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Vertraute Gefühle

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Vertraute Gefühle

Hallo liebe Leser*innen,

ich hoffe ihr geht bei dem Wetter nicht ganz zu Grunde. Das Kapitel wird euch vielleicht etwas abkühlen. :3

Und an dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön an alle, die meine Geschichte lesen, mögen und ggf. ein Herz, Stern und Kommentar hinterlassen. <3

LG

MissMolnja

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Die nächsten Tage waren für Bunny die reinste Tortur. In der Schule war sie nur körperlich anwesend, denn ihre Gedanken kreisten nur darum, wie sie Mamoru unauffällig finden, beschatten und beschützen konnte. Sobald die Schulglocke zur letzten Stunde erklang, hinterließ sie nur eine Staubwolke und schlich in der Nähe von Mamorus Wohnung, dem Café, in dem er arbeiten sollte, und dem Game Center herum. Es fühlte sich an, wie ein Glücksspiel, bei dem sie mal das richtige Los zog und manches Mal eine Niete. Besonders frustrierend waren die Tage, an denen sie ihn unbewusst um Haaresbreite verpasste und auf ihn wartete, obwohl er schon längst nach Hause gegangen war.

Da bis Freitag nichts passiert war, entschloss sich Bunny langsam, ihre Bemühungen einzustellen. Es tauchte einfach kein Monster auf, und auch Michiru, die verlässlichste Quelle, meldete sich nicht.

Es war kurz vor dem Läuten, als sie in dieser langweiligen Mathestunde dasaß, sich die Schläfen massierte und angestrengt überlegte, wo sie es heute als erstes versuchen würde. Die Entscheidung fiel auf Mamorus Wohnung, und es war ein Glückstreffer.

Gerade, als sie sich einem guten Versteck zur Beobachtung nährte, verließ er das Gebäude. Sie folgte ihm in sicherem Abstand und hatte alle Mühe, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Er lief eine ganze Weile, bis Bunny ihn doch aus dem Blick verlor. Sie schaute sich etwas genauer aus ihrem Versteck, hinter einem Gebüsch, um. Kein Anzeichen von Mamoru. Sie sprang hinter dem Strauch hervor, in der Hoffnung, ihn doch irgendwo zu sehen, doch er war verschwunden. Das demoralisierte sie. Sie war ihm doch so dicht auf den Fersen gewesen.

‚Wahrscheinlich hat das alles sowieso keinen Sinn.‘, dachte sie sich. ‚Die ganze Woche ist nichts passiert, warum sollte es heute so sein. Michiru hat sich auch nicht gemeldet.‘

Bunny seufzte, drehte sich um und war im Begriff, nach Hause zu gehen.

Sie war nicht der Freund von Wetterberichten und durfte sich auf dem Nachhauseweg von der Schule regelmäßig den Regenschirm mit netten Klassenkameraden teilen. Das Wetter war wieder einmal im Begriff, sie zu überraschen, doch dieses Mal war zufällig keine Mitschülerin in der Nähe, um ihr den Regenschirm zu leihen. Ein dicker Regentropfen landete direkt auf ihrem Scheitel. Sie schauderte und blickte genervt hoch. Plötzlich ergoss sich der Himmel über ihr. Der Regen kam wie aus dem Nichts. Der gerade noch blaue Himmel war dunkel geworden und die Wolken ließen ihr gesamtes Wasser scheinbar auf einmal entweichen.

Bunny riss ihre Schultasche hoch und versuchte damit wenigstens einen Teil des Regens abzuhalten. Eigentlich war sie schon durchnässt, aber zumindest blieb ihr so das unangenehme Gefühl des Prasselns auf ihren Kopf erspart. Sie schaute sich fieberhaft nach einem Ort um, wo sie sich unterstellen konnte, entdeckte ein Bushaltestellenhäuschen in erreichbarer Nähe und verlor keine Zeit.

Als sie drunter sprang, und ihre Schultasche runternahm, bemerkte sie, dass sie nicht alleine war. Neben ihr stand der fieberhaft Gesuchte.

