Gefährliche Blumen
Gefährliche Blumen
Dr. Tomoe war ungehalten über die Ergebnisse der Hexen. „Kaorinite, wieso verschwendest du meine wertvollen Eier? Weißt du nicht, wie viel Mühe es macht, sie herzustellen?“, herrschte er sie an.
„Es tut mir leid, Doktor.“, reagierte sie unterwürfig.
„Es war ein Fehler, Mimet einzusetzen, sie hatte nicht den richtigen Blick für das Ziel.“ Er rieb sich die Schläfen. „Wir müssen die Taktik ändern.“
„Was schlagen Sie vor, Doktor?“
„Wir müssen den Messias der Stille stärken. Bevor der heilige Gral nicht erscheint, wird der Messias nicht erwachen, aber reine Herzkristalle werden ihn auf diesen Zeitpunkt vorbereiten. Sieh zu, dass du welche findest, damit der Messias endlich die Kraft erlangt, in der fleischlichen Hülle zu überleben, in der er gefangen ist.“
Kaorinite verbeugte sich und verließ das Labor.
Sie war Teil einer bösen Organisation und wunderte sich nicht, dass der Doktor für seine Ziele alles opfern würde, denn sie hatte damals auch viel geopfert. Das Okkulte war schon immer ihr Interesse, und mit Mimet, Eugeal, Telulu, Byruit und Cyprin hatte sie dankbare Anhängerinnen, die ihr überallhin folgten. Als vor zwei Jahren eine Erschütterung im Raumzeitgefüge stattfand, war es diese dunkle Macht, die sie und ihre Gefährtinnen fand und ihnen eine unglaubliche Macht verlieh. Kaorinite verfiel dem Bösen und zahlte dafür einen hohen Preis, sie musste ihre große Liebe opfern, den Mann den sie heiraten wollte. Er akzeptierte alles an ihr, auch ihren Hang zur Hexerei. Nie hätte er für möglich gehalten, dass dieser Hang sie ihm entreißen und sein Leben kosten würde.
Anfangs litt sie sehr unter dem Verlust, denn sie hatte die Wahl. Schließlich vereinnahmte sie das Böse immer mehr und mehr, bis sie nur noch ein Schatten ihrer selbst war. Die böse Macht erfüllte sie und ihre Gefährtinnen mit so viel negativer Energie, dass alles Menschliche aus ihnen gewichen war und nur noch ihre Körper an das erinnerten, was sie einmal waren, Menschen. Nun musste Kaorinite zusehen, wie Dr. Tomoe Experimente an seiner ehemals treusten Mitarbeiterin und Assistentin vornahm, die nur dazu dienten, dem Pharao, einem bösartigen Wesen aus dem All, den Weg zur Erde zu weisen und dessen liebste Dienerin, den Messias der Stille, zu erwecken.
Sie saß an ihrem Schreibtisch im dunklen Kellerraum, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und überlegte, welche ihrer Hexen sie einsetzen könnte, um die Befehle des Doktors am besten auszuführen. Sie war erschüttert, ihre Anhängerin Mimet verloren zu haben, doch der Doktor durfte nicht länger warten. Sie entschied sich schließlich für Telulu, da sie die Gabe besaß, seltene Blumenzüchtungen zu erschaffen. Mit ihren Hexenkräften würde sie sicher eine hervorragende Waffe zaubern, die ihr Ziel schnell erreichen würde.
Bunny konnte nicht glücklicher sein, dass sie den Schultag überstanden hatte und endlich nach Hause gehen konnte. Noch nie hatten sie ihre zwischenmenschlichen Gefühle so derartig eingenommen, dass sie sich faktisch auf nichts mehr konzentrieren konnte.
‚Ami wäre bestimmt böse mit mir.‘, murmelte sie leise vor sich hin, als sie gerade dabei war, das Schultor zu passieren. Ihre Motivation zu lernen, war seit langem im Keller, und in einer fremden Vergangenheit festzustecken, machte die Situation nicht besser.
„Miau!“, ertönte es überraschend und riss Bunny aus ihren Gedanken.
