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Der Albtraum

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Der Albtraum

Hallo liebe Leser*innen,

nach langer Zeit melde ich mich mit einer neuen superlangen Geschichte wieder.

Ich habe sie irgendwann 2020 angefangen und endlich beendet. Wenn einem das Leben und die Arbeit dazwischen kommt, kann man nichts machen, aber ich wollte es unbedingt beenden und habe es auch geschafft.

Wie immer ist auch diese Geschichte abgeschlossen, enthält 36 Kapitel und wird wöchentlich hochgeladen. Und wie immer würde ich mich über eure Resonanz zu der Story freuen.

Ich hoffe sehr, dass sie euch gefällt! <3

B.t.w. lasst euch nicht verunsichern, Mamoru ist nicht der Antagonist. ;)

Eure MissMolnja

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Eternal Sailor Moon war voller Verzweiflung. Es loderte ein heftiges Feuer, das sie umzingelte. Überall waren Schreie und herunterstürzende Trümmer zu hören. Sie befand sich in der reinsten Hölle und es gab keinen Ausweg mehr.

Plötzlich riss Bunny ihre Augen auf und starrte auf den strahlend blauen Himmel und die vorbeiziehenden weißen Wolken.

‚Wo bin ich?‘, fragte sie sich.

Plötzlich schnellte sie hoch und rief laut nach Seiya. Sie hatte furchtbare, hämmernde Kopfschmerzen, doch das hielt sie nicht davon ab, sofort aufzuspringen und loszurennen. Sie musste sich erst orientieren, denn sie schien nicht da zu sein, wo sie eigentlich hätte sein sollen. Sie war auch nicht mehr verwandelt, obwohl sie doch gerade eben noch in einen aussichtslosen Kampf verwickelt war.

Sie rannte aus dem grünen Park, auf dessen Rasen sie gerade in ihrer Schuluniform der Juban-Oberschule erwacht war, und steuerte direkt den Ort an, an dem sie sich noch vor wenigen Augenblicken befunden hatte, den Fernsehsender Galaxy. Ihre größte Sorge war, Galaxia zu unterliegen, die gerade beinahe alle ihre Freunde getötet und den Verbleib ihres geliebten Mamoru offenbart hatte. Sie durfte sich nicht unterkriegen lassen, sonst wäre die Welt, wie sie alle kannten, nur noch Geschichte.

10 Minuten lang, rannte Bunny unermüdlich.

Allein der Gedanke, nicht aufzugeben, gab ihr unmenschliche Kraft, doch etwas war anders. Der Himmel war blau und nicht feuerrot, in der Stadt herrschte ein geschäftiges Treiben, und es waren keine Schreie zu hören oder Trümmer zu sehen. Es konnte nur eine Täuschung Galaxias sein, dachte sich Bunny, und rannte, bis sie endlich vor dem verheißungsvollen Gebäude stand. Bunny konnte ihren Augen nicht trauen. Es war der richtige Ort und die richtige Adresse, aber auf dem riesigen Schild, das am Hochhaus prangte, stand TV Tokyo, und die Menschen spazierten ein- und aus, als wäre nie etwas gewesen.

Bunny blieb wie angewurzelt stehen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Hatte Galaxia den Kampf an einen anderen Ort verlegt? Aber wo waren die Trümmer, wo waren die vielen toten Menschen? Nach kurzem Zögern entschied sie sich, das Gebäude zu betreten und sich zu erkundigen.

Mit einem besorgten und zugleich ängstlichen Blick trat sie an die Rezeption. Ihre Stimme zitterte. „Entschuldigen sie, war hier nicht mal der Fernsehsender Galaxy?“

„Nein, wir sind schon seit 1985 hier sesshaft.“, reagierte die nette junge Rezeptionistin etwas verwundert, doch zutiefst freundlich.

