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Auf der Lauer

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Auf der Lauer

Bunny schaute den Kater nervös, aber geduldig an. Sie wartete auf den ersten Laut, den der weiße Minitiger von sich geben würde. Was würde es sein, Worte oder Miauen?

„Artemis?“, fragte Bunny vorsichtig.

Der Kater schaute sie kurz an und lief davon.

‚Nicht schon wieder.‘, dachte sich Bunny enttäuscht und schüttelte den Kopf.

Plötzlich blieb der Kater in sicherer Entfernung stehen und drehte sich zu Bunnys Überraschung um. Sie starrte ihn kurz an und begriff, dass er nur auf sie wartete. Sie beschloss, ihm zu folgen. Jedes Mal, wenn sie dachte, ihn an irgendeiner Straßenecke verloren zu haben, erschien er um die Ecke und wartete erneut, bis er sie schließlich zu einem kleinen, gemütlichen Dorayaki-Laden geführt hatte und darin verschwunden war.

Bunny stand einen Augenblick davor und realisierte, wo sie sich befand. Sie schaute sich das Geschäft genauer an. Obwohl sie diese Straße oft entlanggelaufen war, war ihr dieser Ort noch nie aufgefallen. Sie wusste nicht einmal, ob es diesen Laden in ihrer Gegenwart gab oder nicht.

Bunny trat zögerlich über die Schwelle und sah sich auch im Inneren um. Alles wirkte antik, doch die alten Geräte waren sehr gepflegt. Bunny erwartete, jemanden anzutreffen, aber es war niemand da, bis auf zwei Katzen, die Bunny mit großen Augen verwundert anschauten. Da waren sie, die beiden treuen Gefährten, die Bunny so lange durch das Leben begleiteten.

„Luna? Bist du das?“ Bunny konnte ihre Tränen nicht unterdrücken. Sie wusste nicht, ob sie eine weitere Enttäuschung ertragen würde.

„Bunny! Du bist am Leben.“ Lunas kleines Katzengesicht strahlte vor Freude. Sie machte einen Satz und sprang auf Bunnys Arm.

Diese drückte ihre geliebte Katze an sich, und auch Artemis zeigte endlich Freude darüber, dass er Bunny begegnet war, und rieb sich an ihren Beinen.

Die Wiedersehensfreude war groß, doch es gab von beiden Seiten einiges zu erklären. Bunny setzte sich auf einen Stuhl und bekam einen Tee von der netten alten Dame, die gerade reingekommen war, als Bunny ihre Katzen drückte. Sie wusste zwar nicht, wer die junge Frau war, doch das Verhalten der Katzen zeigte ihr deutlich, dass sie eine wichtige Bezugsperson sein musste. Sie ging in einen Nebenraum, um die Rotebohnenpaste zuzubereiten, und ließ Bunny mit den Stubentigern alleine.

„Wer ist diese Frau?“, frage sie neugierig. „Und wieso seid ihr nicht bei meiner Familie und Minako?“

„Nachdem du nicht wiedergekommen bist, hat Shingo mich vergessen und hat wieder Angst vor mir bekommen.“, sagte Luna traurig.

„Minako hat mich auch nicht wiedererkannt.“, fügte Artemis hinzu. „Sie wollte mich zwar sofort bei sich aufnehmen, aber ihr Vater hat eine Katzenallergie.“

„Die alte Frau hat uns dann aufgenommen, und da sie fast taub ist, ist es auch nicht schlimm, wenn wir sprechen.“, erklärte Luna.

„Das verstehe ich nicht.“, grübelte Bunny. „Ich bin nicht wiedergekommen? Minako hat dich nicht wiedererkannt? Ich dachte, ich existiere gar nicht.“

Bunnys verstand gar nichts und konnte auch nicht nachvollziehen, wie Luna und Artemis das meinten. Sie existierte in dieser Vergangenheit aus irgendeinem Grund nicht, doch Luna und Artemis wussten, wer sie war. Der Erklärungsbedarf wurde immer größer.

