Uneinigkeit
Uneinigkeit
Auch an diesem Tag hatte Bunny nicht vor, ins Gamecenter zu gehen. Sie wusste nicht, dass Motoki genau so viel Spaß daran hatte, mit ihr zu plaudern, wie sie mit ihm. Dennoch war die Gefahr zu groß. Jedes Mal, wenn sie auf Mamoru traf, kam es dazu, dass sie allein waren, und entweder sie oder er etwas Dummes sagte, was die Situation zwischen ihnen verkomplizierte.
„Ich habe Rei versprochen, nächste Woche zum Schulfest zu kommen. Hoffentlich laufe ich da Mamoru nicht über den Weg.“, dachte sie laut und runzelte die Falten zwischen ihren Augenbrauen.
Sie trottete regelrecht durch die Straßen, und als sie an einem Spielplatz vorbeiging, auf dem sich zwei kleine Jungen zankten, wer die besseren Kunststücke auf der Schaukel vollbringen konnte, standen plötzlich Luna und Artemis vor ihr und schauten sie von unten an. Bunny hockte sich zu ihnen runter und begrüßte sie freundlich, doch auch dieses Mal suchten die Katzen sie nicht zum Vergnügen auf.
„Bunny, irgendetwas scheint mit Hotaru nicht zu stimmen. Ich spüre, wie eine Energie von ihr ausgeht.“, erklärte Luna.
Bunny zog eine Augenbraue hoch. „Sagtest du nicht neulich, dass sie unauffällig sei?“
„Ja schon,“, gab Luna zu. „aber das hat sich geändert. Es hat vor ein paar Tagen angefangen, und als wir sie heute beschattet haben, war es ganz deutlich.“
„Wir müssen davon ausgehen, dass sie zu unseren Feinden gehört.“, schloss Artemis, der sich eigentlich schon an das nette Mädchen gewöhnt hatte.
„Das kann ich irgendwie nicht glauben.“ Bunny klang enttäuscht. „Ist es nicht möglich, dass sie zu den Guten gehört?“
„Ausgeschlossen!“, protestierte Luna. „Bis auf Sailor Pluto wissen wir, wo sich alle Verbündeten aufhalten. Und da wir Plutos Identität kennen, wissen wir auch, dass sie nicht Hotaru ist.“
Bunnys Augen weiteten sich, und ihre Skepsis wich einem ernsten Gesichtsausdruck. „Ich muss sie treffen.“
„Du willst was?“, fragte Luna irritiert.
„Ich habe euch doch von Setsuna erzählt.“
„Ja.“, antworteten die Katzen einstimmig.
„Eigentlich war Hotaru bei dem Unfall im Labor dabei und nicht Setsuna.“
„Ja und?“, hakte Artemis nach.
„Hotaru erwähnte bei unserem ersten Treffen, dass sie die Assistentin, die das überlebt hat, regelmäßig besucht.“ Bunny stand auf. „Das bedeutet, wir können herausfinden, wo Setsuna ist.“
Luna schaute Bunny eindringlich an. „Aber von ihr könnte eine Gefahr ausgehen, Bunny. Das ist zu gefährlich!“
„Luna, Artemis, ich weiß, dass ihr mich kennt, oder besser, mein anderes Ich. Ich habe sehr viel durchgestanden und habe viel Kraft gesammelt in den fünf Jahren, in denen ich Sailor Moon war. So leicht lasse ich mich nicht besiegen.“, sagte Bunny mit so einer Überzeugung, dass Luna und Artemis sie fast aus reiner Gewohnheit besorgt ansahen.
„Und übrigens ist es schon erstaunlich, wie leicht es war, die Hexen zu besiegen.“, grübelte Bunny laut. „Ich werde das morgen in Angriff nehmen.“
Bunny verabredete sich für den nächsten Tag mit Luna und Artemis und begab sich auf den Weg zum Tempel. Sie musste Haruka und Michiru sofort Bescheid sagen. Zum einen war die Information sehr wichtig, zum anderen wollte sie nicht, dass Haruka vor Sorge wieder böse auf sie werden würde.
