Kapitel 16: Schatten, die sichtbar werden
Kapitel 16: Schatten, die sichtbar werden
Die Atmosphäre hatte sich spürbar verschoben. Die grelle Wut war verblasst und zurück blieb eine feine, brennende Verletzung, dazu etwas Drittes, kaum greifbar, aber deutlich genug, um wie ein leiser Strom zwischen ihnen zu fließen.
Draco und Lumielle saßen am Frühstückstisch. Er spürte eine unangenehme Regung, etwas zwischen Erleichterung und Ärger darüber, dass sie überhaupt wieder mit ihm sprach.
„Draco“, fragte sie ruhig, während sie mit dem Löffel in ihr Ei stieß, „was haben wir als Nächstes?“
Er verzog die Lippen zu einem selbstzufriedenen Grinsen. „Du fragst wirklich jedes Mal danach.“ Ein leichtes Kopfschütteln begleitete die Worte, als wolle er genervt wirken. Genau das machte es leichter, nicht zuzugeben, wie sehr es ihn beruhigte, dass sie wieder ganz normal mit ihm redete. „Wahrsagen“, erklärte er. „Bei Professor Trelawney. Bereite dich auf Räucherkerzen, Katzenaugen und kompletten Unsinn vor.“
Eliana beugte sich ein Stück vor. „Sie ist aber eine Nachfahrin von Cassandra Trelawney, Draco!“
Er verdrehte die Augen in einer makellosen Geste aristokratischen Überdrusses. „Ja und? Cassandra war beeindruckend. Sybill ist … nun ja, eine wandelnde Gardine mit Brille.“
Lumielle biss sich auf die Innenseite der Wange, um ein Grinsen zu unterdrücken.
Trelawney besitzt eine Gabe, nur eben nicht kontrolliert und nicht bewusst. Genau das macht mich nervös. Wenn sie selbst zu nah an solchen sensiblen Frequenzen war, kam es mitunter zu unerklärlichen Effekten und ungewollten Resonanzen.
Sie hoffte inständig, dass heute nichts davon zum Vorschein kam.
„Ich finde sie eigentlich ganz lustig. Sie sieht aus wie eine Muggle-Katzendame“, warf Anastasia ein.
„Vergiss nur nicht diese Brille, die ihre Augen noch größer macht.“ Kassandra formte mit den Händen vor ihrem Gesicht eine Brille und verzog dabei eine Grimasse.
Die Runde fiel in amüsiertes Gelächter.
✵
Auf dem Weg aus der Halle schlossen sich ihnen die Gryffindors an: Ron, Harry und Hermine.
Ron verzog sofort das Gesicht. „Oh Mann, ich hatte so einen schönen Tag und jetzt rieche ich überall nur das Frettchen.“
Draco schoss ihm einen Blick zu, der scharf genug war, um selbst einen Bergtroll in die Flucht zu schlagen. „Mein Tag war auch gut, bis ich dich und deine abgetragenen Klamotten gesehen habe.“
Lumielle trat einen Schritt näher an ihn heran, sodass sich ihre Schultern leicht berührten, scheinbar zufällig, aber keineswegs unbeabsichtigt. Er hatte schon den nächsten Spruch auf den Lippen, schaute dann jedoch kurz zu ihr hinüber. Schließlich ließ er Ron an sich abprallen. Er richtete den Blick nach vorn, als müsste er sich selbst daran erinnern, wer hier die Kontrolle hatte.
Lumielle warf Harry, unbeobachtet von Draco, ein kurzes Lächeln zu. Diese kurze Interaktion erstaunte ihn, denn außer den Lehrkräften und vielleicht noch Dracos Vater hatte bisher niemand erreicht, dass Malfoy seinen Spott so schnell abbrach. Er erwiderte ihr Lächeln kurz und ungläubig, ehe sie gemeinsam mit den anderen die enge Wendeltreppe zum warmen, stickigen Wahrsageturm erklommen.
Die Luft wurde mit jedem Schritt schwerer vom süßlichen Rauch und Lumielle verzog unauffällig das Gesicht. „Es riecht hier … sehr nach Rauch“, sagte sie gedämpft.
Draco verzog die Lippen zu einem spöttischen Grinsen. „Das ist sogar höflich ausgedrückt. Es riecht, als wäre ein ganzer Duftladen explodiert.“
Ihr entwich ein leises, helles Lachen und er geriet für einen Atemzug aus dem Tritt.
✵
Im Klassenzimmer schwebte Professor Trelawney heran – oder torkelte vielmehr – und ihre Lupenbrille vergrößerte ihre Augen so stark, dass Ron nur ein leises „Merlin bewahre“ entfuhr.
„Meine Lieben!“, säuselte sie, ehe ihre Stimme plötzlich an Lautstärke gewann. „Heute werden wir nochmal die Schatten des Blatts lesen! Die Teeblätter werden euch die verborgenen Wege eures Schicksals offenbaren!“
Harry stöhnte gedämpft und Ron rutschte halb ohnmächtig auf seinem Stuhl nach unten, als wolle er im Sitzpolster verschwinden. Hermine wirkte, als habe sie in einem einzigen Augenblick sämtliche Entscheidungen ihres Lebens ernsthaft überdacht.
