Bittere Bissen
Bittere Bissen
»Wir müssen Sie zuerst umlagern, Captain«, sagte Samantha mit jener behutsamen, professionellen Fürsorge, die Kathryns Inneres wie Schmirgelpapier aufritzte. »Die linke Schulter braucht Entlastung. Es wird nur einen Moment dauern.«
Chakotay nickte knapp über das Bett hinweg. »Eins, zwei, drei.«
Kathryn biss die Zähne so fest aufeinander, dass ihr Kieferknochen schmerzte. Sie hasste diese Sekunden mehr als alles andere. Sie hasste das Gefühl, wie Chakotays starke Hände unter ihren Rücken und ihre Schultern griffen, während Samantha ihre Hüfte und die leblosen Beine stützte. Sie hasste es, wie ihr Kopf kraftlos nach hinten kippte, bis Chakotay ihn vorsichtig abfing und auf das zurechtgerückte Kissen bettete. Sie war kein Frachtcontainer auf Deck 8. Sie war der kommandierende Offizier dieses Schiffes.
Ein heiseres, gepresstes Geräusch brach aus ihrer Kehle. »Lass … lasst es einfach.«
Chakotay hielt inne, noch über sie gebeugt. »Kathryn, wenn wir die Druckstellen nicht entlasten, riskieren wir Gewebeschäden. Der Doktor war da unmissverständlich.«
»Ich will nicht … dass ihr das tut«, flüsterte sie. Die Worte schnitten rau durch die Stille, voller ohnmächtiger Wut. Tränen der reinen Scham brannten in ihren Augenwinkeln, und sie verfluchte sich selbst dafür. »Samantha … geh zu deiner Tochter. Chakotay, dein Platz ist auf der Brücke. Lasst eine Schwester kommen. Oder schaltet ein medizinisches Hologramm ein.«
Samantha trat näher an das Kopfende, nahm ein Tuch und tupfte mit unendlicher Vorsicht den Schweiß von Kathryns Schläfe. »Naomi schläft fest, Captain. Und niemand von uns wird Sie einem anonymen Programm überlassen. Sie haben uns monatelang durch die dunkelsten Ecken dieses Quadranten getragen. Jetzt dürfen Sie uns auch einmal tragen lassen.«
»Das ist nicht … dasselbe«, presste Janeway hervor.
»Für uns schon«, entgegnete Chakotay leise, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete.
Er setzte sich auf die Bettkante und nahm die Schale von Samantha entgegen. Samantha stützte Kathryns Nacken mit einem zweiten Kissen etwas höher ab, damit sie schlucken konnte. Chakotay füllte einen Löffel mit der Nährbrühe, pustete sachte darüber und führte ihn an ihre Lippen.
Kathryn presste den Mund zusammen. Ihr Blick funkelte vor Zorn und Demütigung. Vor Tagen noch hatte sie taktische Gefechte geleitet – und nun saß ihr Erster Offizier da und fütterte sie löffelweise wie einen Säugling.
»Kathryn«, sagte Chakotay ruhig, den Löffel geduldig haltend. »Sieh mich an.«
Widerstrebend wandten sich ihre Augen ihm zu.
»Du brauchst diese Energie. Der Doktor sieht messbare Aktivität in deinen motorischen Bereichen. Dein Körper versucht, Brücken zu bauen, aber dafür braucht er Brennstoff. Du verlangst von jedem Crewmitglied Disziplin. Ich verlange jetzt dieselbe Disziplin von dir. Öffne den Mund.«
Ein Zittern ging durch ihr Kinn. Schließlich gab sie nach, unfähig, seinem Blick standzuhalten, und öffnete die Lippen.
Der Brei schmeckte neutral, doch für Kathryn war es der Geschmack purer Hilflosigkeit. Nach dem vierten Löffel wandte sie den Kopf ab, so weit ihr steifer Nacken es zuließ. Die Bewegung war winzig, kaum mehr als ein Rucken gegen das Kissen, doch die Botschaft war unmissverständlich.
Chakotay setzte den Löffel ab. Die Keramik klirrte scharf auf dem Tablett.
Samantha trat heran, nahm das Geschirr mit einer ruhigen Bewegung an sich und ging hinüber zur Wandnische, um es in die Replikatoröffnung zum Recycling zu stellen.