Als sie zur Mauer am Schultor aufsah, schauten ihr zwei niedliche Kulleraugen entgegen.
Bunny begann plötzlich zu strahlen. „Luna!“
Die Katze sprang ihr sofort auf die Schulter und kuschelte sich zur Begrüßung an Bunnys Wange.
„Wie schön, dich zu sehen.“, sagte Bunny herzlich, als sie weit genug vom Eingang der Schule und den potentiellen Zuhörern entfernt waren.
„Oh ja!“, entgegnete Luna. „Aber leider bin ich nicht nur zum Spaß zu dir gekommen.“
„Was ist denn los?“ Bunnys Blick wurde ernst und neugierig. Hatte Luna neue Erkenntnisse, die ihr aus ihrer verzwickten Situation helfen würden?
„Vor ein paar Tagen ist ganz in der Nähe aus dem Nichts ein neuer Florist aufgetaucht. Es ist zwar noch nichts passiert, aber ich finde das ganz schön verdächtig.“, erklärte Luna besorgt.
Bunny grübelte. Sollte sie diese Beobachtung ernst nehmen oder überreagierte Luna vielleicht?
„Michiru spürt, wenn das Böse etwas im Schilde führt, aber sie hat sich seit ein paar Tagen nicht bei mir gemeldet.“, gab Bunny als Einwand zu denken.
„Ich weiß, dass meine magischen Kräfte nachgelassen haben und ich seit einem Jahr ein sehr ruhiges Leben führe, aber ich glaube trotzdem, dass man dieses Geschäft im Auge behalten sollte.“, sagte Luna mahnend.
Auch, wenn Bunny sich sehr auf Michirus Urteil und Warnungen verließ, wollte sie sich trotzdem umschauen und ließ sich von Luna dorthin führen. Es war genau zwei Geschäfte weiter vom Dorayaki-Lädchen entfernt, in dem Luna und Artemis ein Zuhause gefunden hatten, und beide wollten gerne, dass es so friedlich blieb und der lieben alten Dame, die sie bei sich aufgenommen hatte, nichts geschah.
Bunny stand, mit Luna auf der Schulter, vor dem Floristen und schaute sich sehr geduldig die Außenfassade des Geschäfts an.
„Und was ist daran so besonders?“, fragte sie Luna verständnislos.
„Dass das Geschäft vor zwei Tagen noch ein leeres Ladenlokal war, das ganz dringend renoviert werden musste.“, erklärte Luna.
„Dann haben sie es eben ganz schnell renoviert.“
„So schnell geht sowas aber nicht. Ich lebe schon seit über einem Jahr in dieser Ladenstraße und habe einige Geschäfte gesehen, die neu eröffnet haben, das dauert mindestens eine Woche, wenn nicht länger.“ Bunny stutzte und Luna fuhr fort. „Was auch noch merkwürdig ist, dass in diesem Laden eine Blume verkauft wird, die ich nicht kenne.“
„Also, das ist nun wirklich kein Grund, den Laden zu verdächtigen.“ Bunny rollte mit den Augen. „In den Nachrichten hört man doch ständig von neuen Tieren und Pflanzen, die irgendwelche Forscher entdecken.“
„Trotzdem glaube ich, dass hier etwas nicht stimmt.“, gab Luna drängend zu bedenken.
„Aber schau mal, Luna, das Geschäft eröffnet erst am Samstag.“, sagte Bunny, die ein Schild in der Vitrine sah. „Einbrechen können wir da nicht!“
Vertieft in ein Gespräch mit einer Katze über mögliche kriminelle Handlungen, tippte ihr plötzlich jemand auf die Schulter. Bunny sprang vor Schreck regelrecht auf und riss Luna mit sich.
„Hallo Engelchen! Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken!“, sagte Haruka reumütig.
Bunny musste erst einmal ihren Herzschlag beruhigen und fasste sich an die Brust, als hätte sie einen Herzanfall überlebt. Luna ging es nicht besser, vor Schreck war sie Bunny fast von der Schulter gefallen und hing nun mit den Krallen in Bunnys Matrosenkragen.
„Musst du mich so erschrecken?“, fuhr Bunny Haruka zornig an. Luna kletterte derweil wieder auf ihre Schulter.
