Ein Frühstück unter Freunden
Ein Frühstück unter Freunden
Eine knappe halbe Stunde später glitt die Quartiertür erneut auf. Chakotay trat ein, doch er war nicht allein. Hinter ihm folgten Tom und B'Elanna, und alle drei hatten die Hände voll. Sie trugen dampfende Schalen, frisch gebackene Brötchen, Kannen mit heißem Tee und Krüge voll exotischem Fruchtsaft aus der Messe herein.
»Momi!«, krähte Miral sofort los, die gerade frisch gewaschen und mit gekämmtem Wuschelkopf aus dem Bad getapst war.
Auf ihren kurzen, wackeligen Beinchen setzte sie sich schwankend in Bewegung und steuerte schnurstracks auf ihre Eltern zu. B'Elanna stellte ihr Tablett geschwind auf dem niedrigen Tisch ab, ging in die Hocke und fing ihre Tochter mit offenen Armen ab, bevor sie stolpern konnte.
Miral vergrub das Gesicht kurz an B'Elannas Hals, richtete sich dann kerzengerade auf und verkündete mit ernster, kleiner Schnute: »War geschummelt Erster!«
B'Elanna zog überrascht die klingonischen Stirnwülste hoch, lachte leise auf und warf Samantha einen fragenden Blick zu. »Geschummelt Erster? Was hast du denn da ausgeheckt, Samantha?«
Samantha, die gerade mit einem sauberen Handtuch aus dem Bad hinterhergekommen war, schüttelte schmunzelnd den Kopf. »Kathryn war zuerst wach. Aber Miral war eben als Erste mit dem Badezimmer fertig. Und als ich sie dorthin getragen habe, fand sie wohl, dass wir uns ganz dreist vorgedrängelt haben.«
Tom prustete los, während er das restliche Geschirr abstellte. »Eine echte Torres. Sobald jemand schneller am Ziel ist, riecht sie sofort Verrat und schmutzige Tricks.«
Vom Bett her erklang ein leises, heiseres Schnauben. Kathryn lag gestützt in ihren Kissen, die Augen klar und voller feinem Spott.
»Kein Betrug … B'Elanna«, hauchte sie leise hinüber. »Nur ein geordneter … taktischer Rückzug … zugunsten des jüngsten Crewmitglieds.«
B'Elanna grinste breit, drückte Miral einen festen Kuss auf die Schläfe und setzte die Kleine auf einen Stuhl am Tisch. »Seht ihr? Der Captain hat es autorisiert. Also alles absolut vorschriftsmäßig.«
Chakotay nahm eine der Schalen – eine fein pürierte, warme Getreidemischung mit einem Hauch von Fruchtsüße – und trat an Kathryns Seite. Sein Blick fragte stumm nach ihrer Erlaubnis, ohne Drängen, getragen von dem stillen Pakt des Vorabends.
Kathryn hielt seinem Blick für einen Moment stand, ehe sie den Kopf ganz leicht gegen das Kissen neigte.
»Später … Chakotay«, flüsterte sie leise, mit jenem heiseren, aber unmissverständlichen Nachdruck, den er so gut an ihr kannte. Ihre Augen wanderten hinüber zu dem niedrigen Tisch, wo Naomi sich gerade ein Brötchen nahm, Miral eifrig mit einem Löffel klapperte und Tom und B'Elanna lachend den Saft verteilten. »Esst erst ihr alle. Ich möchte … diesen Moment nicht unterbrechen.«
Chakotay verstand sofort. Es war nicht mehr der bittere Trotz vom Vortag, sondern der Wunsch, den Trubel einfach nur als Beobachterin aufzusaugen, ohne dass sich die Aufmerksamkeit aller im Raum sofort wieder auf ihre Unbeholfenheit richtete. Sie wollte das Lachen hören, den Duft genießen und das Gefühl haben, Teil eines normalen Morgens zu sein, bevor die Prozedur des Fütterns begann.
»In Ordnung«, sagte er ruhig, stellte die warme Schale auf die kleine Warmhalteplatte am Beistelltisch und nickte ihr mit vollem Respekt zu. »Sobald die Meute satt ist und zur Schicht aufbricht, gehört die Küche uns.«
Ein Schatten von Erleichterung huschte über ihre Züge, und sie entspannte sich ein Stück tiefer in die Kissen.
Drüben am Tisch herrschte bereits reges Leben: Miral versuchte mit vollem Körpereinsatz, ihr Obst in die Hand zu bekommen, während Tom ihr scherzhaft die Grundlagen klingonischer Tischmanieren erklärte und Naomi eifrig davon berichtete, wie Ronja Räubertochter die Rumpelwichte überlistet hatte.
Kathryn lauschte schweigend, die Augen wach und klar. Ihr Körper gehorchte ihr noch immer nicht, doch der nagende Frust schwieg. Für diesen Augenblick genügte es ihr vollkommen, mitten unter ihnen zu sein und die Wärme dieses Morgens einfach nur wirken zu lassen.