Auf Augenhöhe
Auf Augenhöhe
Hallöchen. Da bin ich wieder.. :)
Bereit für ein etwas längeres Kapitel?
Was haltet ihr davon? Packt euch die FF? Hinterlasst mir doch gerne ein Review. <3
Viel Spaß beim Lesen.
GLG
Just-Keep-Smiling
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Am nächsten Morgen wurde Hermine von ihrem Wecker geweckt.
Sie stellte den Alarm aus und wandte den Kopf zu Ron, der noch friedlich neben ihr schlief.
Am Vorabend war sie so vertieft in die Unterlagen von MAI gewesen, dass sie gar nicht mitbekommen hatte, wann Ron sich ins Schlafzimmer zurückgezogen hatte. Erst beim Schreiben des Briefes an Narzissa Malfoy war ihr aufgefallen, wie spät es bereits geworden war. Kurz darauf hatte auch sie sich bettfertig gemacht und war zu ihrem Mann unter die Decke geschlüpft.
Irgendwann in der Nacht hatte sie sich an Ron gekuschelt, der daraufhin einen Arm um sie geschlungen hatte.
Mit einem letzten Blick auf ihren schlafenden Ehemann erhob sie sich und machte sich auf den Weg ins Badezimmer.
Duschen, Haare richten, dezentes Make-up und Arbeitskleidung. Alles wie immer.
In der Küche griff sie nach ihrer Tasche. Doch bevor sie sich auf den Weg machte, hielt sie inne. Die Unterlagen von Malfoy Arcane Industries lagen noch auf dem Tisch.
Sie nahm den Stapel an sich und ging damit ins Wohnzimmer. Noch einmal ließ sie den Blick über die Pergamente gleiten.
Hatte sie auch wirklich alles dabei?
Sie kontrollierte ihre Notizen und die Fragen, die sie am Vorabend zusammengestellt hatte. Anschließend vergewisserte sie sich, dass auch die übrigen Dokumente und die Zusammenfassung von Malfoy Arcane Industries vollständig waren.
Erst dann verstaute sie alles in ihrer Tasche. Die Unterlagen von MAI hielt sie weiterhin in ihrer Hand.
Im Kamin nahm sie eine Handvoll Flohpulver und warf es in die Flammen.
„Ministerium für Zauberei!“
Grüne Flammen loderten um sie herum auf. Einen Augenblick später trat Hermine aus dem Kamin im Ministerium.
Sarah war heute ebenfalls früher im Büro.
„Guten Morgen, Hermine“, begrüßte sie die Hexe und hielt ihr ein Sandwich entgegen. „Ich habe gestern zu viele gemacht. Möchtest du eins?“
Hermine lächelte und nahm es entgegen.
„Guten Morgen, Sarah. Vielen Dank.“
Sarahs Blick fiel auf den Stapel Pergamente in Hermines Arm.
„Was ist das?“
Hermine sah auf die Unterlagen hinab, als wäre ihr für einen Moment entfallen, dass sie diese überhaupt bei sich trug.
„Die Unterlagen sind von Mrs. Malfoy“, antwortete sie wahrheitsgemäß.
In ihrem Büro angekommen, legte sie den Stapel auf dem Schreibtisch ab. Dabei entdeckte sie einen versiegelten Brief, dessen Wachssiegel dasselbe Zeichen trug wie das Schreiben, das Narzissa ihr am Vorabend geschickt hatte.
Hermine brach das Siegel und entfaltete das Pergament.
Sehr geehrte Mrs. Granger,
ich danke Ihnen für Ihre schnelle Rückmeldung. Gerne bestätige ich unser Treffen für heute zur Mittagszeit in Ihrem Büro im Ministerium.
MAI wird sich zu diesem Zeitpunkt bei Ihnen einfinden. Ich freue mich darauf, die nächsten Schritte unserer möglichen Kooperation mit Ihnen zu besprechen.
Mit freundlichen Grüßen
Narzissa Malfoy
Hermine legte den Brief beiseite und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.
MAI wird sich zu diesem Zeitpunkt bei Ihnen einfinden.
Sie runzelte leicht die Stirn. Narzissa hatte nicht geschrieben, dass sie allein kommen würde. Allerdings hatte Hermine bisher keinen Grund gehabt, etwas anderes anzunehmen.
