Die Alchemie der Sterne
Die Alchemie der Sterne
Kapitel 4: Die Alchemie der Sterne (Severus´s Geschichte)
Der Duft von getrocknetem Wermut mischte sich mit dem stechenden, ozonartigen Geruch von frisch gereinigten galaktischen Glasphiolen. Severus Snape stand inmitten seines hochmodernen Labors, das er im tiefen Kellergeschoss seines emporgewachsenen Steinhauses eingerichtet hatte. Es war kein Ort des Erden-Aberglaubens mehr. Severus hatte radikal mit alten Traditionen gebrochen. Wo in Hogwarts düstere, tropfende Wände und schwaches Kerzenlicht geherrscht hatten, erstrahlte dieser Raum nun im sanften, gleichmäßigen Schein von indirektem, weißem Lumineszenz-Licht, das er aus Theed mitgebracht hatte. Die Regale waren eine perfekte Symbiose aus zwei Welten:
Dunkles, schweres Eichenholz von der Erde, das mit unsichtbaren, magnetischen Halterungen versehen war, um die Erschütterungen der nahen Triebwerkstests von Sirius abzufangen. Überall standen blitzblanke, gläserne Destillationsapparaturen neben hochpräzisen, digitalen Temperaturreglern aus Durastahl.
Severus wog eine Handvoll blassblauer, pulsierender Naboo-Blüten ab, die er am Vortag im Unterholz gesammelt hatte. Die molekulare Dichte dieser Flora ist geradezu berauschend , dachte er, während er die Blüten vorsichtig in einen gläsernen Kolben gleiten ließ. Sie besitzen Heilkräfte, von denen die Zaubererwelt im Nebel Großbritanniens nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Keine Gifte, keine dunklen Flüche in den Fasern. Reine, rohe Lebenskraft.
Ein leises Plonken ertönte von oben, gefolgt von Schritten. Remus Lupin trat die steinerne Treppe hinab, in den Armen hielt er das schlafende Shistavane-Kind, das sich fest in seine weiche Robe gekrallt hatte.
„Wie geht es dem Schattenläufer?“, fragte Severus, ohne den Blick von seiner Waage abzuwenden.
„Er schläft viel“, antwortete Remus leise und setzte sich auf einen der hohen Metallstühle. „Ich war heute Morgen bei Sirius in der Werkstatt. Wir haben ein Bett für ihn gezimmert, aber der Kleine weigert sich beharrlich, den Raum zu betreten. Er schläft lieber zusammengerollt auf dem Steinboden vor meiner Hütte am Wasserfall. Ich muss seinen echten Namen noch herausfinden. Bisher reagiert er nur auf das Geräusch von knackendem Holz.“ Remus blickte sich im makellosen Labor um. „Du hast dich also endgültig eingerichtet, Severus? Kein Drachenblut mehr? Keine getrockneten Krötenaugen?“
„Diese Welt benötigt keine primitiven tierischen Schlachtabfälle, um die Säfte im Körper auszugleichen, Lupin“, erwiderte Severus kühl, doch ein Funken von Stolz schwang mit. „Die Synthese aus Magie und den energetischen Pflanzen Naboos ist weitaus sauberer. Aber mein Wissen ist starr. Ich benötige … nun ja, jemanden, der diese Natur unvoreingenommen versteht. Ahsoka hat recht. Ich brauche einen Schüler. Aber die Kinder in der Stadt Theed sind mir zu … weichlich und durch die Zivilisation korrumpiert.“
Bevor Remus antworten konnte, ertönte ein lauter, scharf knallender Plopp mitten im Labor. Die Luft verzerrte sich mit einem bläulichen, machtgeladenen Schimmer. Kreacher materialisierte sich direkt neben dem Labortisch, das silberne Teetablett fest umklammert. Seine großen Fledermausohren zuckten wild, und er atmete schwer.
