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Der Lord der Schrotthaufen

Band 3 - Kein Platz Für Eulen - Die Fundamente Der Neuen Heimat — www.fanfiktion.de · All chapters

Der Lord der Schrotthaufen

Kapitel 2: Der Lord der Schrotthaufen (Sirius´s Geschichte)

Die Wochen nach ihrer Ankunft waren wie im Flug vergangen, und aus den nackten, emporgewachsenen Steinmauern war ein echtes Zuhause geworden. Sirius hatte beim Einrichten seines Hauses keinerlei Zurückhaltung gezeigt. Wo Severus' Heim einer kargen, fast klösterlichen Festung voller ordentlich beschrifteter Regale und Alchemie-Apparaturen glich, war Sirius' Haus ein lebendiges, gemütliches Chaos. Schwere, dunkelrote Samtsessel von der Erde standen auf kunstvoll gemusterten Naboo-Teppichen. An den Wänden hingen magisch bewegliche Bilder der Rumtreiber und alte Motorrad-Poster neben filigranen, silbernen Halterungen für galaktische Energiezellen. Kreacher hatte im ganzen Haus polierte Messingleuchter verteilt, die er mit schwebenden Erden-Kerzen bestückt hatte, was dem Raum ein warmes, fast nostalgisches Licht verlieh.

Doch das Herzstück von Sirius' neuem Leben lag nicht im Wohnzimmer. Es war der riesige, offene steinerne Anbau, den er kurzerhand zu seiner Werkstatt erklärt hatte.

„Du hast wirklich vor, den edlen Boden dieses Planeten mit Schmieröl zu besudeln, Black?“, ertönte Severus' Stimme am frühen Morgen. Der Tränkemeister stand im Torbogen der Werkstatt, die Arme verschränkt, und betrachtete misstrauisch die bizarren Konstrukte, die sich dort stapelten.

Sirius, der bis zu den Ellbogen in dunklem, galaktischem Maschinenfett steckte und dessen graue Augen vor purer Energie blitzten, blickte unter der geöffneten Triebwerksklappe eines demolierten Repulsor-Flitzers hervor. „Es ist kein Schmieröl, Severus, es ist synthetische Hydraulikflüssigkeit! Und ja, verdammt, ich liebe es.“ Er wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn, hinterließ einen schwarzen Streifen und grinste breit. „Die Muggel auf der Erde hatten recht: Mechanik hat eine ganz eigene Magie. Aber diese Mechanik hier? Sie fliegt! Und wenn man sie mit einem sauber platzierten Schwebe- und Permanent-Antriebszauber füttert … Merlin, Snape, dann kriegst du ein Fluggerät, das die Schallmauer durchbricht, ohne auch nur zu vibrieren!“

„Eine hochgradig instabile Todesfalle, wenn du mich fragst“ , murmelte Severus, doch seine dunklen Augen wanderten neugierig über die sauber sortierten Werkzeuge. Er würde es niemals zugeben, aber die Präzision, mit der diese Maschinen gebaut waren, faszinierte den Tränkemeister insgeheim.

„Sie läuft perfekt, Onkel Sev'rus!“, rief der 14-jährige Harry gut gelaunt, der auf einer Kiste am Rand saß. In den Händen hielt er ein seltsames, rundes Messgerät, an dem er unter Sirius' Anleitung herumschraubte. Harry trug eine einfache, sandfarbene Padawan-Tunika, doch seine Augen leuchteten wie die eines ganz normalen Jungen, der endlich Zeit mit seinem Patenonkel verbringen durfte. „Sirius hat den Navigationscomputer mit einem modifizierten Späh-Zauber gekoppelt. Der Flitzer weicht Bäumen jetzt von alleine aus, noch bevor der Fahrer überhaupt merkt, dass sie da sind!“

Um an all diese fantastischen Teile zu kommen, hatten sie die Abgeschiedenheit des Paonga-Sees verlassen und gemeinsam mit Ahsoka die nächste Stadt, das malerische Theed, besucht. Für die drei Zauberer war dieser Ausflug ein regelrechter Kulturschock gewesen. Die majestätischen, sandsteinfarbenen Paläste mit ihren gewaltigen Kuppeln, die eleganten Brücken, die sich über reißende Flüsse spannten, und das bunte Treiben auf den Märkten hatten sie tief beeindruckt. Überall flogen schlanke, silberne Sternenjäger durch den azurblauen Himmel, während auf den Straßen Menschen in edlen, fließenden Gewändern neben den verschiedensten Droiden und fremden Wesen einhergingen.

