Kapitel 05: Alte Geschichten
Kapitel 05: Alte Geschichten
Als die Teller schließlich leer waren und die Schüler langsam aufstanden, wandte sich Eliana an sie. „Wenn du willst, komm einfach mit uns. Wir zeigen dir den Weg zum Gemeinschaftsraum.“
Lumielle lächelte dankbar. „Sehr gern. Danke.“
Als sie mit den Mädchen aus der Großen Halle trat, warteten im Eingangsbereich bereits mehrere ältere Slytherins. „Übrigens“, sagte der Sechstklässler, der zuvor am Tisch neben ihr gesessen hatte, mit unverhohlenem Stolz, „sie ist reinblütig. Und Privatunterricht hatte sie auch.“
Ein murmelndes „Oh, Privatunterricht“ ging durch die kleine Gruppe. Dann musterte ein schlanker Viertklässler sie aufmerksam. „Du heißt doch Lumielle, oder? Woher kommt der Name? Habe ich noch nie gehört.“
Sie lächelte höflich. „Mein Vater hat den Namen für mich gewählt. Er fand, dass er zu mir passt. Selten ist er trotzdem, aber gerade das mochte er daran.“
Ein jüngerer Slytherin schob sich neugierig vor. „Lumielle … Lumi …“ Seine Augen blitzten auf. „Kann ich dich auch Lumi nennen?“
Sie nickte leicht. „Ihr könnt mich gern alle Lumi nennen, das macht es vielleicht einfacher. Meine Familie macht es nicht anders.“
Sofort ging ein zustimmendes Kichern durch die Gruppe, mehrere wiederholten den Spitznamen prüfend. „Lumi … ja, das passt wirklich“, meinte einer.
Eliana lächelte. „Das ist eigentlich süß. Klingt wie ein kleines Licht.“
Lumielle lachte leise. „Das hat meine Mutter auch gesagt, als sie mir den Spitznamen gegeben hat.“
In diesem Moment trat Draco aus der Menge und blieb direkt vor ihr stehen, die Hände lässig in die Taschen geschoben, mit dieser gewohnten, überheblichen Gelassenheit, als gehöre der gesamte Eingangsbereich ihm allein. „Hm. Du bist also tatsächlich nach Slytherin einsortiert worden“, sagte er spöttisch, ein dünnes, schiefes Lächeln im Mundwinkel. „Hätte ich fast nicht geglaubt.“
Lumielle sah ihn mit einem Hauch Ironie an. „Ich hab es dir doch gesagt.“
Draco lächelte noch dünner. „Slytherin nimmt nicht jeden. Sei froh, dass du nicht ganz fehl am Platz bist.“ Er deutete mit einem kurzen, herablassenden Blick zu den Gryffindor-Tischen. „Hauptsache, du bist nicht bei denen gelandet. Das wäre wirklich peinlich geworden.“
Genau in diesem Moment traten Fred und George Weasley aus der Großen Halle, hörten den letzten Satz und stellten sich wie selbstverständlich links und rechts neben Lumielle.
Fred grinste breit. „Lumielle oder dürfen wir schon Lumi sagen? Haben wir mitbekommen. Gefällt uns.“
George nickte zustimmend. „Schade nur, dass du bei den Schlangen gelandet bist.“
Draco verzog den Mund zu einem kalten Lächeln. „Sie hat wenigstens Verstand. Im Gegensatz zu gewissen anderen.“
Fred musterte Draco langsam und demonstrativ von den polierten Schuhen bis zum perfekt frisierten Haaransatz, grinste gefährlich breit und sagte mit zuckersüßer Stimme: „Als ob du das wüsstest, Frettchen.“
Dracos Gesicht verfinsterte sich sofort. Röte kroch ihm verräterisch den Hals hinauf, heiß, unkontrollierbar, genau die Art von Schwäche, die er am meisten hasste. Er zog das Kinn höher, als könnte er die Farbe damit zurück in die Haut zwingen. „Wie hast du mich gerade genannt?“, fauchte er leise, aber scharf genug, dass die umstehenden Slytherins sofort still wurden.