Nach kurzer Überlegung verließ Bunny das Gebäude. Etwas stimmte nicht. Es war doch kein Traum, oder träumte sie jetzt gerade? Sie kniff sich in den Arm und rief laut: „AAAUUU!“

Langsam stieg Verzweiflung in ihr hoch. War es ihr nicht mehr möglich, den Kampf gegen Galaxia zu Ende zu führen und ihre verbleibenden Freunde und die Erde zu beschützen? Aber was gab es zu beschützen, es schien doch alles in bester Ordnung zu sein. Oder war sie bereits tot und in einem Paradies, wo die Welt in Ordnung war?

Bunny streifte verwirrt und nachdenklich durch die Straßen, auf der Suche nach einem Sinn dessen, was sie gerade durchmachte, und sah in der Ferne ein bekanntes Gesicht. Sie begann vor Freude zu strahlen, es war Ami, die an einer Straßenecke stand und in ein Buch schaute. Doch als Bunny auf sie zusteuerte, wurde sie stutzig. Hatte Ami sich nicht gerade in ihren Armen aufgelöst, und warum trug sie ihre Schuluniform der Mittelschule? Sie zerbrach sich nicht weiter den Kopf und ging schnurstracks auf sie zu.

„Hallo Ami!“, rief sie ihr aus der Entfernung zu.

Ami schaute auf, sah Bunny, die winkend auf sie zulief und schaute sich ungläubig um, als würde sie nach einer anderen Ami suchen, die gemeint worden war. Bunny behielt ihren Kurs aber bei und stand irgendwann vor dem verdutzten Mädchen.

„Hallo Ami!“, wiederholte Bunny noch einmal strahlend.

Aber Ami schaute Bunny nur verwundert an und antwortete mit einem einfachen, distanzierten „Hallo“.

„Bist du sauer auf mich?“, fragte Bunny irritiert.

„Kennen wir uns?“, entgegnete Ami weiterhin zurückhaltend.

Bunny verstand nicht. Wieso tat Ami so, als seien sie sich fremd? „Aber natürlich kennen wir uns, wir gehen doch seit Jahren in die gleiche Klasse.“

Ami warf demonstrativ einen Blick auf Bunnys Schuluniform. „Du musst mich mit jemandem verwechseln.“

„Aber Ami!“ Bunny wurde laut und ihre Stimme klang verzweifelt.

Ami dagegen fühlte sich bedroht von dem unbekannten Mädchen, das ihren Namen kannte. Zu ihrem Glück stand sie nicht einfach so an dieser Straßenecke, sondern wartete auf einen Freund, mit dem sie zusammen zur Paukschule gehen wollte.

„Was ist denn hier los?“, fragte ein Junge, den Bunny ebenfalls kannte.

„Umino!“ Bunnys Augen strahlten vor Freude, über ein weiteres bekanntes Gesicht, doch die Enttäuschung folgte sogleich.

„Woher kennst du meinen Namen?“

Bunny wurde bleich. Das war doch nur ein Scherz, aber sie kannte sowohl Ami, als auch Umino, und keiner der beiden neigte zu solch geschmacklosen Witzen.

„Lass uns bitte gehen, Umino!“, flehte Ami regelrecht.

Dieser begleitete Ami schnell weg von Bunny und ließ sie kreidebleich und paralysiert zurück. Ami drehte sich noch einmal prüfend um und beide verschwanden schnellen Schrittes.

Bunny stand nur da und konnte ihre Gedanken nicht sortieren. Eigentlich neigte sie zum Optimismus, doch in Anbetracht der Lage überkam sie eine gewisse Hoffnungslosigkeit. Sie beschloss nach Hause zu gehen und sich in ihr Bett zu legen. Wenn sie aufwachte, würde sicher alles normal sein.

Sie lief ihre Straße entlang, und es fehlten nur noch wenige Meter bis zum Tor ihres Hauses. In der Ferne war Shingo zu sehen, der Bruder, mit dem sie zwar immer stritt, den sie aber trotzdem über alles liebte.

„Shingo!“, rief sie fast vorsichtig.

„Hallo, wie kann ich dir helfen?“, fragte der Dreizehnjährige.

„Was meinst du damit?“ Bunny war verdutzt.

