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zwei Herzschläge mehr

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zwei Herzschläge mehr

Die Stimme des Captains war nur noch ein leises, melodisches Flüstern im dämmrigen Wohnbereich. Auf Kathryns Schoß war Mirals kleiner Körper vollkommen erschlafft. Der Daumen steckte im Mund, die dunklen Wimpern ruhten dicht auf den Wangen, und das bunt bebilderte Shuttle-Buch lag halb aufgeschlagen zwischen ihnen. Kathryn hielt das Kind mit einer behutsamen Selbstverständlichkeit im Arm, ihre Finger strichen sanft und gleichmäßig über Mirals Rücken.

B’Elanna lehnte sich an den Tischrand, verschränkte die Arme und beobachtete die Szene mit einem seltenen, weichen Ausdruck in den sonst so kämpferischen Zügen.

»Ich sollte sie einfach immer hierlassen«, sagte B’Elanna schmunzelnd und schüttelte den Kopf. »Bei uns zu Hause braucht es drei Ingenieure und einen halben Warpkernbruch, um sie ins Bett zu kriegen.«

Chakotay löste sich aus der Runde, trat leise an den langen Tisch heran und setzte sich auf den freien Stuhl direkt neben Kathryn. Er musterte das schlafende Mädchen und sah dann zu Kathryn hinüber, deren Blick ganz warm und versonnen auf dem kleinen Gesicht ruhte.

»Du kannst gut mit Kindern, Kathryn«, bemerkte er leise.

Kathryn hob den Blick nicht sofort. Sie lächelte feinsinnig, doch in ihrer Stimme schwang ein Hauch alter, ungelebter Träume mit.

»Ich wünschte, ich hätte selbst welche«, gab sie leise zu. Sie neigte den Kopf ein Stück zur Seite, während ihre Hand ruhig auf Mirals Decke liegen blieb. »Sie erden einen. Sie entspannen mich einfach.«

Chakotays Mundwinkel zuckten verräterisch, und ein vertrautes Blitzen trat in seine Augen. »Ach, wirklich? Sogar mehr als die talaxianischen Tomaten auf New Earth?«

Ein echtes, leises Janeway-Lachen huschte über ihre Lippen. Sie warf ihm einen amüsierten Seitenblick zu. »Nichts auf dieser Welt schlägt meine Tomatenzucht, Chakotay. Aber Miral kommt dem schon verdammt nah.«

Samantha, die bisher still mit einem PADD in den Händen am Tresen gestanden hatte, trat mit ruhigen Schritten an den Tisch. Sie strahlte eine tiefe, fast ehrfürchtige Ruhe aus.

»Bevor wir es vergessen, Captain …«, begann Samantha mit sanfter, belegter Stimme. Sie trat heran, reichte Kathryn das aktivierte PADD und setzte sich ihr direkt gegenüber.

Kathryn nahm das Gerät mit einer Hand entgegen, während ihr anderer Arm weiterhin Miral schützte. Ihr Blick glitt auf das Display – und fror ein.

Auf dem medizinischen Scan leuchteten zwei winzige, silbrig-weiße Punkte, eingebettet in pulsierende Biosignaturen. Es war unverkennbar: zwei winzige Embryos, deren Herztöne bereits als sanfte Kurven über den Bildschirm wanderten.

Kathryns Atem stockte. Ihre Finger zitterten kaum merklich, als sie ganz vorsichtig mit der Kuppe ihres Zeigefingers über das kalte Glas strich, genau über die beiden kleinen Lichtpunkte. Für die Außenwelt schien sie vollkommen entrückt zu sein. Jahr um Jahr der Pflicht, das Versagen eigener Pläne, die endlose Leere des Delta-Quadranten – all das löste sich in diesem winzigen Bild auf. Sie war in Gedanken meilenweit fort, verloren zwischen tiefer Rührung, Ehrfurcht und dem wundersamen Wunder des Lebens mitten auf diesem Schiff.

