Das Schreinfest
Das Schreinfest
Bunny
30.07.1994 1:27 Uhr
Seit der Ankunft in dieser Vergangenheit konnte Bunny einfach nicht mehr richtig schlafen. Nur selten hatte sie das Glück, vor Erschöpfung kaum noch in der Lage zu sein, ihren Futen auszurollen und sich todmüde aufs Ohr zu hauen. Meist konnte sie die Sorgen, die sie beschäftigten, nicht abschütteln. Waren es die Gedanken an die verlorenen Freunde aus ihrer Zeit, die ungewollte Zeitreise in eine chaotische Vergangenheit oder die Annäherungsversuche zweier Männer, denen sie versuchte, aus dem Weg zu gehen.
Auch in dieser Nacht bekam sie kein Auge zu. Zwar hatte sie sich bei der Arbeit im Tempel ausgepowert, aber die Ereignisse der letzten Wochen ließen sie trotzdem nicht los. Sie entschloss sich, aufzustehen und ein Glas Wasser aus der Küche zu holen.
Als sie aufstand, merkte sie, dass ihr Körper müder war als ihr Geist und torkelte eher durch die dunklen Gänge des Hikawa-Tempels, als dass sie ging. Doch um die Ecke schien ein Licht zu brennen, und das weckte Bunnys Neugier. Das Licht kam aus der Richtung des Gebetszimmers, wo Rei gelegentlich meditierte und wo die alte Rei gerne versuchte, etwas über den Feind in Erfahrung zu bringen. Umso neugieriger war Bunny. Als sie im Flur um die Ecke schaute, sah sie Yuichiro, der bereits durch eine Lücke in der Tür nach Rei Ausschau hielt. Offenbar konnte er auch nicht schlafen.
Bunny pirschte sich ran und flüsterte. „Hey, Yuichiro! Was machst du hier mitten in der Nacht?“
Yuichiro schrie vor Schreck auf und hielt sich schnell den Mund zu. Er schaute Bunny böse an und hielt bedeutungsvoll den Finger vor den Mund. „Pssst!“
Beide beobachteten Rei eine Weile.
„Namakusa, amanadabasa, adakan.“, wiederholte Rei mantraartig, ohne die Anwesenheit der nächtlichen Stalker überhaupt wahrzunehmen.
„Das macht Rei schon seit drei Nächten, langsam mache ich mir Sorgen um sie.“, sagte Yuichiro besorgt.
„Was?“, flüsterte Bunny. „Ich dachte, sie hätte damit aufgehört?“
„Sie hat wieder angefangen, aber sie will mir nicht sagen, warum sie das macht.“
„Lass mich das machen, ich habe da so eine Ahnung.“ Bunny überlegte. „Morgen beginnt doch das Schreinfest. Ich werde sie einladen, dann wird sie mir vielleicht etwas erzählen.“
„Na gut. Ich verlasse mich auf dich.“
Bunny klopfte Yuichiro etwas fest auf den Rücken und lachte leise. „Und jetzt geh schlafen, wir werden sie ja doch nicht aufhalten können!“
30.07.1994 8:36 Uhr
Als sich alle morgens am Frühstückstisch versammelten, schaute Opa in drei ganz müde Gesichter. Bunny gähnte unentwegt, Yuichiro hatte mehr Ringe als Augen und Rei sah abgeschlagen aus. Dieser Zustand hielt Bunny aber nicht davon ab, ihre Mission, die sie sich nachts in den Kopf gesetzt hatte, auszuführen.
„Rei, sollen wir heute Abend auf das Schreinfest gehen?“, fragte Bunny mit so viel Motivation, wie ihr müder Geist aufbringen konnte.
„Lass mal, es gibt noch zu viel im Tempel zu tun.“, redete sich Rei raus.
Yuichiro merkte den Versuch und sprang Bunny unterstützend zur Seite. „Ich kümmere mich darum. Sag mir nur, was gemacht werden muss. Du solltest dich auch mal amüsieren.“
Rei hatte sich eigentlich fest vorgenommen, den Nachmittag mit Beten zu verbringen, um vielleicht doch einen Hinweis auf ihre Albträume zu bekommen, doch etwas Ablenkung vom Stress der letzten Nächte sah sie als hilfreich und stimmte schließlich zu.
30.07.1994 18:13 Uhr
Bunny war froh, Rei überredet zu haben. Eigentlich hätte sie sich gerne in einen Yukata geworfen, doch sie hatte keinen und auch Rei schien nicht in der Stimmung zu sein, sich festlich zu kleiden, so trug Bunny eine Jeans und ein hübsches bedrucktes T-Shirt und Rei eine Bluse und einen kurzen Rock.