„Mamoru!“, entfuhr es ihr.

„Das ist ja ein Zufall.“ Mamoru schaute sie überrascht an. Plötzlich wurde er rot und drehte sich verlegen weg.

Bunny verstand seine Reaktion erst nicht, doch als sie an sich herunterschaute, fiel es auch ihr auf. Sie hatte durch den Stress und die Eile ganz rote Wangen. Ihre durchnässte Kleidung klebte an ihrer Haut und gab mehr Einblicke frei, als ihr lieb war.

„Oh nein.“ Bunny verschränkte sofort die Arme vor ihrem Oberkörper und drehte sich weg.

Es war ihr sehr peinlich, und es war wieder das alte Problem, welches sie hatte, seit sie in diesem Park mit Kopfschmerzen aufgewacht war. Es war Mamoru, und eigentlich müsste sie sich nicht vor ihm schämen, denn sie waren mehrere Jahre ein Paar, aber es war nicht ihr Mamoru. Es war ein Fremder, dem sie sich gerade langsam annäherte und erst seit kurzer Zeit nicht bei jeder Begegnung mit ihm stritt. Sie begann zu zittern, ein klein bisschen, weil diese Situation sie irritierte, aber noch viel mehr, da sie langsam merkte, wie kalt ihr doch war.

Mamoru legte ihr langsam sein dunkelgrünes Jackett über die Schultern. Es war ihm nicht entgangen, dass sie sich unwohl fühlte, und auch wenn er es gut verbarg, tief in seinem Inneren war er ein Gentleman. Sie drehte sich überrascht um, sein Gesucht war so nah und ihre Blicke trafen sich. Es war, als wäre die Zeit eingefroren worden. Keiner der beiden rührte sich mehr, sie schauten sich nur gegenseitig in die Augen. Bunny begann, in diesem dunklen Blau seiner Augen zu versinken. Wie von Sinnen streckte sie ihre Hand aus und berührte mit den Fingerspitzen seine Wange.

‚Was tue ich hier? Das darf nicht sein! Wieso passiert das? Wieso nur?‘, dachte sich Bunny, während ihr Blick sich wandelte.

Plötzlich war ihr die Sorge anzusehen, die sie verspürte. Sie zog sofort die Hand an sich und drehte sich erneut zur Seite. „Danke für das Jackett.“

„Ist schon gut.“, sagte Mamoru und schaute sie weiterhin, wie gebannt an.

Am liebsten wäre Bunny weggelaufen. Weg vor ihren Gefühlen, weg von Mamoru und dem Gedanken, sie würde sich Rei in den Weg stellen, aber sie konnte nicht. Der Regen schüttete unaufhörlich weiter, und schließlich war diese Begegnung kein Zufall.

Sie vermied weiteren den Blickkontakt, zu groß war ihre Angst, dass er ihren Blick erwidern würde und sie wieder dieses Gefühl bekam. Ein Gefühl von Schmerz und Sehnsucht.

„Was machst du hier?“, fragte Mamoru, um die Stille des Moments zu durchbrechen, seinen Blick immer noch auf sie gerichtet.

„Ich bin nur zufällig in der Gegend und musste mich irgendwo unterstellen.“, redete sich Bunny heraus.

Sie hoffte einfach nur, dass er aufhören würde zu reden und sie anzusehen, denn es steigerte nur ihr Bedürfnis, das zu erwidern.

„Bunny...“, begann er vorsichtig, doch sie unterbrach ihn. Sie hatte zwar ein klares Ziel, aber mit diesem Gefühlschaos, welches nun in ihr tobte, konnte sie kaum klar denken. Sie musste einfach davonlaufen, es würde schon gut gehen.

„Mamoru, ich muss jetzt gehen.“ Sie begann, das Jackett abzustreifen.

„Aber es regnet immer noch.“, reagierte er verwundert.

„Das ist mir egal.“

„Aber dann behalte doch wenigstens das Jackett.“, sagte er eindringlich.

