Himmel
Himmel
Blutschatten beruft eine Versammlung ein und schickt alle Jäger aus dem Lager, aber natürlich nur in Begleitung eines Kämpfers, und zwar Rindenkampf, der davon nicht begeistert ist und die Jäger wütend anfaucht und dann setzen sich die Jäger in Bewegung, Rindenkampf hinten, damit niemand einfach weglaufen kann. Himmel läuft mit hängendem Kopf und Schwanz in der Gruppe der Jäger, die alle aber mindestens eine Katzenlänge von ihr Abstand halten, was sie aber kaum bemerkt. Ich werde Himmel nie wiedersehen…
Die Jäger sind nicht weit weg vom Lager auf einer Lichtung, manche haben sich auf den Boden gelegt oder gesetzt, aber die meisten, wie auch Himmel, laufen ruhelos herum und werfen immer wieder Blicke in Richtung Lager.
Plötzlich hören sie einen lauten Schmerzensschrei, bei dem alle zusammenzucken und dann den Kopf hängenlassen, außer Rindenkampf, der sieht nur gelangweilt aus, faucht aber in die Runde: „Es ist nur eure Schuld, dass ich das verpasse!“ Aber niemand reagiert darauf und auch Himmel ist zu sehr beschäftigt ihre Schluchzer zu unterdrücken. Jetzt ist wieder alles gespenstisch still, nichtmal die Vögel in den Bäumen scheinen zu singen. Jetzt bin ich wirklich allein…
Wieder im Lager zurück, sollen die Jäger das Lager putzen und aufräumen, was sie tun, ohne ein Wort zu verlieren, nur ein paar böse Blicke fliegen zu Himmel hinüber, was sie aber zu ignorieren versucht, obwohl sie trotzdem weh tun.
In der Nacht dieser Sonne kann Himmel einfach nicht einschlafen und wälzt sich nur unruhig hin und her, wodurch sie aber niemanden groß stört, weil sich die Katzen, die ihre Schlafplätze direkt neben sie hatten, so weit weg, wie es in dem kleinen Bau eben möglich ist, verlegt haben.
Mondhoch hält es Himmel nicht mehr in dem Bau aus und schlängelt sich so vorsichtig und leise wie möglich zwischen ihren Baugefährten hindurch, um sie nicht zu wecken, dann schleicht sie an den Brommbeerbüschen, immer bedacht im Schatten zu bleiben, in denen sie dank ihres schwarzen Fells nicht zu sehen ist, entlang und atmet erleichtert auf, als sie die Stelle findet, durch die sie und Vogelblut und Blitzzahn sich immer aus dem Lager geschlichen haben, als sie noch Junge waren. Um dadurch zu kommen, muss Himmel erstmal eine Art großen flachen Ast beiseiteschieben, den Blitzzahn als Junges im Lager gefunden hat und dann dazu genutzt hat, den Geheimgang zu verstecken.
Als die Jägerin den Ast zur Seite geräumt hat, quetscht sie sich durch die Brombeeren, dessen Stacheln, die mehrmals an ihrem Pelz hängenbleiben und einige Wunden hinterlassen, aber dann ist sie endlich durch und im Wald. Zum Glück hat noch niemand diesen Geheimgang entdeckt, aber ich hoffe niemand hat mich gesehen, sonst erwartet mich wahrscheinlich schlimmeres als der Tod, denn es gilt schließlich als Hochverrat, wenn Jäger ohne Aufsicht im Wald sind und dann auch noch nachts, aber ich habe es im Bau einfach nicht mehr ausgehalten und wenn ich vor Sonnenaufgang wieder im Lager bin, bemerkt auch niemand meine Abwesenheit, denn schließlich schläft jetzt alles.
Himmel spaziert durch den Wald und versucht auf andere Gedanken zu kommen, als sie plötzlich ein Rauschen hört und dann auch sieht, dass sie am Fluss angekommen ist und sie will schon zum Ufer laufen, um sich zu erfrischen, als sie eine Katze sieht, die dort sitzt und sie sich schnell hinter einem Busch kauert, um die Katze zu beobachten.
Die Katze starrt auf den Fluss, aber zu Himmels Verwunderung sieht sie gar nicht glücklich aus, obwohl jeder Kämpfer und Mörder diesen Tag liebt und selbst Rindenkampf, als die Jäger wieder im Lager waren, noch ausgelassen gefeiert hat und ihres Erachtens hat auch kein anderer Jäger im Bau gefehlt und Streuner trauen sich eigentlich nicht so tief in das Territorium der Schattenblutgruppe.
Nun schleicht Himmel näher an die Katze und ist dankbarer, denn je über ihr schwarzes Fell und die Wolken, die den Vollmond verdecken, doch dann tritt sie plötzlich auf einen Zweig, der hörbar knackt, sodass die Katze herumfährt, sofort in Angriffststellung gehr und knurrt: „Wer auch immer du bist, zeig dich mir, sonst zerfetze ich dir schneller den Pelz, als das du schreien kannst!“ An der Stimme erkennt Himmel die Katze, es ist Vogelblut und die Jägerin gehorcht und läuft zu der Mörderin, die sich sichtlich entspannt als sie ihre Schwester erkennt und dann maunzt: „Ach du bist es Himmel, ich dachte schon ein Streuner würde hier herumschleichen.“ Jetzt ist es aus, wahrscheinlich schleift sie mich zum Lager zurück oder bringt mich gleich hier um…
Himmel verbeugt sich ergeben, was Vogelblut scheinbar verwirrt, aber bevor ein Wort ihre Kehle verlassen kann, hören sie eine weitere Katze aus dem Gebüsch treten und Himmel fährt instinktiv herum, um zu sehen, wer das ist, und erstarrt vor Schreck, als sie Blitzzahn erkennt, der nun böse maunzt: „Na, wen haben wir denn da, eine Jägerin und eine Mörderin, die zusammen einen Komplott schmieden… Wenn ihr nicht wollt, dass ich das Blutschatten melde, solltet ihr genau das tun, was ich euch jetzt sage…"
Himmel und Vogelblut sind schockiert und dann erklärt der Kämpfer böse in Vogelbluts Richtung: „Du wirst jetzt Himmel angreifen und ihr werdet so lange kämpfen, bis es genug für mich ist!“ „Nein“, keucht Vogelblut, aber Blitzzahn erwidert unschuldig. „Na gut, dann werde ich wohl Blutschatten wecken und hierherholen müssen und der wird nicht so freundlich sein.“
„Es tut mir leid“, flüstert Vogelblut kaum hörbar, dann springt sie auf Himmel los, die sich nicht wehrt, weil Vogelblut immer noch eine Mörderin. „Wehr dich“, flüstert sie mehrmals verzweifelt, aber gibt dann auf, vielleicht hört Himmel sie auch einfach nicht mehr vor lauter Schmerz.
Nach einiger Zeit, die sich für Himmel wie eine Unendlichkeit anfühlen, hört sie endlich Blitzzahn miauen: „Das reicht und jetzt gehen wir alle zusammen leise ins Lager zurück und wehe jemand erfährt hier von, sonst wird Blutschatten davon erfahren, dass eine Jägerin und eine Mörderin zusammen die Schattenblutgruppe zerstören wollen.“ Er bleckt seine Zähne und lässt Himmel vorausgehen, damit er sie immer im Auge behält und flüstert dann gefährlich leise zu seiner Schwester: „Ich habe es verdient Mörder zu werden, nicht du!“