„Oh, stimmt“, säuselte George mit honigsüßer Unschuld. „Miss Aurewyn kennt die Geschichte ja noch gar nicht.“
„Wag es, diesen Vorfall zu erzählen“, zischte Draco, die Stimme jetzt eisig.
„Oh doch … wir erzählen es“, flötete Fred melodisch. „Unser Frettchen!“
Die älteren Slytherins kicherten sofort, doch Lumielle drehte leicht den Kopf. „Frettchen?“, fragte sie sanft, fast neugierig. „Warum nennen sie dich so?“
Die Farbe an Dracos Hals wurde noch stärker, gefährlich und selten an ihm. Sein Kiefer trat hart hervor und er warf den Zwillingen einen Blick zu, der mehr Drohung als Antwort war.
Fred schlang theatralisch einen Arm um George. „Also“, begann George mit feierlichem Ernst, „im vierten Schuljahr hielt Draco es für eine ausgezeichnete Idee, Harry von hinten anzugreifen.“
„Was der falsche Professor Moody offenbar nicht besonders sportlich fand“, ergänzte Fred.
George nickte gewichtig. „Also verwandelte er Draco kurzerhand in ein kleines weißes Frettchen.“
„Und damit war er noch nicht fertig“, fuhr Fred fort, dessen Grinsen immer breiter wurde. „Er ließ ihn über den Hof hüpfen, schleuderte ihn hoch und wieder hinunter und fragte dabei, ob ihm so etwas zu Hause beigebracht worden sei.“
George hob belehrend einen Finger. „Professor McGonagall musste schließlich einschreiten und Moody daran erinnern, dass man Schüler nicht zur Bestrafung verwandelt.“
„Sehr schade eigentlich“, sagte Fred mit gespieltem Bedauern. „Das Frettchen stand ihm hervorragend.“
George nickte ernst. „Weiß, aufgebracht und überzeugt davon, allen anderen überlegen zu sein. Im Grunde hatte sich kaum etwas verändert.“
Die Gruppe brach in Gelächter aus, laut, herzlich und beinahe befreiend. Draco stand starr, die Hände noch immer in den Taschen, doch seine Finger ballten sich darin zu Fäusten.
„Ich habe Potter nicht von hinten angegriffen“, sagte er kühl. Seine Stimme blieb beherrscht, trug aber einen scharfen Unterton.
Harry, der einige Schritte hinter den Zwillingen stand, widersprach trocken: „Oh doch. Genau das hast du.“
Draco fuhr herum. „Niemand hat dich gefragt, Potter.“
Lumielle sah ihn nun aufmerksamer an. In ihrem Blick lag keine offene Verurteilung, eher ehrliche Verwunderung. „Du greifst Menschen tatsächlich von hinten an?“
„Es war nicht so, wie die beiden es darstellen“, presste Draco hervor. „Und diese ganze Geschichte ist maßlos übertrieben.“
Fred legte sich eine Hand auf die Brust. „Wir würden doch niemals—“
„Natürlich nicht“, ergänzte George mit einem Grinsen, das das Gegenteil verriet.
Erneut ging Gelächter durch die Gruppe, doch Lumielle stimmte nicht ein. Ihr Blick blieb an Draco hängen, bis das Lachen um sie herum langsam schwächer wurde.
„Von hinten anzugreifen war nicht richtig“, sagte sie schließlich ruhig. „Aber ein Lehrer darf einen Schüler trotzdem nicht zur Strafe verwandeln und durch den Hof schleudern.“
Freds Grinsen wurde etwas schmaler.
„Professor McGonagall hat ihn ja auch gestoppt“, meinte George.
Lumielle nickte. „Zu Recht. Was Moody getan hat, war nicht nur demütigend, sondern illegal.“
Für einen Moment wurde es merklich stiller. Draco sah sie an, überrascht von der Verteidigung, die keine wirkliche Verteidigung war. Sie entschuldigte seinen Angriff nicht, machte ihn aber auch nicht zum Gegenstand des Gelächters.
Ihre Aufmerksamkeit lag weich auf ihm, eher nachdenklich als urteilend. Das klingt überhaupt nicht lustig, schien ihr Blick zu sagen.
Draco hielt ihn nur einen Wimpernschlag lang aus.