Lumielle setzte sich neben Draco, was bei ihm sofort dazu führte, dass er unwillkürlich die Schultern straffte, als hinge seine gesamte Familienehre daran, wie gerade er nun saß.
„Na großartig“, sagte er mit jenem gelangweilten Zug um den Mund, der beinahe schon eine Kunstform war. „Was für ein Schwachsinn. Ich hoffe, der Tee schmeckt nicht so, wie es hier im Klassenzimmer stinkt.“
Sie lachte wieder leise.
Trelawney glitt an den Tischreihen entlang und verteilte die dampfenden Tassen, bis der würzige Teeduft die stickige Luft noch dichter machte. Dann schwebte sie wieder zur Mitte des Raumes. „Trinkt! Trinkt alles! Lasst nur die Kräuter zurück! Dann … tauscht die Tassen mit eurem Partner!“
Ron beugte sich zu Harry hinüber. „Ich tausche nicht“, flüsterte er entschieden. „Ich will gar nicht wissen, was in deiner Tasse lebt.“
Draco würdigte die Bemerkung keines Blickes, nahm seine Tasse und nippte daran. Sein Gesicht verriet allerdings sofort, dass der Geschmack irgendwo zwischen nassem Schuh und verbrannter Pflaume lag.
Lumielle trank ebenfalls und stellte ihre Tasse vorsichtig ab. Dann hob sie den Blick zu ihm. „Wollen wir …?“
Er richtete sich unwillkürlich noch ein wenig mehr auf. „Natürlich“, sagte er viel zu schnell für seinen üblichen Tonfall. „Oder hast du Angst, dass deine Blätter mir etwas verraten, das deine perfekte Fassade zum Wanken bringt, Aurewyn?“
Sie lächelte schief, ohne sich provozieren zu lassen, und schob ihre Tasse mit dem restlichen Sud zu ihm. „Das sagt der, der seinen Tee trinkt, als wäre es Folter. Vielleicht zeigen deine Blätter ja, warum du immer so tust, als wärst du über allem erhaben.“
Sie tauschten die Tassen. Draco grinste arrogant, drehte ihre Tasse um und musterte die Blätter mit übertriebener Konzentration. „Erhaben? Das ist kein Getue, das ist Tatsache. Deine Blätter hier sehen aus wie ein Wirrwarr, typisch für jemanden, der immer seine Zettel verlegt.“
Lumielle grinste zurück und begutachtete seine Blätter. „Wirrwarr? Deine sehen aus wie ein Thron, der umgekippt ist. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass dein Ego mal einen Dämpfer braucht. Aber hey, wenigstens ist es königlich.“
Er schnaubte amüsiert und in seinen Augen lag Spott, doch keine echte Bosheit. „Untertreib nicht. Aber gut, ich gebe zu, deine Blätter haben Stil. Für jemanden, der meint, die Zukunft vorhersagen zu können.“
Sie lächelte warm und ihre Blicke trafen sich einen Moment länger. Sein Hals begann bereits, sich verräterisch rosa zu färben.
Ron prustete. „Schau mal, Harry. Malfoy bekommt Farbe.“
Draco fauchte nur knapp: „Ich hör dich, Weasley.“
Lumielle nahm seine Tasse mit beiden Händen, hob sie an und drehte sie gerade so weit, dass die Teeblätter langsam an den Wänden haften blieben. Etwas in ihrem Ausdruck veränderte sich plötzlich. Er wurde ruhiger, gesammelt, nicht mehr das Spielerische von eben.
Draco lehnte sich demonstrativ zurück, als sei das alles weit unter seiner Würde, doch seine Hand blieb einen Augenblick zu fest an der Armlehne. Er hob eine Braue, sichtlich interessiert, verschränkte die Arme und ließ sich eine Spur lässiger zurücksinken.
„Stimmt, du hattest Privatunterricht. Ja gut, okay, dann zeig mir mal die Zukunft. Sag mir was voraus.“ Sein Ton war spöttisch, doch Lumielle merkte, dass es kein reines Spiel war. Hinter der Arroganz lauerte echte Neugier.
„Deine Lebenslinie … ist am Ende stark. Davor gibt es Brüche.“
Draco erstarrte kaum merklich. „Das ist Unsinn“, sagte er leise, doch selbst in seinen eigenen Ohren klang es nicht ganz überzeugend.
„Du trägst viel Verantwortung“, fuhr sie fort, ohne ihn anzusehen. „Viel mehr, als man jemandem in deinem Alter zumuten sollte.“
Er öffnete den Mund, um etwas Scharfes zu sagen, doch heraus kam nur ein raues, heiseres: „Bestimmt.“
Lumielle wurde ernster und ihr Blick vertiefte sich. „Draco, ich habe das im Privatunterricht gelernt.“
„Dein Privatunterricht scheint sich ja gelohnt zu haben. Erzähl weiter“, sagte er, immer noch mit verschränkten Armen, als wäre es ihm egal, doch seine Haltung saß zu sauber, um natürlich zu wirken.
