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Ein Versprechen und eine alte Legende

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Ein Versprechen und eine alte Legende

Chakotay und Samantha traten wieder an den Tisch und setzten sich zu den anderen, um ihr Frühstück zu beenden. Die anfängliche Schwere war einer ruhigen, aufgeräumten Heiterkeit gewichen. Naomi biss genüsslich in ihr Brötchen, Miral klatschte vergnügt in die Hände, während Tom und B'Elanna die letzten Details der Schichteinteilung besprachen.

Erst als alle Schalen geleert, die Krüge verstaut und der niedrige Tisch wieder blitzblank abgedeckt war, erhoben sich Tom und B'Elanna.

»Komm, kleine Kriegerin«, sagte Tom sanft, hob Miral hoch und setzte sie auf seine Schultern. Die Kleine hielt sich fest an seinen Haaren fest und krähte vergnügt.

»Wir sehen uns später, Captain«, verabschiedete sich B'Elanna mit einem respektvollen Nicken in Richtung des Bettes, ehe sie Samantha und Naomi anlächelte. »Und denk an die Hausaufgaben, Naomi.«

»Mache ich!«, versprach Naomi mit feierlichem Ernst.

Als das Zischen der Quartiertür verklungen war und wieder jene geschützte, friedliche Stille den Raum erfüllte, nickten sich Samantha und Chakotay kurz zu. Es war Zeit für den nächsten Schritt.

Samantha ging hinüber zum Replikator, holte Kathryns Schale mit dem warmen, nahrhaften Getreidebrei von der Warmhalteplatte und trat an das Bio-Bett heran. Behutsam setzte sie sich auf die Bettkante.

»Captain«, flüsterte Samantha mit sanfter, melodischer Stimme und legte eine Hand sacht auf Kathryns Schulter. »Kathryn, wachen Sie auf. Es gibt Frühstück.«

Kathryns Wimpern flatterten. Langsam hoben sich die Lider. Für den Bruchteil einer Sekunde suchte ihr Blick orientierungslos durch das Halbdunkel, doch als sie Samanthas ruhiges Gesicht erkannte, entspannten sich ihre Züge augenblicklich. Der Raum war leer – kein Publikum, keine Zeugen ihrer Hilflosigkeit. Nur die beiden Menschen, denen sie ihr ganzes Vertrauen geschenkt hatte.

Samantha richtete das Kissen mit geübter Hand etwas auf, stützte ihren Nacken und füllte den ersten Löffel. »Es ist noch schön warm. Und frisch gemacht.«

Kathryn leistete keinen Widerstand mehr. Kein Zorn flackerte in ihren Augen auf, kein bitteres Abwenden. Sie öffnete gehorsam die Lippen und ließ sich von Samantha das Essen anreichen. Löffel für Löffel schluckte sie die warme Mahlzeit hinunter, dankbar für die Ruhe und die vertraute Fürsorge, die keinen Raum für falsche Scham ließ.

Im Bad machte sich Chakotay derweil fertig für die Schicht. Er strich die Ärmel seines dunkelgrauen Dienstshirts glatt, ordnete seine Rangabzeichen an der Jacke und schloss den Reißverschluss. Seine Bewegungen waren ruhig, bedacht, getragen von den Worten, die er vorhin mit Samantha gewechselt hatte.

Erst als Samantha den letzten Löffel angereicht, die Schale zur Seite gestellt und Kathryns Mundwinkel behutsam mit einem weichen Tuch gesäubert hatte, trat Chakotay an das Bett.

Samantha erhob sich leise von der Kante, warf ihm ein aufmunterndes Lächeln zu und ging hinüber zu Naomi, um mit ihr die Schulunterlagen zu sichten.

Chakotay ließ sich auf den Stuhl neben Kathryns Kissen sinken. Er nahm ihre schlaffe, kühle Hand in seine beiden warmen Hände und strich mit dem Daumen sanft über ihren Handrücken. Kathryn sah ihn an – ihre Augen waren noch müde, aber die fiebrige Unruhe des Morgens war verschwunden.

Chakotay schwieg einen Moment, fing ihren fragenden Blick auf und schenkte ihr ein leises, unergründliches Lächeln.

»Kannst du dich an unsere Legende erinnern?«, fragte Chakotay leise.

Kathryn sah ihn an, und in ihren Augen flackerte ein leises, wehmütiges Wiedererkennen auf. Trotz der bleiernen Schwere in ihren Zügen schlich sich ein schwaches, wissendes Lächeln um ihre Lippen. Die Gedanken trugen sie unwillkürlich zurück: das Knistern des Kaminfeuers, der Geruch von frischem Kiefernholz, der Sturm, der an die Wände der Hütte gepeitscht war – und die erzwungene Isolation auf jenem einsamen Planeten, in der sie beide gelernt hatten, wer sie ohne ihre Ränge waren.

»New Earth …«, flüsterte sie mit heiserer Stimme, die Augenbrauen mühsam um einen Millimeter gehoben. Ihr Blick suchte den seinen, forschend, unendlich verletzlich. »Ging es in der Legende am Ende nicht darum … dass der Mann schwor, alles zu tun, um die Kriegerin zu beschützen? Dass er alles tun würde, damit sie weiterleben kann?«

Chakotay hielt inne. Ein warmes, ertapptes Schmunzeln glitt über sein Gesicht, und er senkte für den Bruchteil einer Sekunde den Kopf, ehe er sie wieder mit voller, ungeschminkter Ehrlichkeit ansah.

»Ja«, gab er leise zu. »Genau darum ging es.«

Kathryns Atem ging zittrig. Die Erinnerung an jene Wochen war mit einem Mal so greifbar nah, als läge die fremde Erde noch unter ihren Stiefeln. Damals hatte er für sie gesorgt, hatte ihr Essen zubereitet, Holz gespalten und sie vor den Gefahren der Wildnis abgeschirmt. Und heute saß er wieder an ihrem Bett – während sie nicht einmal den Kopf heben konnte.

»Du hattest mir versprochen … immer an meiner Seite zu sein«, hauchte sie leise in das Kissen.

Chakotay beugte sich ein Stück näher heran. Seine Daumen strichen sacht über ihre kühlen Fingerknöchel, wärmend und mit unerschütterlicher Beständigkeit.

»Und das werde ich weiterhin«, sagte Chakotay mit jener tiefen, tragenden Festigkeit, die keinen Zweifel zuließ. Er hielt ihren Blick fest, und ein feines, fast schelmisches Funkeln trat in seine dunklen Augen. »Du wirst mich so schnell nicht los, Kathryn. Auch wenn du es unbedingt willst, dass ich mit Samantha zusammen bin.«

Ein heiseres, leises Geräusch entkam ihrer Kehle – halb Schnauben, halb ein echtes, befreites Lachen, das in ihrer Brust vibrierte.

Drüben am Tisch hob Samantha den Kopf von Naomis PADDs, fing Chakotays amüsierten Blick auf und schenkte beiden ein feines, wissendes Lächeln, ehe sie sich wieder ganz den Berechnungen ihrer Tochter widmete. Es gab keine Verlegenheit mehr im Raum, kein Misstrauen.

Kathryn schloss für einen langen Atemzug die Augen. Unter seiner warmen Handfläche spürte sie den festen Druck seiner Finger – ein Versprechen aus einer fernen Sturmnacht auf einem vergessenen Planeten, das auch hier, im kalten Dämmerlicht des Delta-Quadranten, noch unverrückbar standhielt.