Nicht von dir. Nicht so. Nicht vor Publikum.
Da ertönte Professor McGonagalls Stimme, klar und ungeduldig. „Vertrauensschüler! Die Erstklässler erwarten Sie! Bitte nehmen Sie Ihre Gruppen in Empfang!“
Draco fuhr einen Tick zu schnell herum. Der Vorteil, einen Ausweg zu haben, glitt ihm für den Bruchteil eines Augenblicks durch den Ausdruck, bevor er ihn wieder erstickte. Dann saß die Maske wieder perfekt. „Erstklässler, hierher!“, rief er schneidend und Pansy sowie einige andere Slytherin-Mädchen stürmten sofort hinterher.
„Hey, Lumi, kommst du mit?“, fragte Anastasia freundlich und unterbrach die Szene, bevor Fred und George etwas noch Riskanteres sagen konnten.
Mit einem kleinen, aber deutlich erleichterten Lächeln folgte Lumielle der Schülergruppe.
✵
Die Slytherins bewegten sich die schmalen Treppen hinab, immer tiefer in den Bauch des Schlosses, wo die Luft kühler wurde und nach feuchtem Stein roch. Lumielle ging seitlich hinter Draco, ein paar Schritte entfernt, unaufdringlich und aufmerksam.
Währenddessen erklärte Draco den neuen Schülern die grundlegenden Regeln des Hauses, zeigte alte Wandfackeln, deutete auf Geheimgänge und warnte mit knappem Unterton davor, Professor Snape nachts ungefragt anzusprechen. Immer wieder prüfte er beinahe unmerklich, ob Lumielle zuhörte.
Schließlich erreichten sie die schwere Steinwand, die den Eingang zum Slytherin-Gemeinschaftsraum verbarg. Das Passwort wurde für die Neuen laut gesagt, die Wand glitt beiseite und ein eisiges, grünliches Schimmern ergoss sich in den Gang. Es tauchte die Gruppe in einen fast gläsernen Nebel, der an Unterwasserlicht erinnerte.
Der Gemeinschaftsraum wirkte wie eine versunkene Halle. Hohe Gewölbe spannten sich über ihnen und an den langen Fenstern krochen Wasserbewegungen vorbei. Hinter den Scheiben glitt ein gewaltiger Schatten vorüber.
„Der Riesenkalmar“, sagte jemand ehrfürchtig.
Lumielle nickte nur. Von zu Hause kannte sie eine solche Mischung aus fremder Architektur und schweigender Bedrohlichkeit.
Die Slytherins setzten sich in einem lockeren Halbkreis um das smaragdgrün flackernde Feuer. Sechst-, Siebt- und Fünftklässler saßen durcheinander, als wollten sie instinktiv einen Rahmen um die jüngeren Schüler bilden.
Lumielle nahm Platz. Sie hörte den Erstklässlern zu, nahm ihre hastigen Fragen, ihr stolzes Prahlen und die feine Unsicherheit in ihren Stimmen wahr.
„Harry Potter übertreibt maßlos. Der Dunkle Lord ist nicht zurück!“, behauptete ein Siebtklässler mit der Sicherheit eines Jungen, der zu Hause zu oft dieselben Sätze gehört hatte.
„Selbst wenn“, meinte ein anderer und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. „Dann gäbe es wenigstens endlich Ordnung.“
„Er war mächtig“, sagte jemand.
„Ein Reinblut“, behauptete jemand, offenbar ohne seine wirkliche Herkunft zu kennen.
„Einer von uns.“
Lumielle senkte leicht den Blick und schwieg, als wäre sie nur in Gedanken versunken. Innerlich aber ordnete sie jedes Wort und jede Betonung. Ein Teil der Schüler hier stand aus Erziehung, Gewohnheit und Familienstolz instinktiv eher auf der Seite von Lord Voldemort. Eine stille, aber wichtige Erkenntnis, die sie sich einprägte.
Eine Weile lauschte sie den Gesprächen noch, ließ die Fäden von Meinungen und Vorurteilen durch ihre Gedanken gleiten, bis die Erschöpfung des langen Tages schwer in ihre Glieder sank.