„Du, Minako und die anderen seid zum Nordpol gereist, um gegen Königin Perillia zu kämpfen. Du hast den heiligen Silberkristall eingesetzt und die Bösen besiegt. Am nächsten Morgen waren alle wieder da, Minako, Ami, Rei, Makoto und auch Mamoru, nur du bist nicht wiedergekommen.“, führte Artemis aus.

„Wir dachten, du wärst gestorben.“, sagte Luna mit Freudentränen in den Augen. „Wo hast du nur so lange gesteckt?“

„Aber das stimmt nicht. Damals am Nordpol sind wir alle gestorben, und der heilige Silberkristall hat uns alle wiedergeholt. Ich bin genau wie die anderen wiedergeboren worden, und du, Luna, musstest uns alle kurz darauf wiedererwecken, weil Ale und Anne die Menschen in Tokio angegriffen haben.“, sagte Bunny verständnislos.

„Nein, Bunny! Wir haben die Fähigkeit verloren, euch zu erwecken. Ale und Anne wurden von drei geheimnisvollen Kriegern besiegt.“

„Aber...“, stutzte Bunny. „Luna, ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich bin aus der Zukunft in diese Zeit gereist und bin hier gelandet. Niemand hat mich wiedererkannt, nicht einmal meine Eltern. In dieser Zeit existiere ich nicht, und ich weiß nicht, warum, ihr seid die ersten, die mich wiedererkannt haben.“

Luna und Artemis schauten verwundert. „Du kommst aus der Zukunft? Aber wie ist das möglich?“

„Ich weiß es selbst nicht, aber bei Chibi Usa hat es doch damals auch geklappt.“, erklärte Bunny.

„Wer ist Chibi Usa?“, fragte Luna verwundert.

Bunnys wurde still. Ihr Blick verriet ihre Verwirrung. Sie hatte sich erhofft, eine Antwort zu finden, wenn sie Luna begegnen würde, doch stattdessen wurden unzählige neue Fragen aufgeworfen. Sie atmete tief durch und berichtete über alle Ereignisse, die nach Perilias Tod auf sie zukamen und die ihr lückenhaftes Gedächtnis noch hergab. Natürlich ließ sie ihre unfreiwillige Zeitreise und die neuen, alten Bekanntschaften nicht aus. Es war ein langer Bericht, dem die beiden Katzen geduldig und aufmerksam folgten.

Nachdem Bunny ihre Ausführungen beendet hatte, saßen zwei Katzen mit einem Fragezeichen im Gesicht vor ihr. Sie begannen sofort nachzudenken, was das alles zu bedeuten hatte, doch es ergab alles keinen Sinn.

„Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat.“, sagte Artemis resigniert.

Luna grübelte etwas. „Ich könnte mir vorstellen, dass Chibi Usa nicht hier war, weil DU nicht hier warst, denn ohne Sailor Moon kann es auch keine Neo Königin Serenity geben.“

„Jetzt, wo du wieder da bist, müssen wir es schaffen, die anderen Kriegerinnen zu erwecken, damit ihr gemeinsam gegen die neue Gefahr kämpfen könnt.“ Artemis war sehr motiviert, doch Bunny lehnte das ab.

„Nein, sie sind so glücklich und führen endlich ein normales Leben. Das will ich ihnen nicht wieder wegnehmen.“, sagte sie mit einem traurigen Lächeln. „Und ich kämpfe nicht alleine! Ich habe zwei starke Kriegerinnen an meiner Seite, denen ich vertraue.“

Bunny machte eine kurze Pause. Ihr Blick blieb unverändert traurig. „Ich würde euch so gerne mitnehmen, aber Rei hält euch für normale Katzen und macht sich Sorgen um die vielen Vögel am Tempel.“

„Mach dir um uns keine Sorgen, wir kommen schon klar.“, sagte Luna zufrieden.