„Nein.“ Sie schaute ihn direkt an und reichte ihm das Kleidungsstück. „Wenn Rei mich damit sieht, wird sie es vielleicht falsch verstehen. Das möchte ich nicht.“

Mamoru hatte bis zu diesen Worten fast alles um sich vergessen. Er hatte nur in Bunnys Augen geblickt und wollte nicht mehr damit aufhören, doch er hatte Rei außer Acht gelassen, die nun seit fast zwei Jahren seine Freundin war. Plötzlich schämte er sich dafür.

Bunny ging, und Mamoru schaute ihr nach. Er wagte es nicht mehr, sie aufzuhalten, auch wenn er es nicht für richtig hielt, sie bei diesem Wetter gehen zu lassen. Es war besser, dass sie nicht mehr bei ihm war, denn sie hatte plötzlich seinen Verstand benebelt. Er wusste nicht, wie er reagiert hätte, wenn sie länger verweilt wäre.

„Hab ich dich gefunden.“, kam es überraschend aus dem Nichts.

Vor Mamoru stand Mimet, in ihrem gelben Mantel, dem orangen Kopftuch, der deplatzierten Sonnenbrille und einem transparenten Regenschirm. Er war ganz verdutzt und wusste erst nicht, wer das sein sollte und was sie wollte, bis sie ihren Mantel runterriss und einen Regenschirm-Dämon herbeirief.

Bunny hatte sich noch nicht so weit entfernt und hörte das Theater, welches Mimet veranstaltete. Sie hielt an, atmete tief durch, um sich im nächsten Augenblick zu verwandeln und zur Bushaltestelle zurückzulaufen. Sie sah gerade noch, wie der Dämon Mamoru um seinen Herzkristall erleichterte, und Mimet höhnisch lachte.

„Wie hell er leuchtet. Das kann nur ein Talisman sein.“, schwärmte die Hexe, als sie den Kristall in die Hände bekam. „Schade um dich, wir hätten bestimmt ein schönes Paar abgegeben.“, fügte sie mit einem schwärmerischen Gesichtsausdruck hinzu.

„Halt!“, rief Sailor Moon. „Du gibst ihn sofort zurück!“

Mimet drehte sich überrascht um und sah die Kriegerin entschlossen vor sich stehen. Als Mimet merkte, dass sie nur eine Widersacherin hatte, wurde sie übermütig.

„Ich denke gar nicht dran!“, gab sie zickig von sich. „Umbaro, sie gehör dir!“

Sailor Moon ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie erhob ihren Stab und rief laut die Zauberformel: „Licht des Silbermonds, schein und heile!“

Mimet wiegte sich in Sicherheit, denn es waren immer die dämonischen Handlanger, die als Erstes daran glauben mussten, doch Sailor Moon richtete ihren Stab auf diejenige, die Mamorus Kristall in der Hand hielt und Befehle erteilte. Auch wenn Sailor Moon von der anderen Seite von Umbaro attackiert wurde, wollte sie den richtigen Feind treffen und schaffte es auch. Mimet wurde vom gleißenden Licht voll getroffen und verwandelte sich unter einem lauten Schrei zu Asche, die durch den Regen zu Boden fiel und verschwand. Umbaro traf Sailor Moon mit einem scharfen Geschoss an der Wange, doch diesen Dämon ließ sie nicht lange gewähren und schickte ihn Mimet hinterher ins ewige Nichts.

Sie ergriff den schwebenden Herzkristall, der einen goldenen Schimmer hatte, und ging zu Mamoru rüber. Er lag auf dem Boden, und sie kniete sich zu ihm. Langsam beugte sie sich über ihn, den Herzkristall immer noch in der Hand, und kam seinen Lippen ganz nah. Doch dann stoppte sie.

‚Was tue ich hier nur? Ich tue mir nur selbst weh. Ich bin so ein Dummkopf.‘, dachte sie sich traurig.

Als auch Uranus und Neptun nur wenige Augenblicke später am Ort des Geschehens eintrafen, saß sie an der Bushaltestelle und hielt Mamorus Herzkristall fest. Sie wusste, dass ihre Mitstreiterinnen früher oder später auftauchen würden, das taten sie immer.