Haruka lächelte sie entwaffnend an, und Bunny musste wieder an den Konzertbesuch denken. Eigentlich wollte sie Haruka aus dem Weg gehen und sich voll auf ihre Mission konzentrieren, die sie für sich noch nicht ganz definieren konnte. Zwischenmenschliche Probleme konnte sie jetzt einfach nicht gebrauchen, aber irgendwie schien Haruka sie immer wieder zu finden.
Sie versuchte, jeden Anflug von Verlegenheit zu verstecken und schaute ihn grimmig an.
„Ich wusste gar nicht, dass du einen grünen Daumen hast.“, sagte Haruka grinsend, um die Stimmung etwas aufzulockern.
„Hab ich auch nicht, aber Luna sagt, ich sollte mir das Geschäft mal genauer ansehen.“, sie entspannte sich wieder.
„Miau!“, gab Luna von sich.
Da fiel Bunny ein, dass die beiden sich ja noch gar nicht kannten und holte das sofort nach.
„Ach ja, Haruka, das ist übrigens Luna, die Katze, die ich überall gesucht habe.“ Sie deutete zu Haruka. „Und das ist meine Mitstreiterin im Kampf gegen das Böse, Sailor Uranus.“
Haruka schaute etwas überrascht, weil Bunnys Worte sie irritierten, als die Katze zu sprechen begann.
„Ich bin sehr erfreut, dich kennen zu lernen. Danke, dass ihr Bunny bei ihrem Kampf unterstützt.“, sagte Luna sehr wohlwollend und freundlich und erntete einen erstaunten, aber angenehmen Blick von Haruka.
„Aber was machst du hier, wolltest du Michiru Blumen kaufen?“, rutschte es Bunny fast aus Gewohnheit heraus.
Haruka schaute Bunny intensiv an und lächelte. „Es gibt nur ein Mädchen, dem ich Blumen kaufen würde.“
Bunny errötete sofort und Luna schaute sich das Schauspiel gespannt an.
Aber Haruka wurde ernst. „Michiru bat mich, mich hier umzusehen. Sie fühlt zwar noch nicht das tosende Meer, aber die ersten Wellen.“
„Sag ich doch!“, gab Luna zufrieden zum Besten. „Ich kann mich immer noch auf mein Urteil verlassen.“
„Aber reingehen können wir trotzdem nicht.“, sagte Bunny mit einem Fingerzeig auf das Schild an der Tür. „Es eröffnet erst in zwei Tagen.“
„Dann lade ich dich auf einen Kaffee ein.“, schlug Haruka vor.
„Ich weiß nicht.“, zögerte Bunny.
„Komm schon, Engelchen, du hast doch deine Anstandsdame dabei. Ganz nebenbei habe ich mich noch nie mit einer sprechenden Katze unterhalten.“, sagte sie mit einem Augenzwinkern.
Haruka hatte Recht, in Lunas Gegenwart würde sie sicher nichts anstellen und so folgte Bunny der Einladung.
Sie ließen sich in einem Straßencafé nieder, wo sie einen schattigen Platz unter einem Sonnenschirm gefunden hatten. Bunny ließ sich eine erfrischende Melon-Cream-Soda und ein Stück Erdbeer-Sahne-Torte bringen, während Haruka neben einem schwarzen Kaffee ihren Charme spielen und Luna ein Schälchen laktosefreie Milch bringen ließ.
„Wo hast du Michiru heute gelassen?“, fragte Bunny neugierig, denn normalerweise erkundete keine der beiden Kriegerinnen einen potentiell gefährlichen Ort alleine.
„Sie musste noch zu Proben für ihren nächsten Auftritt, und da sie bisher nur Wellen spürt, wollte ich mich schon mal umsehen.“ Haruka machte eine Pause. „Aber es ist eine schöne Überraschung, dich hier zu treffen.“
Für Bunny war es ein Wechselbad der Gefühle. Ständig flirtete dieses tolle Mädchen mit ihr und wechselte dann wieder zu ernsten Themen. Sie wusste kaum noch, wie sie darauf reagieren sollte, weil auch sie mit jedem Mal, wenn sie geschmeichelt war, ein schlechtes Gewissen gegenüber Mamoru hatte. Aber Haruka war auch ihre Verbündete, und der Austausch war wichtig, um die Probleme um sie herum lösen zu können.