Sie schob den Gedanken beiseite und widmete sich den Unterlagen. Es gab schließlich genug zu tun, bevor das Treffen begann.
Trotzdem schweiften ihre Gedanken immer wieder ab.
Unwillkürlich wanderte ihr Blick zu ihrem linken Unterarm. Unter dem Stoff ihrer Bluse verbarg sich die Narbe, die Bellatrix ihr einst mit dem Messer in die Haut geritzt hatte. Jeden Morgen, wenn sie unter der Dusche stand, sah sie sie. Und jeden Morgen erinnerte sie sich daran, was geschehen war.
Deshalb trug sie lange Ärmel und hielt die Narbe zusätzlich mit einem Verbergungszauber bedeckt. Sie wollte sie nicht ständig sehen müssen.
Doch heute dachte sie nicht nur an Bellatrix.
Sie fragte sich, ob Draco wohl noch das Dunkle Mal trug. Ob es ihn ebenso an die Vergangenheit erinnerte wie ihre Narbe sie.
Hermine schüttelte leicht den Kopf und zwang sich, wieder auf die Dokumente vor ihr zu konzentrieren.
Es war fünfzehn Jahre her. Menschen konnten sich verändern. Das wusste sie. Trotzdem fiel es ihr schwer, bei Draco Malfoy nicht zuerst an den Jungen zu denken, der sie jahrelang verspottet und als Schlammblut bezeichnet hatte.
Allein der Gedanke daran ließ die Haut an ihrem Unterarm unangenehm prickeln.
„Reiß dich zusammen, Hermine“, murmelte sie und griff nach ihrer Feder.
Die nächsten Stunden vergingen langsamer, als ihr lieb war. Sie las die Unterlagen erneut, machte sich Notizen und prüfte mögliche rechtliche Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit. Doch immer wieder ertappte sie sich dabei, wie sie auf die Uhr sah.
Als es schließlich zwölf Uhr schlug, legte sie ihre Feder beiseite und rieb sich kurz die Schläfen.
Sie hatte sich gründlich vorbereitet. Mehr konnte sie im Moment nicht tun.
Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken.
„Ja, bitte?“
Sarah steckte den Kopf zur Tür herein.
„Mrs. Malfoy ist da. Soll ich sie hereinbitten?“
Hermine richtete sich auf und schob ihre Notizen ordentlich zusammen.
„Ja, bitte. Danke, Sarah.“
Kurz darauf öffnete sich die Tür erneut.
Narzissa Malfoy trat ein – elegant wie immer. Doch diesmal war sie nicht allein.
Hinter ihr betrat ein Mann das Büro, bei dessen Anblick Hermine für einen Moment vergaß, was sie hatte sagen wollen.
Draco Malfoy.
Er sah anders aus als in ihrer Erinnerung. Natürlich hatte sie gewusst, dass sich Menschen in fünfzehn Jahren veränderten. Doch mit dem Mann, der nun vor ihr stand, hatte sie nicht gerechnet.
Sein helles Haar war gepflegt, seine Gesichtszüge wirkten markanter und seine Haltung strahlte eine Selbstsicherheit aus, die nichts mit der überheblichen Arroganz des Jungen zu tun hatte, den sie von früher kannte.
Hermine zwang sich, ihren Blick von ihm zu lösen.
Schon gut. Er sieht eben gut aus. Was bringt es, wenn jemand gut aussieht, aber einen hässlichen Charakter hat?
Sie räusperte sich und erhob sich hinter ihrem Schreibtisch.
„Mrs. Malfoy. Guten Morgen. Schön, Sie wiederzusehen.“
„Mrs. Granger.“ Narzissa erwiderte die Begrüßung mit einem höflichen Lächeln. „Ich hoffe, wir kommen nicht ungelegen.“
„Nein, natürlich nicht.“
Hermine wandte sich ihrem unerwarteten zweiten Gast zu.
Draco sah sie ruhig an. Kein spöttisches Grinsen, kein herablassender Blick. Nur eine beinahe irritierende Gelassenheit.
„Mrs. Granger“, begrüßte er sie und neigte leicht den Kopf.
Seine Stimme war tiefer, als sie sie in Erinnerung hatte.
Doch, verflucht noch mal! Warum bei Merlins dreckiger Unterhose sah er so verdammt attraktiv aus?