Ihre Finger strichen über den Rand der Tasse. Die Blätter verschoben sich kaum sichtbar, legten neue Schatten und Formen frei.
Ihre Freundinnen an den Nachbartischen beobachteten die Szene mit Hochspannung.
Anastasia flüsterte Antonia zu: „Man merkt richtig, wie angespannt er ist. Er hängt förmlich an ihren Worten.“
Antonia musste kichern und auch Kassandra und Eliana verfolgten die Szene amüsiert, doch Lumielle bemerkte es nicht.
„Hier sind Brüche.“ Sie hielt die Tasse so, dass nur er hineinsehen konnte. „Hier … etwas, das sich neu ordnet.“
Draco sah sie an, einen Herzschlag lang entwaffnet und ganz ohne die sonstige Kälte. „Ja, na selbstverständlich. Eine starke Lebenslinie, was sonst? Als ob Malfoys je schwach enden würden“, sagte er spöttisch, mit einem arroganten Grinsen, das die Unsicherheit kaschieren sollte.
Ron beugte sich noch näher zu Harry. „Ich glaube, Malfoy stirbt gerade innerlich“, flüsterte er belustigt, doch Lumielle ließ sich nicht ablenken und ihre Augen wirkten jetzt um einen Ton dunkler.
„Hier … die Familienlinie.“
Draco blinzelte. „Bitte was?“
Sie holte leise Luft, als müsse sie sorgfältig abwägen, wie viel sie sagen durfte. „Es sind … mehrere Abzweigungen.“
Die Schüler an den umliegenden Tischen reagierten sofort, als wäre eine gespannte Saite gerissen.
Blaise riss die Augen auf. „Mehrere?!“
Ron schlug theatralisch die Hände über dem Kopf zusammen. „Nicht noch weitere Malfoys auf diesem Planeten. Merlin, hol uns zuerst.“
Harry schaute verächtlich zu Draco. „Hoffentlich werden die wenigstens weniger arrogant.“
In dem Moment platzte es aus Draco heraus, schneller, als ihm lieb war. „Natürlich, natürlich werde ich Nachkommen haben!“ Er fing sich hart und zog das Kinn hoch. „Ich muss ja die Linie fortführen.“
Lumielle lächelte nur ganz kurz und er spürte, wie ihm erneut das Blut in die Ohren schoss, heiß und unwillkommen.
Da begann Trelawney plötzlich ekstatisch zu kreischen. „Oh! Wie es leuchtet! Die Verbundenheit! Die Auren, so hell!“
Draco neigte den Kopf zu Lumielle. „Sie ist vollkommen verrückt“, flüsterte er. „Als ob Teeblätter wüssten, was Aura bedeutet. Wahrscheinlich verwechselt sie das mit ihrem eigenen Nebel im Kopf.“
Es war spöttisch, ließ sie aber leicht lächeln, beinahe lachen, weil es absurd und zugleich treffend war. Sie sagte gedämpft zurück: „Vorsicht, sie hört alles.“
„Ja! Ja, ich höre alles!“, rief Trelawney triumphierend und wirbelte mit einem Schal, als sei er ein Banner des Schicksals. „Zehn Punkte für Slytherin! Die Auren des Schicksals!“
Es klang, als habe die Professorin eine Auszeichnung verteilt, die nur sie selbst verstand. Die Slytherins jubelten augenblicklich, doch die Gryffindors stöhnten im Chor.
Draco war zwar froh über die Punkte, doch die ganze Situation war ihm entsetzlich unangenehm. „Na immerhin“, sagte er spöttisch, mit einem schiefen Grinsen.
„Lumi!“, flüsterte Antonia hinter ihr. „Du bist ja rot!“
Kassandra lehnte sich zu Anastasia hinüber. „Ganz ehrlich … sie sehen zusammen irgendwie süß aus.“
Anastasia versuchte vergeblich, ein Grinsen zu unterdrücken, das sich dennoch an ihren Mundwinkeln festsetzte.
Lumielle schob Dracos Tasse zurück und lächelte höflich. „Tut mir leid, Draco … ich hoffe, es war nicht zu viel.“
Er schluckte. „Nein“, sagte er knapp. „Schon gut.“
Antonia beugte sich näher. „Lumi … kannst du mal kurz?“ Sie streckte ihr unauffällig die eigene Tasse hin.
Lumielle warf Draco einen entschuldigenden Blick zu, beugte sich hinüber und zeigte ihr flüsternd zwei feine Linien am Rand.
Antonia nickte staunend. „Oh! Jetzt seh ich’s.“
Eliana strahlte über den Tisch hinweg. „Du musst uns später unbedingt mehr davon zeigen.“
Sie antwortete zögernd, aber nicht unfreundlich: „Ja … gern.“
Dann wandte sie sich wieder zu Draco. „Entschuldigung.“
Er hob das Kinn ein wenig. „Passt schon“, sagte er, als wolle er es damit beenden.
