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Ausflug ans Meer

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Ausflug ans Meer

Die Sommerferien hatten endlich begonnen, und die Tage wurden immer heißer. Die Zikaden machten einen unheimlichen Lärm, und es war nur noch im Schatten halbwegs erträglich.

Bunny, Rei und Unazuki saßen an einem schattigen Plätzchen am Tempel und aßen Wassermelone. Rei fächerte sich Luft zu, und alle klagten über die Hitze. Nur Yuichiro schien um sie herum zu fegen und arbeiten, als ob er hitzeresistent wäre.

„Ich möchte sofort in einen Pool springen.“, träumte Unazuki vor sich hin.

„Ich kann dich mit einem Gartenschlauch abspritzen.“, scherzte Rei.

„Bei jeder Bewegung fühle ich, wie ich schwitze.“, klagte Bunny. „Und auch, wenn ich mich nicht bewege.“

Die Mädchen schwiegen und rührten sich kaum, um keine unnötige Energie zu verschwenden.

„Hey! Was ist, wenn wir ans Meer fahren?“, kam es plötzlich von Unazuki.

„Zu gerne, aber ich kann nicht.“, jammerte Bunny.

Rei schaute sie erstaunt an. „Warum nicht?“

„Ich habe doch nicht so viel Geld,“ Sie wurde ganz leise. „und auch keinen Badeanzug.“

„Am Badeanzug sollte es nicht scheitern, die Unterkunft zu bezahlen ist aber natürlich nicht so einfach.“, grübelte Rei. „Vor allem, weil jetzt Hochsaison ist und wir sicher keine günstige Unterkunft mehr finden werden.“

„Ich könnte euch behilflich sein, wenn ihr wollt.“, sagte Yuichiro, der plötzlich neben ihnen stand.

Sie schauten ihn erstaunt an.

„Meine Eltern haben ein Ferienhaus am Meer.“

Bunny war sofort Feuer und Flamme. „Wirklich, du kannst uns helfen, Zimmer zu bekommen?“, rief sie aufgeregt.

„Klar!“, stimmte er zu. „Rei, was hältst du davon, wenn ich mir auch ein paar Tage frei nehme? Das wär doch was!“

Rei lächelte. „Ich denke, das wird schon in Ordnung sein.“

„Dann lasst uns doch direkt am Wochenende fahren. Am Dienstag muss ich nämlich wieder in die Paukschule.“, jammerte Unazuki ein wenig.

„Na gut, am besten fragen wir Mamoru und Motoki, ob sie mitkommen wollen, dann ist Yuichiro nicht so allein.“, schlug Rei vor.

Bunny gefiel die Idee gar nicht. Bis eben hatte sie nicht an Mamoru gedacht, doch nun sollte er sie plötzlich begleiten? Doch Bunny hatte Glück im Unglück. Sowohl Mamoru als auch Motoki hatten an diesem Wochenende keine Zeit. Mamoru musste seinem Ferienjob nachgehen, und Motoki musste im Crown die Stellung halten. Auch das Problem mit dem Badeanzug war schnell gelöst, da Rei sich neulich einen neuen Bikini gekauft hatte, bisher aber noch keine Gelegenheit hatte, ihn zu tragen.

Bunny war überaus dankbar, denn sie wollte sich nicht vorstellen, dass sie diesen bei der Shoppingtour mit Haruka auch noch hätte vorführen müssen. Bei dem Gedanken lief sie sofort rot an.

Die Zugfahrt nach Shirahama dauerte gute drei Stunden. Die vier Reisenden hatten Spaß, planten, was sie alles unternehmen wollten, aßen ihre Bentos und spielten Karten.

Rei nutzte die ruhige Zeit auch, um Bunny auszufragen. Sie wusste nämlich immer noch nicht, warum Bunny, Haruka und Michiru die Party plötzlich verlassen hatten. Da außer den dreien, alle den Vorfall des Abends als schlechten Albtraum wahrgenommen hatten, interpretierte Rei das Verschwinden von Bunny und Haruka als eindeutiges Zeichen, dass sie alleine sein wollten. Der enge und romantische Tanz, den sie und auch Mamoru beobachtet hatten, tat sein Übriges, um Reis Verdacht zu untermauern.