„Du scheinst mich ja offensichtlich zu kennen… Bist du etwa die Schwester von Kotoko?“, fragte Shingo ebenfalls verdutzt.

„Was soll der Mist, ich bin deine Schwester!“, schrie sie ihn unvermittelt und verzweifelt an.

„Ist das versteckte Kamera?“, fragte Shingo. „Ich bin doch Einzelkind.“

„Das ist nicht wahr, ich bin deine doofe Schwester, die du ständig ärgerst!“

„Du machst mir Angst.“ Shingo wich einen Schritt zurück. „Wenn du nicht gleich abhaust, rufe ich die Polizei!“

Bunny wollte ihn gerade anflehen, endlich mit diesen Scherzen aufzuhören, als ihre Mutter zum Tor kam. „Wer ist das, Shingo?“

Als Bunny diese Worte hörte, war es wie ein Schlag in die Magengrube. Selbst, wenn Ami, Umino und Shingo sich zu solchen Scherzen hätten hinreißen lassen, ihre Mutter hätte es nie getan. Sie ersparte sich jede weitere Konfrontation und rannte davon.

Sie streifte durch die Gegend und wusste nicht, was gerade geschah. Es war die gleiche Stadt, die gleichen Straßen und bis auf wenige Ausnahmen die gleichen Geschäfte, aber sie fühlte sich verloren. Nicht einmal ihre eigene Mutter erkannte sie wieder. Nun hatte sie keinen Ort, an den sie gehen, und keine Person, an die sie sich wenden konnte. Sie war ganz allein. Alles, was Bunny bei sich hatte, waren die Kleider an ihrem Leib, 1000 Yen und ihren Schülerausweis in einem kleinen Portemonnaie in ihrer rechten Rocktasche. Ihre Situation erschien ihr völlig aussichtslos, und sie wusste nichts anderes zu tun, als ziellos durch die Straßen zu laufen und langsam zu verzweifeln. Sie wurde immer hungriger, und ihre Füße schmerzten von dem langen Marsch.

Der Abendhimmel war mittlerweile in warmes, rotes Licht gehüllt, und die Krähen riefen laut den Abendruf. Als Bunny nach langer Zeit mal wieder aufblickte, realisierte sie, dass sie vor den Stufen des Hikawa-Tempels stand, als hätte sie eine unsichtbare Kraft dorthin geführt. Sie stieg die Stufen hoch, blieb am Treppenabsatz stehen und starrte auf das ihr wohlbekannte Gebäude. Sie erinnerte sich an die erste Begegnung mit Rei und viele andere aufregende Dinge, die hier geschehen waren und fragte sich schließlich, was es ihr genutzt hatte, hierher zu kommen. Sie sollte lieber all ihre Energie dazu nutzen sich einen Schlafplatz einfallen zu lassen.

Sie beschloss noch einmal zu beten, bevor sie sich auf den Weg machte, da kam auch schon Reis Opa unerwartet um die Ecke. „Hallo, schönes Mädchen! Hast du Lust hier im Tempel zu leben und zu arbeiten?“

Bunny blickte den Opa fassungslos an, als plötzlich Rei zornig hinter ihm erschien, dem Opa mit dem Besen einen überbrat und ihn ankeifte. „Opa, hör verflucht nochmal auf mit den Mädchen zu flirten, keiner will hier arbeiten!“

„Doch, ich möchte das Angebot gerne annehmen! Ich möchte hier leben und arbeiten!“, sagte Bunny wie aus der Pistole geschossen und verbeugte sich höflich.

Rei und besonders ihr Opa waren von Bunnys Worten sehr überrascht.

„Willst du das wirklich machen? Mein Opa ist ein wenig verrückt, musst du wissen.“

Bunny hörte sich alles an und verspürte einen inneren Schmerz, als sie erneut feststellte, dass sie weder der Opa, noch Rei erkannten. Sein Charakter war ihr wohl bekannt und darum zögerte sie keinen Augenblick, um ihren Wunsch zu wiederholen.

„Das macht mir nichts. Ich würde sehr gerne hierbleiben.“, sagte sie etwas traurig.