Severus wirbelte herum, die Augen gefährlich verengt. „Kreacher! Wie oft habe ich dir untersagt, direkt in meinen Brauprozess zu apparieren? Und was war das für ein seltsames Leuchten?“
Der Hauself schüttelte heftig den Kopf und stellte das Tablett ab. „Kreacher bittet um Verzeihung, Meister Severus! Aber Kreacher war in der großen Stadt Theed! Ja, Kreacher kennt die Koordinaten nun! Und Kreacher spürt es … es ist nicht wie die englische Magie auf der Erde. Hier draußen … da ist ein Ziehen in der Luft. Ein Fluss. Kreacher nutzt einfach das Ziehen, kombiniert es mit Elfenmagie, und zapp – Kreacher ist in Theed und wieder hier!“
Remus sah auf. „Er nutzt unbewusst die Macht, um seine Apparation über planetare Distanzen zu verstärken. Faszinierend. Ahsoka muss sich das ansehen.“
„Kreacher ist nicht zum Vergnügen gereist!“, krächzte der Elf dringend und trat näher an die beiden Zauberer heran. „Kreacher war bei den Ugnaughts auf dem Schrottmarkt. Kreacher wollte neue Deals machen für das Geschäft von Meister Sirius … Kundenakquise, ja! Die runden Schweinenasen lieben Kreachers Verhandlungsgeschick. Aber … Kreacher hat etwas gehört. Am Rande des Marktes, in den dunklen Ecken, wo die finsteren Gestalten flüstern.“ Kreachers Stimme wurde leiser. „Kriminelle. Kopfgeldjäger und Schmuggler. Sie tuscheln über seltsame Erschütterungen nahe dem Paonga-See. Sie reden von Fremden, die Häuser aus dem Nichts wachsen lassen und Jägergondeln in die Manteltaschen stecken. Sie werden neugierig, Meister Severus.“
Severus hielt inne. Seine langen Finger umklammerten die Kante des Tisches. „Neugieriges Gesindel ist das Letzte, was wir hier gebrauchen können.“
„Genau das hat Kreacher sich gedacht!“, triumphierte der Elf und zog ein schmutziges, blinkendes Datenpad aus seinem Tuch. „In der magischen Welt hatten die alten Häuser der Vorfahren mächtige Schutzzauber. Den Fidelius, die Blutbarrieren, die Abwehrflüche, die fremde Rassen und Feinde fernhielten. Aber Kreacher weiß nicht, ob diese Zauber auch gegen die Plasmawaffen und die Blaster dieser Welt wirken! Die Energie ist anders. Deshalb hat Kreacher gehandelt.“ Er tippte auf das Display. „Kreacher hat im Datenpad der Ugnaughts Verstärkerpylonen aus Durastahl gesehen. Neu kosten sie ein ganzes Vermögen! Kreacher war nicht bereit, dass die Familie so viele Credits ausgibt. Und Kreacher lässt keine fremden Techniker auf unser Land, die uns ausspionieren!“
„Und wie hast du stattdessen gehandelt, Kreacher?“, fragte Remus amüsiert, während der Shistavane auf seinem Arm kurz die Augen öffnete und leise schnaubte.
„Kreacher hat drei defekte Pylonen erstanden! Für einen Bruchteil des Preises! Und eine Anleitung hat Kreacher auch erpresst! Mit Meister Sirius' Mechanik, Meister Severus' Logik und Kreachers Magie reparieren wir die Teile selbst. Wir installieren sie heimlich um den See herum. Und mit Elfenmagie machen wir die Pylonen komplett unsichtbar! Niemand wird sehen, warum die Häuser so gesichert sind. Keine Neugierigen mehr!“
Severus betrachtete das Datenpad, das der Elf ihm hinhielt. Ein seltenes, schmales Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Ein exzellenter logistischer Schachzug, Kreacher. Die Kombination aus magischen Schutzwällen und physischen Durastahl-Schildbarrieren dürfte selbst die modernsten Blastergeschütze der Unterwelt in energetische Nutzlosigkeit auflösen. Bring die Pylonen zu Sirius in die Werkstatt. Er soll die mechanischen Relais prüfen.“
Kreacher verbeugte sich tief, schnappte sich das Datenpad und apparierte mit einem leisen, bläulichen Plopp direkt nach oben in die Werkstatt.