Dennoch beobachtete er sie fasziniert. Sein Herz pochte stärker, doch innerlich schüttelte er den Kopf.
✵
Die Stunde löste sich nach und nach auf. Stühle scharrten über den Boden, Tassen klirrten auf Tabletts und gedämpftes Lachen und Gemurmel füllten den Raum, während der Rauch sich träge im Licht brach.
„Lumi, kommst du?“, rief Eliana. „Wir müssen runter zu Hagrid, Magische Tierwesen.“
Lumielle nickte. „Ich komme gleich. Wartet einen Moment.“
Draco stand noch immer da, als hätte jemand für ihn allein die Zeit angehalten. Ihr Blick streifte ihn ein letztes Mal, weich und vorsichtig. Dann wandte sie sich Professor Trelawney zu.
Setz dich beim nächsten Mal wieder zu mir.
Er erschrak im selben Moment über den Besitzanspruch in diesem Satz. Er riss ihn sich aus dem Kopf, als wäre es etwas, das man nicht einmal denken durfte.
Nicht ausgerechnet das. Nicht vor allen. Gut. Sie redet wieder mit mir. Mehr ist das nicht. Nützlich. Informationen. Auftrag.
Er richtete den Ärmel seiner Robe, obwohl daran nichts zu ordnen war. Trotzdem pochte sein Herz weiter, unwillig und störend.
Lumielle war noch geblieben und half mit zwei anderen Mädchen, die Tassen zurückzuräumen, während die meisten Schüler den Raum bereits verlassen hatten. Sie wollte gerade ebenfalls zur Tür gehen, einfach, um nicht länger als nötig in der stickigen Wärme dieses Zimmers zu stehen, als Professor Trelawney sie ansprach.
„Sie haben eine ganz außergewöhnliche Gabe, Miss Aurewyn“, sagte die Professorin mit ungewohnter Sanftheit.
„Ach … na ja.“ Lumielle lächelte höflich. „Teeblätter lesen ist nicht schwer, wenn man weiß, worauf man achten muss.“ Sie wich einen Schritt zurück, bemüht, das Gespräch freundlich, aber kurz zu halten.
Doch ehe sie die Tür erreichen konnte, streifte Trelawney mit einer beiläufigen, beinahe entschuldigenden Bewegung ihre Hand. Es war nur ein Hauch von Berührung. Dennoch veränderte sich die Welt in einem einzigen Herzschlag. Trelawneys Körper erstarrte und ein scharfer Atemzug durchbrach die Stille.
Als sie sprach, lag in ihrer Stimme ein alter, tief vibrierender Klang, der nicht zu der nervösen Frau gehörte, die Lumielle kannte. „Etwas regt sich in eisiger Kälte. Vier Gestalten werden vor dir stehen. Ein Opfer wird gefordert. Auf beiden Seiten wird es Verluste geben, Kind des Wächters.“
Das letzte Wort sank schwer wie ein Stein.
Dann löste sich die Spannung abrupt, als hätte jemand einen Faden durchschnitten.
Trelawney blinzelte und ein sanftes, verwirrtes Lächeln schob sich wieder auf ihr Gesicht. Lumielle aber blieb stehen, den entsetzten Blick noch immer auf die Professorin gerichtet.
„Oh! Mein liebes Kind, Sie sind ja ganz bleich! Vermutlich zu viel Aufregung für eine einfache Stunde, hm? Vielleicht trinken Sie ein wenig Tee.“
Einen Atemzug lang kam keine Antwort.
„Nein, danke … ich … mir geht’s gut“, brachte Lumielle schließlich hervor, obwohl ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch war.
Sie verließ den Raum mit schnellen, leisen Schritten.
✵
Der Flur war kühl, klar und stiller, als er hätte sein sollen. Lumielle blieb stehen, legte eine Hand an die Wand und wartete, bis ihre Gedanken sich wieder ihrer Kontrolle fügten.
Für einen Moment senkte sie den Kopf, nicht aus Schwäche, sondern um den letzten Nachhall dieser Vision abschütteln zu können. Später.
Ich denke später darüber nach.
Jetzt musste sie nur wieder aussehen wie eine Schülerin, nicht wie jemand, der gerade etwas gehört hatte, das nicht für sie bestimmt gewesen war. Sie holte noch einmal Luft.
Dann richtete sie sich auf, strich automatisch ihren Umhang glatt und ließ die antrainierte Ruhe wieder auf ihr Gesicht sinken. Doch die Worte der Professorin legten sich wie ein Schatten über sie.
✵
Wenige Minuten später erreichte Lumielle das Hogwarts-Gelände. Die kühle Luft schlug ihr entgegen wie ein längst überfälliger Segen.
