Verstärkung auf Deck Drei
Verstärkung auf Deck Drei
Als der Türsummer erneut anschlug, war der Tisch vor Kathryns Sessel bereits in eine improvisierte Kommandozentrale verwandelt worden. Miral saß mit hochroten Wangen auf den Knien, in der einen Hand einen kleinen Löffel balancierend, während die Schale mit Neelix’ püriertem Früchtemix gefährlich nah an der Kante schwankte. Die ersten bunten Spritzer zierten bereits eine Serviette und Kathryns Ärmel.
»Herein«, sagte Kathryn mit belegter Stimme, während sie behutsam versuchte, Mirals Eifer mit einer Handbreit Abstand zu bändigen.
Die Schotten glitten zischend auf, und Crewman Tal Celes trat zögerlich über die Schwelle. Unter dem Arm trug die junge Bajoranerin zwei Datenpads, in der Hand balancierte sie ein zusätzliches Tuch. Für einen Moment wirkte sie unsicher, ihre Nase kräuselte sich leicht in typischer bajoranischer Manier, als sie die Szene erfasste – den blassen, erschöpften Captain im Sessel und den kleinen Wirbelwind, der gerade Anstalten machte, das Quartier neu zu dekorieren.
»Captain«, begann Celes mit respektvollem, aber warmem Tonfall. »Lieutenant Wildman schickt mich. Ich … ich soll nach Ihnen sehen und Ihnen ein paar Unterlagen bringen.«
Ihr Blick glitt sofort zu Mirals Löffel, der gerade bedrohlich in Richtung des Teppichs ausholte. Ohne ein weiteres Wort trat Celes rasch heran, legte die PADDs auf dem Beistelltisch ab und ging mit erstaunlich geschickter Entschlossenheit vor dem Sessel in die Knie.
»Erlauben Sie mir, Captain«, sagte Celes sanft. Sie wandte sich mit einem gewinnenden Lächeln an das Mädchen. »Hallo, kleine Kriegerin. Weißt du, echte Klingonen essen ihr Fruchtpüree direkt aus der Schale – nicht vom Teppich.«
Miral hielt mitten in der Bewegung inne, musterte die bajoranische Falte auf Celes’ Nasenrücken mit neugierig geweiteten Augen und gluckste leise. Celes nutzte den Moment der Faszination, hob die Kleine mit geübter Vorsicht von Kathryns Schoß und setzte sie auf ein Kissen am niedrigen Tisch, während sie die Schale festhielt und ihr das Tuch umband.
Kathryn atmete tief und unendlich erleichtert aus. Die Last auf ihren Beinen war verschwunden, und ihre noch immer leicht zitternden Finger sanken kraftlos in die Armlehnen.
»Danke, Celes«, brachte Kathryn heiser hervor. Ein schwaches, dankbares Lächeln stahl sich auf ihre Züge. »Ich fürchte, meine diplomatischen Fähigkeiten waren gerade an ihre Grenzen gestoßen.«
»Gern geschehen, Ma’am«, erwiderte Celes leise, während sie geschickt verhinderte, dass ein weiterer Löffel Brei über die Tischkante schwappte. Mit der freien Hand reichte sie Kathryn eines der schmaleren PADDs. »Das hier kommt von Samantha und Commander Chakotay. Nur die wöchentlichen Biosensoren-Kalibrierungen von Deck Elf und die Bestandslisten der hydrophonischen Gärten. Völlig unkritisch. Sie haben alle Zeit der Welt dafür.«
Kathryn nahm das Datenpad entgegen. Das matte Display blendete nicht, die Zahlenkolonnen waren simpel und erforderten keine quälenden Entscheidungen, die über das Schicksal des Schiffs entschieden. Es war eine Aufgabe – greifbar, beruhigend und genau die richtige Dosis Normalität, um die Leere in ihrem Kopf zu vertreiben.
Während Celes mit bewundernswerter Geduld dafür sorgte, dass Mirals Mahlzeit im Magen des Kindes und nicht an den Wänden des Quartiers landete, lehnte sich Kathryn zurück. Sie nahm den Löffel mit der dampfenden Brühe zur Hand, die Neelix gebracht hatte. Zum ersten Mal seit Tagen aß sie in vollkommener Ruhe – getragen von dem Wissen, dass ihre Crew sie nicht nur stützte, sondern ihr genau den Raum schenkte, den sie zum Heilen brauchte.