Himmel
Himmel
„Und was machen wir jetzt?“, fragt Himmel unsicher, als Bernsteinpelz wieder zurückgekehrt ist. Die schaut sie freundlich an und erklärt: „Du solltest jetzt erstmal schlafen, heute war eine sehr anstrengende Sonne für dich und in der nächsten Zeit wirst du all deine Kräfte brauchen.“
Zuerst will die schwarze Kätzin ablehnen, doch dann spürt sie wie auf einen Schlag die ganze Müdigkeit, die ihren Körper im Griff hat und muss einsehen, dass die ältere Katze recht hat und nickt.
Dann läuft sie zu einer Nische in der Höhlenwand, schiebt die Scherben, die dort liegen mit ihrem Schwanz beiseite und will sich schon zusammenrollen, doch dann fällt ihr etwas ein und sie fragt Bernsteinpelz neugierig: „Und was machst du jetzt? Brauchen Sternenclankatzen auch Schlaf?“ „Nein“, schnurrt die Angesprochene sichtlich amüsiert, wird dann aber wieder ernst, „Ich werde die Höhle bewachen und falls etwas passiert, wecke ich dich.“
Himmel nickt und bei der Aussicht darauf, dass Bernsteinpelz aufpasst, entspannt sie sich gleich etwas und als sie sich zusammenrollt und gerade ihre Augen geschlossen hat, gleitet sie auch schon in den Schlaf hinein.
Doch nach einigen Momenten findet sie sich in einem finsteren Wald wieder, in dem sogar die Bäume bedrohlich wirken und instinktiv stellt sie ihr Fell auf. Wo bin ich gelandet, ich war doch eben noch in der Höhle bei Bernsteinpelz… Aufmerksam schaut Himmel sich um und sieht plötzlich eine Katze auf sie zulaufen, sodass sich Himmel in Angriffsstellung begibt, die ihr vertraut, aber auch irgendwie fremd vorkommt. Sie hat keine Zeit ihre Gefühle weiter zu ergründen, denn nun ist die Katze bei ihr.
„Wer bist du?“, faucht Himmel so bedrohlich wie möglich und plustert ihr Fell noch stärker auf.
„Keine Sorge, ich werde dir nichts tun und um deine Frage zu beantworten: Ich bin Todesblut“, antwortet die Kätzin beruhigend, aber Himmel erkennt ihren Namen wieder und wird für einen Moment starr vor schreck, aber sie weiß, dass sie dieser Kätzin gegenüber keine Schwäche zeigen darf, deshalb knurrt sie wieder, wenn auch etwas wackeliger diesmal. Todesblut, dass heißt ich muss in meinem Traum irgendwie im D… Wald der Finsternis gelandet sein, aber was will sie von mir? Weiß sie von Bernsteinpelz oder hat sie auch so genug Gründe mich zu töten?
„Du kannst dich beruhigen, ich werde dich nicht umbringen. Scheinbar gibt es einige Missverständnisse, die wir aus der Welt schaffen müssen, sonst würdest du mich nicht anknurren, als würde ich dir gleich an die Kehle springen“, meint Todesblut in einem beruhigenden Tonfall, sodass Himmel ihr Fell wieder anlegt, ihre Krallen aber vorsichtshalber ausgefahren lässt. „Was willst du dann von mir?“, fragt Himmel skeptisch.
„Eins nach dem anderen“, meint Todesblut ruhig, was Himmels Nervosität nicht eine Mäuselange mindert. Todesblut fährt in einem sanften, aber bestimmten Tonfall fort: „Erstmal musst du wissen, dass ich nicht die gewissenlose Mörderin bin, dich ich vorgebe zu sein und ich würde die Schattenblutgruppe gerne in eine gewaltfreie Zukunft führen, aber wenn ich meine Gedanken laut äußern würde, würden mich die anderen Dunkelclankatzen als Schwachstelle ansehen und mich ermorden und dann würde eine skrupellose Katze meinen Platz einnehmen. Es wäre dann niemand mehr da, der diese Zukunft verwirklichen würde und nur du bist in der Lage mir zu helfen.“
Als die Anführerin ihre Erklärung beendet hat, ist Himmel einen Moment lang sprachlos. Wenn das wirklich stimmt, haben wir Todesblut wirklich immer falsch eingeschätzt, aber kann das sein? Kann ich ihr vertrauen? Sie ist schließlich seit vielen Monden Anführerin des Waldes der Finsternis und hat als solche viele Morde begangen…
Jetzt erst findet sie ihre Sprache wieder und fragt vorsichtig und immer noch misstrauisch: „Und warum gerade ich? Warum nicht jemand anderes aus der Schattenblutgruppe?“ „Weil du genau die richtige dafür bist. Die Mörder, sowie Blutschatten und Blatttraum würden niemals ihre Position aufgeben wollen, die Kämpfer sind zu feige dafür und die anderen Jäger schon zu gebrochen, anders als du“, erklärt Todesblut geduldig.
„Und was soll ich machen?“, fragt Himmel, mit einer Spur Neugierde in der Stimme, doch Todesblut und der Wald um sie herum lösen sich schon wieder auf und Himmel wird in die reale Welt zurückkatapultiert. /Nein, warum ausgerechnet jetzt?/
Als sie ihre Augen öffnet, hört sie nur noch den Nachhall von Todesbluts Stimme, die eindringlich ruft: „Vertraue niemanden!“