Das Schulfest
Das Schulfest
Hallo liebe Leute,
jetzt sind nur noch 10 Kapitel übrig, und bald geht es auch schon in Richtung Showdown. An dieser Stelle möchte ich mich für die vielen lieben Reviews, Herzen und Sterne bedanken. Besonders bei JEG-Creativity und SoraCullen1985, die bisher ausnahmslos jedes Kapitel kommentiert haben. Das ist so lieb und freut mich jedes Mal.
Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim lesen. :3
MissMolnja
------------------------------------------------------
Mamoru und Motoki saßen zusammen im Fruit-Parlor. Motokis Schicht war gerade zu Ende, und Mamoru knickte endlich ein und ließ sich von seinem Freund auf einen Kaffee einladen. Nach dem Ausflug ans Meer hatte er sich totgestellt, weil er keine Lust hatte, Motoki sein Verhalten zu erklären, aber er konnte sich nicht ewig vor seinem besten Freund verstecken und wollte den Tadel hinter sich bringen.
Motoki sah ihn strafend an. „Das war nicht klug von dir, Mamoru.“
„Das weiß ich.“, erwiderte dieser ernst.
„Ihr könnt froh sein, dass ich aufgetaucht bin und nicht Yuichiro. Und auch dann bist du zu weit gegangen.“
„Ich habe es dir doch erklärt.“, begann Mamoru, sich zu rechtfertigen. „Bei Bunny verliere ich irgendwie den Verstand.“
„Das sage ich dir jetzt als Freund. Wenn du das nicht in den Griff bekommst, verliert du bald mehr als das.“, sagte Motoki in gewohnt ruhiger Art.
Mamoru reagierte nicht und nippte an seinem schwarzen Kaffee.
„Du hast doch nicht vor, sie wiederzusehen?“, fragte Motoki skeptisch.
Mamoru nahm einen weiteren Schluck und schwieg.
„Mamoru, du weißt, dass ich immer zu dir halte, aber ich habe noch nie erlebt, dass du so unvernünftig warst.“ Er machte eine Pause. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass Bunny einen Freund hat.“
„Ja, das ist richtig.“
„Aber dann solltest du dich erst recht von ihr fernhalten. Vergiss nicht, dass du auch eine Freundin hast.“, mahnte Motoki.
„Hätte ich sie nicht, dann würde ich mich nicht so zurückhalten.“, sagte Mamoru grimmig.
„Na, wenn du das Zurückhaltung nennst.“ Motoki tadelte ihn. „Wegen dir kommt sie auch nicht mehr ins Crown, dabei habe ich mich immer so gerne mit ihr unterhalten.“
„Ich habe dich ja verstanden.“
Mamoru nippte wieder an seinem Kaffee. Für ihn war das Gespräch beendet. Er empfing von Bunny widersprüchliche Signale. Solange sie sich so verhielt, konnte er das Thema nicht für sich abschließen. Noch nie hatte er jemanden getroffen, der ihn so aus der Fassung brachte, wie sie. Sein unehrenhaftes Verhalten Rei gegenüber war ihm wohl bewusst und er war nicht stolz drauf. Nie im Leben hätte er sich vorgestellt, dass so etwas seine Integrität erschüttern würde. Er hatte immer klare Prinzipien, nach denen er lebte, und nun wurden sie mit einem Mal über den Haufen geworfen.
Er musste noch einmal mit ihr sprechen, dann könnte er bestimmt alles aus der Welt schaffen.
„Kaori!“, begann der Doktor aufgebracht, als er von ihrem Misserfolg erfuhr.
Sie stand mit gesenktem Haupt vor ihm in diesem tropfenden Keller, wo er seine Experimente durchführte, und traute sich kaum etwas zu erwidern.
„Du verschwendest so viele wertvolle Eier und bringst mir keinen reinen Herzkristall, der den Messias der Stille erwecken sollte.“
„Es tut mir leid, Doktor.“ Sie traute sich nicht, ihren Kopf zu erheben.