Das Fest zu besuchen, war auch mehr ein Vorwand, auch wenn Bunny sich etwas Spaß von dem Abend erhoffte. Zur mentalen Unterstützung hatte Bunny Luna eingeladen, auf ihrer Schulter Platz zu nehmen, was Rei freute, denn sie mochte die kleine schwarze Katze.
Auf dem Weg zum Fest nutzte Bunny die Gelegenheit. „Kann es sein, dass du wieder Albträume hast?“, fragte sie vorsichtig.
„Du hast es gemerkt?“
„Du meditierst nachts so viel, dass du tagsüber total müde bist. Das ist nicht schwer zu übersehen.“, sagte Bunny grinsend.
„Da hast du wohl recht.“, musste Rei zugeben.
„Willst du mir verraten, was das für Träume sind?“
„Ich weiß nicht, diese Träume sind sehr verstörend.“
„Das ist nicht schlimm, vielleicht hilft es ja, darüber zu reden.“, sagte Bunny ermutigend.
„Ich träume von der Zerstörung der Welt. Die Stille kommt immer näher und legt die Welt in Schutt und Asche. Ich sehe drei Kriegerinnen, die sich wie versteinert nicht rühren können und von einer Welle der Vernichtung mitgerissen werden. Dann erscheinen drei Sterne und eine Person, die diese Sterne zu einer mächtigen Waffe vereint. Ich frage sie, ob sie der Messias ist, aber diese Person ist scheinbar böse. Dann wache ich auf.“
Bunny warf einen besorgten Blick zu Luna rüber, die diesen erwiderte.
„Ist das alles?“, fragte Bunny interessiert.
Rei zögerte kurz. „Mamoru… Ich spüre, dass auch er immer noch in Gefahr ist.“
Bunnys Augenbrauen zogen sich zusammen. „Konntest du im Feuer etwas sehen?“
„Was?“ Rei war überrascht.
„Naja, ich kann in letzter Zeit schlecht schlafen und habe gesehen, wie du nachts meditierst.“
„Ach so. Nein, leider verrät mir das Feuer nichts.“, musste Rei enttäuscht zugeben.
„Diese Träume haben bestimmt keine schlimme Bedeutung und werden sicher bald vorüber gehen!“, versuchte Bunny zu beschwichtigen. Doch im Innersten läuteten alle Alarmglocken. Sie sah die Talismane und den Messias der Stille, das konnte nur bedeuten, dass die Talismane bald erscheinen würden. Warum sie allerdings immer noch von Mamoru träumte, verstand Bunny nicht, schließlich hatten sie ihn doch gerettet.
Sie blieb stehen. Es war ihr ein Anliegen, dass Rei zur Ruhe kam. In ihrer jetzigen Form konnte sie sowieso nichts ausrichten und Bunny konnte und wollte sie nicht erwecken. Sie war sich sicher, die Bedrohung mit Harukas und Michirus Unterstützung aus der Welt schaffen zu können.
„Rei, deine Gabe ist etwas Besonderes, aber du darfst dir von ihr nicht das Hier und Jetzt kaputt machen lassen. Das Leben hat so viel zu bieten und da draußen gibt es Kämpfer, die die Welt für uns retten werden. Glaub mir!“
Rei musste lächeln. „Bunny, ich weiß nicht warum, aber du hast so eine wunderbare Art, mich zu beruhigen.“
„Komm, lass uns das Fest genießen!“, sagte Bunny freudig. „Ich habe ganz viel Geld gespart, um mir die leckersten Sachen zu kaufen!“
30.07.1994 20:38 Uhr
Bunny und Rei bummelten viel, versuchten Goldfische zu fangen, spielten andere Spiele und aßen Takoyaki, Taiyaki mit roter Bohnenpaste und Sobanudeln, wobei Bunny das meiste verputzte. Lange waren die beiden nicht mehr so ausgelassen und hatten einfach nur Spaß.
Auch Luna stimmte das glücklich. Ihr war der Ernst der Lage durchaus bewusst, doch sie hatte ein unheimliches Vertrauen in Bunny.
Als sie sie vor über einem Jahr das letzte Mal gesehen hatte, war aus der Heulsuse ein mutiges Mädchen geworden, das bereit war, sich für die Welt zu opfern, aber diese Bunny, die so viel mehr durchgemacht hatte, überraschte Luna regelrecht. Sie hatte nicht für möglich gehalten, dass aus ihrer Bunny eine solche Person geworden wäre, wenn sie damals am Nordpol nicht gestorben wäre.
