Vogelblut
Vogelblut
Am nächsten Morgen wacht Vogelblut von den Sonnenstrahlen, die ihren Bau erhellen, auf und gähnt herzhaft, dann läuft sie restmal nach draußen und streckt sich. In diesem Moment kommt Kralle auf sie zu gelaufen, verneigt sich vor ihr und läuft dann eilig zu ihrem Bau, um ihn zu reinigen, was Vogelblut Gewissensbisse macht.
Es fühlt sich so falsch an, dass diese Katze alles für mich macht, als ich ein Junges war, wurde das zwar auch gemacht, aber als Schülerin musste ich hin und wieder etwas in die Richtung Bau putzen oder Ähnliches selber machen und jetzt sehe ich erst das Elend der Jäger, nicht nur die Opferrituale, oder dass sie die ganze Zeit für uns Mörder, aber auch für die Kämpfer, Jungen und Schüler bereitstehen müssen, sondern auch wie die anderen Katzen mit ihnen umgehen, als wären sie Gegenstände. Ich hoffe nur Himmel kann mithilfe von Bernsteinpelz wirklich etwas verändern. Ich wünschte ich wäre nicht so feige und würde auch etwas tun, nicht nur spionieren…
Am liebsten würde sie in Selbstmitleid versinken, aber Vogelblut weiß, dass es niemanden helfen würde, also schaut sie sich im Lager um und entdeckt Mondfang, mit der sie sich einigermaßen gut und damit am besten von fast allen Schattenblutkatzen, versteht. Sie läuft nun zu ihr und entdeckt die fünf Jungen um sie herumwuseln, die ihr sogleich freudig entgegenstürmen.
„Guten Morgen ihr fünf“, begrüßt die Mörderin sie fröhlich. Sie begrüßt Mondfang ebenso, wenn auch etwas zurückhaltender. „Zum Glück werden die Jungen bald Schüler, dann kann ich endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen“, versucht Mondfang die angespannte Stimmung zu lockern und Vogelblut geht darauf ein. „Ja das stimmt, wann ist es denn eigentlich so weit.“
Aber statt Mondfang antwortet Zeder mit leuchtenden Augen: „In ein paar Sonnen schon, dann werden wir endlich zu den besten Mördern ausgebildet, die es jemals gegeben hat und wir werden deine obersten Berater, wenn du endlich Anführerin wirst.“ Bei diesen Worten durchfährt Vogelblut ein schmerzhafter Stich. Wenn du wüsstest, wer deine wirkliche Mutter ist und was sie Mörder, mich eingeschlossen, ihr angetan haben, würdest du dir nicht wünschen ein Mörder zu werden. Ich werde Blumes tot und die Freude der anderen darüber nie vergessen…
Sie verdrängt ihre Gefühle wieder tief in ihr Inneres und maunzt mit aufgesetzter Fröhlichkeit: „So bald schon, dann müsst ihr aber vorher früh in euer Nest gehen, sonst schafft ihr es gar nicht das ganze Territorium zu erkunden und schlaft auf halber Strecke ein.“ „Niemals!“, mischt sich Frost in das Gespräch ein und plustert das flauschige Fell auf. Vogelblut schaut sie belustigt an, auch wenn sie sich lieber irgendwo verkriechen würde, deshalb schützt sie einen halbwegs glaubhaften Grund vor, um in den Wald zu laufen.
Ich hoffe alle Jungen überleben ihre Schülerzeit, wir haben viele Feinde und es wäre nicht das erste Mal, dass Schüler getötet werden…