Vielleicht musste sie auch nur diese Welt retten, um wieder in ihre eigene Welt zurückkehren zu können, aber was würde sie dort erwarten? Alle waren tot. Das machte Bunny fertig.
Zu ihrem Glück war das Gespräch zwischen Haruka und Luna sehr angeregt und interessant. Sie sprachen über ihr Leben im Silberjahrtausend, wo Luna und Haruka im Gegensatz zu Bunny gemeinsame Erinnerungen teilten, und besprachen die aktuelle Lage und Gefahr, bei der Haruka von Lunas Gedanken und Urteilen zu profitieren schien. Auch Bunny konnte ihre dürftigen Erinnerungen und Erfahrungen aus dem Kampf gegen die Death Busters teilen, und so konnten alle davon profitieren.
Beim Essen des Tortenstücks war Bunny jedoch wieder ganz die Alte und verschlang es regelrecht, so dass ein Klecks Sahne auf ihrer Wange landete.
„Halt mal kurz still!“, sagte Haruka zu ihr.
Irritiert von der Aufforderung erstarrte sie. Haruka beugte sich vor, nahm mit dem Finger den Klecks Sahne von ihrer Wange, leckte ihn von ihrem Finger und schaute Bunny dabei intensiv in die Augen. Bunny wusste kaum, wie ihr geschah, und Luna saß mit aufgerissenem Mund und großen Augen da.
Was sie nicht bemerkt hatten, waren Mamoru und Motoki, die gerade die Einkaufsstraße entlangliefen und das Geschehen aus weiterer Entfernung beobachteten. Mamoru blieb stehen und konnte nicht weitergehen. Als er sah, wie nah Haruka Bunny kam, überkam ihn sofort die Eifersucht. Er dachte kaum darüber nach, dass er eine Freundin hatte, die gerade ihren Pflichten im Tempel nachging. Er sah nur noch Bunny und konnte sich nicht erklären, warum er so heftig reagierte.
„Schade, der Typ ist wohl doch ihr Freund.“, sagte Motoki plötzlich und riss Mamoru aus seiner Trance. „Also, ich weiß ja nicht, aber wer soll glauben, dass das ein Mädchen ist?!“
„Lass uns hier verschwinden!“, sagte Mamoru, ohne weiter auf Motokis Worte einzugehen, und drehte einfach um.
Er konnte sich das nicht länger mitansehen. Und auch wenn er nicht auf Motokis Worte reagiert hatte, gehört hatte er sie sehr gut. Bunny sagte immer wieder, dass Haruka nicht ihr Freund war, aber dafür nahm sich dieser Mistkerl viel zu viel heraus. Und er sollte eine Frau sein? Auch das konnte Mamoru nicht glauben. Am liebsten wollte er dazwischengehen und Bunny mitnehmen, er wollte Haruka nicht kampflos das Feld überlassen. Aber was dachte er sich dabei? Was ging ihn das an? Er hatte eine schöne und liebenswerte Freundin, mit der er schon so lange zusammen war, was war plötzlich los mit ihm?
„Alles in Ordnung, Mamoru?“, fragte Motoki, nachdem er einige Minuten neben seinem schweigenden Freund herlief und sein mürrisches Gesicht beobachtete.
„Ja, es ist alles gut.“, antwortete dieser ernst.
„Das glaube ich dir nicht. Wir sind schon seit vielen Jahren Freunde und du hast mir immer geholfen, wenn ich Probleme mit Reika hatte. Also lass dir auch helfen.“
„Und wohin hat das geführt? Ihr habt euch am Ende doch getrennt.“
„Mamoru, sei nicht so stur. Dass das mit Reika nicht geklappt hat, lag sicher nicht an dir, aber wenn du das weiter in dich reinfrisst, wirst du noch Probleme bekommen.“
Mamoru rollte mit den Augen und blieb mitten auf dem Weg stehen.