Da Mamoru normalerweise nicht empfänglich für Gossip dieser Art war, tauschte sich Rei nur mit Unazuki darüber aus, und so war diese auch überaus neugierig. Rei hätte ja nicht ahnen können, dass auch Mamoru sich brennend für die Umstände interessierte, dies aber nie zugeben würde.

Yuichiro saß daneben und hörte nur zu. Zumindest war für ihn ganz eindeutig, wer der eine Kerl gewesen sein musste, auf den Bunny zu stehen schien. Wer der andere war, war weiterhin schleierhaft. Aber er hielt es nicht für richtig, sich als Mann in solche Gespräche einzumischen, überhaupt fand er es unangenehm, zuhören zu müssen.

Bunny ließ die Fragen über sich ergehen und versuchte möglichst uneindeutig zu antworten. Unglücklicherweise holte es alle Erinnerungen hervor, die sie so krampfhaft zu verdrängen versuchte, doch das ließ sie sich nicht anmerken.

Endlich am Ziel angekommen, staunten die Mädchen nicht schlecht. Das Sommerhaus von Yuichiros Eltern war prächtig und luxuriös. Die Erwartung einer kleinen, feinen Holzhütte wurde komplett über den Haufen geworfen, stattdessen war es eine helle, große Villa im europäischen Stil mit großen Fenstern, einer Terrasse und dem Blick auf den Strand, der nicht überfüllt war.

„Meine Eltern sind im Sommer meistens auf ihrem Sitz in Hawaii. Das Haus steht also oft leer.“, erklärte Yuichiro.

„Also Yuichiro…oder muss ich jetzt vielleicht Sie zu dir sagen?“ Rei konnte sich den Witz nicht verkneifen. „Wie kommt jemand, der so reiche Eltern hat dazu, sich in einem Tempel ausbilden zu lassen?“

„Das ist doch klar, um ein besserer Mensch zu werden.“, erklärte Yuichiro. Natürlich war es nur die halbe Wahrheit, aber das musste er ja nicht ausplaudern.

Nachdem sich alle ein Zimmer ausgesucht hatten und alles ausgepackt war, wollte sich die Truppe auf der Terrasse versammeln, um gemeinsam zum Strand zu gehen. Als Bunny aber nach längerem Warten immer noch nicht erschien, beschloss Rei nach ihr zu schauen. Sie klopfte vorsichtig an der Tür und öffnete sie. Bunny stand verschämt vor dem Spiegel und schaute Rei an.

„So kann ich doch nicht raus gehen.“, sagte sie weinerlich.

Rei machte große Augen. Bunny war mit ihren 18 Jahren sehr weiblich. Sie hatte eine perfekte Figur und der schlichte weiße Bikini unterstrich ihre körperlichen Merkmale deutlich. Rei fiel die Kinnlade zu Boden.

„Man merkt schon, dass du älter bist, als ich.“, sagte Rei staunend. „Mach dir keine Sorgen, du siehst toll aus.“

„Ich hätte besser meinen Schulbadeanzug mitnehmen sollen.“

Rei lachte und nahm Bunny an der Hand, um sie mit nach unten zu nehmen. „So ein Unsinn, jetzt komm.“

Unten angekommen, konnten auch Unazuki und Yuichiro nicht anders, als zu starren. Besonders Yuichiro wurde kurz rot, weil dieser Bikini doch wirklich sehr reizend war. Er stellte sich vor, dass es eigentlich Reis Bikini war und musste aufpassen, dass sein Kopfkino nicht zu weit ging.

Sie verbrachten einige Stunden am Strand, genossen die Sonne und das warme Wasser des Meeres. Rei und Unazuki hatten Mühe, Bunny unter dem Sonnenschirm hervorzulocken, weil sie den Bikini offenbar für etwas zu freizügig hielt. Doch als sie sich an ihn gewöhnt hatte und am Strand herumtollen und Spaß haben konnte, war es ihr egal. Die Blicke der Jungs bemerkte sie gar nicht und es war ihr auch egal. Sie war hier, um sich abzulenken und die Hitze des Sommers auf angenehme Weise zu ertragen, und nicht, um sich jemanden an Land zu ziehen.