„Aber machen sich deine Eltern keine Sorgen um dich?“, fragte Rei besorgt.

„Ich habe keine Eltern.“ Bunny senkte den Blick. „Ehrlich gesagt, habe ich nicht mal ein Zuhause.“

Rei betrachtete die gepflegte Oberschülerin prüfend. Sie sah eigentlich nicht heimatlos aus, was musste passiert sein, dass sie das aufdringliche Angebot ihres Opas angenommen hatte? Doch sie wollte nicht urteilen, denn der Blick des Mädchens verriet, dass es ihr nicht gut ging.

„Na gut,“, sagte Rei freundlich. „Dann folge mir.“

Bunny setzte ein gequältes Lächeln auf und folgte Rei. Ihr fiel auf, dass die Miko irgendwie jünger wirkte, aber das bildete sie sich bestimmt nur ein.

Rei wies ihr ein Zimmer zu und brachte ihr umgehend ein Futonbett, einen Yukata und die Tracht einer Miko.

„Du siehst sehr erschöpft aus. In einer Stunde gibt es Essen, du kannst solange gerne ein Bad nehmen, dann hole ich dich hier ab.“, bot Rei ihr an.

Bunnys Kopf war vollkommen leer. Die gesamte Situation überforderte sie, aber sie fühlte sich so hungrig und so schmutzig, dass sie das Angebot annahm, ins Bad ging, anschließend einen Yukata anzog und wieder in ihr neues Zimmer ging, um auf Rei zu warten.

Das Abendessen war relativ traditionell und wurde von Yuichiro zubereitet. Dieser schien, zu Bunnys Überraschung, ein guter Koch zu sein und kümmerte sich daher um das leibliche Wohl.

Rei schreckte plötzlich auf. „Das kam alles so plötzlich, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt! Mein Name ist Rei Hino, das ist Yuichiro Kumada und…“ Rei schielte mit einem gespielt verächtlichen Blick zu dem alten Mann am Tisch. „…das ist mein aufdringlicher Opa.“

Das wusste Bunny selbstverständlich alles, doch das würde ihr keiner glauben. Man würde sie für verrückt erklären und wieder an die frische Luft setzen, also tat sie so, als wäre sie diesen Menschen nie zuvor begegnet.

„Ich bin Usagi Tsukino, aber alle nennen mich nur Bunny.“

„Du kannst ja morgen deine Sachen holen, du hattest ja nichts bei dir.“, sagte Rei.

„Das geht nicht, ich besitze nicht mehr als das, was ich heute bei mir hatte.“, sagte Bunny mit gesenktem Blick.

„Waaas?“ Rei flog aus allen Wolken, doch sie bemerkte Bunnys Zustand und entschied sich, nicht weiter nachzuhaken und ihr stattdessen zu helfen. „Ich habe einen Vorschlag. Wie wäre es, wenn wir übermorgen losgehen und dir erstmal ein paar Kleider kaufen?“

„Aber ich habe nur 1000 Yen.“

„Das macht nichts, du wirst hier ja schließlich was verdienen und du kannst ja nicht nur deine Uniform tragen.“

Bunny schmunzelte und stimmte schließlich zu.

Als das Essen beendet war, Bunny sich die ein oder andere Streiterei zwischen Rei und ihrem Opa angehört und Yuichiro beim Abräumen und dem Abwasch geholfen hatte, legte sie sich in das karge Zimmer, in dem sich nur ein Futonbett und eine Nachttischlampe befanden, die auf dem Boden stand. Das blaue Licht des Mondes strahlte in den Raum. Bunny war nun satt, fühlte sich sauber und konnte endlich entspannen. Der Druck fiel von ihr ab und sie begann zu realisieren, dass sie von einer Sekunde auf die andere vollkommen alleine war. Es machte keinen Sinn mehr nach weiteren Gefährten zu suchen und ihre Existenz auf den Prüfstand zu stellen. Bunny Tsukino schien nicht mehr zu existieren. Sie begann bitterlich zu weinen, bis sie schließlich vor Erschöpfung einschlief.

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