Innerlich hoffte sie, dass Michiru den Hörer abnehmen würde. Sie war immer noch sauer auf Haruka, dass er sie erst überrumpelt und dann an sein Bett gefesselt zurückgelassen hatte, und wollte nicht direkt mit ihm konfrontiert werden. Als sie zu Hause angekommen war und sich sofort umgezogen hatte, griff sie zum Telefon, kreuzte die Finger und rief an.
Man konnte von Glück sprechen, dass Haruka nicht dranging, aber von Pech, dass Michiru es auch nicht tat. Sie konnte die Nachricht nur auf den Anrufbeantworter sprechen und hoffen, dass Michiru diejenige wäre, die zurückrufen würde.
Den gesamten Nachmittag arbeitete Bunny im Tempel vor sich hin und wartete auf den Rückruf, doch auch bis zum späten Abend kam nichts. Aber das sollte Bunny nicht an ihrem Vorhaben hindern.
Am nächsten Tag begab sich Bunny in die Nähe der Mugen-Schule. Sie wusste von Artemis, dass Hotaru freitags immer um 14 Uhr Schulschluss hatte. Sie selbst musste die letzte Stunde schwänzen, aber für ihre Mission war es ihr das wert. Sie traf sich mit den Katzen und ließ sich von ihnen zu einer Stelle führen, die Hotaru beinahe täglich passierte. Es war ein abgelegener Weg, der an einem kleinen Park vorbeiführte, der eher an einen Wald erinnerte. Sie legte sich auf die Lauer in der Hoffnung, Hotaru würde schnell auftauchen, und so war es auch.
Sie lief alleine die Straße entlang und Bunny konnte kaum glauben, sie so zu sehen. Keine schwarze Strumpfhose, keine langen Ärmel, sondern einfach ein Mädchen in ihrer Sommerschuluniform. Bunny wies die Katzen an, sich zu verstecken, atmete tief durch und winkte übertrieben rüber.
„Hotaru?!“
Diese drehte sich um und erkannte das Mädchen, das sich neulich in der Schule verlaufen hatte.
Bunny ging zu ihr rüber. „Was für ein Zufall, dich hier zu sehen! Bist du gerade auf dem Weg nach Hause?“
Hotaru lächelte. „Ja.“
Bunny erwiderte das Lächeln. „Hast du vielleicht Zeit? Ich würde gerne etwas mit dir besprechen.“
Nun blickte Hotaru überrascht.
Sie setzten sich auf eine Bank, die am Rand des Parks stand und einen Blick auf das satte Grün bot. Bunny wusste nicht so recht, wie sie anfangen sollte. Sie fürchtete, Hotaru könnte sich vor der verrückten Oberschülerin erschrecken und davonlaufen. Luna und Artemis bekamen schon Schweißperlen auf der Stirn, zum einen aus Angst, Hotaru könnte wirklich böse sein, zum anderen, dass Bunny sich gleich lächerlich machen würde.
Bunny riss sich zusammen. „Weißt du, Hotaru, die Geschichte, die du mir neulich erzählt hast, lässt mich nicht mehr los.“
„Ach ja?“ Hotaru schaute verwundert zu Bunny. „Was meinst du damit?“
„Der Unfall im Labor deines Vaters,“ Bunny hielt kurz inne. „dass nur er und seine Assistentin überlebt haben. Das klingt alles so mysteriös.“
„Das stimmt. Das grenzt an ein Wunder. Das Labor wurde untersucht, und man hat keine Ursache gefunden. Und die Ermittler sagten, dass es kaum zu glauben ist, dass überhaupt jemand überlebt hat.“ Hotaru erwies sich zu Bunnys Glück als sehr mitteilsam, was einen weiteren Unterschied zu ihrem anderen Ich ausmachte.
„Aber leider liegt seine Assistentin seit zwei Jahren im Koma.“ Hotarus Blick wurde tief traurig. „Sie war immer so nett zu mir.“
„Wie hieß sie denn?“ Bunny schaute Hotaru gespannt an.
„Setsuna.“
Bunny stockte der Atem. Auch, wenn sie damit gerechnet hatte, war es fast wie ein Schock.
„Und du darfst sie besuchen? Liegt sie denn in einem Krankenhaus?“ Bunny versuchte nicht zu neugierig zu klingen.
„Nein, ich darf nur zu ihr, wenn Papa mich mitnimmt. Sie ist in einem Spezialbereich bei uns in der Schule, aber da darf sonst niemand rein.“
„Wie meinst du das? Ist dein Vater etwa Arzt?“, fragte Bunny etwas verwirrt.