„Der Anhänger den du trägst, ist wunderschön.“, sagte Rei, als sie später mit Bunny unter dem Sonnenschirm lag. „Hat Haruka ihn dir geschenkt?“

Bunny griff danach. „Ja, das hat er.“

„Er?“, fragte Rei verdutzt. „Ich dachte Haruka wäre ein Mädchen.“

Bunny war peinlich berührt. „Nein, da habe ich mich geirrt. Er ist ein Junge.“

Rei begann bedeutsam zu grinsen, und Bunny war es nur noch unangenehm, wie sie darauf beharrte, dass Haruka ein Mädchen sei, und keiner ihr glauben wollte. Aber das ließ sich nun auch nicht ändern, jetzt hatte sie eine neue peinliche Erinnerung für ihr Restleben gesammelt.

Da noch kein Abendessen geplant war, unterbrach Yuichiro die Mädchen. „Wenn ihr Lust habt, würde ich heute Abend Curry machen.“

„Oh ja, das klingt toll.“, entgegnete Rei begeistert.

„Dann gehe ich einkaufen.“

Bunny sprang auf. „Warte, ich komme mit.“

Bunny war dankbar, dass sie dieser merkwürdigen Situation entgehen konnte. Obwohl sie nicht nur die Hoffnung hatte, der Hitze der Großstadt, sondern auch den lästigen Gedanken über Mamoru und Haruka zu entkommen, war es schwierig.  Rei erwies sich als sehr neugierig und stellte immer die richtigen Fragen, um sie zu triggern.

Nach dem Einkauf begaben sich die beiden in die Küche und auch hier wollte Bunny helfen. Eigentlich war sie beim Kochen immer etwas ungeschickt, doch Yuichiro gelegentlich beim Abendessen im Tempel zu unterstützen, half ihr etwas selbstsicherer zu werden. Er war immer sehr geduldig mit ihr und so konnte sie zumindest helfen, wenn auch das Kochen selbst mit Schwierigkeiten verbunden war.

Bunny ließ sich von Yuichiro anweisen, wie sie welches Gemüse zu schneiden hatte, verfiel dabei aber wieder ins Grübeln. Sie ließ ihre Gedanken treiben und die Ereignisse der letzten Wochen durch den Kopf gehen, und besonders die Party. Nicht nur, dass ihr die Gedanken an Haruka und an den leidenschaftlichen Kuss immer wieder ein Kribbeln im Bauch verursachten, sie fragte sich auch, ob Mamoru sie mit Haruka hatte tanzen sehen, schließlich war Rei der sehr enge Tanz zwischen ihnen nicht entgangen.

Ob er wohl gesehen hatte, dass sie sein Geschenk getragen hatte? Hätte sie gewusst, dass er da sein würde, hätte sie es unterlassen. Wenn er es bemerkt hatte, würde es vermutlich nur falsche Signale senden. Was mochte er wohl darüber denken, dass sie und Haruka so schnell verschwunden waren?

„Bunny…“ Ertönte Yuichiros Stimme leise im Hintergrund und wurde immer lauter. „Bunny...“

„Hä? Ja?“, reagierte sie, aus ihrem Tagtraum gerissen.

„Wenn du so weiter träumst, schneidest du dir noch in den Finger.“, warnte Yuichiro sie.

„Ja gut.“, sagte Bunny und versprach, sich zu konzentrieren.

„Liegt dir etwas auf dem Herzen?“, fragte er mitfühlend. „Oder hat Rei dich zu viel ausgefragt?“

„Nein, nein. Ich wäre vermutlich genauso neugierig.“

„Trete ich dir zu nahe, wenn ich frage, ob Haruka der eine Junge ist, in den du verliebt bist?“, fragte Yuichiro vorsichtig.

