Im Schein des Abends
Im Schein des Abends
Die Aufregung des Abends ebbte langsam ab und machte einer tiefen, friedlichen Ruhe Platz. Miral war mitten im Satz über das Bullerbü-Kätzchen der Kopf zur Seite gesunken. Nun lag die kleine Kriegerin selig schlummernd auf den weichen Kissen des Sofas, die Fäustchen fest an die Wangen gepresst.
Kathryn war vorsichtig aufgestanden, um das schlafende Mädchen nicht zu wecken, und hatte sich erschöpft, aber mit einem leisen Lächeln in ihren Ohrensessel zurückgezogen. Am Tisch hatte Naomi derweil mit unerbittlicher Logik das Rätsel um die verschwundene Taschenuhr gelöst, stolz das Buch zugeklappt und sich mit einem gähnenden »Gute Nacht, Captain« auf leisen Sohlen hinüber in ihren Schlafbereich verabschiedet.
Die Gespräche am Tisch waren verstummt. Chakotay erhob sich leise, trat hinüber zu Kathryns Sessel und ließ sich auf dem niedrigen Hocker neben ihr nieder.
Kathryn wirkte unendlich müde, doch der quälende Schatten der vergangenen Wochen war aus ihren Zügen gewichen. Als sie zu ihm aufblickte, lag darin nur noch eine stille, grenzenlose Vertrautheit. Kraftlos hob sie die Hand, legte ihre Fingerspitzen sanft an seine Wange und zeichnete mit langsamen, zarten Bewegungen die vertrauten Linien seines Tattoos nach. Jeder Schwung, jede Kante war ihr so vertraut wie die Sterne am Firmament. Ihre Hand glitt tiefer, fand seinen Handrücken und blieb dort kraftlos liegen.
Chakotay schloss seine Finger behutsam um die ihren und hielt sie fest.
»Du hast heute viel geschafft, Kathryn«, flüsterte er so leise, dass die Worte fast im sanften Rauschen der Lebenserhaltung untergingen.
Kathryn antwortete nicht mehr mit Worten. Ein hauchzartes Lächeln glitt über ihre Lippen, ihre Lider fielen endgültig zu, und mit einem tiefen, befreiten Atemzug glitt sie in den Schlaf.
Vom Türrahmen aus beobachtete Samantha die Szene. Sie lehnte an der Wand, die Hand ganz unbewusst auf ihrem Bauch ruhend, unter dem das neue Leben zweier Kinder heranwuchs. Auf ihren Lippen lag ein warmes, verständnisvolles Lächeln – frei von jedem Zweifel, getragen von tiefem Respekt für das unzerreißbare Band zwischen den beiden.
Hinter ihr traten Tom und B’Elanna vorsichtig an das Sofa heran. Mit geübten, lautlosen Handgriffen hob Tom seine schlafende Tochter behutsam in die Arme. Miral murmelte im Halbschlaf ein kaum verständliches »...miau...«, kuschelte das Gesichtchen in seine Halsbeuge und schlief tief weiter.
B’Elanna nickte Samantha und Chakotay mit einem warmen Blick zu, hob stumm die Hand zum Abschied und folgte Tom hinaus in den Korridor. Die Quartiertüren schlossen sich hinter der kleinen Familie mit einem kaum hörbaren Zischen.
Chakotay blieb noch einen langen Moment reglos sitzen, lauschte Kathryns ruhigen Atemzügen und strich ein letztes Mal sanft über ihre Hand, bevor er sie behutsam auf die Decke legte. Er zog den weichen Stoff noch ein Stück höher an ihre Schulter, damit die Kälte der Nacht sie nicht erreichte.
Als er aufstand, trat er zu Samantha herüber, die ihn mit sanftem Blick empfing. Er legte sachte einen Arm um sie, küsste sie auf die Schläfe, und gemeinsam verließen sie auf leisen Sohlen den Raum, um hinüber in ihren eigenen Schlafbereich zu gehen