Tom und B’Elanna sahen verwundert von Samantha zu Chakotay und dann zu Kathryns starrer Silhouette.

»Was ist denn da los?«, fragte Tom leise und runzelte fragend die Stirn. »Steht da ein Borg-Kubus im Bericht?«

»Geben wir ihr noch einige Minuten«, sagte Samantha sanft, ohne den Blick von Kathryn abzuwenden.

B’Elannas klingonische Intuition und ihr messerscharfer Verstand brauchten jedoch nur einen weiteren Blick auf Samanthas glückliche Züge und Chakotays stolze Haltung. Ihre Augen weiteten sich, ein breites, wissendes Lächeln trat auf ihr Gesicht, und sie nickte Samantha mit ehrlicher, herzlicher Wärme zu.

B’Elanna stieß Tom mit dem Ellenbogen an, drehte sich dann zu Chakotay um und grinste von einem Ohr zum anderen.

»Chakotay«, stellte B’Elanna mit unverhohlenem Triumph in der Stimme fest: »Du hast es tatsächlich geschafft, den Captain sprachlos zu machen.«

Kathryn hob den Blick kaum vom Display, als lauschte sie immer noch dem fernen Echo zweier winziger Lebenszeichen. Ihre Finger lagen ganz still auf dem warmen Glas des PADDs.

»Wann?«, fragte sie leise, und in ihrer sonst so befehlsgewohnten Stimme schwang ein fast scheues Staunen mit.

Chakotay legte seine Hand ruhig auf ihre Schulter und drückte sie sanft. »Ziemlich dicht an deinem Geburtstag«, sagte er mit einem Blick voller Wärme und Zuversicht.

Naomi, die bisher still über ihren Heften gesessen hatte, legte den Stift beiseite und lächelte von einem Ohr zum anderen. Ihre Augen blitzten vor kindlicher Vorfreude.

Kathryn bemerkte den stolzen Ausdruck des Mädchens sofort. Sie sah von Samantha zu Naomi und zog eine Augenbraue hoch, während ein leiser, feiner Schalk ihre Fassungslosigkeit ablöste.

»Ihr wusstet das«, stellte sie fest.

»Ähm …«, druckste B’Elanna verlegen herum.

Kathryn hob den Kopf und sah die Runde mit gespielter Entrüstung an, während ein feines Glitzern in ihren Augen die strenge Miene verriet. »Sie wussten es vor mir?«

Tom hob sofort abwehrend beide Hände und schüttelte heftig den Kopf.

»Halt, Moment mal, Captain! Beziehen Sie mich da bitte nicht mit ein«, beeilte er sich klarzustellen, während seine Wangen leicht rot anliefen. »Ich wusste bis vor exakt zwei Minuten überhaupt nichts davon! Ich dachte wirklich, es ginge um irgendeine Borg-Flotte oder eine Raumanomalie.«

Er warf seiner Frau einen vielsagenden, gespielten Vorwurfsvoll-Blick zu.

B’Elanna zuckte mit den Schultern und verdrehte amüsiert die Augen. »Glaubst du im Ernst, ich binde dir so etwas auf die Nase, Tom? Du hättest es doch vor lauter Stolz schon auf halbem Weg zur Brücke im Turbolift ausgeplaudert.«

Sie wandte sich wieder an Kathryn, ihre Züge wurden weicher und ein wenig verlegen.

»Ganz ehrlich, Kathryn … ich habe es auch nur erahnt«, gestand B’Elanna leise ein. »Als ich die Pläne für den Schlafraum gesehen habe, dachte ich mir meinen Teil. Und Samantha sah in den letzten Tagen in den Jefferies-Röhren einfach viel zu friedlich aus. Aber sicher war ich mir bis eben absolut nicht. Erst als ich ihr Gesicht gesehen habe, hat es Klick gemacht.«

Kathryns Blick glitt jedoch sofort wieder hinüber zu Naomi, deren Grinsen noch breiter geworden war.