Hermine biss sich kurz auf die Innenseite ihrer Wange, um ihre Gedanken zum Schweigen zu bringen.
Dann streckte sie ihm die Hand entgegen.
„Mr. Malfoy.“
Sein Blick glitt für einen kurzen Moment zu ihrer Hand, ehe er sie ergriff.
„Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, dass ich heute ebenfalls an unserem Gespräch teilnehme“, sagte er, während er ihre Hand wieder losließ.
Hermine hob eine Augenbraue.
„Damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet.“
„Das kann ich mir vorstellen.“ Ein kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen. „Meine Mutter hat Ihnen vermutlich nicht gesagt, dass ich sie begleiten würde.“
Narzissa legte den Kopf leicht schräg.
„Ich hielt es für sinnvoll, dich selbst zu Wort kommen zu lassen, Draco.“
Er nickte knapp, bevor er sich wieder Hermine zuwandte.
„Immerhin geht es um mein Unternehmen. Ich habe MAI aufgebaut und möchte bei einer möglichen Zusammenarbeit mit dem Ministerium selbst mitentscheiden – und über die Gespräche informiert sein.“
Hermine musterte ihn einen Moment lang. Der Einwand war nachvollziehbar. Schließlich würde auch sie nicht wollen, dass jemand anderes über ihre Arbeit sprach, ohne sie einzubeziehen.
„Das ist verständlich“, erwiderte sie schließlich. „Dann sollten wir wohl direkt zur Sache kommen.“
Narzissa nahm neben Draco Platz, während Hermine auf ihren eigenen Stuhl zurückkehrte.
„Wie Sie wissen, Mr. Malfoy, habe ich die Unterlagen Ihres Unternehmens bereits geprüft“, begann Hermine und schlug ihre Notizen auf. „Besonders Ihre bisherigen Projekte in Frankreich haben mein Interesse geweckt. Allerdings würde mich interessieren, wie weit Ihre Gespräche mit den dortigen Behörden tatsächlich fortgeschritten sind.“
Draco verschränkte die Hände vor sich.
„Ich stehe mit Olivier Marceau in Kontakt. Er leitet die Abteilung für internationale Zusammenarbeit und wäre unser Ansprechpartner für die geplanten Projekte.“
Hermine hob überrascht den Blick.
„Olivier Marceau?“
„Sie kennen ihn?“
„Leider.“ Sie legte ihre Feder beiseite. „Ich versuche seit einiger Zeit, mit ihm eine langfristige Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen. Bisher war er allerdings nicht besonders entgegenkommend.“
Draco atmete leise durch die Nase aus.
„Dann geht es Ihnen ähnlich wie mir. Er ist nicht gerade dafür bekannt, Entscheidungen schnell zu treffen.“
„Das ist eine höfliche Umschreibung.“
Für einen Moment begegneten sich ihre Blicke. Dann musste Hermine wider Willen leicht lächeln.
Draco lehnte sich ein wenig zurück.
„Darf ich fragen, ob Sie jeden potenziellen Kooperationspartner so gründlich überprüfen?“
Hermine hob eine Augenbraue.
„Nur diejenigen, mit denen das Ministerium möglicherweise langfristig zusammenarbeiten soll, Mr. Malfoy.“
„Dann fühle ich mich ja beinahe geehrt.“
Sein Mundwinkel zuckte. Hermine ignorierte es und wandte sich wieder ihren Notizen zu. Sie würde sich ganz sicher nicht von einem Lächeln aus dem Konzept bringen lassen.
„Wenn wir eine Zusammenarbeit in Frankreich anstreben, müssen wir zunächst klären, welche Projekte für beide Seiten infrage kommen. Außerdem müssen sämtliche rechtlichen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen erfüllt sein.“
„Selbstverständlich“, erwiderte Draco. „Ich habe kein Interesse daran, Projekte voranzutreiben, die später an ungeklärten Vorschriften scheitern.“
Seine Antwort klang sachlich. Und anders als erwartet, schien er tatsächlich verstanden zu haben, worauf es ihr ankam.
