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Die eiligen Geschenke

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Die eiligen Geschenke

Der Abend vor Kathryns Geburtstag verlief in einer seltenen, fast andächtigen Behaglichkeit. Sie saßen alle beisammen im Quartier, umgeben vom gedämpften Licht und dem leisen Summen des Schiffs. Naomi kauerte auf dem Boden, den Rücken an einen Sessel gelehnt, und war völlig in ihr Buch vertieft. Tom und B’Elanna war an diesem Abend ein regelrechtes Kunststück gelungen: Miral war nach einem langen Tag voller Erkundungen bereits früh auf dem Sofa eingeschlafen, die Wangen rosig und das Gesicht tief in eine Decke vergraben. Zum ersten Mal seit Tagen musste Kathryn keine Gutenachtgeschichte vorlesen.

Es war ihr recht. Kathryn hatte es in den letzten Tagen geschafft, ihre Schichten auf der Brücke fast bis zum regulären Ende durchzustehen. Doch der Preis war eine bleierne Erschöpfung, die schwer auf ihren Gliedern lag. Mit einem matten, aber zufriedenen Lächeln verabschiedete sie sich früh in ihren Schlafbereich, kroch unter die weiche Decke und glitt sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Kurz vor Mitternacht jedoch nahm das Schicksal eine plötzliche, dramatische Wendung.

Ein scharfer Schmerz ließ Samantha im Nebenzimmer aufatmen. Sie weckte Chakotay mit einem Griff an die Schulter, und die Blicke, die sie tauschten, brauchten keine Worte. Die Zwillinge hatten keine Lust mehr zu warten. Auf leisen Sohlen, um niemanden aufzuwecken, machten sich die beiden auf den Weg zur Krankenstation.

Dort übernahm der Doktor mit gewohnter Präzision das Kommando. Es ging alles viel schneller, als irgendjemand berechnet hatte – die beiden Kleinen hatten es ungemein eilig, das Licht der Welt zu erblicken.

Genau mit dem Datumswechsel, exakt an Kathryns Geburtstag, hallten zwei kräftige Schreie durch die Krankenstation. Martha Gretchen und Jonas Edward waren geboren – gesund, munter und mit erstaunlich kräftigen Lungen gesegnet.

Noch bevor die künstliche Morgendämmerung über die Decks der Voyager flutete und Kathryn erwachte, waren die vier bereits wieder zurück in ihrem Quartier.

Im Wohnbereich herrschte am frühen Morgen ein emsiges, flüsterndes Treiben. Naomi deckte fleißig und mit äußerster Sorgfalt den Tisch für ein Geburtstagsfrühstück. Kurz darauf standen auch schon Tom und B’Elanna leise in der Tür, um zu helfen, und blieben augenblicklich andächtig vor der breiten Doppelwiege stehen. Die beiden Neugeborenen lagen eng aneinandergekuschelt, in weiche Decken gehüllt. Samantha saß entspannt, wenn auch gezeichnet von den Strapazen der Nacht, auf der Couch – die Wiege stand direkt in ihrer Reichweite, und ein strahlendes, stilles Glück lag auf ihrem Gesicht.

Miral, die schon seit einer Stunde wach war und das ganze Spektakel mit riesigen Augen beobachtet hatte, witterte eine wichtige Mission. Niemand hielt sie auf, als sie sich auf leisen Sohlen auf den Weg in Kathryns Schlafbereich machte.

Mit einem Ruck glitten die Schotten auf.

»Äthi! Äthi! Baby da!«, plapperte das kleine Mädchen mit überschlagender Stimme drauflos, stürmte an das Bett und kletterte mit erstaunlicher Kletterkunst schwungvoll über die Kante. »Äthi! Baby!«

Kathryn rührte sich schlaftrunken, zog die Decke etwas hoch und stieß ein tiefes Seufzen aus, bevor sie die Augen blinzelte.

»Miral … du bist aber munter«, murmelte sie mit heiserer Stimme und fuhr sich über die Stirn. Doch Mirals Worte drangen nur langsam durch den Morgennebel in ihrem Kopf.

Bevor Kathryn die Lage ganz begreifen konnte, öffneten sich die Schotten vollständig.

