Heiß und schwarz
Heiß und schwarz
Als die Zischtür ihres Quartiers hinter ihnen zuglitt, empfing sie die vertraute, warme Atmosphäre eines Zuhauses, das Kathryn in den vergangenen Tagen so verzweifelt hatte meiden wollen. Der Esstisch war bereits sorgfältig eingedeckt: Servietten lagen akkurat neben den Tellern, Schüsseln mit frischem Obst standen bereit, und Naomi wartete mit kerzengeradem Rücken daneben, als stünde der Empfang eines hochrangigen Ehrengastes bevor.
Chakotay und Samantha führten Kathryn behutsam zum Tisch. Kathryns Beine fühlten sich noch immer bleischwer an, und die Nachwirkungen des Sedativums sowie die emotionale Erschöpfung saßen tief in ihren Knochen. Dankbar ließ sie sich auf ihren gewohnten Platz sinken, während Chakotay eine stützende Hand an ihrer Schulter behielt, bis sie vollkommen stabil saß.
Kaum hatte sie Platz genommen, trat Naomi mit ernster, fast feierlicher Miene an ihre Seite. Mit beiden Händen balancierte das Mädchen vorsichtig eine dampfende Keramiktasse, von der der unverkennbare, kräftige Duft von frisch zubereitetem Röstkaffee aufstieg.
Ohne ein Wort der Belehrung oder des Vorwurfs stellte Naomi die Tasse behutsam genau vor Kathryn ab.
»Heiß und schwarz, Captain«, sagte Naomi mit ruhiger Stimme, und ihre klugen Augen verrieten eine feine Reife, die weit über ihr Alter hinausging. »Genau so, wie Sie ihn brauchen.«
Kathryn starrte für einen Moment auf die dunkle Flüssigkeit, in der sich das Deckenlicht brach. Ihre Finger, die noch immer ein verräterisches, feines Zittern verrieten, schlossen sich langsam um die heiße Tasse. Die aufsteigende Wärme sickerte tief in ihre kalten Handflächen, und ein schwerer Kloß bildete sich in ihrer Kehle.
Chakotay hielt in der Bewegung inne, als er sich gerade auf den Stuhl neben Kathryn setzen wollte. Seine Augenbrauen zuckten nach oben, und er warf Samantha einen fragenden Blick zu – immerhin hatte der Doktor erst vor einer Stunde ausdrücklich Ruhe, Schonung und vor allem ein striktes Koffeinverbot angemahnt. Doch Samantha begegnete seinem Blick mit einem nachsichtigen Lächeln und schüttelte unmerklich den Kopf. Manche Heilmittel standen in keinem Sternenflottenprotokoll.
Kathryn hob langsam den Kopf und sah das Mädchen an. Ihre Lippen zitterten leicht, ehe sich ein mattes, unendlich dankbares Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete.
»Danke, Naomi«, brachte sie mit belegter, rauer Stimme hervor. »Du hast keine Ahnung, wie gut das tut.«
»Doch, habe ich«, erwiderte Naomi schlicht, zog den Stuhl ihr gegenüber zurück und setzte sich.
Kathryn senkte den Blick wieder auf den schwarzen Kaffee und atmete tief ein. Die Scham saß noch immer tief in ihr, doch Naomis direkte, unbefangene Art nahm der Situation die drückende Schwere.
»Es tut mir leid wegen gestern, Naomi«, sagte Kathryn leise und sah das Mädchen offen an. »Wirklich. Es war nicht fair, dir so eine Angst zu machen.«
Naomi blickte sie einen Moment lang schweigend an, ihre Stirn leicht gekräuselt. Dann nickte sie ernst.
»Sie haben mich ganz schön erschreckt«, gestand Naomi offen. »Ich dachte … ich dachte, Sie kommen vielleicht gar nicht mehr zurück.«
Ein Stich traf Kathryn mitten in die Brust. Sie schluckte schwer gegen den Kloß in ihrer Kehle an und legte eine Hand kurz flach auf den Tisch.
»Ich werde versuchen, nicht wieder zu viel zu arbeiten«, versprach Kathryn mit Nachdruck. »Ich passe besser auf mich auf. Das schwöre ich dir.«
Naomi hob das Kinn, und ihre Züge glätteten sich zu jenem pragmatischen, pflichtbewussten Ausdruck, den Kathryn nur allzu gut kannte.
»Das müssen Sie auch nicht ganz allein tun«, erklärte Naomi sachlich und verschränkte die Finger auf der Tischplatte. »Ich bin nämlich offiziell beauftragt worden, darauf zu achten, dass Sie Ihre Pausen hier im Quartier machen – genau dann, wenn Mom und Chakotay Dienst haben und nicht da sind.«
Kathryn blickte reihum in die Gesichter am Tisch – von Naomis entschlossener Miene zu Samanthas sanftem Lächeln und schließlich zu Chakotays unerschütterlichem Blick. Sie schüttelte langsam den Kopf, halb fassungslos, halb überwältigt von einer Welle tiefer Erleichterung.
»Ihr habt tatsächlich die gesamte Crew auf eurer Seite«, stellte sie mit leiser, belegter Stimme fest.
Chakotay lehnte sich ein Stück zurück, griff nach seiner Kaffeetasse und sah sie mit jenem ruhigen, wissenden Schmunzeln an, das sie seit Jahren begleitete.
»Nicht auf unserer Seite, Kathryn«, erwiderte er sanft, aber mit absolutem Nachdruck. »Auf deiner. Jeder Einzelne an Bord weiß, was du für dieses Schiff getan hast. Jetzt ist das Schiff eben da, um etwas für dich zu tun.«
Samantha griff über den Tisch und legte ihre Hand wärmend auf Kathryns Unterarm. »Du hast uns jahrelang beschützt, Kathryn. Jetzt musst du uns einfach erlauben, dasselbe für dich zu tun. Widerstand ist in diesem Fall tatsächlich zwecklos.«
Kathryn stieß ein leises, heiseres Schnauben aus, doch in ihren Augen glänzten Tränen, die sie dieses Mal nicht hastig wegblinzelte. Sie nahm einen vorsichtigen Schluck von dem heißen, bitteren Kaffee, spürte, wie die Wärme sich in ihrer Brust ausbreitete, und sah Naomi an.
»Also gut, Crewman Wildman«, sagte Kathryn mit dem Anflug ihres alten Kapitäns-Tonfalls, auch wenn ihre Stimme zitterte. »Dann nehme ich an, mein Tagesplan unterliegt ab sofort Ihrer strengen Aufsicht?«
Naomi strahlte über das ganze Gesicht, nickte feierlich und griff nach dem Brotkorb. »Ganz genau, Captain. Und Schritt eins lautet: Sie essen jetzt erst einmal Ihre Waffeln.«