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Eine andere Liebe

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Eine andere Liebe

Hallo liebe Lerer*innen,

danke für die ersten Reviews! Das hat mich so gefreut, aber ich freue mich auch über die stillen Leser*innen. <3

Wie ihr beim letzten Kapitel bemerkt habt, war da ein YouTube Link. Ich habe Lieder ausgesucht, die ich passend zum Inhalt des jeweiligen Kapitels finde und die ich gerne hören mag. Falls ihr es hören mögt, feel free.

LG

MissMolnja

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Als Bunny am nächsten Morgen erwachte, brauchte es etwas, bis sie realisierte, wo sie sich befand und, dass sie niemand mehr wiedererkannte. Ihre Augen waren geschwollen von den vielen Tränen, die sie in der letzten Nacht vergossen hatte, und sie spürte die körperliche Verspannung, die sie durch die Strapazen des gestrigen Tages davongetragen hatte.

Nach dem Frühstück zog sie direkt ihre Mikotracht an und wollte Yuichiro und Opa zur Hand gehen, aber beide vertrösteten sie, da ihr die Erschöpfung und die Sorgen noch im Gesicht standen. Sie hielten es für besser, sie erst einmal ankommen zu lassen, bevor sie sie voll einspannten. Bunny setzte sich auf die Veranda und schaute in den Garten, der sich auf der Rückseite des Tempels befand und nicht für Besucher zugänglich war.

„Wie geht es dir heute?“, fragte Rei besorgt und setzte sich zu ihr.

„Mir geht es gut.“, log Bunny abermals mit einem gequälten Lächeln und mit aufgedunsenen roten Augen.

„Das glaube ich dir nicht. Ich weiß, wir kennen uns erst seit gestern, aber du kannst dich mir ruhig anvertrauen. Es hilft nicht, es in sich hineinzufressen.“, sagte Rei voller Güte.

Bunny schaute sie an und musste wieder mit den Tränen ringen. „Ich bin in Tokio geboren und hier aufgewachsen, doch plötzlich fühle ich mich wie eine Fremde in meiner eigenen Stadt. Ich habe mich noch nie so allein gefühlt wie jetzt.“

Rei holte ein Taschentuch heraus und gab es Bunny.

„Ruh dich heute etwas aus und morgen gehen wir in die Stadt und shoppen. Und verzage nicht, Yuichiro ist auch irgendwann aus dem Nichts aufgetaucht und heute sind wir gute Freunde.“, sagte Rei versöhnlich. „Leider muss ich jetzt los, ich bin mit meinem Freund verabredet, aber ich werde Yuichiro dazu verdonnern, dass er dich ein wenig ablenkt.“

Rei sprang auf und ging sofort zu Yuichiro, während Bunny nur dasaß und sich wunderte. ‚Sie hat einen Freund? Und es ist nicht Yuichiro?‘

Aber das spielte keine Rolle, Bunny raffte sich auf und ließ sich von Yuichiro fabelhaft ablenken. Er war nett, lustig und hatte es geschafft, Bunny und die Arbeiten im Tempel unter einen Hut zu kriegen.

Am Tag darauf hatten sich Bunny und Rei in Shinjuku verabredet. Es war ein Sonntag und Rei hatte noch einige Erledigungen im Tempel zu machen, weshalb sie Bunny schon einmal vorschicken musste. In ihrer Schuluniform schien Bunny aufzufallen und so zog es auch dubiose Scouts von Clubs an, die süße Schulmädchen für das Bespaßen irgendwelcher notgeiler, lediger Büroangestellter anwarben.

„Hey, Süße, willst du nicht bei uns im Club arbeiten? Die Bezahlung ist gut und du bekommst gratis Drinks. Du musst dich auch nicht ausziehen, deine Schuluniform ist wirklich sexy!“

Bunny ekelte sich vor dem schmierigen Typen, der ihr viel zu nah kam und machte auch keinen Hehl daraus.

„Nein, danke. So eine bin ich nicht.“, reagierte sie mit verzogener Miene.

