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Der Funke im Schrank

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Der Funke im Schrank

Und genau in diesem Moment, während Kathryns Atem ruhiger wurde, geschah es.

Unter Chakotays Handfläche, die ihre Finger noch immer schützend hielt, gab es eine winzige, kaum merkliche Regung. Ein zarter Impuls. Ein einzelner Muskelstrang in ihrem Zeigefinger zog sich zusammen – nicht mehr als ein Bruchteil eines Millimeters, ein winziges Zucken gegen seine Haut.

Chakotay hielt den Atem an. Er sah nicht hinunter, sondern blickte Kathryn tief in die müden Augen. Ein leises, unbändiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

»Siehst du?«, murmelte er. »Du wartest nicht nur. Du kämpfst schon wieder.«

Kathryn atmete tief und zittrig aus. Die Erschöpfung zog sie mit aller Macht nach unten in den Schlaf, doch ihre Lippen bewegten sich noch einmal, mühsam und abgehackt.

»Naomi …«, hauchte sie schwach in das Kissen.

Samantha beugte sich verwundert ein Stück vor. »Captain?«

»Sie wollte … Bücher haben«, flüsterte Kathryn mit dem allerletzten Rest ihrer Kraft. Ein winziger, melancholischer Hauch eines Lächelns huschte über ihre Mundwinkel. »Ich habe so einige … repliziert. Für Miral auch …«

Samantha hielt inne, eine Woge aus Rührung erfasste sie. »Selbst jetzt denken Sie daran?«

»Im Schrank …«, hauchte Kathryn, während ihre Lider endgültig zufielen. »Damit sie nicht … alles auf einmal verschlingen.«

Dann entspannten sich ihre Gesichtszüge vollkommen. Kathryns Atem wurde tief, regelmäßig und ruhig. Sie schlief – nicht mehr betäubt von Schock und Frustration, sondern geborgen in der Obhut ihrer Freunde.

Samantha schluckte schwer gegen die Tränen an und schüttelte ungläubig den Kopf. »Sie liegt hier, kann sich nicht rühren, und sorgt sich um Lesestoff für Naomi und um die kleine Miral, die gerade erst gelernt hat, auf ihren wackeligen Beinen durch die Gänge zu tapsen.«

Chakotay erhob sich leise, ging zum Wandschrank und öffnete behutsam die Tür. Dort drinnen lagen ordentlich aufgereiht mehrere PADDs für Naomi und dick gepolsterte, robuste Bilderbände mit weichen Kanten für Mirals ungeschickte Kinderhände.

Er schloss die Tür geräuschlos, wandte sich um und blickte auf Kathryn hinab, deren Gesicht im warmen Halbdunkel des Quartiers zum ersten Mal seit Tagen friedlich wirkte.

»Das ist Kathryn«, sagte er leise zu Samantha. »Genau deshalb ziehen wir an einem Strang. Und genau deshalb bringen wir sie wieder zurück auf ihre Brücke.«