Himmel
Himmel
Einen halben Mond später…
Himmel trägt gerade das alte Moos aus Fischtots Bau über die Lichtung des Lagers, um es zum Schmutzplatz zu bringen, als Blatttraum zu ihr gelaufen kommt und freundlich bittet: „Kannst du nachher nochmal in meinen Bau kommen, ich will deine Kratzer nochmal überprüfen, ob sie auch wirklich richtig verheilen.“ Wegen dem Moos in ihrer Schnauze, kann Himmel nicht antworten, also nickt sie einfach und schleppt das Moos dann weiter. Zum Glück sind nicht alle Katzen wie Blitzzahn. Blatttraum schaut mich zwar immer so seltsam an, aber er ist relativ freundlich zu mir.
Als Himmel Fischtots Bau fertig gemacht und sie ihn darüber informiert hat, was er mit einem genervten Knurren kommentiert hat, läuft die Jägerin zum Seherbau und wartet dort dann, bis Blatttraum sie hineinbittet.
Während der Seher sie untersucht, fragt er sie betont beiläufig: „Ist in letzter Zeit irgendwas Besonderes passiert, hattest du zum Beispiel irgendwelche Träume über Sterne oder Blut oder so?“ Himmel wundert sich über die Frage und antwortet vorsichtig: „Ich habe vor einiger Zeit mal vom Nachthimmel geträumt…“ „Sonst nichts?“, fragt Blatttraum scheinbar enttäuscht. „Nein“, erklärt Himmel verwirrt. Warum fragt er mich sowas, nur Seher träumen besondere Träume von der Zukunft oder dem DunkelClan und ich bin eine einfache Jägerin, ohne jegliche Begabung, was er aber doch wissen müsste… Was hat es damit nur auf sich? Ich wünschte ich könnte ihn einfach fragen, aber das darf ich nicht…
Als Blatttraum Himmel zu Ende untersucht hat erklärt er: „So das wars, keine deiner Wunden hat sich entzündet und sie verheilen gut.“ Erleichtert bedankt sich Himmel bei ihm und verabschiedet sich mit einer Verbeugung. Zum Glück verheilt alles gut, sonst würde Fischtot bestimmt eine Strafe einfallen, die er mir geben würde, wenn ich für auch nur ein paar Sonnenlängen ausfallen würde…
Aber zu früh gefreut, als Himmel den Seherbau verlässt, wird sie von einem wütenden Fischtot empfangen, der ihr seine Krallen übers Gesicht zieht. Ängstlich verbeugt sich Himmel, aber Fischtot scheint gar keine Notiz davon zu nehmen, sondern faucht: „Wo warst du, hast du etwa vergessen, dass du mir eine Regenbogenforelle jagen sollst?! Bodenkralle wartet auch schon auf dich und anders als du hat er auch noch wichtige Sachen zu tun!“
Damit verschwindet er und lässt Himmel stehen, die sich schnell das Gesicht putzt, um das Blut loszuwerden, dass ihr aus den Wunden läuft, bevor sie zum Lagerausgang läuft, wo ein genervt aussehender Bodenkralle ungehalten mit seinem Schwanz peitscht und sie ohne ein Wort vorlaufen lässt, damit er sie im Auge behalten kann.
Am Fluss angekommen schwimmen die beiden Katzen hindurch, was Bodenkralle mit einem Fauchen kommentiert und leise knurrt: „Katzen sollten nicht im Wasser sein!“
An der anderen Uferseite angekommen, wo eine Felsenansammlung liegt, laufen die beiden Katzen zu einer alten Brücke bei einem überwucherten Donnerweg, weil dort die meisten Forellen im Wasser schwimmen. Als Blitzzahn, Vogelblut und ich noch in der Kinderstube waren, hat Kleemond uns von Monstern mit leuchtenden starren Augen erzählt, die vor vielen Blattwechseln mit ihren schwarzen Pfoten über den Donnerweg gerannt sind und alles umgebracht haben, was ihnen zwischen die Pfoten gekommen ist. Ich frage mich, ob es die wirklich gab und wenn ja, wo sie jetzt sind… Vielleicht sind sie ausgestorben?
Als Himmel den Fisch gefangen hat, den Fischtot haben wollte, laufen die Jägerin und der Kämpfer zurück ins Lager, wo Bodenkralle ohne ein weiteres Wort verschwindet. Mit einem Knoten aus Angst im Bauch läuft Himmel zu Fischtot, der sich vor seinem Bau sonnt, aber als er seine Jägerin bemerkt, gleich aufsteht und die Regenbogenforelle misstrauisch beäugt, die Himmel ihm nach ihrer Verbeugung vor die Pfoten legt.
Zu Himmels Erleichterung schickt er sie nach einigen Herzschlägen weg und knurrt sie an, dass er heute nicht mehr gestört werden will.