Besonders Kreacher hatte auf dem Markt für Aufsehen gesorgt. Der alte Hauself hatte sich innerhalb kürzester Zeit mit einer Gruppe von Ugnaughts angefreundet – jenen kleinen, geschäftstüchtigen Händlern, die den Schrottmarkt von Theed kontrollierten. Während Sirius mit leuchtenden Augen nach alten Repulsor-Platten suchte, feilschte Kreacher mit den Ugnaughts um galaktische Credits, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Mit wilden Gesten und seinem eisernen Nudeholz, das er immer noch im Gürtel trug, hatte er den Händlern die besten Rabatte abgejagt. „Kreacher lässt sich von runden Schweinenasen nicht übers Ohr hauen! Schrott muss billig sein für den Herrn Sirius!“ , hatte er gekrächzt, und die Ugnaughts hatten den kleinen, magischen Elf am Ende mit einer Mischung aus tiefem Respekt und schierem Entsetzen verabschiedet.

„Wir haben genug Schrott für die nächsten drei Monate“, lachte Remus, der ebenfalls in die Werkstatt getreten war. Er hielt eine Tasse von Kreachers perfekt gebrühtem Tee in der Hand. Remus wirkte entspannter als je zuvor auf der Erde; seine Sinne, die durch den Werwolfsfluch geschärft waren, fühlten sich in den unberührten, lebendigen Wäldern von Naboo unendlich wohl. Er verbrachte seine Tage oft damit, die Flora und Fauna zu studieren und Ahsoka Löcher in den Bauch zu fragen. „Sirius, die halbe Stadt spricht bereits von dem verrückten, eleganten Mann mit den langen Haaren, der Droiden repariert, indem er sie schräg ansieht und seltsame Holzstäbe schwingt. Du wirst noch berühmt hier.“

Sirius gluckste und warf eine winzige, glänzende Metallmutter in die Luft, um sie wieder aufzufangen. „Lass sie ruhig reden, Moony. Wenn diese Händler wüssten, was wir mit ihrer Ware anstellen, würden sie uns für Götter halten. Oder für intergalaktische Diebe.“

Harry lachte laut auf. „Du meinst die Sache auf dem Schrottplatz der Ugnaughts?“

„Genau das“, grinste Sirius breit und sah zu Severus hinüber, der verächtlich die Nase rümpfte. „Die dachten, sie könnten uns eine ganze, schrottreife Triebwerksgondel von einem alten Frachter vorenthalten, weil wir keinen Transportgleiter dabeihatten. Ich habe dem kleinen Kerl ein paar Credits auf den Tisch gelegt, meinen Zauberstab gezogen und das Riesending mit einem sauberen Reduzio auf die Größe eines Kaugummis geschrumpft. Du hättest das Gesicht von dem Ugnaught sehen müssen! Der hat fast seine Schweinsnase verloren vor Schreck.“

„Du hast ein unbezahlbares, tonnenschweres Bauteil galaktischer Ingenieurskunst in deiner Manteltasche hergetragen, Black“, warf Severus kühl, aber amüsiert ein. „Ein logistischer Geniestreich, das gestehe ich dir zu. Theoretisch könnten wir ein ganzes abgestürztes Sternenschiff schrumpfen und in deinem Vorgarten wieder vergrößern – vorausgesetzt, Kreacher lässt uns den Platz auf seinem heiligen Rasen.“

„Bring mich nicht auf Ideen, Snape!“, rief Sirius mit einem wilden, abenteuerlustigen Funkeln in den Augen. „Ein ganzer Sternenzerstörer als Ersatzteillager direkt hinter dem Haus? Das wäre der absolute Hammer!“

Ahsoka Tano lehnte entspannt an der Wand der Werkstatt, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie beobachtete die Dynamik der Gruppe mit einem warmen, weisen Lächeln. Diese Männer hatten so viel Schmerz und Dunkelheit auf der Erde erlebt, doch hier, in der Werkstatt zwischen Schraubenschlüsseln und Zauberstäben, schienen die Geister der Vergangenheit endgültig zu verblassen.

