LNCrawler

zwischen Gleichungen und Gutenachtgeschichten

An Einem Strang — www.fanfiktion.de · All chapters

zwischen Gleichungen und Gutenachtgeschichten

Die anfängliche Aufregung im Quartier war einer konzentrierten, warmen Gemütlichkeit gewichen.

Auf dem Boden lehnte Tom mit dem Rücken an der Wand, die Beine ausgestreckt, während Miral zwischen seinen Knien saß. Mit unermüdlicher Faszination klappte die Kleine das gepolsterte Bilderbuch auf und zu, patschte auf die leuchtenden Shuttle-Abbildungen und gluckste leise, wenn ein Holo-Sternenschwarm über ihre winzigen Finger flimmerte. Tom fing ihren Kopf auf, wenn sie vor lauter Schwung nach hinten kippte, und flüsterte ihr geduldig die Namen der Schiffsteile ins Ohr, bis ihre Lider schwerer wurden.

Oben auf dem Bio-Bett hatte Naomi ihr PADD direkt in Kathryns Blickfeld platziert.

Kathryn lag aufrecht gestützt in den Kissen. Auch wenn ihr Körper noch weitgehend den Dienst versagte, war ihr Blick glasklar, wach und fokussiert. Sie ging die Aufgaben Zeile für Zeile durch, analysierte die von B’Elanna absichtlich eingestreuten Fehler in den EPS-Gitterdaten und diktierte Naomi mit leiser, rauer, aber unmissverständlicher Präzision die Korrekturen.

»Nicht die primäre Relaisleitung, Naomi«, erklärte Kathryn ruhig, während das Mädchen konzentriert mit der Eingabestift-Spitze über das Display glitt. »B’Elanna hat den Dämpfungswiderstand der Astrometrie zu niedrig angesetzt. Rechne den Leitungsfluss mit einem Faktor von Null-Komma-Vier-Drei um. Sonst brennt uns virtuell das halbe Deck ab.«

»Null-Komma-Vier-Drei …«, murmelte Naomi andächtig, tippte die Werte ein und strahlte über das ganze Gesicht, als die Bestätigungsanzeige auf dem PADD von Gelb auf Grün sprang. »Es passt! Die Plasmaströme sind stabil!«

B’Elanna, die schmunzelnd neben dem Bett stand, beugte sich vor, warf einen kurzen Blick auf das Ergebnis und nickte anerkennend.

»Nicht schlecht für einen Rekruten und einen bettlägerigen Captain«, kommentierte die Chefingenieurin trocken, doch der Respekt und die Erleichterung in ihrer Stimme waren unüberhörbar. Sie tippte Naomi sanft auf die Nase. »Ich würde sagen: Glatte Eins mit Sternchen. Morgen im Maschinenraum darfst du mir bei der echten Schaltung zusehen.«

Langsam forderte der späte Abend jedoch seinen Tribut. Mirals Bewegungen am Boden wurden träger, bis ihr Kopf schließlich gegen Toms Oberschenkel sank und sie friedlich einschlief, die kleinen Hände fest um den gepolsterten Buchdeckel geklammert.

B’Elanna trat leise an Tom heran, hob ihre schlafende Tochter behutsam auf den Arm und drückte sie an ihre Brust. Tom rappelte sich leise auf, strich Miral über die dunklen Locken und wandte sich zum Bett um.

»Wir bringen die kleine Kriegerin ins Bett, bevor sie im Schlaf noch den Warpkern entführt«, flüsterte Tom mit einem warmen Lächeln zu Kathryn. »Gute Besserung, Captain. Bis morgen.«

»Danke, Tom. B’Elanna«, erwiderte Kathryn mit einem leisen, dankbaren Nicken.

Nachdem sich das Schott hinter der Familie Paris geschlossen hatte, brachte Samantha Naomi ins Nebenzimmer, half ihr bettfertig zu werden und deckte sie zu. Das Mädchen war erschöpft, aber überglücklich über den gemeinsam gelösten Dienstauftrag und schlief fast auf der Stelle ein.

Als Samantha schließlich leise zurück ins Hauptquartier trat und sich auf den Stuhl gegenüber von Chakotay setzte, war es im Raum vollkommen still geworden. Die Bettdecke hob und senkte sich im ruhigen Takt von Kathryns Atem. Die Anstrengung der Rechenarbeit hatte ihre Spuren hinterlassen, doch auf ihren Zügen lag kein Schatten von Erschöpfung mehr – sondern jener tiefe, friedliche Ausdruck von Genugtuung, der ihr seit Wochen gefehlt hatte.