Severus atmete tief aus, strich sich eine Strähne des schwarzen Haares aus dem Gesicht und wandte sich wieder Remus zu. „Das erinnert mich an meinen eigenen Ausflug nach Theed, als ich Kreacher vor ein paar Tagen begleitete. Ich wollte auf dem Markt nach seltenen Erden und Mineralien suchen. Und stattdessen fand ich … das absolute Chaos.“
Der Rückblick entfaltete sich vor Severus’ innerem Auge, so plastisch, als stünde er wieder auf den sonnendurchfluteten, prachtvollen Straßen von Theed.
Es war unlauter, heißer Nachmittag gewesen. Severus war elegant und mit wehendem schwarzen Umhang über den Markt geschritten, die spartanische Bescheidenheit, in der Harry und Ahsoka lebten, noch frisch im Gedächtnis. Zwar hatten die beiden die alte Steinruine über die Jahre zu einem durchaus wohnlichen und gemütlichen Zuhause ausgebaut – Harrys Zimmer besaß ein völlig normales, bequemes Bett –, aber Ahsoka hatte ihnen mehr als einmal erklärt, dass ihr alter Orden Schlichtheit und den Einklang mit der lebendigen Natur predigte. Es gab hier keine technologischen Extravaganzen. Harry und seine Meisterin wuschen sich ganz traditionell im klaren Wasser des nahen Sees, anstatt komplizierte mechanische Nasszellen zu installieren. Ein Umstand, den Severus für reichlich unpraktisch hielt, der aber in einem fast schon amüsanten Kontrast zu Sirius stand. Black hatte es tatsächlich fertiggebracht, den gesamten, dekadenten Hausrat seines irdischen Ahnenpalastes mitzuschleppen. Kistenweise schweres Black-Silber, düstere, magisch bewegliche Familienporträts und allerlei prunkvollen Unfug, der in dieser von der Macht erfüllten, schlichten Umgebung völlig deplatziert wirkte.
Doch auf dem Markt von Theed war es nicht friedlich gewesen. Plötzlich war ein lautes Geschrei aufgebrochen. Ein Händler hatte gebrüllt, Wachen in roten Rüstungen waren herbeigeeilt. Mittendrin:
Ein kleines, zierliches Mädchen mit olivgrüner Haut, markanten Gesichtstätowierungen und schwarzen, wilden Haaren. Eine Mirialanerin. Sie hatte ein großes Stück Naboo-Brot und ein paar Früchte in den Händen gekrallt. Als zwei imperiale Kopfgeldjäger, die sich in den Schatten der Gasse herumtrieben, nach ihr greifen wollten, hatte das Mädchen die Wachen mit einer überraschenden, wilden Kraft weggeschubst und sich losgerissen. Ein kurzes, brutales Chaos entstand.
Severus, der das Geschehen aus dem Hintergrund mit eiskalten Augen beobachtet hatte, war elegant an den wütenden Händler herangetreten. Bevor die Jäger oder die Wachen die Verfolgung wieder aufnehmen konnten, hatte Severus ohne ein einziges Wort zu sagen eine Handvoll schwerer Credits auf den Tisch geworfen – der Wert überstieg das gestohlene Essen um das Zehnfache. Der Händler war sofort besänftigt gewesen, und die Wachen hatten die Verfolgung abgebrochen. Für sie war der Schaden beglichen. Die Sache war erledigt.
Doch das Mädchen war geflohen. Sie hatte sich in die verwinkelten, prachtvollen Gassen von Theed davongemacht.
Aber Snape hatte ein unfehlbares Gespür für Ausreißer. Er war schließlich jahrelang der Hauslehrer von listigen, rebellischen Slytherins gewesen und wusste genau, wie die Geister von verängstigten, wütenden Kindern funktionierten. Er hatte sich unterwegs an einem Marktstand ohne jede Eile selbst etwas zu essen und zu trinken gekauft und war ihrer Spur gefolgt. Er wusste genau, wo sich Kinder in einer fremden Stadt versteckten:
im tiefsten Schatten, weit weg von den beleuchteten Hauptstraßen, dort, wo die prunkvollen Säulen der Paläste die Armut verbargen.