„Das ist deine letzte Chance.“, sagte er ruhig, aber mit Nachdruck. „Wenn du wieder versagst, kann ich dich nicht mehr gebrauchen.“
Sie biss sich auf die Daumenspitze. „Jawohl, Doktor!“
Sie verschwand und erschien in einem dunklen Gang unweit des Labors. Als hätten die Worte des Doktors sie körperlich versehrt, stützte sie sich gegen die Wand. Sie musste die bittere Realität akzeptieren, dabei wollte sie Dr. Tomoe immer nur beeindrucken, ihm zeigen, wie fähig und wertvoll sie war, doch sie konnte nichts vorweisen. Seit diese Sailor Kriegerinnen aufgetaucht waren, lief alles schief.
Sie biss sich auf die Unterlippe und dachte nach. Sie musste ihre Taktik ändern, und sei es nur noch für dieses eine Mal, sie würde nicht scheitern. Sie brauchte ein Monster, welches lautlos und hinterhältig agierte. Egal, woher die Kriegerinnen immer wussten, wo sie und ihre Hexen zuschlagen würden, dieses Mal musste sie eindeutig etwas anders machen, sonst war ihr Leben verwirkt.
Es war ein Donnerstagabend, an dem sich die Bewohner des Hikawa-Tempels zum Abendessen versammelt hatten. Yuichiro hatte reich aufgetischt und hatte sich dieses Mal besonders viel Mühe gegeben, ein Festmahl zuzubereiten. Rei war die gesamte Woche im Tempel ausgefallen, weil sie bei den Vorbereitungen für das Schulfest helfen musste und täglich bis spät in den Abend in der Schule war. Zu allem Überfluss hatte man ihr die Hauptrolle des Stücks aufs Auge gedrückt, welches ihre Klasse aufführen wollte. Und da Rei weiterhin nicht davon abwich, nachts zu meditieren, wollte Yuichiro ihr wenigstens auf diese Weise eine Freude bereiten und hatte ihre Lieblingsspeisen auf den Tisch gestellt.
Bunny hätte sie gerne darauf angesprochen, dass sie scheinbar immer noch schlimme Visionen hatte, doch sie hielt den Zeitpunkt und den Ort nicht für richtig. Sie wusste, dass sich die Lage zuspitzte und früher oder später alles über sie hereinbrechen würde. Sie hatte sich nur gewünscht, Rei und die anderen da rauszuhalten zu können.
„Bist du schon aufgeregt, dass du morgen in der Schule übernachten darfst?“, fragte Bunny und schnappte sich ein Stück knusprig paniertes Hähnchen.
„Ja, letztes Jahr durften wir das nicht, aber dieses Jahr hat man es uns erlaubt.“, erwiderte Rei, und durch den erschöpften Ausdruck auf ihrem Gesicht war ein wenig freudige Aufregung zu sehen.
„Seid ihr denn fertig geworden?“, fragte Bunny neugierig.
„Mein Kostüm braucht noch ein paar Stiche, und die Kulisse ist noch nicht fertig, aber sonst haben wir es geschafft.“, sagte Rei stolz.
„Dafür, dass du gar nicht mitspielen wolltest.“, sagte Bunny grinsend.
„Eigentlich habe ich gerade keine Energie für sowas, aber als Schneewittchen habe ich nicht so viel Text und ich konnte einfach nicht ‚nein‘ sagen. Die anderen haben einfach nicht lockergelassen.“
„Erinnerst du dich…“, begann Bunny fröhlich einen Satz, den sie abrupt abbrach. Sie dachte an das Stück von „Schneewittchen“, welches sie und die anderen Mädchen gemeinsam mit Mamoru und Natsumi aufführen wollten und welches in einer Katastrophe endete. Natürlich würde sich Rei nicht erinnern, schließlich hatte sie es nicht miterlebt, und wenn doch, dann war es nicht im Beisein von Bunny geschehen. Das stimmte sie traurig, dass sie diese ganzen Erinnerungen mit niemandem mehr teilen konnte.
Rei schaute Bunny verwundert an. „Woran erinnere ich mich?“
„Ach, nichts.“ Bunny lachte verlegen und versuchte, das Thema zu überspielen. „Du bist ja auf einer Mädchenschule, wer spielt denn den Prinzen?“
„Das macht Kazuki.“, verkündete Rei. „Sie sieht fast aus wie ein schöner Junge aus einer Boyband, und alle Mädchen schwärmen für sie. Und sie ist eine begnadete Schauspielerin.“
„Das heißt, dass dich ein Mädchen küssen wird?“, kicherte Bunny kindisch hinter vorgehaltener Hand.