Hotaru lachte. „Er ist zwar Doktor, aber kein Arzt. Das ist wieder so eine mysteriöse Sache. Eigentlich ist es kein Koma, es gibt keine Schläuche, und essen muss sie auch nichts. Es ist, als würde sie schlafen, wie Dornröschen.“
„Aber wie soll das gehen?“, fragte Bunny perplex.
„Das weiß ich auch nicht, und mein Papa und seine neue Assistentin wollen es mir nicht erklären.“ Hotaru schmollte.
„Kann das denn SONST niemand erklären?“
„Nein, weil außer seiner Assistentin und mir niemand zu Setsuna darf. Papa sagt, dass das gefährlich wäre und sie womöglich eine Infektion bekäme.“
Für Bunny klang das alles sehr fadenscheinig, doch nun wusste sie, was sie so dringend wissen musste. Setsuna, die Trägerin des dritten Talismans, war in die Hände der Bösen gefallen, und es war fast unmöglich, sie zu befreien. Als ihr das klar wurde, musste sie ganz besonders darauf achten, die Fassung zu bewahren, denn Hotaru schien einfach ein unschuldiges Mädchen zu sein, egal, was Luna und Artemis sagten. Bunny wollte unbedingt darauf achten, dass dieses Mädchen nicht in etwas reingezogen würde.
Sie waren so in das Gespräch vertieft, dass sie nicht merkten, dass sie schon eine Weile beobachtet wurden. Kaorinite sah ihnen versteckt hinter ein paar Bäumen zu. Um den Befehl des Doktors zu erfüllen, war sie die Listen der potenziellen Opfer durchgegangen, die sie als Ziele ausgewählt hatten. Da nur Motoki ein zufälliges Opfer gewesen war, existierte von jedem anderen Zielobjekt eine Akte. Kaorinite entsann sich, dass sie Cyprin damals aufgetragen hatte, das Mädchen mit dem reinsten Herzen von allen zu bestehlen.
Um Mistress 9 zu erwecken, brauchte es ein reines und besonderes Herz, weshalb Kaorinite sich erneut auf die Suche nach Bunny begeben hatte, und nun saß sie vor ihr. Dass Bunny keine normale Zivilistin war, konnte Cyprin nicht mehr weitergeben, also hatte Kaorinite die Hoffnung, dass die lästigen Kriegerinnen nicht auftauchen und ihr neues altes Opfer beschützen würden. Dass Bunny nicht alleine, sondern in Begleitung von Doktor Tomoes Tochter war, interessierte sie herzlich wenig. Da der Doktor nur als Hülle für Germatoid diente und diese Welt von Pharao bald verschluckt werden würde, nahm sie diesen Kollateralschaden in Kauf.
Sie besann sich auf ihre Aufgabe und öffnete eine Schachtel, in der sich sechs Eier und ein verkorktes Reagenzglas mit einem dickflüssigen rosa Elixier befanden. Der Doktor hatte ihr diese gegeben, um sie nach freier Verfügung einzusetzen, und sie beschloss, auf Nummer sicher zu gehen. Aus einem Samtbeutel holte sie fünf Mineralsteine in verschiedenen Farben heraus, setzte die Eier in diese ein und tropfte das Elixier darauf, um die Eier zu aktivieren. Es war vielleicht etwas übertrieben ganze fünf Eier zu nutzen, doch Kaorinite wollte auf Nummer sicher gehen, sie konnte nicht riskieren, zu scheitern, falls sie doch auf Widerstand stoßen würde.
Es dauerte keine Sekunde, als die Steine begannen, sich in Monster zu verwandeln. Sie bäumten sich auf und schauten Kaorinite an. Jedes der Monster hatte eine andere Hautfarbe, die der Farbe des Mineralsteins entsprach, und sie waren so knapp bekleidet, dass man nur zu gut sah, dass es weibliche Gestalten waren, dennoch war ihr Äußeres bizarr.
„Wie können wir euch dienen?“, fragte das rote Monster in der Mitte, das sich als Anführerin zu erkennen gab.
Kaorinite deutete mit dem Finger in die Ferne, zwischen die Bäume, auf Bunny, die so weit entfernt und so konzentriert auf das Gespräch war, dass sie die drohende Gefahr nicht hätte sehen können.