Plötzlich sah Luna aus dem Augenwinkel einen jungen Mann, der unweit der Mädchen vorbeilief und sich panisch umsah. Sie erkannte Haruka.
„Miau!“ Luna machte laut auf sich aufmerksam.
„Was ist denn, Luna?“, fragte Bunny verwundert.
Luna deutete mit einem Blick und einem erneuten Miauen in die Richtung, in der sie Haruka sah. Bunny sah die Panik in seinen Augen. So hatte sie ihn noch nie gesehen, es musste etwas Schlimmes passiert sein. Auch wenn sie ihm gerne aus dem Weg gegangen wäre, schien dies nicht der Augenblick für Egoismus zu sein.
„Rei, ich muss leider weg, warte nicht auf mich!“ Bunnys Stimme transportierte die Dringlichkeit.
Rei hatte kaum eine Chance zu reagieren und schaute Bunny nur verdutzt hinterher.
Bunny lief mit Luna auf der Schulter zu Haruka. Was konnte nur geschehen sein, dass er so außer sich war.
Haruka
30.07.1994 2:38 Uhr
Haruka riss seine Augen auf. Er spürte noch den Albtraum, den er gerade durchlebt hatte. Er packte mit beiden Händen sein Gesicht und rieb es sich. Draußen war es noch dunkel, trotzdem entschied er sich aufzustehen.
Als er das Wohnzimmer betrat, saß Michiru in der Dunkelheit am Esstisch.
„Kannst du auch nicht schlafen?“, fragte sie sanft.
„Nein! Ich hatte einen Albtraum.“
„Die Talismane.“, sagte Michiru.
„Genau. Es war sehr intensiv, viel intensiver als sonst.“
„Kann das bedeuten, dass wir sie bald finden werden?“
„Das hoffe ich.“, sagte Haruka. „Die Stille kommt immer näher, wir brauchen sie dringend.“
Michiru nahm Harukas Hand und schaute ihn nur mit einem sanften Lächeln an. „Wir sollten versuchen zu schlafen. Wir brauchen die Energie.“
30.07.1994 7:25 Uhr
Die Sonne strahlte durch das Fenster. Als Michiru aufstand und ihr Zimmer verließ, war der Tisch schon gedeckt. Haruka hatte frischen Kaffee aufgesetzt, Brot, Aufstrich und Obst auf den Tisch gestellt. Michiru war positiv überrascht, setzte sich dazu und fing damit an, einen Apfel klein zu schneiden.
„Ich habe mir überlegt, dass wir heute Abend das Schreinfest besuchen sollten.“, sagte Haruka positiv gestimmt.
„Findest du es richtig, dass wir uns in so einer Lage auf einem Fest vergnügen sollen?“, fragte Michiru etwas skeptisch.
„Was bleibt uns noch?“
„Vielleicht hast du recht. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt und es nützt nichts, einfach abzuwarten, bis etwas passiert.“, stimmte sie zu. „Willst du Usagi auch fragen?“
„Nein, ich glaube, dass sie mich im Moment nicht sehen will.“, sagte Haruka niedergeschlagen.
„Wie kommst du darauf?“, fragte Michiru überrascht.
„Ist so ein Gefühl.“
„Ist etwas zwischen euch passiert?“, fragte Michiru, doch Haruka sagte nichts.
Es ging ihm immer noch nahe, dass sie nach diesem leidenschaftlichen Moment und dieser außergewöhnlichen Nähe nicht einmal einen Blick zu ihm zurückwarf und einfach aus seinem Auto gestiegen war. Er wusste, dass er sie nicht aufgeben wollte, und dass ihm in der bedrohlichen Lage ihre Nähe am wichtigsten war, doch was sollte er tun? Sie meldete sich nicht bei ihm, und jetzt, wo Ferien waren, traf er sie auch nicht zufällig auf ihrem Nachhauseweg, wobei er den Zufall manches Mal schon herausforderte. Es mischte sich eine kleine Hoffnung, dass sie auf dem Schreinfest sein könnte, aber auch da blieb der Gedanke, dass sie ihm aus dem Weg gehen könnte.
30.07.1994 19:53 Uhr
„Warum hast du nicht auch deinen Yukata angezogen?“, fragte Michiru enttäuscht, als sie durch das Fest schlenderten.