„Du bist wirklich kess, sowas mögen wir. Hier hast du einen Flyer, falls du es dir anders überlegst.“ Der schmierige Typ drückte Bunny einen Din-A4-großen Zettel in die Hand und steuerte schon das nächste Mädchen an, das es gewagt hatte, ihre Schuluniform an einem Sonntag anzuziehen.

Bunny warf ihm einen wütenden Blick hinterher, zerknüllte diesen Abfall und warf ihn über ihren Kopf hinweg.

„Du bist wohl ein bisschen weich in der Birne, weißt du nicht, dass das weh tut?!“

Bunny erstarrte. Diese Stimme, diese wunderbare Stimme, die sie seit 8 Monaten nur noch durch die Ansage eines Anrufbeantworters hören durfte. Sie drehte sich vorsichtig, fast ungläubig, um, um sich zu überzeugen und da stand er, Mamoru Chiba, in einem schwarzen Rollkragenpullover, einem grünen Blazer und einer Sonnenbrille, der Mamoru Chiba, den sie zuletzt am Flughafen nach Amerika verabschiedet hatte und danach nichts mehr von ihm gehört hatte.

Bevor sie noch etwas sagen konnte, entknüllte er die Tatwaffe und spottete. „Ein Club mit minderjährigen Schülerinnen? Da wirst du mit deinem Mondgesicht ja nicht so gut ankommen.“

Bunny starrte ihn immer noch an und musste mit den Tränen kämpfen. Sie hatte ihn so vermisst, dass sie nur beiläufig hörte, was er ihr gerade an den Kopf warf.

„Jetzt fang bloß nicht an zu heulen!“, warf er noch hinterher.

Bunny erwachte langsam aus ihrer Trance. Was sollte dieses komische Verhalten? Dass er sie nicht wiedererkannte, traf sie zwar zutiefst, denn er war schließlich die Liebe ihres Lebens, doch dass er so fies und abfällig war, war ganz und gar ungewöhnlich. Er war der erste, der sie nicht nur nicht erkannte, sondern auch ein ganz anderer Mensch zu sein schien. Es war nicht ihr Mamoru, es war alles nur ein schlechter Scherz, dachte sich Bunny und ging zum Angriff über.

„Ach halt doch die Klappe, was geht dich das an? Mach lieber, dass du hier wegkommst, ich stehe hier nämlich nicht rum, um von irgendwelchen schmierigen Typen angelabert zu werden!“, keifte Bunny wie aus Gewohnheit zurück.

Beide schenkten sich nichts und wenn Blicke töten könnten, wäre einer der beiden bestimmt schon längst umgefallen, da kam es Bunny sehr gelegen, dass Rei endlich in Sicht war und auf sie zukam.

„Hallo Bunny, hallo Mamoru!“, sagte Rei verwundert, was auch bei den beiden Streithähnen Überraschung auslöste. „Ihr habt euch wohl schon kennengelernt. Mamoru, das ist das Mädchen, von dem ich dir gestern erzählt habe, und Bunny, das ist mein Freund, Mamoru Chiba.“

Bunny wurde bleich und ihre Beine boten ihr keinen sicheren Halt mehr. Sie war weder in der Lage zu sprechen, noch sich zu bewegen. Rei bemerkte das und schloss daraus, dass Bunny wieder mit ihren Problemen zu kämpfen hatte.

„Lass uns nachher telefonieren, Mamoru. Ich habe jetzt eine dringende Verabredung.“, sagte Rei mit einem Augenzwinkern, gab ihm einen Kuss auf die Wange und zerrte Bunny weg.

Diese drehte sich noch einmal um und schaute ihm nach, er hatte bereits seine Sonnenbrille wieder aufgesetzt und ging davon.

Es dauerte eine Weile, bis sie wieder Herrin ihrer Sinne war und sich tatsächlich auf das konzentrieren konnte, weswegen sie sich mit Rei verabredet hatte.

„Das ist also dein Freund?“, fragte Bunny mit einem leichten Zittern in der Stimme.