„Holt mir den Herzkristall dieses Mädchens.“
„Jawohl!“, sagten die Monster und rannten in die Richtung, in die Kaorinite gezeigt hatte.
Bunny wollte das Gespräch mit Hotaru gerade beenden, als sie aus dem Augenwinkel sah, dass sich im Park etwas bewegte. Sie schaute dahin und sah, wie mehrere Monster auf sie zueilten. Mit ihrer langjährigen Kampferfahrung war sie nicht überrascht, plötzlich auf Monster zu stoßen, und war schnell in Alarmbereitschaft, doch dieses Mal war es einer der seltenen Fälle, in denen sie sich nicht sofort verwandeln konnte.
‚Verdammt!‘, dachte sich Bunny und stellte sich instinktiv vor Hotaru, um sie zu verteidigen.
Diese versteckte sich hinter Bunny und hob schützend die Schultasche vor sich.
„Bleib hinter mir!“, rief Bunny ihr zu.
Ihr war bewusst, dass sie Hotaru in diesem Zustand kaum verteidigen konnte, doch verwandeln durfte sie sich auch nicht, dennoch sah sie es als ihre Pflicht an, das Mädchen zu beschützen.
Auch Luna und Artemis, die sich die Situation aus sicherer Entfernung anschauten, wurden plötzlich hellwach. Auch sie waren sich sicher, nichts ausrichten zu können, doch das hatte sie noch nie daran gehindert, sich einzumischen, um ihre Schützlinge zu beschützen. Sie sprangen aus dem Gebüsch und stellten sich den Monstern ebenfalls entgegen.
Die Monster erreichten ihr Ziel und bäumten sich vor Bunny und Hotaru auf.
„Das wird ein Kinderspiel.“, sagte das blaue Monster siegessicher und sprang sofort drauf los, mit der Absicht, sein Opfer zu Boden zu werfen, zu fixieren und den Kristall ihres Herzens zu extrahieren. Bei der Ausgangssituation sahen es die anderen Monster nicht als notwendig an, sich von der Stelle zu rühren.
Bunny verschränkte ihre Arme vor dem Gesicht und erwartete den Angriff. Die Monster waren so schnell und fackelten nicht lange, dass sie dieses Mal nicht die Zeit hatte, zu überlegen, ob eine Verwandlung vor Hotaru in Ordnung war oder nicht, sie konnte nur darauf warten, niedergerissen zu werden.
Um Bunny zu beschützen, war Luna im Begriff mit einem Hechtsprung auf das Monster zuzuspringen, doch sie nahm eine Hitze war, die sie davon abhielt.
„Uranus, flieg!“, ertönte es laut, und alle schauten überrascht auf.
Die Glut von Uranus Angriff flog haarscharf an Bunny vorbei und riss das blaue Monster zu Boden.
Bunny schaute sich um und sah ihre Rettung: Uranus und Neptun.
Die anderen vier Monster, die ihrer blauen Gefährtin gerade noch bei ihrem Angriff zusehen wollten, drehten ebenfalls blitzartig ihre Köpfe in die Richtung der beiden Kriegerinnen. In ihren Blicken mischte sich Wut mit Besorgnis, dass ihre Mission scheitern könnte.
Als Kaorinite die Widersacherinnen sah, wurde sie wütend und beschloss zu verschwinden. Sie konnte kein Risiko eingehen, entdeckt oder gar vernichtet zu werden. Sie wusste, dass falls eines der Monster es schaffen würde zu überleben und den Herzkristall zu ergattern, es den Weg nach Hause finden würde. Das musste ihr vorerst genügen.
Bunny erwachte aus ihrem Tunnelblick und bemerkte Artemis und Luna.
„Versteckt euch! Wir schaffen das.“, rief sie den Katzen zu.
Die Katzen folgten Bunnys Worten, da sie auf die Fähigkeiten von Uranus und Neptun vertrauten und nichts weiter ausrichten konnten, doch sie waren trotzdem wachsam. Ihnen war bewusst, dass fünf Monster nicht zu unterschätzen waren, und solange Bunny sich nicht verwandeln konnte, mussten sich die Kriegerinnen den Monstern allein stellen. Dies machte Luna Sorgen.
