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In unserer Mitte

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In unserer Mitte

Die Stille auf der Krankenstation wog schwer, doch sie war nicht mehr bedrückend. Sie trug nun die Wärme von Wahrheiten, die viel zu lange ungesagt geblieben waren.

»Wie kommst du überhaupt auf die Idee, dich so ins Abseits zu packen?«, fragte Chakotay mit rauer, von Schmerz und Zuneigung erfüllter Stimme. Seine Hände hielten ihre kühlen Finger fest umschlossen. »Erklär es uns, Kathryn. Wie kannst du glauben, dass wir das jemals zulassen würden?«

Kathryn sah ihn mit vor Schreck geweiteten Augen an. Ihr Blick flackerte nervös zwischen Chakotay, Samantha und dem PADD hin und her, auf dem ihr geheimer Briefwechsel mit der Erde lag. Sie schluckte mühsam gegen den Kloß in ihrer Kehle an, doch ihre Stimme versagte fast vollständig.

»Ich … ich …«, stotterte sie heiser, während ihr die Tränen nun unaufhaltsam über die Schläfen rannen. »Ich … dachte nur …«

Sie wandte beschämt das Gesicht ab, unfähig, die grenzenlose Offenheit in seinen Augen zu ertragen.

»Ich … ich bin nicht mehr … die, die ich war«, brachte sie abgehackt hervor, während ihre Brust bebte. »Ich bin … so oft schwach. Samantha trägt die Kinder aus … Naomi wächst auf … du trägst das ganze Schiff, Chakotay … und ich … ich kann manchmal nicht einmal aufstehen. Ich wollte euch … nicht im Weg stehen. Ich wollte nur … dass ihr alles habt. Eine Zukunft. Platz. Ohne … ohne eine Kranke im Wohnzimmer …«

Samantha beugte sich vor, legte behutsam ihre Finger an Kathryns Kinn und drehte ihr Gesicht sanft, aber bestimmt wieder zu sich und Chakotay zurück. Mit den Fingerspitzen strich sie die zitternden Tränen fort. Ihre Stimme war voller Mitgefühl, getragen von einer Festigkeit, die keinen Widerspruch duldete.

»Du hast dich monatelang Schritt für Schritt zurück ins Leben gekämpft, Kathryn«, sagte Samantha mit feuchten Augen, sah sie aber direkt und unerschütterlich an. »Du hast Abgründe überstanden, an denen fast jeder andere zerbrochen wäre. Glaubst du im Ernst, dieser kleine Vorfall gestern Nachmittag hindert uns daran, dich in unser Herz zu lassen? Glaubst du wirklich, so etwas ändert irgendetwas an dem, was wir für dich empfinden?«

Kathryn schluckte schwer. Ihre Lippen bebten, doch sie brachte kein Wort hervor.

»Wir lieben dich genau so, wie du bist«, fuhr Samantha fort und legte ihre Hand sanft über Chakotays und Kathryns ineinander verschlungene Finger. »Mit deinen Stärken und mit den Momenten, in denen dir die Kraft ausgeht. Aber wenn du mehr Freiheiten möchtest, Kathryn – wenn du wieder mitentscheiden, planen und deinen Verstand fordern willst –, dann musst du endlich eine Sache akzeptieren: Du gehörst in unsere Mitte. Nicht an den Rand, nicht auf die Krankenstation und erst recht nicht in irgendein kleines Dachzimmer. In unsere Mitte. Bedingungslos.«

Kathryn blinzelte durch den Tränenschleier, vollkommen entwaffnet von der Entschiedenheit der jüngeren Frau. Hilfesuchend wandte sie den Kopf zur anderen Seite des Bio-Betts und sah Chakotay an – mit jenem leisen, verletzlichen Blick, der nach Halt suchte, aber auch das alte, vertraute Funkeln in sich trug.

Chakotays Mundwinkel zuckten. Ein tiefes, warmes Glucksen entwich seiner Kehle, und in seinen dunklen Augen blitzte der typische, sanfte Schalk auf, den sie so unendlich an ihm liebte.

Er beugte sich ein Stück vor, drückte ihre Hand und nickte mit feinem Lächeln in Samanthas Richtung.

»Glaub mir, Kathryn«, sagte er leise und schmunzelte, »sie hat Erfahrung mit Naomi. Und sie ist fast so stur wie du selbst.«

Er warf Samantha einen amüsierten, liebevollen Seitenblick zu, ehe er Kathryn wieder mit unerschütterlicher Zärtlichkeit ansah und leise die Schultern hob.

»Ich kann dir da nicht helfen.«

Kathryns Lippen formten ein mattes, befreites Lächeln, und für einen flüchtigen Moment schien die ganze Schwere von ihr abzufallen. Doch die Ruhe hielt nicht lange.