Himmel
Himmel
An Tag des Vollmonds…
Himmel steht auf und eilt zu Fischtot, der boshaft miaut: „Heute ist endlich wieder Vollmond und da kein passender Streuner gefunden wurde, wird wieder einer von euch Vogelherzen sterben! Aber leider werdet ihr alle zur Vorbereitung gebraucht.“ Himmel verneigt sich und eilt dann mit einem unguten Gefühl im Bauch zu den anderen Jägern, die schon in der Mitte des Lagers stehen.
Freundlich nickt Himmel ihnen zu, aber nur Blume erwidert ihren Gruß, alle anderen beobachten sie feindselig oder ignorieren sie. „Wir müssen das Lager aufräumen und sauber machen“, erklärt Blume ihr in einem freundlichen Ton, kann ihre Angst aber nicht ganz verbergen, was den Knoten in Himmels Magen noch vergrößert. Mir ist noch nie wirklich klar geworden wie grausam diese Tradition ist, warum habe ich nicht eher angefangen das alles zu hinterfragen…? Himmel schluckt schwer und nickt langsam, während sie mit der Arbeit beginnt. Dann spürt sie plötzlich, wie jemand seinen Schwanz auf ihren Rücken legt und sie schaut zurSeite, wo Blume steht und in einem leisen und beruhigenden Ton zur ihr flüstert: „Wir werden das schon gemeinsam durchstehen…“ Dann läuft sie weg und Himmel macht mit ihrer Arbeit weiter, aber nun etwas weniger angespannt.
Ein wenig später kommt Blatttraum aus seinem Bau gelaufen und springt auf den Versammlungsfelsen und ruft alle Katzen zusammen. Als sich alle Mitglieder der Schattenblutgruppe in ihrer gewohnten Aufstellung versammelt haben, verkündet der Seher feierlich: „Der Dunkelclan hat mir offenbart, wer diesen Mond zu seinen Ehren geopfert werden soll. Es ist eine Jägerin, und zwar… Blume!“ „Nein!“, schreit Himmel verzweifelt, aber sie wird gar nicht beachtet, weil alle Mörder und Kämpfer angefangen haben zu jubeln, doch Himmel bemerkt es gar nicht, auch nicht die feinseligen Blicke der anderen Jäger, sondern flüstert immer wieder die gleichen Worte. „Nein nicht sie, warum gerade sie, warum…, warum…“ Warum Blume, sie hat es nicht verdient, sie war immer nett und freundlich zu allen… Warum hasst du mich nur so Dunkelclan, was habe ich dir nur getan…? Himmel ist am Boden zerstört und schafft es nur gerade so eine Pfote vor die andere zu setzen, um mit den anderen Jägern in deren Bau zu laufen, um Blume zu putzen.
Die anderen Jäger schubsen Himmel aber von Blume weg und fauchen: „Das ist alles nur deine Schuld, warum hättest du nicht vom Dunkelclan ausgewählt würden können, dich würde hier niemand vermissen!“ Himmels Herz bricht bei jedem dieser Worte mehr entzwei und sie ist sich sicher, dass ihr Herz gleich auseinanderfällt und sie leblos zu Boden sinkt. Vielleicht habe ich das alles ja verdient…
Nach einer Zeit, die Himmel wie eine Unendlichkeit vorgekommen ist, ist die Gruppe am Jägerbau angekommen, wo sie Blume putzen und ihr zuvor gesammelte blutrote Blumen umhängen.
Als die Jäger fertig sind, verabschieden sie sich noch herzzerreißend von Blume und verlassen dann den Bau, bis nur noch Blume und Himmel zurückbleiben. Himmel will etwas von sich geben, aber ihre Kehle ist wie zugeschnürt und sie bringt keinen Ton, sondern nur einige leise Schluchzer hervor, stattdessen legt Blume ihr ihren Schwanz tröstend auf den Rücken und mauzt leise: „Es tut mir leid, dass ich dich allein lassen muss… Du wirst dich bestimmt noch mit den anderen anfreunden, wenn sie erstmal sehen, wer du wirklich bist… Versuche am besten so wenig wie möglich aufzufallen und deine Aufgaben immer pflichtbewusst zu erledigen, aber das Wichtigste ist, lass dich von den anderen nicht brechen, denn du bist eine wunderbare, starke Katze, die die Welt verändern kann…“ „Danke… für alles… und… es tut mir leid… du hast es nicht verdient so zu… sterben… Ich wünschte… ich könnte dich retten…“, maunzt Himmel von vielen Schluchzern unterbrochen.
Dann schmiegen sich die beiden Katzen eng einander und blicken sich zum Abschied nochmal traurig an, bevor Himmel schwerenherzens aus dem Bau läuft und versucht eine neutrale Miene aufzusetzen, was ihr aber nur so halbwegs gelingt.