Schließlich entschied sie, dass es klüger war, früh schlafen zu gehen und morgen mit klarem Kopf weiter zu beobachten. Ein neuer Tag würde kommen, mit neuen Eindrücken und neuen Wahrheiten, die sich zwischen den Zeilen der Gespräche verbargen.
✵
Das frühe Morgenlicht fiel durch die smaragdgrün gefilterten Unterwasserfenster und malte silbrige, fließende Muster auf Lumielles Haut, als hätte der See selbst die Hand nach ihr ausgestreckt.
Sie stand vor dem Spiegel im Schlafsaal, die nackten Füße auf dem kühlen Steinboden und strich mit ruhigen Bewegungen durch ihre langen, dunkelbraunen Haare, bevor sie sie zu einem kunstvollen, schweren Dutt formte.
Eliana und Antonia beobachteten sie im Spiegel. „Wie schaffst du das? Deine Haare sehen aus wie aus einer Zauberpracht-Ausgabe“, sagte Antonia und verzog leicht die Lippen, halb beeindruckt, halb neidisch.
„Genetik“, sagte Lumielle gelassen. „Und spezielle Pflege.“
„Welche spezielle Pflege?“, fragte Anastasia und beugte sich vor, während sie die Spitzen ihres eigenen Haars kritisch zwischen den Fingern drehte.
„Eine Paste, die ich selbst anrühre, und ein orientalisches Öl, das aber nur in die Spitzen kommt.“
Die Mädchen sahen sie an, als hätte sie gerade ein besonders gut gehütetes Geheimnis gelüftet. „Paste?“, hakte Antonia nach.
„Vielleicht später“, schmunzelte Lumielle und in ihren Augen blitzte kurz etwas Amüsiertes auf.
Dann steckte sie die letzten Haarsträhnen mit silbernen Nadeln fest, kleinen Dolchen, in deren Griffen winzige Edelsteine funkelten.
„Sind das echte Steine?“, fragte Anastasia leise.
„Ja. Ein Geschenk von meinem Onkel“, sagte Lumielle.
Ein wenig später, als sie ihre Robe glattstrich, kam die unvermeidliche Frage. „Du bist wohl sehr reich?“, meinte Anastasia. Ihre Stimme war neugierig, aber ohne Bosheit.
Lumielle lächelte höflich, fast formell. „Meine Familie … hatte früher Einfluss.“ Mehr musst du nicht wissen, fügte sie in Gedanken hinzu und wandte sich wieder ihrer Robe zu.
An der Tür hörte man Kassandras Stimme. „Kommt endlich, wir müssen los.“
„Wir kommen. Mach bitte nicht so eine Hektik“, sagte Anastasia mit leichtem Lächeln und einem übertriebenen Augenrollen.
Als die Mädchen zum Gemeinschaftsraum hinuntergingen, wartete Draco bereits im Treppenaufgang. Er stand dort, als würde er lediglich beaufsichtigen, doch seine Aufmerksamkeit fand Lumielle sofort und blieb einen Hauch zu lange an ihr hängen, bevor er sich bewusst davon löste. Der schwere Dutt saß makellos und die silbernen Haarnadeln funkelten im grünlich gefilterten Licht wie kleine, gefährliche Sterne.
Blaise bemerkte das kalkulierende Glitzern in Dracos Augen und unterdrückte ein Grinsen nur mit Mühe.
Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung in Richtung der Großen Halle.
Draco ging vorneweg, die Haltung stolz und gewohnt überlegen. „Ihr folgt mir. Nicht ihnen“, erklärte er den Erstklässlern knapp, als wäre das eine Selbstverständlichkeit.
Lumielle hörte nur mit halbem Ohr zu, während Antonia ihr gerade mit lebhaften Gesten von den Geistern in Hogwarts erzählte. Doch als der Blutige Baron lautlos an ihnen vorbeischwebte, Lumielle mit einem kurzen Nicken begrüßte und in seinen blutbefleckten Kleidern wie ein Schatten den Korridor entlangglitt, verstummte selbst Antonias Stimme.
Anastasia flüsterte: „Der Blutige Baron hat dich begrüßt?!“
Lumielle blieb abrupt stehen. „Oh“, sagte sie leise. „Er ist … nur höflich.“
Draco, der bereits zwei Schritte voraus war, hielt kurz inne und drehte sich scharf um. Der Blutige Baron war selten höflich zu Schülern und ganz sicher nicht zu Neuen.