Kurz blieb sie stehen, ließ den Wind über ihre Wangen streichen und zwang ihren Atem zur Ruhe. Ihre Brust hob und senkte sich schneller als gewöhnlich und die ungewohnte Blässe in ihrem Gesicht verriet mehr, als sie zeigen wollte.
Im Gras vor dem Turm warteten bereits die Gryffindors und die Slytherins, die auch die nächste Stunde zusammen hatten. Die beiden Häuser hatten sich instinktiv in zwei kleine Grüppchen sortiert, nicht offen feindselig, doch weit entfernt von echter Nähe.
Als Lumielle den Hang hinunterstieg, wandten sich viele Köpfe ihr zu.
Anastasia hob besorgt die Augenbraue. „Alles okay bei dir? Du siehst … etwas farblos aus.“
Lumielle zwang ein schwaches Lächeln hervor. „Ich habe nur zu viel Rauch eingeatmet. Ich brauche einfach ein wenig Luft.“
Harry nickte sofort mit ruhiger Anteilnahme. „Ja, Trelawney übertreibt es immer mit ihren Duftkerzen. Ich wäre da oben auch fast umgekippt.“
Draco verzog den Mund zu einem herablassenden Lächeln. „Ich hab’s doch gesagt. Der ganze Laden ist ein schlechter Witz. Nichts als Rauch und Gefasel.“ Er rümpfte die Nase, als wäre selbst die Luft dort oben unter seiner Würde. „Wenn man dann noch bedenkt, was als Nächstes kommt …“
Harry fuhr abrupt herum. „Sag nichts gegen Hagrid.“
Draco erwiderte seinen Blick mit kühlem Funkeln. „Ich sage nur die Wahrheit, Potter. Gewöhn dich dran.“
Ron stemmte die Hände in die Hüften und holte empört Luft. „Du sagst gar nichts! Du—“
„Stopp.“ Lumielles Stimme war nicht laut, doch so fest wie ein Zauberspruch, der die Luft spaltete. Sofort verstummten alle. Sie atmete tief ein. „Jungs … bitte. Ich habe Kopfschmerzen. Ich kann keinen Streit gebrauchen. Lasst uns einfach weitergehen.“
Harry blieb angespannt stehen. Draco hob als Erster das Kinn und wandte sich ab.
Die Gruppe setzte sich über das weitläufige Gelände in Bewegung und mit jedem Schritt, mit dem Lumielle dem Wald näherkam, lösten sich ihre angespannten Nerven allmählich. Der Duft nach feuchter Erde, Moos und herabgefallenem Herbstlaub war echt, beruhigend und sehr viel lebendiger als die stickige Luft des Turms.
Antonia ging dicht neben ihr her und warf ihr einen kurzen Seitenblick zu. „Ist wirklich alles okay?“, fragte sie leise.
Auch Eliana wirkte besorgt.
Lumielle nickte. „Ich vertrage diese Räucherstäbchen einfach nicht.“
Kassandra musterte sie skeptisch, ließ das Thema aber schließlich ruhen.
Draco schmunzelte kaum merklich. „Ich verstehe dich. Trelawneys Turm sollte offiziell als Gefahrenort eingestuft werden.“
Sie musste etwas lachen, ein weiches, ehrliches Lachen, das ihr selbst überraschend leicht über die Lippen kam.
Draco wandte den Blick ab, hob das Kinn und tat, als hätte er nichts gehört, doch seine Mundwinkel zuckten einmal verräterisch.
Die Bäume standen hoch und dunkel vor ihnen, wobei ihre Kronen ein Dach aus Schatten und geheimnisvoller Tiefe webten.
Hagrid wartete bereits auf der kleinen Lichtung nah am Waldrand, ein imposanter Fels aus Leder, Bart und unerschütterlicher Herzenswärme.
„G’morgen! Da seid ihr ja!“, brummte er fröhlich und seine Augen leuchteten auf, als er Lumielle sah. „Miss Aurewyn! Hab gehofft, dass du heut’ dabei bist! Du magst doch Tiere, oder?“
Sie strahlte. „Sehr sogar.“
Draco verdrehte die Augen, als müsse er eine Strafe überleben. „Wunderbar. Dann dauert der Albtraum ja ewig …“
Harry funkelte ihn warnend an. „Sag nichts über Hagrid.“
„Potter!“, setzte Draco scharf an. „Er macht—“
„Draco.“ Lumielles Stimme war ruhig, beinahe sanft, aber von einer Klarheit, die keinen Widerspruch zuließ.
Er brach ab, der Mund zu einer schmalen Linie verzogen. Einen Moment lang schien er abzuwägen, ob sich Potters Empörung hier lohnte, dann schwieg er. Nicht aus Gehorsam, sondern weil er entschied, dass es ihm später mehr nützen würde.