„Eure Magie ist faszinierend“, sagte Ahsoka leise, und ihr Blick wanderte zu Sirius, der gerade eine Schraube per schwebendem Schraubendreher festzog. „Sie greift direkt in die physische Welt ein. Sie erzwingt eine Veränderung. Die Macht hingegen… sie fließt. Sie bittet nicht, sie verbindet.“

Harry blickte von seinem Messgerät auf. „Meisterin Ahsoka hat uns gestern gezeigt, wie man meditiert, Sirius. Es ist ganz anders als Okklumentik. Man muss den Kopf nicht leer machen oder Mauern aufbauen. Man muss sich einfach… öffnen. Der Natur zuhören.“

„Okklumentik erfordert Disziplin und geistige Härte, Potter“, warf Severus prompt ein, verteidigte seine alte Kunst, doch in seiner Stimme lag keine Bosheit mehr, sondern echte Neugier. Er sah zu Ahsoka. „Aber ich gestehe… die Resonanz, die ich spüre, wenn ich diese hiesigen Pflanzen verarbeite, fühlt sich lebendig an. Als würde die Natur selbst mir mitteilen wollen, welche Essenz mit welcher reagiert. Ist das … diese Macht, von der Sie sprechen?“

Ahsoka nickte sanft. „Die Macht umgibt uns alle, Severus. Sie fließt durch die Pflanzen, durch die Steine, durch uns. Ihr Zauberer nutzt einen Kanal, den ihr Magie nennt, aber im Grunde seid ihr alle Teil ein und desselben großen Stroms. Ihr müsst nur lernen, nicht mehr zu kontrollieren, sondern zuzuhören.“

Severus schwieg für einen langen Moment. Seine dunklen Augen verengten sich zu Schlitzen, während in seinem Kopf die Gedanken wie wild zu rotieren begannen. Er starrte auf seine blassen Hände. In seinem Inneren formten sich bereits erste, kühne Ideen – theoretische Gefüge von Tränken, die die molekularen Strukturen der Naboo-Pflanzen nicht nur chemisch und magisch spalteten, sondern sie direkt mit dem energetischen Netz dieser Galaxis verwoben. Hochqualifizierte Heilmittel, die Krankheiten kurieren könnten, gegen die die irdische Braukunst machtlos war. Doch seine tief verwurzelte Skepsis hielt ihn zurück. Er verstand das unsichtbare System hinter dieser Macht noch nicht. Es fühlte sich zu ungreifbar an, zu vage für einen Geist, der gewohnt war, exakte Milligramm und exakte Rührbewegungen zu zählen.

„Glauben Sie …“, begann Severus langsam, und seine Stimme war so leise, dass Sirius das Hämmern einstellte, um zuzuhören. Severus blickte nicht Ahsoka an, sondern starrte ins Leere, fast so, als würde er sich die Frage selbst stellen. „Glauben Sie, dass es einem Geist, der in den starren Rastern der Magie geschult wurde, möglich ist … diese Macht aktiv zu erlernen? Und sie im Kern mit der Zauberei zu verschmelzen?“

Es war Harry, der ihm antwortete. Der 14-jährige Junge legte das Messgerät beiseite, sprang von seiner Kiste und trat einen Schritt auf seinen Onkel Sev'rus zu. In Harrys Augen lag kein Zweifel, sondern der unerschütterliche Glaube an das Genie des Tränkemeisters.

„Natürlich kannst du das, Onkel Sev'rus“, sagte Harry mit einem breiten, warmen Lächeln, das jede Skepsis im Raum vertrieb. „Niemand versteht das Gefüge von magischen Zutaten so gut wie du. Wenn du erst mal lernst, dich dieser Energie zu öffnen, wirst du Tränke brauen, von denen diese Galaxis noch nicht mal zu träumen gewagt hat. Du musst dich nur trauen, die Kontrolle ein kleines bisschen loszulassen. Meisterin Ahsoka und ich helfen dir dabei.“

Severus blickte auf den Jungen hinab. Die Maske des unnahbaren Lehrers zuckte kurz, und ein seltener, fast unmerklicher Ausdruck von Stolz und leiser Rührung legte sich um seine Mundwinkel. Er schnaubte leise, aber das abweisende Funkeln fehlte völlig. „Wir werden sehen, Potter. Zuerst werde ich die grundlegenden Schriften analysieren, bevor ich mich auf unüberlegte Experimente einlasse.“

Sirius grinste breit von seinem Flitzer herüber. „Klingt, als hätten wir bald den ersten Macht-Tränkemeister des Universums im Haus.“ Er klopfte schwungvoll auf das Heck des Fluggeräts. „Aber bevor wir alle zu galaktischen Philosophen werden und im Kreis meditieren, mein lieber Padawan … lass uns erst mal diesen Antrieb fertigstellen. Ich will wissen, ob die Kombination aus einem Levitationszauber und einer Corellianischen Treibstoffpumpe uns direkt in die Wolken schießt!“

Harry lachte laut auf, und das Echo seines Lachens mischte sich mit dem vertrauten Summen der Werkstattpaneele und dem fernen Rauschen des Wasserfalls. Sie waren angekommen. Sie lernten jeden Tag etwas Neues, und sie waren bereit für alles, was das Universum noch für sie bereithielt.

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