„In Ihren Unterlagen erwähnen Sie auch, dass MAI langfristig auf nachhaltige magische Infrastruktur setzen möchte“, fuhr Hermine fort. „Können Sie mir erläutern, wie Sie diesen Anspruch in Ihren bisherigen Projekten umsetzen?“
Draco begann, ihr die bisherigen Ansätze des Unternehmens zu erklären. Er sprach über den verantwortungsvollen Einsatz magischer Ressourcen, langlebige Schutzzauber und die Weiterentwicklung bestehender Versorgungssysteme. Dabei machte er deutlich, dass es ihm nicht allein darum ging, neue Märkte zu erschließen.
Hermine hörte aufmerksam zu und stellte zwischendurch gezielte Rückfragen. Einige seiner Antworten deckten sich mit den Angaben aus den Unterlagen, andere ergänzten sie um Details, die dort nicht aufgeführt waren.
Sie musste zugeben, dass er sich mit der Materie auskannte.
Und das nicht nur oberflächlich.
„Ich möchte, dass unsere Projekte langfristig Bestand haben“, schloss Draco. „Es bringt wenig, etwas Neues zu entwickeln, wenn wir dabei die Folgen für die Menschen und die magische Umwelt außer Acht lassen.“
Hermine hielt kurz inne. Genau diesen Punkt hatte sie in den Unterlagen bereits als einen der wichtigsten Grundsätze von MAI markiert.
„Das ist ein vernünftiger Ansatz“, sagte sie schließlich. „Allerdings wird das Ministerium sicherstellen müssen, dass Ihre Pläne mit den geltenden Richtlinien vereinbar sind. Dazu gehört auch, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.“
„Damit habe ich kein Problem“, entgegnete Draco. „Ich möchte Lösungen finden, keine Vorschriften umgehen.“
Hermine sah ihn einen Moment lang an. Sie hatte mit Widerstand gerechnet, vielleicht sogar mit einem Versuch, die Anforderungen des Ministeriums als lästige Hindernisse darzustellen. Stattdessen schien er ihre Einwände ernst zu nehmen.
Narzissa hatte sich bisher weitgehend aus dem Gespräch herausgehalten. Nun legte sie die Hände locker ineinander.
„Vielleicht sollten wir zunächst festhalten, welche Projekte für eine Zusammenarbeit infrage kommen“, schlug sie ruhig vor. „Wenn wir die jeweiligen Ziele und Voraussetzungen kennen, können wir besser einschätzen, wie wir die nächsten Schritte gestalten.“
Hermine nickte.
„Das halte ich für sinnvoll. Ich werde intern klären müssen, welche Abteilungen wir einbeziehen und welche Genehmigungen erforderlich wären.“
„Natürlich“, sagte Narzissa. „Wir möchten schließlich, dass beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen.“
Für einen kurzen Moment wanderte ihr Blick zu Draco. In ihrer Miene lag ein kaum merklicher Ausdruck von Stolz.
„Draco hat in den vergangenen Jahren viel Arbeit in den Aufbau von MAI gesteckt. Umso wichtiger ist es, dass die nächsten Schritte auf einem soliden Fundament stehen.“
Draco warf seiner Mutter einen kurzen Seitenblick zu, ließ die Bemerkung jedoch unkommentiert.
„Deshalb sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir gemeinsam erreichen können“, sagte er anschließend. „Nicht nur auf das, was dagegen sprechen könnte.“
Hermine lehnte sich leicht zurück.
„Wenn ich ausschließlich Hindernisse sehen würde, hätte ich diesem Treffen wohl kaum zugestimmt, Mr. Malfoy.“
„Ein überzeugendes Argument, Mrs. Granger.“
Diesmal war sein Lächeln kaum mehr als ein flüchtiges Zucken seiner Mundwinkel. Trotzdem bemerkte Hermine es.
Und ärgerte sich ein wenig darüber, dass sie es bemerkte.
Ein leises Klopfen an der Tür unterbrach das Gespräch.
Sarah trat ein und sah zwischen den drei Anwesenden hin und her.
„Entschuldigen Sie die Unterbrechung. Ich wollte nur fragen, ob Sie für das Mittagessen schon eine Entscheidung getroffen haben.“
Hermine sah kurz zu Narzissa und Draco.
„Was würden Sie denn empfehlen?“, fragte Narzissa freundlich.
„Wir hätten Lachs mit Dillnudeln im Angebot“, antwortete Sarah. „Oder möchten Sie lieber etwas anderes?“
„Das klingt gut“, sagte Hermine. „Für mich bitte auch.“
Draco nickte zustimmend.