Naomi trat feierlich ein, balancierte einen kleinen, wunderschön verzierten Kuchen mit einer leuchtenden Kerze in den Händen, dicht gefolgt von Chakotay, Samantha, Tom und B’Elanna.

»Alles Gute zum Geburtstag, Captain!«, ertönte ein leiser, herzlicher Chor.

Kathryn setzte sich überrascht auf, strich sich die Haare aus der Stirn und wollte gerade ansetzen, um sich zu bedanken – doch dann blieb ihr Blick an Samantha hängen.

Kathryn blinzelte irritiert. Samantha trug keine Umstandstunika mehr. Sie wirkte mit einem Mal vollkommen schlanker, stand leicht erschöpft, aber aufrecht da, und ihr Blick war voller Schalk und Zärtlichkeit.

Kathryns Augen weiteten sich fassungslos. Sie sah von Samantha zu Chakotay und wieder zurück.

»Wann?«, brachte sie schließlich heiser hervor, während das Verstehen sie wie eine Welle überrollte. »Wann ist das passiert?!«

»Pünktlich zu deinem Geburtstag«, sagte Samantha mit einem warmen Lächeln, in dem der ganze Stolz einer frischgebackenen Mutter mitschwang.

Kathryn starrte sie mit offenem Mund an, während Miral auf ihrer Bettdecke herumhüpfte und unablässig »Baby! Baby!« krähte.

Chakotay trat einen Schritt vor, ein unbändiges, sanftes Grinsen auf den Lippen, und griff nach Samanthas Hand. »Die beiden hatten es ziemlich eilig. Kurz vor Mitternacht ging es los, und der Doktor hatte kaum Zeit, seine Handschuhe anzuziehen. Sie wollten unbedingt an deinem Tag auf die Welt kommen, Kathryn.«

»Und sie sind gesund? Beiden geht es gut?«, fragte Kathryn hastig, jede Spur von Schlaftrunkenheit mit einem Schlag verflogen.

»Kerngesund und lautstark«, bestätigte Samantha lachend und deutete mit dem Kopf in Richtung des Wohnbereichs. »Sie schlafen gerade selig drüben in der Wiege. Martha Gretchen und Jonas Edward.«

Kathryn hielt für einen Herzschlag den Atem an. Ihr Blick wanderte zwischen den beiden hin und her, und ein seltenes, tiefes Leuchten trat in ihre Augen, als sie die Namen hörte – eine so unverkennbare, berührende Ehrerbietung an ihre eigene Familie. Tränen der Rührung stiegen ihr in die Augen, doch sie lächelte durch sie hindurch.

»Martha und Jonas …«, flüsterte sie leise, während ihre Stimme vor Bewegung vibrierte. Sie schüttelte ungläubig den Kopf. »Ihr seid verrückt. Das ist … das ist das schönste Geschenk, das ihr mir je hättet machen können.«

»Und der Kuchen ist von mir und Neelix!«, schaltete sich Naomi stolz dazwischen, streckte die Hände mit dem Teller vorsichtig ein Stück höher und strahlte über das ganze Gesicht. »Pust die Kerze aus, Captain, bevor das Wachs auf die Glasur tropft!«

»Lasst für mich und Naomi aber ein Stück Kuchen übrig!«, rief Kathryn mit gespielter Strenge hinterher, während sie die Bettdecke beiseiteschlug und die Füße auf den warmen Boden setzte.

»Keine Sorge, Captain!«, erwiderte Tom lachend aus dem Wohnbereich, während Miral auf seinem Arm zappelte und gierig nach dem Kuchenteller schielte. »Ich halte die kleine Klingonin auf Distanz, bis die Chefin ihren gerechten Anteil gesichert hat.«

Naomi, die den Kuchen gerade vorsichtig auf dem gedeckten Tisch abstellte, blickte mit ernster Miene über die Schulter zurück zu Kathryn.