Ron grinste breit. „Ohooo! Sie hat dich ja richtig im Griff, Malfoy!“
Draco schnaubte abfällig. „Mach weiter so, Weasley, dann hex ich dir die Ohren grün.“
Hagrid winkte ab, halb belustigt, halb genervt. „Jungs! Nu hört doch mal uff! Heut ham wir richtig feine Wesen! Heut gehen wir ein Stück in den Wald rein. Die Kreaturen sind nämlich lichtempfindlich und fühlen sich im Schatten wohler. Wir gehen nur ein kleines Stück hinein, nur bis an die alte Lichtung am Rand. Wenn euch das beruhigt: Dumbledore weiß, dass ich heute am Waldrand unterrichte. Ihr bleibt aber trotzdem schön hinter mir!“
Der Wald lag vor ihnen. Obwohl Lumielle sich nichts anmerken ließ, spürte sie dieses vertraute Ziehen.
Dort ist jemand. Nicht sichtbar, nicht greifbar, aber nah genug, um Sicherheit zu bedeuten. Ich will zu ihm, nur um für einen kurzen Moment etwas von Heimat und Familie zu haben.
Professor Trelawneys Worte waren noch zu frisch, um ihnen auszuweichen. Verlust auf beiden Seiten, hallte es in ihr nach, doch sie zwang sich, ruhig zu bleiben.
Nicht jetzt, nicht hier, vor allem nicht vor den Mitschülern.
✵
Der Wald verschluckte jedes Geräusch des Schlosses, bis nur das gedämpfte Rascheln der Blätter blieb. Dann öffnete sich eine breite, leere Fläche vor ihnen, ein weicher Streifen Gras, gesäumt von Pilzen. Durch die dichten Baumkronen fiel trotz der offenen Fläche kein einziger Sonnenstrahl, doch für die meisten schien dort nichts zu sein.
„Was soll das hier sein?“, fragte Draco mit scharfem Unterton. „Eine leere Wiese? Das ist jetzt Unterricht?“
„Da ist was!“, rief Theodor plötzlich, die Stimme voller Überzeugung.
„Wo denn?!“, brummte Goyle. „Ich seh nix!“
Crabbe lachte kehlig. „Theodor, du siehst Gespenster.“
„Bin ich blind oder bist du blind?!“, fauchte Theodor zurück, die Ohren leicht gerötet, doch Hagrid hob beschwichtigend beide Hände.
„Ruhig, ruhig!“
Dann war es Harry, der abrupt einatmete, als hätte ihn etwas Unsichtbares an der Kehle berührt. „Hagrid … das sind Thestrale.“
Hermine erblasste augenblicklich und Ron machte instinktiv einen Schritt zurück, halb hinter Harry, halb hinter sein eigenes Entsetzen. „Äh … was bitte?!“
Theodor starrte unverwandt in die Lichtung. „Sie sind … wunderschön“, sagte er kaum hörbar.
Antonia hob verwirrt die Hand. „Ich sehe sie nicht!“
Lumielle trat langsam vor, ein tiefer Atemzug nach dem anderen, bis sie sich in den Rhythmus des Waldes eingefügt hatte. Dann sah sie sie alle fünf. Vier ausgewachsene Thestrale mit schwarzen, schimmernden Häuten und ausladenden, knochigen Flügeln und ein zartes Jungtier, kaum größer als ein Rehkitz, dessen große, helle Augen sie direkt suchten. Etwas in ihr schmerzte süß, wie eine alte Erinnerung, die zugleich Wunde und Trost war. Sie ging weiter, bis sie in der Mitte der Lichtung stand.
Die Tiere verstummten, als spürten sie etwas, das die anderen nicht greifen konnten. Langsam hob sie die Hand und machte eine alte, ehrwürdige Geste: eine leichte Verbeugung, den Kopf zur Seite geneigt, die Hand ausgestreckt, die Innenfläche offen wie eine Einladung.
Die Reaktion kam sofort. Einer der ausgewachsenen Thestrale trat näher, neigte den Schädel und berührte mit der kalten, rauen Schnauze ihre Handfläche.
Ein leises, ehrfürchtiges Raunen ging durch die Klasse.
Hagrid strahlte breit. „Schau an! Die mögen dich! Das tun sie selten einfach so!“
Lumielle glitt mit den Fingerspitzen über den Hals des Wesens, über die dunkle, lederartig raue Haut und die scharf gezeichneten Ansätze der Flügel. „Ihr seid so schön“, flüsterte sie, mehr zu ihnen als zu den Menschen hinter ihr.
Draco stand abseits, angespannt und die Stirn gerunzelt. Für ihn war da nur sie, die in eine leere Lichtung hineingriff, als wäre das ein Kunststück für Publikum. „Ich seh gar nichts!“, rief er frustriert. „Was ist das für ein Trick?“ Seine Finger ballten sich kurz, weil es ihn weniger ärgerte, nichts zu sehen, als dass die anderen es merkten.
Harry drehte sich zu ihm um, die Stimme scharf. „Weil du noch niemanden hast sterben sehen, Malfoy!“
Dracos Blick verengte sich. Einen Herzschlag lang zuckte etwas in seinem Gesicht, dann war es fort, weggeschoben hinter Spott. „Als ob du wüsstest, was ich gesehen hab, Potter.“
Lumielle sah in die Runde. „Wer sieht sie?“
Harry hab die Hand, Theodor ebenfalls und Hagrid auch. Alle anderen sahen nur eine leere Lichtung.