„Ich wollte dir nicht die Show stehlen.“, sagte Haruka mit einem Augenzwinkern.
„Als ob du das könntest.“ Michiru kicherte.
Sie gingen den Weg entlang und blieben hier und da stehen. Die Laternen einiger Stände leuchteten schon und die Gerüche verschiedener süßer und deftiger Speisen lagen in der Luft und machten Appetit.
„Ich liebe die Atmosphäre bei Straßenfesten.“, schwärmte sie.
„Ja, du hast recht. Ich hoffe, dass wir bald so ein Fest besuchen können, ohne uns Sorgen um die Zukunft zu machen.“, sagte Haruka.
„Du würdest es doch am liebsten mit Usagi besuchen.“, sagte Michiru mit einem verschmitzten Lächeln.
„Nun lass den Quatsch.“ Haruka musste nun auch lachen.
Plötzlich hielten beide an und schauten sich in die Augen.
„Hast du es gespürt?“, fragte Haruka erschrocken.
„Das Meer fängt an zu tosen!“ Michirus Augen waren geweitet.
Sie blickten sich um, ob sie eine Bedrohung sehen konnten. Sie spürten, dass diese ganz nah sein musste. Und da war sie. Zwischen zwei Ständen im Dunkeln verborgen, stand Eugeal in einem blau-rot-geblümten Yukata und lächelte bedrohlich.
„Die Hexe von neulich!“, rief Haruka.
„Wir müssen sie kriegen!“, sagte Michiru und beide liefen auf sie zu, doch so leicht wollte sich Eugeal nicht schnappen lassen.
„Wo ist sie hin?“, fragte Haruka aufgeregt.
„Ich weiß es nicht.“, reagierte Michiru aufgewühlt. „Wir müssen sie aufhalten. Ich glaube, sie hat den Träger des Talismans gefunden.“
Haruka schaute Michiru erschrocken an. Beide liefen los. Sie suchten überall, zwischen und hinter den Ständen, in der Menschenmenge und abseits des Fests. Doch Eugeal war nirgends zu sehen.
„Wir dürfen nicht aufhören. Ich spüre ihre Anwesenheit.“, rief Michiru besorgt.
Sie suchten gemeinsam weiter, doch plötzlich fand sich Haruka allein in der Menschenmenge wieder. Er schaute sich um, doch Michiru war nicht mehr zu sehen. Er rief, doch sie antwortete nicht. Er geriet in Panik, so schnell konnten sie sich nicht verloren haben. Nun musste er nicht nur nach der Hexe, sondern auch nach Michiru suchen. Es war unmöglich, dass sie sich in Luft aufgelöst hatte.
30.07.1994 20:42 Uhr
„Haruka!“ Bunny lief auf ihn zu und rief seinen Namen, um sicherzugehen, dass er sie vor lauter Aufregung nicht übersah.
„Engelchen?!“, rief er außer Atem.
„Was ist passiert?“, fragte sie, weil sie Haruka noch nie in einem solchen Zustand erlebt hatte.
Er umriss in knappen Worten, was gerade geschehen war. Nun war auch Bunny alarmiert.
„Wir müssen zusammenbleiben!“, sagte er eindringlich. Er wusste nicht, warum er Michiru verloren hatte, aber mit Eugeal in der Nähe war es besser, wenn Bunny da war.
Es dauerte keine 5 Minuten, als Haruka Eugeal in der Menschenmenge erkannte, und obwohl er Bunny gerade noch gesagt hatte, dass sie zusammenbleiben müssten, rannte er wütend auf Eugeal los. Diese stand nur regungslos da und grinste ihn frech an. Als er ihr näher kam, zückte sie etwas und lehnte es gegen ihre Wange. Es war Michirus Verwandlungsstab.
Haruka hielt sofort inne. Auch Bunny, die ihm folgte, stoppte abrupt und mit ausreichend Abstand, sodass sie von Eugeal nicht bemerkt wurde.
„Mein Name ist Eugeal, und ich bin die letzte der Witches 5.“, stellte sie sich vor.
„Mir ist egal, wer du bist.“, raunte Haruka sie an.
„Na, na, wer wird denn so unhöflich sein?!“, entgegnete Eugeal süffisant und setzte fort. „Dass du dich mir nicht vorstellen würdest, habe ich mir schon fast gedacht, Haruka Tenou.“
Haruka schaute irritiert. „Woher weißt du, wer ich bin?“
„Deine Freundin, Michiru Kaiou, war nicht sehr geschickt, als sie mich neulich verfolgt hat. Der Rest war, sagen wir Mal, reine Detektivarbeit.“
Haruka blickte sie erschüttert an.