„Du weißt, wo du uns findest.“, fügte Artemis mit einem Lächeln hinzu.

Bunnys Weg nach Hause erschien ihr sehr kurz. Ihr Kopf hatte so viele neue Eindrücke und Informationen zu verarbeiten, dass sie den Weg fast automatisch lief, bis sie schließlich am Tempel ankam. Es war beinahe unglaublich, dass sie gestorben sein sollte, aber egal, was nun war, sie wollte das friedliche Leben ihrer alten Freunde nicht zerstören.

Am kommenden Montag stand ein Treffen mit Haruka und Michiru an. Und besonders letztere konnte es nicht erwarten, Bunny zu sehen. Michiru und Haruka hatten sich den Kopf über Mamoru als Erdenprinzen und als potentielles Opfer der Death Busters zerbrochen. Sie warteten nach der Schule vor dem Brunnen im Park auf Bunny, um diese Überlegungen mit ihr zu teilen.

„Du bist spät dran, Engelchen.“

„Es tut mir leid.“, sagte Bunny reumütig.

Sie blickte vorsichtig zu Haruka und errötete. Der Gedanke an die Anziehungskraft, die sie auf sie ausstrahlte, ließ sie nicht los.

„Ich mache es kurz.“ Haruka blieb ernst. „Könnte es sein, dass Mamoru einen Talisman in sich trägt?“

„Schließlich ist er der Prinz der Erde.“, fügte Michiru hinzu.

Auf Überraschung folgte Niedergeschlagenheit. Bunny hätte zu gerne mit einem klaren Ja oder Nein geantwortet, doch sie wusste es einfach nicht mehr.

„Ich habe keine Ahnung.“, sagte sie mit gesenktem Blick.

„Es wird uns wohl nichts anderes übrigbleiben, als ihn im Auge zu behalten.“, sagte Haruka nachdenklich.

„Das wird auf jeden Fall klappen, verlasst euch auf mich.“ Bunny klopfte sich auf die Brust. „Ich gehe sofort zum Game Center, Mamoru soll dort öfter vorbeikommen.“

„Dann tu das, Usagi!“ In Michirus Worten lag volles Vertrauen. „Wenn die Wellen beginnen zu tosen, werde ich dich sofort kontaktieren.“

„Aber sei nicht dumm und lass dich wieder angreifen.“, sagte Haruka streng.

Ihr war es gar nicht recht, dass Bunny sich an Mamorus Fersen heften sollte. Natürlich war er Reis Freund und somit vom Markt. Doch er und Bunny verstanden sich zunehmend besser, und was, wenn er plötzlich doch Gefühle für Bunny entwickeln würde? Seit Haruka sie beim Volleyballspiel zusammen gesehen hatte, wie sie sich angeregt unterhielten und sie ihm aufmerksam zuhörte, entwickelte sich bei ihr schleichend eine Eifersucht. Sie, in diesem Augenblick direkt in Mamorus Arme laufen zu sehen, steigerte dieses Gefühl ins Unermessliche.

Bunny hatte indes andere Sorgen. Das Problem mit Mamoru konnte sie etwas von ihren verwirrenden Gefühlen zu Haruka ablenken. Doch ihr stand eine harte Aufgabe bevor. Sie wusste, dass sie ein Auge auf Mamoru werfen sollte, doch, wie sollte sie herausfinden, wo er sich gerade befand?