Sie wandte sich wieder Hagrid zu. „Darf ich … etwas versuchen?“
Er nickte sofort, ohne nachzufragen. „Mach nur!“
Sie griff unter ihre Robe und ein Schmuckstück ihrer Mutter glitt zwischen ihre Finger. Ein zarter Schimmer antwortete ihrer Berührung, sodass sich ein kleines Säckchen in ihrer Handfläche materialisierte. Lumielle stellte sich vor den Thestral, der ihr am nächsten stand. Ihre Stimme wurde zu einem Flüstern, das wie aus einer fremden Zeit klang:
„Morzhur. Thai khar.“
(Schatten der Nacht. Bitte werde sichtbar.)
Der Thestral senkte den Kopf und Lumielle erfasste das stille Einverständnis, das in der Luft vibrierte. Es war kein Befehl, sondern ein altes Höflichkeitsrecht, das sich nicht erzwingen ließ.
Sie streute das silberne Pulver über den Thestral, der ihr am nächsten stand. Ein feiner Nebel glitt über dessen Körper, glänzend wie Mondlicht auf Wasser, dann wurde das Wesen vor aller Augen sichtbar.
Die gesamte Klasse stieß einen gemeinsamen Laut des Erstaunens aus.
„Boah!“, entfuhr es Kassandra ungläubig.
„Was ist das?!“, warf Eliana ein.
Sofort brach aufgeregtes Gemurmel los.
„Hagrid, das ist ja—!“
„Wie groß!“
„Es hat Flügel!“
„Ist das … Knochenhaut?!“
Lumielle sah in die Runde und erkannte in den weit geöffneten Augen nicht nur den Schock über den plötzlich sichtbaren Thestral, sondern auch die Frage nach dem silbern glimmernden Pulver in ihrer Hand.
„Sichtbarkeitspulver. Das habe ich von zu Hause“, erklärte sie leise, um einen beiläufigen Ton bemüht. „Es kann unsichtbare oder magisch verborgene Gegenstände und Lebewesen sichtbar machen. Aber es ist selten, wahnsinnig teuer und schwer zu bekommen. Außerdem hält es leider nicht lange.“
Draco beobachtete sie scharf, sein Blick stechend wie eine Klinge.
Sie hat so etwas Wertvolles immer dabei? Warum?
Hagrid strahlte wie eine Laterne. „Gut gemacht! Jetzt kann jeder diese wunderschönen Kreaturen bestaunen. Meine Lieben, das hier sind Thestrale! Die ziehen die Kutschen zur Schule!“
Dracos Stimme schnitt durch das Gemurmel wie ein kalter Windstoß. „Und wieso konnte ich sie vorher nicht sehen …?“
Hermine antwortete sofort, fast schulbuchhaft. „Thestrale kannst du nur sehen, wenn du den Tod persönlich miterlebt hast.“
Lumielle nickte und ergänzte sanft, aber mit einem Nachdruck, der die Schüler innehalten ließ. „Man muss den Tod auch akzeptiert haben. Wenn jemand vor einem stirbt, sieht man Thestrale nicht unbedingt sofort. Man braucht eine Verbindung zu dem Menschen. Ein Verstehen.“
Dracos Kiefer spannte sich an. Die Unzufriedenheit darüber, dass er die Tiere nicht sofort hatte sehen können, stand nun offen in seinem Gesicht.
Ganz hinten, im Schatten eines bemoosten Baumstamms, stand das Jungtier. Ein zartes, fast zu helles Geschöpf, mit zu großen Augen und einem Hauch von Unschuld, der in diesem Wald fehl am Platz wirkte.
Lumielle ging langsam auf das Jungtier zu, kniete sich nieder und streckte die Hand aus. Das kleine Thestral zögerte, wiegte den Kopf hin und her, tappte dann vorsichtig näher und legte schließlich seine Stirn in ihre Handfläche.
Sie lächelte warm und vollkommen echt.
Draco beobachtete sie mit einem Ausdruck, der ihm selbst fremd war: Erstaunen, Unruhe und stille Irritation darüber, wie selbstverständlich sie sich hier bewegte. Er zwang sich, wegzusehen.
Das sind wertvolle Informationen, die sie da einfach so von sich preisgibt, aber …
Es gefiel ihm nicht, dass ihn dieses Bild überhaupt beschäftigte.
Während Hagrid voller Begeisterung erklärte, wie Thestrale fliegen, wie sie jagen und wie sie Loyalität zeigen, begann sich die Luft um sie herum zu verändern. Die Thestrale hoben abrupt die Köpfe, als wären sie von einem unsichtbaren Impuls berührt worden. Ihre Flügel zuckten und die dünnen Häute spannten sich an. Für einen flüchtigen Moment stand die Lichtung vollkommen still.