„Ich habe Gefühle für Bunny.“, sagte er ohne Umschweife und ohne weitere Erklärungen.
„Aber ich dachte, ihr hasst euch?“, reagierte Motoki perplex.
„Das dachte ich auch, aber irgendwas ist passiert… und jetzt kann ich nicht aufhören, an sie zu denken.“
„Und was ist mit Rei?“, fragte Motoki mitfühlend.
„Das weiß ich nicht. Ich will sie nicht verlassen, aber ich komme gegen diese Gedanken nicht an.“ Mamoru war sichtlich niedergeschlagen, aber auch erleichtert, dass er diese Gedanken, die ihm schon seit Wochen die Brust zuschnürten, endlich loswerden konnte. „Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll, aber bitte behalt es für dich.“
„Selbstverständlich!“, beteuerte Motoki.
Auch zuhause am Abend ließ Mamorus Geständnis Motoki nicht los. Er machte sich viele Gedanken, und ihm wurde plötzlich klar, wie sehr er und Rei sich distanziert hatten. Es war nicht so, dass Mamoru sie mied, aber weder er noch Unazuki, die mit Rei zur Schule ging, erwähnten irgendwelche Verabredungen. Und seit dem Vorfall beim Lasertag hatte sich Mamoru zunehmend verändert, er wurde immer stiller und zurückhaltender.
‚Vielleicht hat er einfach aus den Augen verloren, was er an Rei hat?‘, fragte er sich und beschloss, Mamoru zumindest diesen Ratschlag zu geben, wenn er sonst nichts tun konnte.
Motoki griff zum Telefon und stieß zu seiner Überraschung auf einen offenen Mamoru.
„Du solltest Rei zu einem Date einladen. Ich glaube, euer letztes Treffen zu zweit ist schon lange her.“
„Vielleicht hast du recht.“, entgegnete Mamoru.
„Sie hat am Samstag bestimmt noch nichts vor.“
„Ich bin am Samstagvormittag noch mit einer Lerngruppe verabredet.“, sagte Mamoru skeptisch.
„Kein Problem, ich organisiere alles, besorge Blumen und Karten für ein schönes Pärchen-Event, und du kommst um zwei Uhr ins Crown und holst dir alles ab.“ Motoki war voll motiviert.
„Na gut, du bist ein echter Freund!“, sagte Mamoru dankbar.
Als sie auflegten, hatten beide die Hoffnung, dass das der richtige Weg war. Mamoru war bewusst, dass er Rei aus dem Weg gegangen war, auch wenn es nicht aus Absicht geschah. Vielleicht fehlte ihnen einfach Zeit zu zweit, und es würde alles wieder besser werden.
Am Sonntag machte sich Motoki schon recht früh auf den Weg. Er wollte bis 13 Uhr alles besorgt haben, um seine Schicht im Crown Game Center pünktlich zu beginnen und Mamoru zuverlässig alles zu übergeben.
Er holte zwei Karten für eine romantische Fahrt mit Dinner auf einem Dampfer und machte sich auf den Weg, um den schönsten Blumenstrauß zu holen, den Rei je gesehen hatte. Er sah es als glücklichen Zufall an, dass heute der neue Florist eröffnen sollte, und hoffte, dass dieser etwas ganz Besonderes im Angebot hätte, womit Mamoru Eindruck hinterlassen könnte.
Obwohl das Geschäft gerade erst geöffnet hatte, war der Andrang groß.
‚Hoffentlich bleibt für mich noch etwas übrig.‘, dachte sich Motoki, als er sich ins Getümmel stürzte.
Er hatte Glück, denn die meisten Kunden wollten eine Topfpflanze aus dem super Sonderangebot kaufen, und so war die Theke, an der die Blumensträuße gebunden wurden, nicht so voll. Als Motoki endlich dran war, wurde er von einer sympathischen jungen Frau mit auffälliger grüner Haarfarbe begrüßt. Ihre Frisur erinnerte ihn unweigerlich an Bunny, denn sie hatte ebenfalls diese markanten Dutts auf ihrem Kopf. Mit größter Freude band sie den Blumenstrauß aus einer schönen exotischen Blumensorte und Schleierkraut zusammen.