»Ich passe persönlich auf die zwei größten Stücke auf, Captain«, versicherte sie mit dem feierlichen Ernst einer Chefassistentin. »Dienstliche Priorität Eins.«

Kathryn zog den Morgenmantel etwas enger um sich und setzte sich an den reich gedeckten Tisch. Ihr Blick wanderte über den dampfenden Tee, den bunt verzierten Kuchen und blieb schließlich an der Wiege hängen, aus der ein leises, zufriedenes Glucksen drang. Es fühlte sich noch immer an wie ein wunderschöner Traum, aus dem sie nicht aufwachen wollte.

Chakotay trat hinter ihren Stuhl. Seine Berührung kam ohne Hast – er legte die Hand auf ihre Schulter und strich ihr sanft und beruhigend darüber. Kathryn lehnte den Kopf für einen kurzen Wimpernschlag nach hinten gegen seine Hand, spürte die vertraute Wärme und atmete tief durch.

»Guten Morgen, Geburtstagskind«, murmelte er leise, sodass nur sie es hören konnte. In seinen dunklen Augen lag jene ruhige, tiefe Zuneigung, die ihr in den dunkelsten Momenten der letzten Wochen immer wieder Halt gegeben hatte.

»Es ist der schönste Morgen seit Jahren, Chakotay«, flüsterte Kathryn zurück, während ein echtes, ungekünsteltes Lächeln über ihre Züge glitt.

Gegenüber schnitt Naomi bereits mit chirurgischer Präzision die ersten Stücke des Kuchens an, peinlich genau darauf bedacht, dass Kathryns Stück keinen Millimeter kleiner geriet als die anderen, während Tom alle Hände voll zu tun hatte, Mirals neugierige Fingerchen von den bunten Zuckerstreuseln fernzuhalten.

Samantha setzte sich behutsam auf den freien Stuhl neben Kathryn und lehnte sich mit einem erschöpften, aber vollkommen glücklichen Seufzen zurück. Die Anstrengungen der nächtlichen Geburt standen ihr noch in den Zügen, doch der Glanz in ihren Augen überstrahlte jede Müdigkeit.

Naomi schob Kathryn feierlich einen kleinen Teller herüber, auf dem das versprochene, perfekt geschnittene Stück Kuchen thronte. »Für dich, Captain. Frisch aus Neelix’ Sonderreserve.«

»Danke, mein Schatz«, sagte Kathryn leise und griff nach der Kuchengabel.

Miral saß derweil auf Toms Schoß, kaute emsig auf einem kleinen Keksbrot herum und beäugte die Doppelwiege mit unverhohlenem Argwohn. Als aus den Tiefen der weichen Decken ein zartes Niesen und ein darauffolgendes, piepsiges Quäken erklang, erstarrte die kleine Halbklingonin mitten in der Kaubewegung.

»Baby wach!«, verkündete Miral mit vollem Mund, deutete mit dem keksverschmierten Zeigefinger auf das geflochtene Körbchen und sah auffordernd in die Runde.

Chakotay löste die Hand von Kathryns Schulter, trat leise an die Wiege heran und beugte sich hinunter. Mit geübten, behutsamen Händen hob er eines der winzigen Bündel heraus – Jonas Edward, der mit zusammengekniffenen Äuglein und erstaunlicher Willenskraft gegen seine Decke strampelte.

»Ich glaube, jemand möchte seiner Patentante endlich persönlich gratulieren«, sagte Chakotay leise, trat wieder an den Tisch heran und sah Kathryn mit einem fragenden, unendlich sanften Lächeln an.

»Aber der Kuchen …«, sagte sie, blickte mit gespielter Entrüstung von dem Teller zu Chakotay auf und hielt die Kuchengabel wie ein Schutzschild in der Hand.

Tom prustete leise in seine Kaffeetasse, während B’Elanna schmunzelnd den Kopf schüttelte.