Dann drang aus weiter Ferne, tief aus dem Schatten des Dickichts, ein leises, grollendes Knurren, kaum hörbar, aber unmissverständlich. Lumielles Nackenhaare stellten sich augenblicklich auf. Das Geräusch kannte sie und sie wusste, was es bedeutete.
Er war näher, als er eben noch gewesen war. Wenn die Schüler ihn sehen, wird daraus ein Problem, das ich nicht erklären kann.
Neben ihr bewegte sich der große Thestral unruhiger und stupste sie kurz an, als wolle er prüfen, ob sie noch ganz bei sich war. Er wirkte aufmerksam, nicht verängstigt. Die Tiere nahmen etwas wahr, gerieten aber nicht außer Kontrolle. Sie hielt den Blick nach vorn gerichtet und zwang sich, ruhig zu atmen.
Hagrid bemerkte ihre starre Haltung. „Miss Aurewyn? Alles okay?“
Lumielle schloss kurz die Augen. Sie hatte nur eine Möglichkeit, bevor es zu spät war. Dann beugte sie sich minimal zu ihm hinüber und flüsterte: „Hagrid, wir müssen gehen.“
„Warum?“, fragte Hagrid irritiert.
„Bitte. Jetzt.“
Das Knurren kam erneut, nicht laut, aber deutlich genug, dass es selbst durch das Rascheln der Blätter schnitt.
Hagrids Blick glitt unwillkürlich zu der dunkleren Linie zwischen den Bäumen. Für einen Moment war seine Miene nicht mehr gutmütig und er reagierte sofort. „Okay! Alle! Wir gehn zurück! Sofort!“
Diesmal zweifelte niemand an seinem Ernst. Die Schüler warfen sich verwirrte Blicke zu, folgten ihm aber ohne weitere Fragen. Hagrid ging zwischen der Gruppe und dem Wald und achtete darauf, dass kein Schüler zurückblieb.
Lumielle blieb bewusst am Ende der Reihe und drehte sich immer wieder um. Sie wollte nicht suchen, konnte es aber nicht lassen. Einmal, nur für den Bruchteil einer Sekunde, sah sie Bewegung im Schatten, dunkles Fell zwischen zwei Stämmen, etwas Großes, das sich gerade noch rechtzeitig zurückzog. Sie schloss kurz die Augen und lächelte, obwohl es zugleich wehtat, weil sie wusste, dass sie nicht zu ihm konnte, nicht jetzt, nicht mit all den Blicken um sie herum.
Bei Merlin, gut, dass Hagrid es als Gefahr gesehen hat.
Erst als sie den Waldrand erreichten, ließ er schwer den Atem entweichen. „Gut. Das war ’n enger … also … war ’ne interessante Stunde! Alle zurück zum Schloss!“
Lumielle schaute noch einmal zurück. Zwischen den Bäumen sah sie nichts mehr, keinen Schatten, kein Zeichen, und die Enttäuschung darüber stach kleiner, als sie es hätte zugeben wollen. Etwas anderes blieb jedoch zurück: Dankbarkeit, weil er trotzdem in ihrer Nähe gewesen war.
In diesem Moment schlug die Glocke zur Mittagspause und die Gruppe machte sich wieder auf den Weg zur Großen Halle.
Theodor ging neben Lumielle, seine Schritte wurden langsamer und seine Stimme verlor etwas von ihrer sonstigen Leichtigkeit. „Das mit dem Tod … du hast gesagt, man muss ihn akzeptiert haben. Heißt das … du …?“
Lumielle sah auf den Weg vor sich und nickte nur. „Es gibt einen Unterschied zwischen Sehen und Akzeptieren.“ Mehr sagte sie nicht, doch Theodor schluckte hörbar und blieb für einen Schritt hinter ihr zurück. „Ich glaube, ich verstehe.“
Draco, etwas weiter hinten, hatte jedes Wort gehört.
Sie weiß mehr, als sie sagt. Sie hat mit diesen … Dingen geredet.
Sein Blick blieb einen Schlag zu lang an ihr hängen, prüfend und misstrauisch, als suche er nach dem Vorteil in dem, was sie verbarg.
Was versteckst du eigentlich, Aurewyn?
Der Weg zur Großen Halle zog sich in zwei getrennten Strömen dahin, Gryffindors vorn, Slytherins dahinter, gerade nah genug, um jedes Wort zu hören.
Ron verzog das Gesicht. „Ich will nie wieder Thestrale sehen.“
Harry erwiderte leise: „Ich fand sie schön.“
Hermine drehte sich kurz zu Lumielle um und klang dabei leicht ehrfürchtig. „Sie sind faszinierend. Danke, Lumi, dass du das Pulver benutzt hast. Ich kannte sie bisher nur aus Büchern. Sie jetzt in echt zu sehen … das war etwas Besonderes.“
Lumielle blieb still, doch Antonia legte ihr behutsam kurz eine Hand auf die Schulter. „Alles okay?“
Sie nickte knapp. „Ja. Ich … brauchte das nur.“