Er hatte sie schließlich in einer ruhigen, kühlen Ecke gefunden – hinter den antiken Pavillons in den königlichen Gärten von Theed, wo das gewaltige Rauschen der Wasserfälle die Geräusche der Stadt komplett verschluckte.
Der psychologische Schachzug war typisch für Severus gewesen:
Er bedrängte sie nicht. Er stellte sich nicht drohend vor sie hin, um ihr eine moralische Standpauke zu halten. Stattdessen hatte sich der große Mann in seinem tiefschwarzen Umhang einfach ein paar Schritte weiter auf eine kühle Steinbank gesetzt. Er breitete das frisch gekaufte Essen – feines Naboo-Brot, süße Früchte und das von ihr gestohlene Gut – ruhig auf seinem Schoß aus. Dann fing er einfach an, gelassen und schweigend zu essen, während das hungrige, grimmige Mädchen ihn aus ihrem Versteck im Gebüsch heraus mit misstrauischen, scharfen Mirialaner-Augen fixierte. Sie war so grummelig und finster, wie Severus es selbst manchmal war. Sie besaß denselben scharfen, defensiven Humor, der sich hinter einer Mauer aus purem Trotz verbarg. Irgendetwas an ihrer wilden Entschlossenheit hatte in Severus einen tiefen, lange vergrabenen Beschützerinstinkt aktiviert. Sie erinnerte ihn an niemanden geringeren als Lily – nicht vom Aussehen, sondern von diesem unbändigen, stolzen Feuer, das sich weigerte, vor der Grausamkeit der Welt zu kapitulieren. Das Mädchen was misstrauisch. Niemand hatte ihr bisher geholfen, ohne sie kurz darauf zu hintergehen oder an Sklavenhändler zu verkaufen.
Nach einer Ewigkeit des Schweigens, ohne sie auch nur direkt anzusehen, hatte Severus schließlich mit seiner tiefen, samtenen Stimme auf Basic gesprochen:
„Du hast durchaus Talent im Taschendiebstahl, Kind. Aber deine Fluchttechnik ist miserabel. Wenn ich ein Kopfgeldjäger oder einer dieser Sklavenhändler vom Markt wäre, wärst du jetzt schon wieder in Ketten.“ Er blickte immer noch nicht zu ihr, sondern deutete nur vage auf das reichhaltige Essen auf seinem Schoß. „Ich habe dein Diebesgut bezahlt. Es gehört rein rechtlich mir. Mein Vorschlag ist folgender: Du kommst aus diesem Gebüsch heraus, setzt dich verdammt noch mal hierher und isst dich satt. Ein fairer Tausch, findest du nicht?“
Das Mädchen hatte gezögert. Ihre Muskeln waren angespannt gewesen wie Sprungfedern. Doch der Hunger war größer gewesen. Sie war hervorgebrochen, hatte ihm eine mürrische, grimmige Antwort hingeworfen, sich das Essen mit einer blitzschnellen Bewegung von seinem Schoß geschnappt und war sofort wieder im tiefen Schatten der Palastmauern verschwunden, ohne ihm eine echte Antwort zu geben. Severus hatte ihr hinterhergesehen und ihr mit ruhiger Stimme nachgerufen: „Wenn du überleben willst, ohne jeden Tag um dein Leben zu rennen … komm zum Paonga-See. Ich suche eine Schülerin. Du wirst ein echtes Heim bekommen, ausreichend Essen, Trinken und die Möglichkeit, etwas aus deinem Leben zu machen. Ich werde dich ausbilden – und ich werde dich vor allem Bösen und den Gefahren dieser Galaxis beschützen. Wenn du das nicht willst, bleib auf der Straße. Die Entscheidung liegt bei dir.“
Severus blinzelte und kehrte in die Gegenwart des Labors zurück. Remus sah ihn schweigend an, ein tiefes Verständnis in den Augen.