„Haben sie es dieses Mal auf die Tochter des Doktors abgesehen?“, flüsterte Neptun skeptisch zu Uranus hinüber.
„Das kann ich mir nicht vorstellen, aber das würde bedeuten, dass sie es wieder auf Engelchen abgesehen haben.“, entgegnete Uranus besorgt. Ihr steckte der Schreck von Bunnys Geburtstag immer noch in den Knochen.
Das blaue Monster, das von Uranus zu Boden geschleudert wurde, erhob sich langsam. Es war zwar von seinem Angriff abgehalten worden, besiegt war es aber lange nicht.
„Glaubst du, wir können es mit so vielen alleine aufnehmen?“, fragte Neptun etwas besorgt.
„Engelchen wird sich nicht verwandeln können, also bleibt uns nichts anderes übrig.“, musste Uranus bitter feststellen.
Das blaue Monster hatte sich mittlerweile berappelt und gesellte sich wieder zu den anderen. Die rote Anführerin wollte sich durch den Angriff nicht verunsichern lassen und beschloss erneut zuzuschlagen. Sie wies die anderen Monster an, sich zu formieren. Das grüne, lila und orange Monster sollten sich um die Sailor Kriegerinnen kümmern. Sie und das blaue Monster würden sich noch einmal Bunny vornehmen. Auf einen Befehl hin rannten die Monster in die Richtungen, wie ihnen geheißen.
Drei Monster setzten sich in Bewegung und steuerten auf die Kriegerinnen zu. Das orange Monster ließ es plötzlich blitzen, und die Einschläge zielten auf Uranus und Neptun. Auch das lila Monster, das einen Steinhagel und das grüne Monster, das giftige Dämpfe auf sie richtete, trugen dazu bei, dass die beiden Kriegerinnen beschäftigt waren. Sie wehrten sich zwar mit körperlicher Kraft und ihren Angriffen, doch sie konnten ihre Angreiferinnen weder vernichten noch kampfunfähig machen.
Bunny erkannte die Bedrohung und griff schnell nach Hotarus Hand, um sie von dort wegzuzerren und gemeinsam zu fliehen. Das blaue und rote Monster schnellten auf sie zu und umkreisten sie. Bunny und Hotaru wurden in die Enge getrieben und von zwei Seiten umzingelt.
Bunny war ratlos, und die Situation schien aussichtslos. Sie waren wieder am Anfang. Sie konnte sich nicht verwandeln, und die Hilfe, die keine zehn Meter entfernt war, musste gerade um ihr eigenes Überleben kämpfen. Sollte sie sich verwandeln und vor Hotaru enttarnen? Was, wenn Luna recht hatte und Hotaru eine Feindin war?
Um darüber nachzudenken, blieb keine Zeit, denn die Monster ließen Bunny keine. Sie schossen von beiden Seiten mit scharfen Eiskristallen und Feuerbällen. Sie hatten keineswegs die Absicht, Bunny zu töten, doch sie wollten sie verletzen, zu Fall zu bringen und dann ihr Herz stehlen. Hotaru war ihnen nur im Weg.
Als Feuer und Eis auf die beiden Mädchen zuflogen, verschränkte Bunny schützend die Arme vor ihrem Gesicht und erwartete ihre Niederlage, doch es geschah nichts. Stattdessen spürte sie plötzlich eine unfassbare Macht. Als sie hochschaute, bemerkte sie, dass Hotaru sich nicht mehr ängstlich duckte, sondern aufrecht und entschlossen dastand. Ganz im Gegenteil wirkte SIE plötzlich bedrohlich. Ein weiterer Blick auf die Monster verriet Bunny, dass es keine Einbildung war. Die Monster sahen eingeschüchtert aus und schienen Angst um ihre Existenz zu haben. Sogar die Monster, die sich an Uranus und Neptun abarbeiteten, hielten inne.
Das blaue Monster, das vor Hotaru stand, wollte sich nicht von diesem Mädchen abhalten lassen, egal wie viel Angst sie ihr machte. Es rannte los und schoss dieses Mal große und tödliche Eiskristalle in Hotarus Richtung. Es glaubte, wenn Hotaru aus dem Weg geräumt wäre, würden sie ihre Aufgabe endlich zu Ende bringen können, doch es irrte sich gewaltig.