„Für mich ebenfalls.“
„Sehr gern. Ich lasse es Ihnen bringen.“
Sarah verabschiedete sich und schloss die Tür hinter sich.
Hermine wandte sich wieder ihren Gesprächspartnern zu. Während sie die nächsten Schritte besprachen, dachte sie darüber nach, wie ungewohnt diese Situation eigentlich war. Noch vor wenigen Tagen hätte sie nicht damit gerechnet, mit Draco Malfoy an einem Tisch zu sitzen und über mögliche gemeinsame Projekte zu sprechen. Und erst recht nicht damit, dass er ihre fachlichen Einschätzungen ernst nahm.
Wenige Minuten später kehrte Sarah gemeinsam mit einer weiteren Mitarbeiterin zurück. Sie stellten drei Teller auf dem Tisch ab und reichten jedem ein Glas Wasser, bevor sie das Büro wieder verließen.
Der Duft des Essens stieg Hermine in die Nase. Erst jetzt bemerkte sie, wie hungrig sie eigentlich war.
„Bevor wir uns dem Essen widmen“, begann Narzissa und griff nach ihrer Tasche, „habe ich noch etwas vorbereitet.“
Sie zog eine schmale Mappe hervor und legte sie auf den Tisch.
Hermine warf einen kurzen Blick darauf.
„Vertragsunterlagen?“
„Ganz genau.“ Narzissa öffnete die Mappe und schob Hermine die Dokumente zu. „Wir haben bereits einen ersten Entwurf für eine mögliche Zusammenarbeit vorbereitet. Außerdem finden Sie darin eine Vertraulichkeitsvereinbarung, damit wir uns bei den weiteren Gesprächen offen über unsere jeweiligen Projekte austauschen können.“
Hermine nahm die Unterlagen entgegen. Obenauf lag die Vertraulichkeitsvereinbarung. Dahinter befand sich der Entwurf des Kooperationsvertrags.
Sie blätterte die Dokumente durch und begann, die einzelnen Bestimmungen sorgfältig zu lesen.
„Gut vorbereitet“, stellte sie schließlich fest.
„Wir möchten keine Zeit verlieren, sobald die grundsätzlichen Voraussetzungen geklärt sind“, erklärte Narzissa.
Hermine las die Vertraulichkeitsvereinbarung aufmerksam durch. Sie prüfte die einzelnen Klauseln und vergewisserte sich, dass die Regelungen zum Umgang mit vertraulichen Informationen klar formuliert waren.
Als sie fertig war, legte sie das Dokument vor sich auf den Tisch.
„Die Vertraulichkeitsvereinbarung ist in Ordnung. Den Entwurf des Kooperationsvertrags werde ich allerdings zunächst mit Kingsley besprechen müssen. Eine Zusammenarbeit in diesem Umfang kann ich nicht allein verbindlich für das Ministerium beschließen.“
„Das ist selbstverständlich“, erwiderte Narzissa. „Wir haben den Vertrag ohnehin als Grundlage für die weiteren Gespräche vorbereitet. Es wäre uns wichtig, dass beide Seiten ausreichend Gelegenheit haben, die Bedingungen zu prüfen.“
Hermine nickte. Genau das hatte sie hören wollen.
Sie nahm ihre Feder zur Hand und unterschrieb die Vertraulichkeitsvereinbarung an den vorgesehenen Stellen. Anschließend reichte sie das Dokument an Draco weiter.
Er überflog die Seiten noch einmal, bevor er ebenfalls unterschrieb.
„Dann haben wir zumindest den ersten Schritt getan“, sagte er und schob ihr die Vereinbarung zurück.
„Das haben wir“, bestätigte Hermine. „Sobald ich mit Kingsley gesprochen habe und die zuständigen Abteilungen ihre Einschätzung abgegeben haben, können wir über die konkreten Bedingungen und das weitere Vorgehen sprechen.“
„Wir werden Ihnen alle erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen“, versicherte Draco. „Und falls Sie zusätzliche Unterlagen benötigen, können Sie sich direkt an mich wenden.“
Hermine nickte und legte die unterschriebene Vereinbarung in ihre Mappe. Den Entwurf des Kooperationsvertrags behielt sie separat, um ihn später mit Kingsley durchzugehen.