„Sie hat dir nicht geantwortet?“, fragte Remus leise.
„Nein“, erwiderte Severus und wandte sich wieder seinen Naboo-Blüten zu. Seine Stimme klang distanziert, doch in seinen Fingern lag eine feine nervöse Spannung. „Sie hat das Essen genommen und ist geflohen. Ihr Name ist Leeka. Ich habe es von den Händlern erfahren. Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört. Sie ist zu misstrauisch. Sie glaubt nicht an die Existenz von selbstloser Hilfe. Und ich werde sicherlich nicht durch die Gassen von Theed rennen, um ein mirialanisches Straßenkind anzubetteln.“
Plötzlich ertönte von oben, von der Lichtung des Sees, ein lautes, aufgeregtes Rufen. Es war Harrys Stimme.
„Remus! Onkel Sev'rus! Kommt schnell nach oben! Die Gungans sind wieder da! Sie sagen, am anderen Ende des Sees, nahe den Schilfbetten … da liegt jemand!“
Severus ließ die Phiole fallen. Sie zerschellte nicht, sondern blieb dank eines stummen Auffangzaubers unversehrt auf dem Tisch liegen. Er sah Remus an, dessen Wolfssinne bereits die Dringlichkeit in Harrys Stimme analysierten. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, schritt der Tränkemeister an Lupin vorbei, den schwarzen Umhang hinter sich herziehend, und stürmte die Treppe hinauf ins helle Tageslicht. Das Schicksal von Naboo wob seine Fäden weitaus schneller, als Severus’ Skepsis es wahrhaben wollte.
Als Severus und Remus auf die Lichtung traten, war die weiche Idylle des Paonga-Sees von einer nervösen Unruhe erfüllt. Der Wind peitschte durch das hohe Schilf am Ufer, und das ferne Rauschen des Wasserfalls klang plötzlich drängender. Sirius stand bereits am Rand des Steg-Fundaments, den Zauberstab locker in der Hand, während Ahsoka Tano mit ruhigen, aber wachsamen Augen das gegenüberliegende Ufer musterte. Harry winkte den beiden Tränkemeistern hektisch zu und deutete auf zwei Gungans, die tiefer im Schilf standen und aufgeregt mit den Armen gestikulierten.
„Dort drüben!“, rief Harry, als Severus und Remus mit schnellen Schritten auf sie zukamen. „Die Gungans haben sie beim Fischen entdeckt. Sie sagen, sie bewegt sich kaum noch.“
Remus spürte sofort, wie sich seine geschärften Sinne anspannten. Der Wind trug den Geruch von kaltem Seewasser, Schlamm und … frischem Blut herüber. „Es ist ein Kind, Severus. Der Geruch ist schwach, aber eindeutig.“
Severus antwortete nicht. Seine Lippen waren zu einer schmalen Linie zusammengepresst, während er seinen Zauberstab zog. Mit einer eleganten Bewegung hob er den Saum seiner schweren, schwarzen Robe an, um nicht im seichten Schlamm steckenzubleiben, und watete ohne zu zögern in das dichte Schilfbett hinein. Sirius und Harry folgten ihm dicht auf den Fersen.
Das Schilf war hoch und scharfkantig, doch als sie die kleine Lichtung im Wasser erreichten, traten die Gungans respektvoll zurück.
„Hier, Meister Jedi!“, plapperte einer der Gungans nervös und deutete auf das Dickicht. „Kleine Person ganz blass und nass, ja! Wie ein weggeworfener Fisch im Kraut!“
Severus hielt für den Bruchteil einer Sekunde mitten in der Bewegung inne. Seine Hand fror über den Schilfhalmen ein, und seine dunklen Augen weiteten sich leicht vor Erstaunen. Meister Jedi. Das Wort hallte in seinem Kopf wider, doch statt Verärgerung spürte er eine Welle von tiefer, faszinierter Nachdenklichkeit. Für diese Wesen gab es keinen Unterschied zwischen der Magie seiner Heimat und der Urkraft dieser Galaxis. Ein flüchtiger, intensiver Gedanke schoss ihm durch den Sinn:
Vielleicht haben sie recht. Vielleicht sind die Grenzen, die ich in meinem Kopf ziehe, völlig bedeutungslos. Ich muss mich unbedingt mit der Literatur dieser Welt befassen … mit ihren Schriften über die Macht, wenn Ahsoka uns zu dieser verborgenen Bibliothek führt.