Bunny blickte zu Hotaru und sah auf ihrer Stirn ein Symbol, und ihre Augen, die finster leuchteten. Im nächsten Augenblick verdampfte das blaue Monster, und es fiel nur noch der blaue Stein zu Boden, aus dem das Monster erschaffen worden war.
Sie waren wieder da, die Erinnerungen, die Bunnys Gedächtnis ihr noch vorenthalten hatte. Hotaru war mächtig, aber sie war kein Feind. Sie war die Sailor Kriegerin, die sie vergessen hatte, und die so wichtig für den finalen Kampf war. Sie war Sailor Saturn, die Kriegerin der Zerstörung.
Nun scheute Bunny sich nicht mehr. Sie erhob ihre Brosche und verwandelte sich.
Sailor Moon stand vier Monstern gegenüber, die sie ungläubig anstarrten, und zwei Kriegerinnen, die ihr Entsetzen nicht verbergen konnten. Sie konnten es nicht fassen, dass Bunny sich in Gegenwart des Mädchens verwandelt hatte.
Sailor Moon ließ den Monstern keine Zeit, um aus ihrer Schockstarre zu erwachen, und setzte ihre Macht ein. Mit einem Mal war der Platz hell erleuchtet, und die Monster zerfielen zu Staub. Vier weitere Steine fielen zu Boden, und Sailor Moon glaubte, dass die Situation nun entspannt sei, doch eine Erinnerung war nicht erwacht.
Das letzte Mal, als Sailor Saturn sich zu erkennen gab, wollten Uranus und Neptun zuschlagen und sie vernichten, auch dieses Mal war es nicht anders. Sowohl Uranus als auch Neptun griffen an, um Hotaru aus dem Weg zu räumen.
„Uranus, flieg!“
„Neptun, flieg!“
Sailor Moon war schockiert, wie schnell die beiden umschalteten, um dieses unschuldige Mädchen zu vernichten. Aber sie hatte keineswegs vor, sie gewähren zu lassen. Sie sprang schützend vor Hotaru, wohlwissend, dass sie die Angriffe ihrer Gefährtinnen im schlimmsten Fall töten könnten. Uranus verzweifelte, denn sie hatte keine Möglichkeit, ihren Angriff zu stoppen, und verstand die Welt nicht mehr. Sollte ihr Engelchen so töricht sein, sich für die Kriegerin der Vernichtung zu opfern? Würde sie ihre große Liebe auf diese Art und Weise verlieren.
„Neeeeiiiin!“, schrie sie verzweifelt auf. Ihr Herz schien stehengeblieben zu sein.
Aber Sailor Moon hatte nicht vor, sich umbringen zu lassen, erhob ihren Stab und verteidigte sich und Hotaru mit ihrer Macht.
Uranus schaute sie verzweifelt an. „Was machst du da, Sailor Moon? Wir müssen sie vernichten, sie bringt den Tod!“
Die Aura, die Hotaru umhüllte, und das Symbol auf ihrer Stirn verschwanden mit dem Sieg über die Monster, und nun war sie wieder das ängstliche Mädchen, das sich hinter Sailor Moon versteckte und absolut nicht verstand, was hier vorging.
„Halt!“, rief Sailor Moon zu ihren Verbündeten. „Ich werde nicht zulassen, dass ihr Hotaru etwas antut.“
„Wenn Sailor Saturn erwacht, wird sie die Welt zerstören!“, rief Neptun Sailor Moon verzweifelt zu.
„Das wird sie nicht.“, sagte Sailor Moon gelassen. „Sie ist unsere Verbündete und wird die Welt beschützen.“
„Wie kannst du das wissen?“ Uranus war am Ende mit ihren Kräften und verzweifelt von Sailor Moons Sturheit.
„Weil ich genau diese Situation schon einmal erlebt habe.“, sagte sie sanft. Ihr Blick wurde aber augenblicklich entschlossen und sehr ernst. „Wenn ihr Hotaru aber etwas antun wollt, müsst ihr erst mich töten.“
Diese Worte waren für Uranus wie ein Dolchstoß.