„Diese besondere Züchtung heißt Telluriane,“, pries Telulu ihre Pflanzen an. „Sie welken erst nach vielen Wochen, und so wird sich ihre Freundin sehr lange daran erfreuen.“
Motoki sah es nicht als notwendig, die Floristin aufzuklären. Er war einfach zufrieden, diesen Blumenladen ausgesucht zu haben.
Er bahnte sich seinen Weg nach draußen und war froh, das Gedränge des Geschäfts verlassen zu können. Vor dem Geschäft schaute er sich noch einmal zufrieden den wunderschönen Blumenstrauß an und wollte gerade gehen, als sich ein Käfer auf eine der roten, tulpenartigen Blüten setzte.
„Verschwinde, kleiner Freund, diese Blumen müssen für Mamoru perfekt aussehen.“
Motoki berührte die Blüte, um den Käfer zu vertreiben, und erschrak sofort. Der Blumenstrauß begann zu leuchten und zu blitzen. Motoki schleuderte ihn reflexartig zu Boden, doch damit war die Gefahr nicht gebannt. Mit einer einzigen Berührung hatte er etwas ausgelöst, was nur ein Mensch mit reinem Herzen auslösen konnte, und nichts Geringeres wollte diese Blume. Aus dem Blumenstrauß, der vor ihm auf dem Boden lag, schnellten dünne Fangarme heraus, die ihn an Händen und Füßen fesselten. Alle Blüten öffneten sich und sogen mit ihrer Macht an seinem reinen Herzen, das aus seiner Brust entwich. Dies löste eine Panik aus und ließ alle Kunden aus Telulus Geschäft flüchten. Sie war zufrieden, einen Menschen gefunden zu haben, der ein reines Herz hatte, und wartete am Eingang, bis ihre Sprösslinge ihre Arbeit verrichtet hatten.
„Neptun, flieg!“, rief eine klare Stimme.
Eine gewaltige Macht streifte Telulu, die gerade noch in das Geschäft ausweichen konnte. Der Blumenstrauß vor Motoki wurde augenblicklich vernichtet.
„Wir werden es nicht zulassen, dass du deine bösen Machenschaften treibst!“, rief Uranus mahnend. „Zeig dich, und wir werden dich vernichten!“
Sailor Moon rannte derweil zu Motoki. Sie schnappte sich sein Herz und zeigte es ihren Gefährtinnen. „Bitte sagt mir, dass das kein Talisman ist!“, flehte sie.
Neptun schaute sich den Kristall genau an und konnte Sailor Moon beruhigen. Diese setzte den Kristall schnell wieder in Motokis Brust ein und folgte Uranus gemeinsam mit Neptun in das Geschäft.
Telulu saß überheblich und siegessicher auf dem Tresen. Sie war die zweitstärkste Hexe und war sich sicher, dass sie nicht so leicht zu besiegen war wie Mimet. Sie wollte gerade beginnen, die restlichen Blumen auf die drei Kriegerinnen zu hetzen, doch sie hatte die Lage gewaltig unterschätzt.
„Motoki ist einer meiner besten Freunde! Ich werde dir niemals verzeihen, dass du ihm wehtun wolltest!“, rief Sailor Moon entschlossen. „Licht des Silbermonds, schein' und heile!“
Telulu wusste nicht, wie ihr geschah, ein gleißendes Licht erfüllte den Raum und vernichtete auf einen Schlag alle monströsen Blumen und Telulu.
Als die Gefahr gebannt war, verwandelten sich die drei Kriegerinnen wieder in ihre zivile Gestalt. Das Geschäft kehrte in seine ursprüngliche Form zurück, ein Ladenlokal, das eine aufwändige Renovierung vertragen könnte.
Bunny rannte raus, um zu schauen, wie es Motoki ging. Dieser saß ganz benommen auf dem Boden.
„Was ist passiert?“, fragte Bunny aufgeregt.
„Ich wollte Blumen für Mamoru kaufen.“, sagte Motoki etwas verwirrt.