Er schüttelte die Starre ab und ging mit einer fließenden Bewegung in die Knie. Das kalte Seewasser schwappte gegen seine Stiefel, doch er ignorierte es komplett. Mit unendlich sanften, aber bestimmten Händen drehte er das Kind vorsichtig auf den Rücken.
Ein scharfer Atemzug entwich seinen Lippen.
„Bei Merlins Bart…“ , flüsterte Sirius hinter ihm und beugte sich vor. „Sie ist grün, Severus. Und schau dir diese Muster in ihrem Gesicht an. Was ist das für ein Mädchen? Sie ist ja winzig.“
„Leeka“, murmelte Severus, und in seiner sonst so unnahbaren Stimme schwang ein seltener Funken von echtem Erschrecken mit. Es war das mürrische, grimmige Mädchen vom Markt in Theed. Sie hatte seinen Rat also doch befolgt, oder der Hunger und die Flucht vor den Kopfgeldjägern hatten sie hergetrieben. In ihren Zügen lag kein Trotz mehr, sondern nur noch die blasse, kalte Erschöpfung des Todes. An ihrer Flanke sickerte dunkles Blut durch den zerrissenen Stoff ihrer Tunika – eine unverkennbare Verbrennung durch einen Streifschuss aus einer Blasterwaffe.
„Sie lebt, aber ihr Geist flackert“, sagte Ahsoka, die lautlos neben Severus aufgetaucht war. Sie legte zwei Finger an die Schläfe des Mädchens. „Die Wunde ist infiziert, und sie hat zu viel kaltes Wasser geschluckt. Die Macht in ihr kämpft, aber ihr Körper gibt auf.“
„Nicht, solange ich hier stehe“, zischte Severus. Die alte, eiserne Entschlossenheit des Heilers flammte in seinen dunklen Augen auf. Er schob seinen Zauberstab in den Ärmel und hob das zierliche Mädchen mit überraschender Kraft in seine Arme. Ihr kleiner, kalter Kopf sank regungslos gegen seine Brust. „Sirius! Räum den Tisch in meinem Labor frei! Harry, hol frisches, abgekochtes Wasser! Sofort!“
„Schon unterwegs, Onkel Sev'rus!“, rief Harry, wirbelte herum und sprintete los, gefolgt von Sirius, der mit einem scharfen Pfiff Kreacher rief, um die Vorbereitungen zu beschleunigen. Einer der Gungans, der vor Neugierde und Sorge fast platzte, trippelte mit großen Schritten hinter ihnen her, fest entschlossen zu sehen, wie der „Meister Jedi“ das Kind retten würde.
Severus schritt mit großen, energischen Schritten aus dem Schilf heraus, das wehrlose Kind fest an sich gedrückt. Als sie das Steinhaus betraten und die Stufen in das hell erleuchtete Kellerlabor hinabstiegen, legte Severus Leeka vorsichtig auf den glatten, sauberen Tisch inmitten seiner gläsernen Destillationsapparaturen. Der neugierige Gungan drückte sich schüchtern an die Wand neben der Tür, die stielartigen Augen weit aufgerissen.
Kreacher erschien mit einem lauten Plopp und hielt bereits saubere, weiße Leinentücher bereit, während Harry keuchend mit einer dampfenden Schale Wasser hereinbrach.