Sailor Moon blickte zu ihren Gefährtinnen und sah die Verzweiflung in ihren Augen. So viel Angst hatten sie nie zuvor gezeigt, doch auch damals waren sie nicht anders. Damals verschwand Hotaru nach dem Ausflug im Planetarium, als ihre wahre Natur erwacht war. Dieses Mal würde es nicht geschehen, denn ihr Vater ahnte sicher nicht, wer in seiner Tochter wirklich schlummerte.
„Haruka, Michiru, vertraut ihr mir?“, fragte sie so gütig und sanft, dass beide aufblickten.
„Ja.“, Uranus senkte wieder den Kopf.
„Dann hört mich an, und ihr werdet mich verstehen.“
Sailor Moon trat zur Seite und ließ Hotaru neben ihr Platz nehmen. Sie schaute ihr tief in die Augen.
„Hotaru, weißt du, wer ich bin?“
„Ja, du bist Sailor Moon, ich habe in der Zeitung von dir gelesen.“
„Weißt du, dass du auch eine Kriegerin bist?“
„Ja, ich weiß jetzt, wer ich bin. Ich bin Sailor Saturn.“
Bei diesen Worten mussten Uranus und Neptun schlucken.
„Aber meine Zeit ist noch nicht gekommen.“, erklärte Hotaru.
„Hotaru,“, begann Sailor Moon. „ich komme aus der Zukunft und habe diesen Kampf schon einmal durchgestanden. Meine Vergangenheit war anders, aber viele Dinge sind gleich, wie auch dein Erwachen.“
Hotaru schaute verwundert zu ihr, und auch Uranus und Neptun blickten auf, wenn auch nicht so entspannt, wie Sailor Moon es sich wünschte.
„Uranus und Neptun haben mir damals gesagt, dass du die Welt zerstören würdest, sobald du erwachst, aber nur dank dir konnten wir das Böse besiegen. Du hast meine Tochter gerettet und hast dich alleine dem Pharao gestellt, der die Welt vernichten wollte. Ich werde alles tun, um dich zu beschützen.“
Uranus und Neptun schauten plötzlich auf. Sie konnten kaum glauben, dass Sailor Saturn keine blutrünstige Kriegerin war, sondern die Welt vor der Vernichtung gerettet haben sollte. Und auch Hotaru schien alles erstaunlich gut zu verstehen.
„Bunny,“, sagte Hotaru sehr vertraut. „Ich werde erwachen, wenn es an der Zeit ist, und werde an deiner Seite kämpfen. Damals, im Silver Millenium, als Königin Perilia das Königreich des Mondes und alles andere vernichtet hat, war ich es, die die Zeit ausgelöscht und sie von neu gestartet hat. Ich werde dir beistehen, damit es nicht dazu kommen muss.“
Sailor Moon lächelte. „Luna, Artemis!“
Die beiden Katzen hörten auf den Ruf und sprangen hervor.
„Hotaru, darf ich dir vorstellen, das sind meine Freunde, Luna und Artemis.“
Die Katzen neigten kurz den Kopf. „Ich möchte, dass sie an deiner Seite bleiben und über dich wachen, solange die Bedrohung anhält.“
„Hallo, es freut uns, dich kennenzulernen.“, sagte Luna freundlich.
Hotaru hockte sich fröhlich hin. „Ihr könnt ja sprechen.“
„Dürfen wir dich begleiten?“, fragte Artemis.
„Aber ja! Ich bin zuhause so allein, ich freue mich so!“
Hotaru nahm alles erstaunlich gut auf, und Luna und Artemis versprachen ihr, sie auf den neuesten Stand zu bringen. Bunny zweifelte keinen Moment daran, dass Hotaru sie nicht enttäuschen würde. Sie war eine Kriegerin, wenn auch nur ihre Seele und nicht ihre Kräfte erwacht waren. Wie alle Kriegerinnen, die das Sonnensystem und die Erde beschützten, würde auch sie sich dem Feind mutig entgegenstellen.
Nachdem Hotaru sich verabschiedet hatte und mit den Katzen nach Hause ging, blieben Bunny, Haruka und Michiru am Ort des geschehen stehen. Haruka hatte den dringenden Wunsch, das auszudiskutieren, weil er Bunnys Verhalten unvernünftig fand, und auch Michiru war seiner Meinung.
„Wie kannst du dir nur so sicher sein, dass sie uns nicht alle vernichtet?“, fragte Haruka eindringlich.
„Weil das nicht ihre Aufgabe ist.“, erwiderte Bunny.