„Sollte ich etwas wissen?“ Bunny konnte sich den Scherz nicht verkneifen.
„Er ist heute Abend mit Rei verabredet und ich habe versprochen, ihm zu helfen.“ Motokis Stimme wurde zunehmend klarer. „Das war es dann wohl.“
Motokis Worte fühlten sich an, wie ein Schlag in die Magengrube. Es berührte sie, dass Mamoru ein Date mit Rei haben sollte, doch sie schüttelte den Gedanken schnell ab.
„Kannst du aufstehen?“ Sie half ihm auf die Beine. „Ich begleite dich, damit du dein Versprechen noch einhalten kannst.“
Sie drehte sich zu Haruka und Michiru. „Ihr könnt schon ohne mich gehen, ich werde mich um Motoki kümmern.“
„Na gut, Engelchen.“
„Bis dann, Usagi.“, verabschiedeten sich die beiden.
Motoki war erstaunt von Bunnys Hilfsbereitschaft. Es war schon ironisch, dass gerade sie ihn unterstützen wollte, Mamoru und Rei wieder näherzubringen, obwohl Mamoru Gefühle für sie hatte.
„Ich verstehe schon, warum du so umschwärmt bist.“, sagte er mit einem Lächeln.
„Was meinst du?“, fragte Bunny etwas verwirrt.
„Ich schätze, ich hab wohl keine Chance bei dir.“ Er lachte zwar über seine Worte, aber es steckte schon ein Funken Wahrheit darin.
„Mach keine Witze!“, entgegnete Bunny mit hochgezogener Augenbraue.
Motoki nutzte diese Gelegenheit und stellte Bunny eine Frage, die ihm nun länger auf der Seele brannte. „Sag mal, ist Haruka dein Freund?“
„Wie oft soll ich es denn noch sagen, er ist nicht mein Freund.“, reagierte Bunny genervt.
„Aber ihr geht so vertraut miteinander um.“
„Das hat nichts zu bedeuten. Ich will auch gar keinen Freund. Es ist nicht die Zeit für Jungs.“, entgegnete sie. „Und ganz ab davon, Haruka ist ein Mädchen!“
„Bist du dir ganz sicher?“, fragte Motoki skeptisch.
„Absolut sicher!“, entgegnete Bunny, die es mehr als nur genau wusste. Zwar gab sich Haruka in dieser Vergangenheit sehr maskulin, dennoch ließ sie sich dadurch nicht beirren, denn sie kannte die wahre Haruka.
Gemeinsam besorgten die beiden einen Blumenstrauß aus roten Rosen, und Bunny begleitete Motoki zum Crown. Eigentlich wollte sie ihn nur sicher abliefern und tadelte ihn, weil er trotz des Vorfalls arbeiten wollte, dennoch ging sie mit rein und wollte zumindest eine Weile bei ihm bleiben, um sicherzugehen, dass es ihm gut ging, und rechtzeitig vor Mamorus Erscheinen wieder gehen. Dieser saß allerdings schon am Tresen und wartete auf seinen Freund. Als er Bunny an Motokis Seite sah, bekam er Herzklopfen.
„Hallo Bunny!“, sagte er zögerlich.
„Hallo Mamoru.“, entgegnete sie etwas vorsichtig. „Ich wollte auch schon wieder gehen.“
„Nein, bleib. Ich bin sowieso verabredet.“ Mamoru nahm die Blumen und die Karten, bedankte sich bei Motoki und verließ ohne ein weiteres Wort das Crown.
Während Motoki die Spannung zwischen ihnen bemerkte, war Bunny zum Teil erleichtert, dass Mamoru sich bemühte, seine Beziehung zu Rei aufrechtzuerhalten, aber sie spürte auch, dass da etwas war, das nicht sein durfte. Nicht jetzt, nicht hier. Wie konnte das Schicksal nur so grausam sein und die wahre Bunny, die wahre Sailor Moon dieser Zeit verschwinden lassen?
‚Vermutlich wäre es besser zu behaupten, dass Haruka mein Freund ist.‘, dachte sich Bunny bitter. ‚Das würde vielleicht so einige Probleme aus der Welt schaffen.‘
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