Aufgaben und Anker
Aufgaben und Anker
Die Anspannung, die die Krankenstation noch wie eine schwere Glocke erfüllt hatte, begann sich im Quartier langsam in Luft aufzulösen. Das gemeinsame Frühstück hatte Kathryn sichtlich gutgetan; die warme Mahlzeit und der heiße, bittere Kaffee hatten die Kälte vertrieben, die das Sedativum und die mentale Erschöpfung in ihren Knochen hinterlassen hatten.
Als Chakotay und Samantha begannen, das Geschirr zusammenzutragen und den Tisch abzuräumen, nutzte Naomi sofort die Gunst der Stunde. Sie huschte hinüber zu ihrer Tasche, kramte mit geübten Griffen darin herum und kehrte mit einem beachtlichen Stapel Datenblöcke zurück.
Mit einem leisen, fast erwachsenen Seufzen ließ sie sich wieder auf den Stuhl direkt neben Kathryn sinken. Sie sortierte die PADDs mit gewohnter Akkuratesse, schob das oberste demonstrativ ein Stück nach vorne und stützte die Ellbogen auf die Tischplatte.
»Chakotay hat mir ganz schön viele Aufgaben gegeben«, bemerkte sie mit einem vorwurfsvollen Seitenblick in Richtung des Küchenbereichs, wo ihr Lehrer gerade Teller in die Entmaterialisierungseinheit stellte. »Besonders in stellarer Kartografie und theoretischer Physik. Er behauptet, das schult das strategische Denken.«
Kathryn, die ihre Tasse noch immer mit beiden Händen umschlossen hielt, zog eine Augenbraue hoch und warf Chakotay einen skeptischen Kapitänsblick zu.
Chakotay drehte sich um, ein Küchentuch lässig über der Schulter, hob unschuldig die Hände und lächelte sanft.
»Man kann nie früh genug damit anfangen«, erwiderte er ungerührt, während Samantha leise kicherte und ihm die letzten Kaffeetassen reichte. »Außerdem hat Crewman Wildman schließlich das Privileg, die fähigste Wissenschaftlerin der Sternenflotte direkt neben sich sitzen zu haben. Es wäre eine Schande, diese Ressource ungenutzt zu lassen.«
Ein feines, unwillkürliches Schmunzeln stahl sich auf Kathryns Lippen. Sie durchschaute den Plan sofort – Chakotay hatte Naomi diese Lektionen keineswegs zufällig für den heutigen Vormittag aufgetragen. Es war eine Einladung. Eine subtile, liebevolle Methode, um Kathryns rastlosen Verstand sanft zu beschäftigen, ohne sie mit Kommandofunktionen zu überfordern, und sie fest im Hier und Jetzt zu verankern.
Kathryn schob ihre leere Tasse beiseite, zog das PADD zu sich heran und beugte sich zu Naomi herab.
»Na schön«, murmelte sie, und ihre Stimme klang bereits wieder deutlich wärmer und fester als noch vor einer Stunde. »Dann wollen wir doch mal sehen, wo dein Tutor es diesmal übertrieben hat. Zeig her.«
Chakotay trat noch einmal leise von hinten an den Tisch heran. Er stellte behutsam eine frische, dampfende Tasse direkt neben Kathryns PADD ab und legte für einen Augenblick eine warme Hand auf ihre Schulter.
»Für heute Morgen ist das aber die letzte«, sagte er sanft und sah sie mit einer Mischung aus Fürsorge und unnachgiebigem Ernst an. »Mehr lässt mein Gewissen – und die Vereinbarung mit dem Doktor – absolut nicht zu.«
Kathryn blickte auf die Tasse, dann zu ihm auf. Sie nickte ergeben, doch in ihren Augen funkelte ein dankbares Lächeln. »Abgemacht, Commander.«
Kathryn hielt kurz inne, blickte von der frischen Kaffeetasse auf und fing seinen Blick ein. Ein feines, leicht spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen, auch wenn ihre Augen noch von der Erschöpfung gezeichnet waren.
»Chakotay«, sagte sie leise, während sie die Finger um das warme Porzellan legte. »Ich würde mich wirklich freuen, wenn es bei einem Fähnrich, einem Schulkind und einem Kindergartenkind bleibt, die hier an Bord über mir stehen.«
Chakotay lachte leise auf, strich ihr noch einmal kurz über den Nacken und schüttelte schmunzelnd den Kopf.
»Keine Sorge, Captain«, erwiderte er mit sanftem Spott. »Wir wollten die Kommandokette schließlich nicht völlig auf den Kopf stellen. Drei zähe Frauen reichen vollkommen aus, um Sie im Zaum zu halten.«