Als Sailor Moon sie sah, hielt sie den Kristall mit beiden Händen hoch zu Neptun. Ihre Augen füllten sich langsam mit Tränen, und ihre Stimme zitterte.

„Neptun, sag bitte schnell, ob es ein Talisman ist.“

Neptun nahm ihn an sich und gab Entwarnung: „Nein, ist es nicht.“

Bei Sailor Moon brachen die Dämme, und sie fing an, laut zu schluchzen. Sie weinte so bitterlich, während Neptun den Kristall wieder einsetzte.

„Lass uns gehen, Engelchen.“

Sailor Moon stand zögerlich auf und folgte den Kriegerinnen. Als Mamoru wieder zu sich kam und sich umschaute, sah er, wie eine Kriegerin mit weißen Flügeln sich zu ihm umdrehte und dann ging.

„Was war denn los?“, fragte Haruka besorgt, denn Bunny schien ziemlich fertig zu sein.

„Es ist alles zu viel. Ich dachte jetzt über zwei Wochen darüber nach, Mamoru zu beschützen. Ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren und auch nicht richtig schlafen, und gerade als ich ihn gefunden habe und ihn alleine lassen wollte, erscheint das Monster. Ich habe Mimet getötet. Und ich habe Mamoru seinen Kristall nicht sofort wiedergeben, weil ich Angst hatte, es könnte ein Talisman sein.“, gab Bunny verstört zu. Sie konnte ihr eigenes Verhalten nicht glauben.

„Usagi, du musst dir deswegen keine Vorwürfe machen. Sie gehörte den Death Busters an und hätte dich auch nicht verschont.“

„Das ist bestimmt auch nicht der erste Feind, den du besiegt hast.“, fügte Haruka hinzu.

„Natürlich nicht, aber sowas fällt mir niemals leicht. Ich hoffe immer, dass ich die Bösen wieder zu guten Menschen machen kann.“

„Du bist einfach süß.“, sagte Haruka und tupfte ihr mit einem nassen Taschentuch das getrocknete Blut von der Wange.

Sie wurde etwas verlegen. Sie saß neben dem Mädchen, welches langsam Gefühle in ihr weckte, die sie eigentlich gar nicht zulassen wollte, und nun keimte zwischen ihr und Mamoru etwas auf, was auf keinen Fall aufkeimen durfte. Das überforderte sie, denn sie wollte sich nicht neu verlieben.

Ihr geliebter Mamoru war zwar schon lange tot, doch sie hatte es erst vor wenigen Monaten erfahren, kurz bevor sie in diese Zeit gereist war. Die Vorstellung, sich neu zu verlieben, widerstrebte ihr, und doch geschah es irgendwie. Allerdings wollte sie es auf keinen Fall als Liebe bezeichnen, denn das würde alles nur real machen.

Als Mamoru nach Hause kam, fiel er erschöpft auf sein Bett. Was war nur geschehen? Konnte es tatsächlich sein? Er hasste sie doch noch vor ein paar Wochen und hatte sich erst kürzlich mit ihr angefreundet. Er verstand seine Gefühle nicht, er wusste nur, dass sie stark waren. Er konnte plötzlich nur noch an Bunny denken. Er schämte sich, dass sie Rei aus seinem Kopf verdrängte. Er sah nur noch sie, das nasse Haar, das in ihr verlegenes Gesicht hing und die nasse Kleidung, die einen Blick auf ihre zarte Haut gewährte. Jeder Augenblick, seit er ihr begegnet war, spukte plötzlich in seinem Kopf herum, jeder Streit, jedes Gespräch.

‚Und ich wollte dich küssen‘, hatte sie gesagt. Er wurde rot und hielt sich die Hand vor den Mund. Er konnte nicht anders als sich genau das vorzustellen, wie er diese zarten, rosa Lippen küsste. Er schlug sich beinahe verzweifelt die Hände vor sein Gesicht.

„Bunny!“

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