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Die Brücke und die Wache

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Die Brücke und die Wache

Das gleichmäßige, tiefe Atmen des Captains füllte das gedimmte Quartier. Die Monitore zeigten stabile Vitalwerte, und zum ersten Mal seit sechs Tagen wies die neuronale Aktivitätskurve sanfte, harmonische Wellen auf – das Zeichen echten, traumlosen Schlafs.

Chakotay trat leise vom Bio-Bett zurück und griff nach seiner roten Dienstjacke, die über der Stuhllehne hing. Er zog sie an, strich den Stoff glatt und schloss den Reißverschluss. Seine Züge nahmen wieder jene disziplinierte Festigkeit an, die die Crew von ihrem Ersten Offizier erwartete, doch der Blick, mit dem er Kathryn noch einmal musterte, blieb weich.

»Tuvok hat die Alpha-Schicht jetzt seit vier Stunden«, sagte er leise zu Samantha, die am medizinischen Terminal saß. »Ich übernehme die Brücke. Wenn die Besatzung ihren Ersten Offizier auf seinem Posten sieht, nimmt das die Unruhe aus dem Schiff.«

Samantha nickte verstehend. Sie strich sich eine dunkle Strähne hinter das Ohr. »Gehen Sie nur, Commander. Ich weiche hier nicht von ihrer Seite. Der Doktor schickt mir alle dreißig Minuten die aktualisierten Messreihen direkt auf dieses PADD.«

Chakotay trat noch einmal an Kathryns Bettseite. Seine Finger berührten kurz die Decke über ihrer Schulter. »Wenn sie aufwacht und wieder mit sich hadert … erinner sie daran, was sie uns versprochen hat. Und ruf mich sofort, wenn sich an ihren Reaktionen etwas ändert.«

»Versprochen«, erwiderte Samantha mit einem warmen Lächeln.

Mit einem leisen Zischen glitt die Quartiertür auf und schloss sich hinter Chakotay. Samantha blieb allein im Halbdunkel zurück. Sie nutzte die Stille, um frisches Wasser für die Befeuchtung der Lippen bereitzustellen, die Sensorbänder an Kathryns Handgelenken neu zu justieren und den Schrank zu öffnen, von dem Janeway vor dem Einschlafen gesprochen hatte.

Dort lagen sie: die sorgfältig replizierten Bände. Auf einem der PADDs prangte ein holografisches Lesezeichen mit einer alt-terranischen Erzählung, die Samantha selbst aus ihrer eigenen Kindheit kannte: Ronja Räubertochter. Daneben lagen die grifffesten, weich ummantelten Bücher mit großen Bildern für die kleine Miral Paris. Samantha strich ehrfürchtig über das Cover des Buches. Mitten im Strudel aus Verantwortung und Schmerz hatte Kathryn Janeway Zeit gefunden, an die Kinder an Bord zu denken.