„Ich habe sie nun in meiner Gewalt. Komm morgen um 14 Uhr zur Baustelle des Nakatomi Towers, dann lasse ich sie frei.“
Haruka wollte sich das nicht gefallen lassen und preschte vor, um Eugeal anzugreifen, doch eine weitere ihrer Handbewegungen ließ ihn stoppen. In ihrer Hand befand sich ein kleiner, handlicher Flammenwerfer, aus dem sie eine kleine Flamme schoss, um zu signalisieren, dass sie bewaffnet war, jedoch nicht so viel, dass es groß aufgefallen wäre.
„Wenn du noch einen Schritt näherkommst, werde ich hier alles abfackeln, und glaub mir, dass Feuer lässt sich nicht so einfach mit Wasser löschen.“ Ihr Blick war diabolisch.
Haruka knirschte mit den Zähnen. „Bist du zu feige, um JETZT gegen mich zu kämpfen?“
Eugeal grinste ihn frech an. „Nicht so ungeduldig. Ich will dir nicht die Überraschung verderben.“
Im nächsten Augenblick verschwand sie spurlos. Haruka lief zu der Stelle, wo Eugeal soeben gestanden hatte, doch sie war weg. Er drängte durch die Massen, konnte sie aber nicht mehr finden.
Bunny hastete ihm hinterher und hatte Mühe, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, und Luna hatte Mühe, sich auf Bunnys Schulter zu halten, bis er plötzlich resigniert stehen blieb und seinen Kopf senkte.
Sie trat an ihn heran und sprach sanft zu ihm: „Haruka, was hat das alles zu bedeuten?“
„Ich weiß es nicht, aber ich habe keine Wahl, als es morgen herauszufinden.“
„Ich werde dich begleiten.“, sagte Bunny und versuchte dabei, in seine Augen zu sehen, doch er schien in seine eigene Welt versunken zu sein und hörte nicht zu. Er wollte gehen, als Bunny ihn an der Hand nahm und ihn aufhalten wollte. Sie sah, dass er gerade jemanden brauchte, doch er erwiderte den Griff nicht, ließ die Hand aus ihrer gleiten und ging davon. Sie konnte ihm nur noch traurig hinterherschauen.
Sowohl Bunny als auch Haruka dachten viel über den Abend nach. Er zermarterte sich den Kopf, wie Eugeal sie enttarnen konnte, warum sie sich die Mühe machte, Michiru zu entführen und ihn herauszufordern, und was die Überraschung war. Michiru war für ihn der wichtigste Mensch. Seit dem Tag, an dem sie sich begegnet waren, spürte er eine Verbundenheit, die weit über Liebe hinausging. Es war so, als würden sie durch das Schicksal auf ewig zusammengehören. Sie hatten gemeinsam so viel durchgemacht, was sie nur noch mehr zusammenschweißte. Er wollte sich nicht ausmalen, dass ihr etwas passieren könnte. Diese Gedanken kreisten bis 3 Uhr morgens in seinem Kopf, bis er vor Erschöpfung einschlief.
Auch Bunny hatte schlaflose Stunden, doch im Gegensatz zu Haruka konnte sie mit Luna darüber sprechen, was gerade geschehen war. Sie war besorgt um Michiru, denn sie konnte nicht verstehen, warum die Gegner plötzlich Geiseln nahmen. Auch, dass Harukas und Michirus Identität aufgeflogen war, machte sie misstrauisch.
„Ich weiß auch nicht, Luna, aber irgendwie erinnert mich das an etwas.“, grübelte Bunny angestrengt.
„Etwas aus deiner Vergangenheit?“, entgegnete die Katze, die neben Bunny auf dem Futon Platz genommen hatte.
„Vielleicht. Ich weiß es nicht.“ Bunny raufte sich die Haare. „Ich weiß, dass es wichtig ist, was ich vergessen habe, aber es will einfach nicht in meinen Kopf.“
„Es ist schon spät. Du solltest dir jetzt nicht den Kopf zerbrechen.“, beruhigte Luna sie. „Morgen beim Nakatomi Tower wird sich alles zeigen.“
Bunny schaute auf die Uhr und merkte, dass es schon 3 Uhr war.
„Hoffentlich hast du recht und es passiert nicht etwas Schlimmeres.“, entgegnete Bunny traurig und machte das Licht aus.
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