„Ja, ist er nicht toll? Was ist denn da gerade passiert?“

„Er…“ Bunny wollte gerade erzählen, wie gemein Mamoru gewesen war, doch sie hielt inne und überlegte gut, was sie sagte. „Ja, er ist interessant. Woher kennt ihr euch denn?“

Es schmerzte, dass ihre beste Freundin und ihr geliebter Mamoru ein Paar waren und, dass sie in seinem und Reis Leben keine Bedeutung mehr hatte, aber sie wollte wissen, wie es dazu kam. Rei war das Kennenlernen mit Mamoru peinlich, da er ihr auf den Kopf getreten war, daher beschönigte sie die Geschichte etwas.

„Ich bin ihm an einer Straßenecke in die Arme gelaufen, und da es einen Park gibt, der für Bürogebäude abgerissen werden sollte, habe ich ihn dahin eingeladen. Nun ja, wir haben uns danach immer mal wieder getroffen und wurden schnell ein Paar. Das ist jetzt schon fast zwei Jahre her.“

Bunny konnte es nicht glauben, es war genau das Kennenlernen, das sie damals selbst miterlebt hatte.

Auch, wenn es ihr schwerfiel, wollte sie den Gedanken an diese überraschenden neuen Erkenntnisse verdrängen. Sie wollte nicht daran denken, was sie verloren hatte, denn es würde sie nur unglücklich machen.

Sie setzte eine fröhliche Miene auf und ging von dem Vorschuss, den sie erhalten hatte, auf die Jagd nach günstigen Klamotten und in ein nettes, günstiges Café. Die Ablenkung tat gut und so konnte sie zumindest ein wenig vergessen.

Zuhause angekommen, begleitete Rei Bunny zu ihrem Zimmer.

Bunnys Augen wurden groß. „Was ist das alles?“

„Ich habe Yuichiro gebeten, ein paar Möbel in dein Zimmer zu tragen, die wir nicht mehr brauchen. Zum Glück, haben wir sie noch nicht weggeschmissen. Deswegen hatte ich dich gebeten, in die Stadt vorzugehen.“, sagte Rei vor Freude, Bunny etwas Gutes getan zu haben. „Gleich gibt es Essen, also mach nicht zu lange.“

Bunny betrachtete das Zimmer. Nun hatte sie einen Schreibtisch und einen Stuhl sowie ein paar Schränke dazubekommen, in die sie ihre Sachen verstauen konnte. Sie konnte nicht fassen, wie unglaublich lieb Rei gewesen war. Obwohl sie sich damals immer gestritten hatten, war sie einfach nur nett und hilfsbereit. Aber sie wusste schon immer, dass Rei ein guter Mensch gewesen war.

Als Bunny sich nach dem Essen in ihr Zimmer zurückzog und in das bereits vorbereitete Futonbett hinlegte, konnte sie die Gedanken an den heutigen Tag einfach nicht abschütteln. Jedes Mal, wenn sie an Mamoru dachte, schnürte es ihr die Kehle zu und der Gedanke, dass er sie so angefallen hatte, machte sie fertig. Sie wiederholte in ihrem Kopf ständig seine Worte und Reis Geschichte, wie sie sich begegnet waren, bis sie plötzlich aufrecht auf ihrem Futonbett saß.

‚Moment mal, Mamoru war nicht verändert! Er war genau wie damals, als ich ihn das erste Mal vor dem Juwelier kennengelernt habe. Und was hatte Rei gesagt, wie lange das her ist, dass sie sich kennen? Fast zwei Jahre? Aber das kann doch nicht sein, das müssen schon mindestens vier oder fünf Jahre sein. Was ist hier los?‘ Bunny saß mit zusammengezogenen Augenbrauen, starrte ins Nichts und dachte intensiv nach.

Sie war wohl dazu verdammt, eine weitere schlaflose Nacht im Gedankenkarussell zu durchleben.

https://www.youtube.com/watch?v=MwpMEbgC7DA