Bunny musste schmunzeln. „Da du eingeweiht bist, kann ich es dir ja verraten.“ Bunny fing an, mit vorgehaltener Hand zu flüstern, als ob sie jemand hören oder ihre Lippen lesen könnte. „Ja, das ist er.“

„Und du machst dir jetzt sicher Gedanken wegen des anderen Jungen, nicht wahr?“

„Ja, das tue ich.“ Bunny senkte den Blick.

„Hast du dich noch nicht entschieden?“, fragte Yuichiro.

„Da gibt es eigentlich nichts zu entscheiden. Es ist sehr kompliziert, und eigentlich möchte ich weder mit Haruka noch mit dem anderen Jungen zusammen sein.“ Bunny schwieg kurz und war plötzlich sehr ehrlich. „Und andererseits möchte ich es doch.“

„Mach dir keine Sorgen.“, sagte Yuichiro tröstend. „Kein Zustand der Welt hält ewig an. Irgendwann wird es sich entscheiden, ob und mit wem du zusammen bist.“ Er lächelte.

Bunny erwiderte das Lächeln, schaute ihn dann aber ernst an. „Sag mal, Yuichiro, kann es sein, dass du in Rei verliebt bist?“

Yuichiro wurde plötzlich knallrot und schaute Bunny überrascht an. „Wie kommst du denn darauf?“, stotterte er vor sich hin. „Ich habe doch alles getan, dass das keiner merkt.“

Was Yuichiro nicht ahnen konnte, war, dass Bunny aus ihrem früheren Leben mehr wusste, als er erahnen konnte.

„Nenn es Intuition, aber ich scheine recht zu haben.“

Yuichiro lächelte verschmitzt. „Das hast du, aber Rei muss das nicht wissen. Seit ich sie kenne, ist sie mit Mamoru zusammen.“

„Aber was ist, wenn sie nicht glücklich ist?“, fragte Bunny provokativ. „Und was ist mit deinen Gefühlen? Willst du dir das weiter mitansehen und leiden?“

„Ich glaube schon, dass sie glücklich ist.“, sagte Yuichiro direkt. „Rei glücklich zu sehen, reicht mir vollkommen. Ich kann jeden Tag bei ihr sein und würde alles für sie tun.“

„Es tut mir leid.“ Bunny überkam ein schlechtes Gewissen.

„Das muss es nicht. Liebe ist nicht immer gleich. Jeder muss seinen Weg finden. Du wirst deinen Weg auch finden.“

„Danke, Yuichiro.“, sagte Bunny gerührt. „Du bist manchmal sehr weise.“

„Was heißt denn hier manchmal?“, lachte er.

Yuichiro war froh, es endlich einmal ausgesprochen zu haben, und auch Bunny hatte das Gefühl, endlich verstanden worden zu sein. Sie war glücklich, dass Yuichiro ihr auch in dieser Realität ein guter Freund geworden war, ein besserer und wertvollerer, als er es zuvor gewesen war.

Am nächsten Morgen überlegte sich die kleine Gruppe nach dem Frühstück, einen Spaziergang im nahegelegenen Wald zu machen. Der Tag sollte besonders heiß werden, und so waren sich alle einig, dass ein schattiger Wald ein angenehmer Ort sein würde.

„Es ist schon 10 Uhr, wir sollten langsam aufbrechen. Was meint ihr?“, fragte Rei motiviert in die Runde, als Bunny und Unazuki den Frühstückstisch abräumten.

Alle stimmten zu und beeilten sich ein wenig mehr, die Küche wieder sauber zu machen. Sie traten aus dem Haus, und Bunny fiel fast hinten rüber. Ein roter Alfa Romeo SZ, den sie nur allzu gut kannte, war im Begriff vorzufahren. Mamoru und Motoki stiegen aus.

Bunny erstarrte zur Salzsäule. ‚Der will mich doch auf den Arm nehmen.‘

https://www.youtube.com/watch?v=BSb_ghbRsLM&list=RDBSb_ghbRsLM&start_radio=1