Ihr Weg führte sie direkt zum Crown. Ihn dort anzutreffen, war für sie am wahrscheinlichsten, doch es war vergebens. Sie verbrachte mehrere Stunden damit zu warten, die Automaten zu malträtieren und Motoki vollzuquatschen, aber Mamoru ließ sich an diesem Montag nicht in der Spielhalle blicken. Erschöpft, enttäuscht und um einige Yen ärmer trat sie den Weg nach Hause an. Sie zerbrach sich weiterhin den Kopf, wie sie seine Aufenthaltsorte in Erfahrung bringen sollte. Es gab nur drei Orte, wo er ihrer Meinung nach sein konnte, das Gamecenter, sein Zuhause und die Universität. Das Schlimmste war, dass sie auf letztere Orte keinen Zugriff hatte. Sie machte sich große Sorgen, dass er in der Universität angegriffen werden könnte, denn da konnte sie aus eigenen schulischen Verpflichtungen nicht auf ihn lauern. Dieser Gedanke machte ihr Angst.

In dem kreisenden Gedankengewirr tauchte noch eine Idee auf, die sie bisher vollkommen ignoriert hatte. Er hatte doch zahlreiche Nebenjobs. Doch das stellte Bunny vor neue Probleme. Er wechselte diese Jobs, wie andere die Unterwäsche, und sie hatte absolut keinen Schimmer, wo er dieses Mal seine Brötchen verdiente. Sie konnte nur hoffen, weitere Informationen aus Rei rauszukriegen und sich auf Michirus Instinkte verlassen.

Wieder zuhause angekommen, suchte Bunny sofort Rei auf. Sie hatte sich den gesamten Heimweg den Kopf zermartert, wie sie von ihr, Mamorus Tagesablaufplan herausfinden sollte, ohne verdächtig zu wirken. Rei durfte nicht erfahren, wer Sailor Moon war, und sollte auch nicht den Eindruck gewinnen, sie sei an Mamoru interessiert.

„Hast du kurz Zeit, Rei?“, fragte Bunny vorsichtig.

„Natürlich.“

„Geht es, dass ich diese Woche keinen Dienst im Tempel schiebe? Ich habe ein wichtiges Klassenprojekt und muss mich jeden Tag mit meinen Klassenkameraden treffen.“ Bunny log, ohne rot zu werden, schließlich brauchte sie eine plausible Erklärung, warum sie dem Tempel bis zum Abend fernbleiben würde. Keiner konnte das Gegenteil beweisen und keiner wusste, wie lernfaul sie wirklich war.

„Ja, das wird schon gehen, so viel ist gerade ja nicht zu tun.“, sagte Rei lächelnd.

„Du, sag mal, Rei.“, setzte Bunny vorsichtig fort. „Mamoru wohnt doch alleine, oder?“

„Ja?!“ Rei wurde stutzig.

„Aber wie macht er das? Er hatte mal erzählt, dass seine Eltern nicht mehr leben.“

„Ach so.“, sagte Rei mit einem erleichterten Lächeln. „Er hat immer irgendwelche Nebenjobs. Manche sind nicht so toll. Es hatte mal einen als Kabelträger bei einem kleinen Fernsehstudio. Jetzt arbeitet er als Kellner in einem Café und bringt mir manchmal leckeren Kuchen mit.“

Das war Bunnys Stichwort. „Leckeren Kuchen? Du meinst doch bestimmt Yokkumokku Aoyama Honten. Die haben so leckere Törtchen.“

„Nein, das Shirotae in Akasaka. Wir müssen da unbedingt mal hin, wenn dein Klassenprojekt beendet ist.“, schlug Rei vor.

„Das machen wir!“ Bunny war voller Elan. Sie hatte auf mehr oder weniger geschickte Art herausgefunden, wo Mamoru sich sonst rumtrieb, und war viel zuversichtlicher, ihn beschützen zu können.

Plötzlich ertönte ein lautes Grummeln, welches seinen Ursprung in Bunnys Magengegend hatte. Es kam sehr selten vor, aber vor lauter Aufregung und Grübelei hatte sie tatsächlich vergessen, zu essen und zu trinken.

„Hast du Hunger?“, lachte Rei.

Bunny war peinlich berührt. „Ja.“

Rei warf einen Blick auf die Armbanduhr. „Da hast du aber Glück. Yuichiro müsste bald mit dem Abendessen fertig sein.“

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