„Du hast selbst gehört, dass sie die gesamte Existenz auslöscht, um sie neu beginnen zu lassen.“ Haruka wurde lauter.
„Ja, das habe ich gehört. Als sie das tat, hatten wir bereits verloren und das Böse hat uns überrannt.“
„Du bist zu leichtgläubig.“, schüttelte er den Kopf.
„Das mag sein, aber sie ist eine Sailor Kriegerin. Sie hat eine Aufgabe, und wenn sie diese erfüllen muss, wird sie es tun. Und ich vertraue ihr genauso, wie ich damals in meiner Zeit euch vertraut habe, und ich habe mich nicht getäuscht.“
Haruka fehlten die Worte, und Michiru hielt sich ebenfalls zurück.
„Wir haben gerade ein viel größeres Problem.“, erklärte Bunny, die das Thema für beendet erklärte. „Die Feinde haben Setsuna an einem geheimen Ort versteckt. Sie liegt im Koma, und nur Hotaru, ihr Vater und seine Assistentin kommen zu ihr. Wir können nur darauf hoffen, dass Hotaru uns noch ein paar Hinweise geben kann, ansonsten kommen wir nicht an sie heran.“
„Verdammt!“, fluchte Haruka, dem es für einen Tag zu viele schlechte Nachrichten waren.
„Fürs Erste können wir nichts tun. Ich werde jetzt nach Hause gehen, es ist schon spät und ich habe morgen schon sehr früh Dienst im Tempel.“
Bunny flunkerte ein wenig. Sie wollte einfach nur die Gegenwart von Haruka meiden. Jetzt, wo sie Partei für Hotaru ergriffen hatte, war er bestimmt schlecht auf sie zu sprechen und sie wollte jede weitere Konfrontation vermeiden. Sie war schon im Begriff zu gehen, als Haruka sie rief.
„Engelchen!“
Er wollte sich so gerne mit ihr aussprechen. Auch wenn sie jetzt nicht einer Meinung waren, nagte es an ihm, dass er sie so mies behandelt hatte.
Bunny drehte sich um. Sie wäre am liebsten weitergegangen, doch sie konnte unmöglich so tun, als hätte sie ihn überhört. Doch ihr Blick verriet, dass sie nicht mit ihm sprechen wollte.
„Schon gut, wir sehen uns bald.“, sagte er knapp und ging mit Michiru in die entgegengesetzte Richtung.
„Das kann man sich fast nicht mit ansehen.“, musste Michiru loswerden.
„Ich habe es wohl endgültig kaputt gemacht.“
„Eines ist klar, ihr müsst euch aussprechen. Ich mag Usagi und die Stimmung zwischen euch ist manchmal schlimmer, als das tosende Meer.“
Haruka musste grinsen. „Ich wusste gar nicht, dass du so witzig sein kannst.“
Zu Hause angekommen, ging Bunny in die Küche. Zum Glück waren Yuichiro und der Opa noch wach und saßen bei einem Sake im Esszimmer nebenan.
„Ich habe dir etwas in den Kühlschrank gestellt.“, rief Yuichiro zu ihr rüber.
Bunny holte die Onigiri aus dem Kühlschrank, dankbar, dass er an sie gedacht hatte, da sie mittlerweile am Verhungert war. Sie machte sich einen Tee und gesellte sich mit ihrem Proviant zu den Herren. Sie kniete auf den Boden und biss genüsslich in eines der Reisbällchen, welches Yuichiro mit Lachs und Mayonnaise gefüllt hatte.
„Die sind köstlich!“, sagte sie mit vollem Mund.
„Danke.“, erwiderte Yuichiro glücklich.
Bunny wurde etwas ernster.
„Wie geht es Rei?“
„Sie meditiert wieder jede Nacht.“, entgegnete der Opa.
„Vielleicht liegt es auch daran, dass das Schulfest bald ansteht, aber sie sieht sehr erschöpft und unglücklich aus.“, fügte Yuichiro hinzu.
„Ich glaube, sie kann sich manchmal sehr in Sachen reinsteigern.“, bemerkte Bunny mit vollem Mund.
„Wir müssen sie im Auge behalten, ich mache mir Sorgen um sie.“
„Ja, das sollte wir.“, pflichtete Bunny ihm bei.
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