»Ich durfte nichts verraten«, verteidigte sich Naomi sofort mit wichtiger, ernster Miene und verschränkte die Hände auf ihrer aufgeräumten Tischhälfte. »Es war ein streng geheimes Familienkommando. Bis heute Abend.«

Samantha lachte leise auf und strich Naomi liebevoll über das Haar. Sie lehnte sich über den Tisch, legte ihre Hand auf Kathryns freie Finger und sah sie mit unendlicher Zärtlichkeit an.

»Niemand sollte es vor Ihnen erfahren, Kathryn«, flüsterte Samantha ehrlich. »Aber B’Elanna hat Ohren in den Schotts, und Naomi … nun ja, Naomi hat ihren eigenen Geheimdienst an Bord. Aber dieser Moment hier – der gehörte nur uns. Wir wollten Ihnen das schönste Geschenk machen, das wir uns vorstellen konnten.«

Kathryn sah von Samanthas strahlendem Gesicht zu Chakotay, dann zu Naomi, die stolz wie eine Festung auf ihrem Stuhl thronte, und schließlich hinab auf das leise schlafende Bündel in ihren Armen. Die letzte Spur gespielter Strenge schmolz endgültig dahin, weggespült von einer tiefen, warmen Rührung, die ihr die Kehle zuschnürte.

Ein heiseres, befreites Schnauben entwich ihr, und sie strich noch einmal über das Bild der beiden winzigen Punkte auf dem PADD.

»Na schön«, lenkte Kathryn ein, während ein warmes Lächeln über ihre Lippen glitt und ihr ganzes Gesicht erhellte. »Dann entgeht das Führungsteam der Voyager heute knapp einem Disziplinarverfahren wegen unterlassener Berichterstattung.« Sie schüttelte leise den Kopf und blickte auf die beiden Herztöne. »Zwillinge. Ich schätze, mein langer Schreibtisch wird bald noch ein ganzes Stück voller werden.«

»Das würdest du nicht tun«, sagte Chakotay mit einem tiefen, warmen Schmunzeln und sah sie fest an. »Dafür bist du viel zu froh, dass dieses Schiff voller Leben ist.«

Kathryn tat so, als müsse sie diese Feststellung ernsthaft prüfen, doch das verräterische Funkeln in ihren Augen war nicht zu übersehen.

»Reizen Sie mein Pflichtbewusstsein nicht aus, Commander«, erwiderte sie trocken, doch als ihre Hand wieder sanft über Mirals schlafenden Rücken strich, verriet jede ihrer Gesten das Gegenteil. »Zwei neue Crewmitglieder bedeuten mindestens ein Dutzend Nachträge in den Quartiersbelegungen und eine gründliche Revision der Replikatorkontingente für die Decks zwei und drei.«

»Und genau deshalb«, schaltete sich Samantha mit leiser Heiterkeit ein, während sie die Hand auf Kathryns Fingern liegen ließ, »haben Sie uns. Wir übernehmen die Organisation – und Sie behalten den Überblick.«

Tom lachte leise auf und schüttelte amüsiert den Kopf. »Ein Captain mit zwei Babys im Nebenzimmer, Naomi als Navigatorin und Miral als taktischer Entertrupp. Die Borg können einpacken.«

»Ganz sicher«, stimmte Naomi mit leuchtenden Augen zu und rückte ihre Schulhefte noch ein Stück weiter auf ihre Tischhälfte. »Ich helfe Mama und Kathryn dann beim Vorlesen.«

Kathryn sah von einem zum anderen, ließ den Blick über den langen Tisch schweifen und spürte, wie eine vollkommene, friedliche Ruhe sie erfüllte. Sie senkte noch einmal die Augen auf das Display mit den beiden winzigen Herztönen.

»Nein, Chakotay«, gab sie schließlich leise zu, und ihre Stimme klang belegter, als sie zugeben wollte. »Das würde ich tatsächlich nicht tun.«