„Dann freue ich mich auf die weiteren Gespräche, Mrs. Granger“, sagte Draco.
„Das beruht hoffentlich auf Gegenseitigkeit, Mr. Malfoy.“
Ein kaum merkliches Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Nach unserem heutigen Gespräch sehe ich keinen Grund, daran zu zweifeln.“
Hermine erwiderte nichts darauf und wandte sich stattdessen ihrem Teller zu. Es war schließlich nicht ihre Aufgabe, sich über die Gesprächsführung von Draco Malfoy Gedanken zu machen.
Und ganz bestimmt nicht über sein Lächeln.
Während sie zu essen begannen, kehrte Narzissa das Gespräch auf die geplante Zusammenarbeit zurück.
„Sobald die ersten Rückmeldungen aus dem Ministerium vorliegen, können wir die nächsten Schritte konkreter planen“, sagte sie. „Bis dahin wäre es sicher hilfreich, wenn wir bereits zusammentragen, welche Informationen für die Prüfung benötigt werden.“
„Ich werde mit Kingsley besprechen, welche Abteilungen wir einbeziehen müssen“, erklärte Hermine. „Danach kann ich Ihnen mitteilen, welche Unterlagen wir zusätzlich benötigen.“
Draco nickte.
„Dann wissen wir, woran wir sind. Ich lasse Ihnen alles zukommen, was wir auf unserer Seite vorbereiten können.“
Hermine nahm einen Schluck Wasser.
„Das wäre hilfreich. Je vollständiger die Unterlagen sind, desto einfacher wird es, die Vorhaben einzuschätzen.“
„Sie scheinen nichts dem Zufall überlassen zu wollen, Mrs. Granger.“
Hermine hob den Blick zu ihm.
„Bei einer möglichen internationalen Zusammenarbeit sollte man das auch nicht.“
„Einleuchtend.“ Draco nahm sich eine Gabel Nudeln. „Ich werde versuchen, mich daran zu halten.“
Sein Tonfall war sachlich, doch in seinen Augen lag ein Anflug von Belustigung.
Hermine schüttelte kaum merklich den Kopf und widmete sich wieder ihrem Essen. Sie würde sich nicht darauf einlassen. Nicht heute.
Narzissa beobachtete den kurzen Wortwechsel, sagte jedoch nichts dazu. Stattdessen wandte sie sich an Hermine.
„Darf ich fragen, wie lange Sie inzwischen im Ministerium tätig sind?“
„Fast zehn Jahre, wenn man die Ausbildungszeit mit einrechnet“, antwortete Hermine. „Ich habe mich schon früh für internationale magische Zusammenarbeit interessiert. Die Stelle war daher eine gute Möglichkeit, mich in diesem Bereich weiterzuentwickeln.“
„Das erklärt einiges“, bemerkte Narzissa. „Draco, ich habe dir bereits erzählt, wie sehr ich Hermines Arbeit schätze. Es freut mich, dass wir nun Gelegenheit haben, direkt mit ihr zusammenzuarbeiten.“
Draco sah kurz zu seiner Mutter, bevor er sich wieder Hermine zuwandte.
„Dann verstehe ich, weshalb meine Mutter Ihre Arbeit so positiv erwähnt hat.“
Hermine legte ihre Gabel ab.
„Ich hoffe, Sie wählen Ihre Kooperationspartner nicht ausschließlich nach den Empfehlungen Ihrer Mutter aus, Mr. Malfoy.“
Für einen Moment herrschte Stille.
Dann lehnte Draco sich leicht zurück.
„Keine Sorge, Mrs. Granger. Ich bilde mir meine eigene Meinung.“
Er hielt ihrem Blick stand.
„Und bisher haben Sie mir keinen Grund gegeben, an meiner Einschätzung zu zweifeln.“
Hermine hielt seinem Blick stand. Sie wusste nicht genau, was sie auf diese Antwort erwidern sollte, und entschied sich deshalb, es dabei zu belassen.
Narzissa lächelte zufrieden und nahm einen Schluck Wasser.
„Dann haben wir doch eine gute Grundlage für alles Weitere.“
„Das hoffe ich“, erwiderte Hermine. „Sobald ich mit Kingsley gesprochen habe, melde ich mich bei Ihnen. Bis dahin werde ich die internen Abläufe klären und prüfen, welche Voraussetzungen für die geplanten Projekte erfüllt sein müssen.“
„Selbstverständlich“, sagte Narzissa. „Wir richten uns nach Ihrem Zeitplan.“
Draco nickte zustimmend.
