft.
Mitten im Raum, an einem der Tische nahe den Panoramafenstern, stand B'Elanna Torres. Neben ihr klammerte sich die kleine Miral mit beiden Händchen an die Stuhlkante, ihre Beinchen noch unsicher und wackelig auf dem Schiffsboden ausbalanciert, während sie mit ernster Miene versuchte, einen bunten Becher zu greifen.
»Hi!«, rief Naomi fröhlich, als sie die beiden erblickte, und steuerte schnurstracks auf den Tisch zu. Das Buch hielt sie dabei stolz unter den Arm geklemmt. »Hi, B'Elanna! Hi, Miral!«
B'Elanna blickte auf, und ihre oft so scharfen Züge entspannten sich merklich. »Hi, Naomi.« Sie fing die kleine Miral vorsichtig an den Schultern ab, als das Mädchen einen kleinen, tollpatschigen Ausfallschritt nach vorne machte. Dann wandte sich die Chefingenieurin an Samantha, die herangetreten war, und ihre Stimme verlor sofort die Leichtigkeit. »Und? Wie geht es ihr?«
»Sie wird gemeutert«, platzte Naomi heraus, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.
B'Elanna hob eine Augenbraue, während ihre klingonischen Stirnwülste sich skeptisch zusammenzogen. Ein trockenes, amüsiertes Schnauben entkam ihr. »Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Niemand meutert gegen Kathryn Janeway und überlebt das Frühstück.«
»Doch, irgendwie schon«, beharrte Naomi mit ernstem Nicken. »Aber sie verkraftet es momentan sehr gut. Sie hat sogar mit dem Commander verhandelt.«
Samantha lächelte sanft und legte ihrer Tochter eine Hand auf die Schulter. »Sie macht kleine Fortschritte, B'Elanna. Es ist ein harter Weg für sie, besonders für ihren Stolz, aber sie lässt die Hilfe inzwischen zu. Wir wollten uns und ihr natürlich gerade etwas Richtiges zu essen machen. Eine frische Tarvok-Suppe.«
Samantha hielt kurz inne, sah die kleine Miral an, die nun neugierig an Samanthas Hosenbein zupfte, und ihr fiel Kathryns schwaches Flüstern kurz vor dem Einschlafen wieder ein.
»Bevor ich es vergesse«, fügte Samantha mit einem weichen Ausdruck hinzu, »der Captain hat nicht nur Bücher für Naomi repliziert. In ihrem Schrank liegt auch etwas für Miral. Feste, bunte Bilderbände. Sie dachte an die Kleine, noch bevor der Unfall passierte.«
B'Elannas Augen weiteten sich überrascht, und für einen kurzen Augenblick blitzte tiefe Rührung in den Augen der sonst so zähen Ingenieurin auf. »Typisch Kathryn. Selbst wenn ihr eigenes Nervensystem streikt, kümmert sie sich um das Schiff.« Sie sah zu Samantha hinüber und schmunzelte matt. »Klingt aber trotzdem so, als könnte sie im Quartier etwas Verstärkung gebrauchen. Gegen Chakotay und seine Diplomatie.«
Naomi schüttelte lachend den Kopf. »Ach, Mom! Sie wird mit mir und dem Commander schon ganz alleine fertig.«
Miral, die das Gespräch aufmerksam verfolgt und den vertrauten Klang des Namens aufgeschnappt hatte, sah mit großen, glänzenden Augen zu ihrer Mutter auf. Sie patschte mit den kleinen Händen gegen B'Elannas Oberschenkel und wippte auf ihren wackeligen Beinchen auf und ab.
»Äthi?«, krähte das Mädchen mit heller Stimme, und ihre dunklen Knopfaugen leuchteten erwartungsvoll. »Äthi besuchen?«
Samantha lachte leise auf und kniete sich kurz zu der Kleinen hinab.
»Ich glaube, da will jemand ganz dringend den Captain besuchen«, sagte sie mit einem warmen Blick zu B'Elanna. »Dann lass uns schnell was kochen und uns für nach dem Essen verabreden. Danach könnt ihr beiden sehr gerne rüberkommen. Kathryn wird sich freuen, wenn jemand bei ihr ist, der ihr gegen den Commander und ihre Assistentin hilft.«
Samanthas Blick wurde einen Moment ernster, getragen von tiefem Respekt für die Grenzen, die Kathryn ihr und Chakotay vorhin unter Tränen anvertraut hatte. »Kommt bitte wirklich erst nach dem Essen. Kathryn kämpft noch sehr mit dem Ganzen. Sie erträgt es kaum, wenn man ihr zuschaut, während sie gefüttert werden muss. Wir halten den Kreis dabei so klein wie möglich.«
»Ja«, sagte B'Elanna mit einem schiefen, wissenden Lächeln. »Das verstehe ich voll und ganz. Niemand will ein Publikum, wenn er sich verwundbar fühlt. Wir geben euch alle Zeit der Welt. Sobald die Schalen abgeräumt sind, klopfen wir an.«
Ein schelmisches Funkeln trat in die Augen der Ingenieurin, als ihr ein Gedanke kam. Sie verlagerte Mirals Gewicht auf die Hüfte und beugte sich ein Stück vor.
»Aber weißt du was? Vielleicht kann ich ihr ja einige Berichte mitschmuggeln. Da kann die Assistentin des Captains ihr zwischenzeitlich etwas berichten und ein paar dicke Pluspunkte holen, wenn der Commander wieder auf der Brücke ist und Kathryn nicht bevormunden kann.«
»Ein geheimer Statusbericht!«, rief Naomi begeistert.
B'Elannas Grinsen wurde noch breiter. »Ich kombiniere es einfach mit deinen Hausaufgaben. So einfach wie möglich gehalten: Grundlagen der EPS-Verteilung und plasmadynamische Grundwerte. Du lernst praktische Sachen für deinen Unterricht – echte Schiffstechnik statt grauer Theorie –, und du kannst es dem Captain dann irgendwie verklickern. Natürlich erst, nachdem ich es korrigiert habe, damit die Daten Hand und Fuß haben.«
»Abgemacht«, lachte Samantha herzlich und schüttelte den Kopf über die beiden Verschwörerinnen. »Wenn Kathryn das Gefühl hat, sie hilft Naomi bei den Aufgaben, vergisst sie für ein paar Momente das Bio-Bett. Holt eure Sachen, und wir sehen uns nach dem Essen drüben.«