✵
Die Halle war an diesem Morgen warm und laut, erfüllt vom Duft brennender Kerzen, dem Klirren von Besteck und dem leisen Surren schwebender Teller, die über den Tischen kreisten.
Lumielle setzte sich an den Slytherin-Tisch. Ihre neuen Mitschüler begrüßten sie mit einem Gemisch aus neugierigem Respekt und fast vertrauter Herzlichkeit. Noch bevor sie richtig angekommen war, hörte sie eine Stimme, die sie sofort erkannte. „Aurewyn, du hast dich wohl schon gut bei uns eingelebt.“ Die Worte klangen kurz und fest, mit einem Hauch amüsierter Herablassung.
Als sie aufblickte, stand Draco vor ihr. Lumielle hob eine Braue. „Guten Morgen, Draco“, sagte sie.
Er erwiderte ihren Gruß nicht, als wäre Höflichkeit etwas, das man dosierte. Stattdessen setzte er sich neben Rick, einen Sechstklässler. Nah genug bei ihr, dass es kaum noch nach Zufall aussah. Seine Aufmerksamkeit blieb auf ihr, prüfend und wachsam.
Lumielle ließ den Blick über das Frühstück wandern. Schüsseln mit Haferbrei, glänzender Speck, Toast und Marmelade. „Wer kocht das alles?“, fragte sie leise.
Ein Erstklässler verkündete stolz: „Das erscheint einfach!“
Ein Siebtklässler verdrehte genervt die Augen. „Hauselfen. Die Küche ist direkt unter uns.“
Lumielle lehnte sich leicht vor. „Hauselfen? Das ist … interessant.“
Ein Schatten glitt über ihr Gesicht. Für einen Moment war sie nicht mehr in Hogwarts. Sie sah eine Küche vor sich, einen Herd und das Lachen ihrer Mutter. Einen Duft, der längst verloren war wie ein ausgelöschter Zauber.
Draco bemerkte die feine Veränderung in ihrem Gesicht und diesen kurzen, leeren Moment dazwischen.
„Kann man in die Küche gehen?“, fragte Lumielle schließlich, die Stimme wieder gefasst.
Der Siebtklässler zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich nicht. Schüler könnten das Essen verderben.“
Am Gryffindor-Tisch tauschten Fred und George einen vielsagenden Blick. „Wir bringen sie in die Küche“, sagte Fred gedämpft.
„Definitiv“, bestätigte George, als hätten sie gerade ein gemeinsames Gelöbnis abgelegt.
„Was haben wir als Erstes?“, fragte Lumielle in die Runde und riss sich endgültig von ihren Gedanken los.
Draco sah sie an. „Du hast dir deinen Stundenplan nicht angesehen?“ Seine Stimme war voll von Spott und diesem herablassenden Unterton, als wäre sie gerade die größte Enttäuschung des Tages. „Wie typisch. Neu hier und schon unvorbereitet.“
Sie errötete leicht, senkte den Blick jedoch nicht. „Offenbar nicht“, gab sie ruhig zu.
„Zaubertränke“, sagte Draco. „Bei Professor Snape. Schwer genug, selbst wenn man vorbereitet ist. Du wirst aufholen müssen, schnell sogar, bevor du dich völlig lächerlich machst. Oder bist du es gewohnt, dass dir alles einfach in den Schoß fällt?“
„Ich schaffe das“, entgegnete Lumielle sanft, ohne jede Prahlerei. „Ich habe als Kind schon viel Unterricht in diesem Fach bekommen.“
Draco öffnete den Mund, bereit für einen schneidenden Kommentar. Etwas Elegantes, Giftiges, das sie wieder auf Abstand setzen würde. Doch Lumielle wandte den Blick ab. Für einen Augenblick glitt etwas Schweres in ihre Augen, ein Schatten, der nicht zu seinem Spott passte.
Draco schloss den Mund wieder. Nicht aus Nachsicht, eher, als hätte er den Satz abgewürgt, bevor er ihm entgleiten konnte.