»Keine Sorge, Kathryn«, sagte Chakotay mit einem warmen Lachen in der Stimme, während er das winzige Bündel sicher im Arm hielt. »Die erste Amtshandlung eines Ersten Offiziers an diesem Morgen ist die Sicherung deiner Rationen. Der Kuchen läuft nicht weg. Jonas allerdings hat seinen ganz eigenen Dienstplan.«

Naomi stand sofort kerzengerade auf und legte eine Hand schützend neben Kathryns Teller. »Ich übernehme die Wache, Captain! Hier kommt kein Krümel weg – nicht einmal Miral schafft es an mir vorbei.«

Miral, die ihren Keks kurz abgesetzt hatte, sah Naomi mit zusammengekniffenen Augen an, als nähme sie die Herausforderung an, kaute dann aber friedlich weiter und deutete wieder auf das Baby. »Äthi! Baby halten!«

Kathryn legte die Gabel mit einem leisen Seufzen beiseite, doch ihre Augen verrieten sie längst. Das sanfte Glitzern der Rührung war zurück. Sie rückte ihren Stuhl ein Stück zurück, öffnete vorsichtig die Arme und sah zu Chakotay auf.

»Na schön«, murmelte sie mit belegter, weicher Stimme. »Gib ihn mir, bevor die kleine Ehrengarde hier meinetwegen noch meutert.«

Samantha lächelte sanft, während Chakotay das winzige Bündel mit behutsamen Händen an Kathryn herabreichte.

Kathryn hielt den Atem an, als das federleichte Gewicht von Jonas Edward in ihren Armen zur Ruhe kam. Ihre Hände wirkten im ersten Moment fast vorsichtig, beinahe ehrfürchtig, bevor sie die Decke um den winzigen Körper etwas enger zog. Mit der Fingerspitze strich sie ihm zart über die samtweiche, noch ganz warme Wange.

Das leise Quängeln erstarb augenblicklich. Der kleine Junge blinzelte träge gegen das gedämpfte Licht des Quartiers, stieß einen tiefen, zufriedenen Seufzer aus und kuschelte sein Gesichtchen noch etwas tiefer in Kathryns Armbeuge.

»Ich glaube, er weiß ganz genau, wann er ruhig sein muss«, sagte Samantha vom Stuhl nebenan mit einem schmunzelnden, liebevollen Blick auf ihren Sohn.

Kathryn wandte den Blick nicht von dem kleinen Gesicht ab. Ihre Züge wurden unendlich weich, und ein Hauch bittersüßer Rührung schwang in ihren Worten mit.

»Wegen mir muss er das nicht«, flüsterte Kathryn leise, fast nur an das Kind in ihren Armen gerichtet. Ihre Finger strichen behutsam über die feinen Härchen auf seinem Kopf. »Hier drin darf er so laut sein, wie er möchte. Er muss für niemanden die Fassung wahren.«

Ein paar Tränen lösten sich lautlos aus Kathryns Augen und liefen ihr über die Wangen, tropften fast unbemerkt auf den Saum ihres Morgenmantels. Es war keine bittere Trauer, sondern die schiere Überwältigung eines Herzens, das nach so langer Zeit endlich wieder atmen durfte.

Samantha streckte sanft die Hand aus, berührte Kathryns Unterarm und lächelte ihr mit warmer, unnachgiebiger Zärtlichkeit entgegen.

»Hey … nicht weinen«, sagte Samantha leise, aber mit festem Nachdruck. »Du wirst für die beiden ganz genauso verantwortlich sein, Kathryn. Du kommst da überhaupt nicht drum herum. Sie gehören zu dir – genau wie wir.«

»Hey!«, protestierte da plötzlich eine empörte, glockenhelle Stimme vom Tischende. Naomi verschränkte die Arme vor der Brust, reckte das Kinn vor und funkelte in die Runde. »Ich bin schließlich auch noch da!«

Ein befreites, heiseres Lachen entrang sich Kathryns Kehle, während sie mit der freien Hand über ihre feuchten Wangen strich.

»Ja«, sagte Kathryn, sah das Mädchen mit warmem Blick an und nickte bekräftigend. »Und du bleibst auch meine persönliche Assistentin, Naomi. Du erinnerst mich gefälligst immer sofort daran, wenn du bei mir zu kurz kommst. Verstanden?«

Naomi straffte die Schultern, als hätte sie soeben einen hochoffiziellen Sternenflottenbefehl entgegen nahm, und ein zufriedenes Strahlen kehrte auf ihr Gesicht zurück.

»Mache ich!«, sagte Naomi mit felsenfester Entschlossenheit. »Dafür bin ich schließlich im Dienst.«