„Und wenn Sie noch Fragen zu MAI haben, können Sie sich direkt an mich wenden. Ich werde dafür sorgen, dass Sie die nötigen Informationen erhalten.“
„Darauf werde ich gegebenenfalls zurückkommen.“
Sie beendeten ihr Mittagessen mit einigen weiteren sachlichen Bemerkungen über die nächsten Schritte. Als die Teller abgeräumt waren, erhoben sich Narzissa und Draco.
„Vielen Dank für Ihre Zeit, Mrs. Granger“, sagte Narzissa. „Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“
Hermine erhob sich ebenfalls.
„Ich danke Ihnen beiden für das Gespräch. Ich melde mich, sobald ich Neuigkeiten habe.“
Draco neigte leicht den Kopf.
„Dann bis zum nächsten Mal, Mrs. Granger.“
„Auf Wiedersehen, Mr. Malfoy. Mrs. Malfoy.“
Sie begleitete die beiden zur Tür und sah ihnen nach, bis sie den Flur entlang verschwunden waren.
Erst dann schloss sie die Tür, atmete tief durch und kehrte zu ihrem Schreibtisch zurück.
Das Treffen war anders verlaufen, als sie erwartet hatte. Sie hatte mit einer schwierigen Verhandlung gerechnet, vielleicht sogar damit, dass Draco Malfoy versuchen würde, die Anforderungen des Ministeriums herunterzuspielen. Schließlich ging es um sein Unternehmen und dessen weitere Expansion.
Doch nichts davon war geschehen.
Er hatte ihre Fragen beantwortet, ihre Einwände ernst genommen und sich nicht gescheut, auch über mögliche Schwierigkeiten zu sprechen. Dabei hatte er weder arrogant noch überheblich gewirkt.
Hermine ließ sich auf ihren Stuhl sinken und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr.
Fünfzehn Jahre waren eine lange Zeit. Natürlich hatte sie gewusst, dass Draco sich verändert haben könnte. Sie selbst war schließlich auch nicht mehr die Schülerin, die sie damals gewesen war.
Trotzdem hatte sie nicht damit gerechnet, dass der Mann, der heute vor ihr gesessen hatte, so selbstverständlich über sein Unternehmen sprechen und ihre Arbeit derart ernst nehmen würde.
Das bedeutete allerdings nicht, dass sie vergessen hatte, was früher geschehen war. Und schon gar nicht, dass sie ihm deshalb bereits vertraute.
Sie würde abwarten müssen, ob seinen Worten auch Taten folgten.
Hermine zog die Mappe mit dem Entwurf des Kooperationsvertrags zu sich heran und legte sie neben ihre Notizen. Sie würde das Dokument mit Kingsley besprechen müssen, bevor sie weitere Schritte einleiten konnte.
Während sie nach ihrer Feder griff, musste sie unwillkürlich an Dracos letzte Bemerkung denken.
Nach unserem heutigen Gespräch sehe ich keinen Grund, daran zu zweifeln.
Hermine schnaubte leise.
„Natürlich nicht, Malfoy.“
Was hatte sie auch erwartet? Dass er zugab, überrascht von ihr zu sein? Dass er sich dafür entschuldigte, sie früher jahrelang wie den letzten Dreck behandelt zu haben?
Sie verzog den Mund.
Nein. Das wäre dann wohl doch zu viel verlangt gewesen.
Hermine schüttelte den Kopf und griff nach ihrer Feder.
Es reicht jetzt. Du hast Wichtigeres zu tun, als über Draco Malfoy nachzudenken.
Sie tauchte die Feder ins Tintenfass und beugte sich über ihre Notizen.
Keine zwei Minuten später ertappte sie sich dabei, wie sie sich fragte, ob sein Haar eigentlich schon immer so hell gewesen war.
Sie starrte auf das Pergament vor sich.
„Oh, um Merlins willen!“
Entschlossen setzte sie die Feder an und begann zu schreiben.
Draco Malfoy würde ganz sicher nicht ihren Arbeitstag ruinieren.
Ganz sicher nicht.