Vogelblut
Vogelblut
Als Vogelblut hört, wer heute geopfert werden soll, hat sie alle Mühe ihren inneren Schmerz nicht nach außen zu tragen, aber als die Versammlung beendet ist, läuft sie in den Wald hinaus, solange bis sie nicht mehr kann und bricht dann mitten auf einer Lichtung zusammen.
Sie wird auf dem Waldboden liegend von vielen Schluchzern geschüttelt und lässt ihrer Verzweiflung mit einem schmerzerfüllten Jaulen freien Lauf. Ich muss Himmel retten, ich kann sie nicht auch noch verlieren, aber es ist alles so hoffnungslos, ich kann sie nicht retten, es ist einfach unmöglich, aber ich muss…
Vogelblut versucht ihre Schluchzer zu unterdrücken, aber sie schafft es einfach nicht und realisiert, dass sie ohne Himmel keine Geschwister mehr haben wird und sie nichtmal trauern kann, denn Himmel ist nur eine Jägerin und um die trauert man nicht.
Warum kann ich denn nicht sterben? Ich kann diesen Schmerz nicht mehr ertragen… Erst Blitzzahn und jetzt auch noch Himmel und vielleicht sollte ich froh sein, dass Blitzzahn gestorben ist, denn er hat Himmel und mich gequält, aber er war trotzdem mein Bruder, der mit mir als Junges die tollsten Spiele gespielt hat… Warum muss alles nur so schwer sein…
Jetzt wird Vogelblut auch noch klar, dass sie ihre Geschwister selbst nach ihrem eigenen Tod nicht mehr sehen wird, denn Himmel verschwindet als Jägerin ins Nichts und Blitzzahn ebenso, denn er hat als Kämpfer den Anführer herausgefordert, was unehrenhaft ist.
Nach einiger Zeit in der Vogelblut in ihrer Trauer versunken ist, macht sie sich wieder auf den Weg ins Lager, damit niemanden ihr plötzliches Verschwinden auffällt.