An einem Strang
An einem Strang
Ein schwerer Atemzug hob Kathryns Brust. Als sie die Lider wieder hob, war der Zorn verflogen, ersetzt durch eine verletzliche, fast flehende Schärfe.
»Ich … ich werde euch die Entscheidungen der Versorgung und dem Medizinischen geben«, brachte sie mühsam hervor. »Ihr beide. Nur ihr.«
Chakotay runzelte besorgt die Stirn. »Kathryn, du sollst—«
Weiter kam er nicht.
»Wenn ich das schon über mich ergehen lassen muss«, schnitt sie ihm heiser das Wort ab, »dann wird es so laufen! Ich gebe euch die Vollmacht. Ihr entscheidet, was der Doktor tut. Welche Therapien laufen, wie gelagert wird. Aber wenn ich diese Kontrolle abgebe … dann nur an euch zwei. Niemand sonst bestimmt über meinen Körper.«
Ihr Blick glitt fahrig von Chakotays ernstem Gesicht hinüber zu Samantha, die nun langsam vom Replikator herantrat. In Kathryns Augen flackerte eine letzte, quälende Verunsicherung auf.
»Zieht ihr beide eigentlich an einem Strang? Oder … ist überhaupt noch irgendjemand auf meiner Seite?«
Die Frage war so nackt, so voller Angst vor dem Alleinsein im eigenen Körper, dass Samantha unwillkürlich die Kehle zuschnürte. Sie trat sofort an das Kopfende, legte sanft eine Hand auf die Decke neben Kathryns Schulter und sah sie mit unerschütterlicher Zuneigung an.
»Wir sind auf Ihrer Seite, Captain. Von der ersten Sekunde an«, sagte Samantha mit weicher, fester Stimme. »Wir möchten Ihnen doch nur helfen.«
Chakotay drückte Kathryns leblose Hand fester zwischen seinen Handflächen. Sein Blick hielt ihren fest.
»Und deswegen ziehen wir an einem Strang«, sagte er leise. »Samantha und ich. Mit dir, nicht gegen dich. Damit du so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommst.«
Samantha sah hinüber zu Chakotay. In ihren Augen spiegelte sich genau jene stumme Entschlossenheit wider, die auch in seinen lag.
»Wir werden es dir so angenehm wie möglich machen«, sagte Samantha und schaute Chakotay an – ein stilles, tiefes Versprechen zwischen den beiden, diese Last gemeinsam für ihren Captain zu tragen.
Kathryn hielt die Lider geschlossen. Das vertraute Brummen der Instrumente schien sanfter zu werden. Zum ersten Mal seit sechs Tagen kämpfte sie nicht mehr an gegen das Bett, gegen die Scham, gegen die eigene Schwäche. Es war kein Aufgeben; es war das bedingungslose Vertrauen in die zwei Menschen, die Wache an ihrer Seite hielten.
»Wir belassen es aber nur bei euch«, flüsterte sie leise, fast wie ein Nachgedanke. »Niemand sonst … Ich kann das nicht. Ich …«
»Nur wir«, versprach Chakotay sanft. »Du hast mein Wort.«