Jetzt zählte jede Sekunde, und Severus’ Bewegungen wurden von einer absolut präzisen, beinahe hypnotischen Ruhe geleitet. Zuerst zog er seinen Zauberstab und flüsterte einen sanften, reinigenden Zauber über die zerrissene Tunika des Mädchens. Der Stoff teilte sich wie von Geisterhand, um die verbrannte Haut an ihrer Flanke freizulegen. Die Wunde war von der Hitze des Blasterschusses schwarz umschlossen und durch das schmutzige Seewasser gefährlich entzündet.
„Kreacher, die Tücher im heißen Wasser tränken. Wir müssen den Schlamm ausbrennen“, befahl Severus mit schneidender Stimme. Während der Elf flink gehorchte und die heißen Kompressen vorsichtig auf die Schürfwunden presste, wandte sich Severus den blassblauen Naboo-Blüten zu.
Er warf eine präzise abgemessene Menge der Blüten in seinen schweren Mörser aus Durastahl. Mit dem Stößel zerrieb er die zarten Blätter in kreisenden Bewegungen, bis ein dicker, tiefblauer Saft austrat, der einen intensiv süßlichen, fast minzigen Geruch verströmte. Severus fügte drei Tropfen klaren Alkohol und einen Schuss destilliertes Erden-Wasser hinzu, um die Essenz zu binden. Dann hob er den Zauberstab über den Mörser und sprach ein leises, rhythmisches Gemurmel. Unter der magischen Schwingung begann der blaue Saft sanft zu pulsieren, genau in dem Takt, den er am Vortag im Wald gespürt hatte. Die Magie der Erde verschmolz perfekt mit der biologischen Urkraft der Naboo-Pflanze.
„Haltet sie fest“, wies er Sirius und Remus an, die sofort an den Tisch traten und Leekas schmale Schultern und Beine fixierten.
Mit einem sauberen Spatel trug Severus die pulsierende blaue Paste direkt auf die verkohlte Blasterwunde auf. Im selben Moment, in dem die Salbe die Haut berührte, zuckte Leeka heftig zusammen. Ein gequältes, grimmiges Wimmern entwich ihren Lippen, und ihre kleinen, olivgrünen Finger krallten sich unbewusst mit erstaunlicher Kraft in den schwarzen Stoff von Snapes Ärmel.
„Ganz ruhig, Kind“, murmelte Severus unerwartet sanft, während er seinen Zauberstab flach über die Wunde hielt. „Episkey.“
Unter der kombinierten Kraft des Heilszaubers und der Naboo-Blüten geschah das Wunder:
Die schwarze Verbrennung begann sich aufzulösen. Die blassblaue Paste zog tief in das Gewebe ein, kühlte das kochende Fieber und zwang die Hautzellen dazu, sich in rasender Geschwindigkeit neu zu schließen. Das pulsierende Leuchten der Blüte wanderte sichtbar durch Leekas Adern und vertrieb die blasse Todeskälte aus ihren Zügen. Ihr Atem, der eben noch flach und rasselnd gewesen war, wurde schlagartig tief, ruhig und gleichmäßig.
Der Gungan an der Wand stieß ein ehrfürchtiges, lautes Schnappen aus. „Oohsa! Großer Zauber von Meister Jedi! Die Steine atmen und das Kind schläft wie ein satter Kadus!“
Severus hielt für den Bruchteil einer Sekunde inne und sah auf die kleine Hand hinab, die sich immer noch fest in seine Robe krallte. Ein seltenes Gefühl von tiefer, wissenschaftlicher und persönlicher Befriedigung breitete sich in seiner Brust aus. Die Alchemie der Sterne funktionierte. Sie war real. Er legte den Zauberstab beiseite, strich dem schlafenden Mädchen eine nasse Strähne aus dem Gesicht und blickte in die Runde seiner Familie.
„Sie ist über den Berg“, stellte er nüchtern fest. Er warf einen kurzen, misstrauischen Blick zu dem Gungan an der Wand, senkte die Stimme zu einem kaum hörbaren Murmeln und sah zu Remus. „Jetzt braucht sie Ruhe. Und ich muss unter vier Augen mit Ahsoka sprechen.“
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