Vogelblut
Vogelblut
Als Kiefer Himmel angreift ist Vogelblut erst zu geschockt, um zu reagieren, aber Bernsteinpelz schaltet schneller und rennt auf die angreifende Kätzin zu und reißt sie grob von Himmel runter und herrscht sie wütend an: „Was soll das, wer bist du überhaupt?!“
Kiefer antwortet nur mit einem Knurren, deshalb erklärt nun Vogelblut, die sich endlich aus ihrer starre gelöst hat: „Das ist Kiefer, eine ehemalige Jägerin aus der Schattenblutgruppe.“ „Aha“, macht Bernsteinpelz und erwidert dann wieder in Kiefers Richtung, „und warum hast du dich dann einfach auf Himmel gestürzt?“ Jetzt hat sich auch Himmel wieder aufgerappelt und erklärt reumütig an Kiefer statt: „Als ich noch Schülerin war, habe ich den Jägern großes Unrecht angetan, das ist mir aber erst so wirklich klar geworden, als ich selbst Jägerin wurde und verstanden habe, wie schlimm der Alltag einer Jägerin eigentlich wirklich ist, und mir tut alles so leid, auch wenn meine Worte die Vergangenheit niemals wieder gut machen können…“
„Na wenigstens gibst du es zu!“, meldet sich nun auch Kiefer wieder fauchend zu Wort und versucht sich von Bernsteinpelz loszumachen, was ihr aber misslingt, sie sie eisern festhält. War es ein Fehler Kiefer und die anderen hierherzubringen?
Nun kommt auch Wiese mit vorsichtigen Schritten näher zu der Gruppe und als die Mörderin nach Käfer Ausschau hält, sieht sie, dass er die Jungen beruhigt, die sich wohl bei Kiefers Auseinandersetzung mit Himmel zu ihm geflüchtet haben müssen. Vielleicht hätte ich doch erstmal alleine hierherkommen und Bernsteinpelz und Himmel Bescheid sagen sollen, dann wäre nicht alles so furchtbar schiefgelaufen…
„Was wollt ihr eigentlich hier?“, fragt Bernsteinpelz nun in Vogelbluts Richtung, sodass diese zusammenzuckt, weil sie so sehr in Gedanken versunken war. „Ich… also“, stottert die angesprochene Kätzin, „also ich wollte fragen, ob… ob Kiefer und ihre Jungen bei euch bleiben können.“
Daraufhin knurrt die Jungenmutter aber: „Als du mir das vorgeschlagen hast, hast du aber mit keinem Wort erwähnt, zu wem du uns bringen willst!“ „Also von mir aus können sie hierbleiben“, erklärt Himmel, die sich das Blut, das aus einem tiefen Kratzer, den Kiefer ihr zugefügt hat, hinausgeflossen ist, schon aus ihrem schwarzen Pelz gewaschen hat.
Auch Bernsteinpelz stimmt mit einem Nicken zu, während sie Kiefer noch immer am Boden festnagelt: „Ich finde die Idee auch gut, wir müssten hier unten dann zwar noch Nester aufbauen und die Splitter wegräumen, aber es könnte uns in jedem Fall auch damit helfen den Schattenclan wieder aufzubauen.“ Schattenclan? Was soll das sein?
„Ich werde auf keinen Fall zusammen mit dieser Katze leben und meine Jungen in ihre Obhut geben!“, faucht Kiefer ungehalten. „Aber denk doch mal nach, hier ist es bedeutend sicherer für deine Jungen, als wenn sie weiterhin im Schattenblutteretorium leben und die schildpattfarbene Katze hat doch bewiesen, dass sie auf deine Jungen aufpassen würde, immerhin hat sie Frost davon abgehalten in eine dieser Scherben zu treten, die hier überall auf dem Boden verteilt liegen“, redet Käfer auf Kiefer ein. Ich hoffe Kiefer willigt ein, sonst habe ich meine Schwester ganz umsonst in Gefahr gebracht…
Nach einigen Atemzügen des Schweigens, seufzt Kiefer theatralisch: „Na gut, du hast ja recht. Ich will meine Jungen auch nicht unnötig damit gefährden, dass wir im Schattenblutteretorium bleiben und außerhalb ist auch keine Option, wegen all den gefährlichen Streunern und Tieren und dort wäre ich auch auf mich allein gestellt, da ihr, Wiese und Käfer, nicht lange genug bei mir bleiben könntet um zu Jagen, das wäre durch die weite Strecke einfach zu auffällig und gefährlich für euch…“ Bei ihren Worten sträubt sich ihr Fell, als würde sie sich all die Möglichkeiten überlegen, wie ihre Jungen oder die beiden Jäger zu Tode kommen könnten.
Der Kater sieht erleichtert aus, aber dann wendet Wiese ein: „Wir sollten jetzt auch so schnell es geht ins Lager zurück, sonst schöpft noch jemand verdacht.“ Stimmt, ich habe ganz vergessen auf den Sonnenstand zu achten, aber wenn ich jetzt aus dem Loch in der Decke nach draußen schaue, ist die Sonne schon weiter vorangeschritten als vorhin, nicht dass die beiden Jäger wegen mir noch in Schwierigkeiten kommen, aber ich bin ja eine Mörderin und meine Worte dürfen nicht hinterfragt werden…
„Ich gebe euch einen Vorwand, warum ihr im Wald unterwegs wart“, verspricht Vogelblut den Jägern, die dankbar nicken. Dann ist meine Position als Mörderin wenigstens zu irgendetwas gut und ich treffe heute wenigstens eine gute Entscheidung… Die Jäger verabschieden sich noch von Kiefer und ihren Jungen und versprechen ihnen noch sie bald zu besuchen.
Dann laufen sie, Vogelblut voraus, weil sie als einzige, durch ihren guten Orientierungssinn, den Weg nach draußen kennt, raus aus der Höhle und zurück zum Lager, sie machen nur noch einen kurzen Stopp, um zu jagen, damit ihre Ausrede glaubwürdiger wirkt.