Yuichiro verschluckte sich an seinem Reis, und Opa prustete seinen Tee raus.
Rei war plötzlich verlegen und keifte zurück. „Natürlich nicht! Wir tun nur so.“
Sie beugte sich zu Bunny rüber und flüsterte, damit Opa und Yuichiro es nicht hören konnten. „Außerdem möchte ich meinen ersten Kuss von Mamoru bekommen.“
Bunny erstarrte bei diesen Worten. Diese Aussage verwunderte und erleichterte sie gleichzeitig. Bedeutete das, dass die beiden sich, seit ihrer Begegnung, als er ihr auf den Kopf getreten war, keine Fortschritte gemacht hatten? Hatten sie sich in dieser langen Beziehungszeit noch nicht geküsst? Aber er hätte SIE fast geküsst und ließ sich kaum davon abbringen. Bunny war so verwirrt ob dieser Gefühle, doch es änderte nichts an den Tatsachen, dass er zu Rei gehörte. Trotzdem verspürte sie eine unheimliche Erleichterung.
Bunny musste herausfinden, ob Mamoru am Samstag oder Sonntag zum Schulfest gehen würde, damit sie ihm weiterhin aus dem Weg gehen konnte, doch sie musste es geschickt angehen, denn plump nach Mamoru zu fragen, würde nur den Verdacht erwecken, sie könnte sich für ihn interessieren. Bunny erinnerte sich dunkel, dass ihr das schon einmal fast passiert wäre, und das wollte sie unbedingt vermeiden. Sie musste also mit jemand anderem beginnen.
Bunny drehte sich zu Yuichiro. „Wann gehst du zum Schulfest?“
„Am Sonntag ist kein Talismanverkauf, darum werde ich wohl erst am Sonntag gehen.“, erwiderte Yuichiro.
„Was ist denn mit Unazuki und Motoki?“
„Bunny, du weißt doch, dass Unazuki und ich auf die gleiche Schule gehen.“, reagierte Rei verdutzt. „Aber Motoki wird erst am Sonntag können, weil er am Samstag im Crown die Stellung halten muss.“
„Ach so.“, sagte Bunny etwas starr. „Und Mamoru?“
„Der hat viel zu tun und kommt auch erst am Sonntag.“
Bunny grübelte. Eigentlich war es immer viel lustiger, solche Feste in Begleitung zu besuchen, doch scheinbar konnten alle nur am Sonntag, den Tag, an dem auch Mamoru gehen würde. Zwar konnte sie durchaus Haruka und Michiru fragen, doch es stand immer noch das Ereignis mit der Handfessel zwischen ihnen, also entschied sich Bunny, allein das Fest zu besuchen. Hauptsache, sie lief Mamoru nicht über den Weg.
Am Samstag war es dann soweit. Bunny hatte sich bei Rei erkundigt, wann ihr Stück aufgeführt werden würde, und was Unazukis Klasse machen würde. Zum Glück war es ein Maid Café mit fluffigen Pfannkuchen.
Sie war schon um 11 Uhr vor Ort und klapperte die Fressstände ab. Die Entscheidung fiel ihr schwer, aber sie musste noch Platz für Pfannkuchen bewahren, darum nahm sie nur eine kleine Portion Takoyaki, die sie genüsslich aß, als sie weiter durch die Stände streifte.
Danach begab sie sich zum Klassenraum der 3-A, um Unazuki einen Besuch abzustatten. Als sie dort ankam, bemerkte sie ein geschäftiges Treiben. Es war jede Menge los, doch es waren noch genügend Plätze frei. Bunny wurde am Eingang des Klassenzimmers von einem Mädchen in einem Butlerkostüm empfangen und zu einem Tisch geführt. Auf dem Weg dahin bewunderte sie, wie viel Mühe sich die Schülerinnen dieser Klasse gegeben hatten, um ein Sterne-Restaurant zu imitieren. Bunny bekam einen Platz am Fenster, der Butler verbeugte sich und ging weg.
Als Bunny auf die Bedienung wartete, sah sie die Maids, die im Raum wuselten und die Gäste bedienten. Die Kostüme waren mit viel Liebe zum Detail genäht worden, und die Pfannkuchen sahen phänomenal aus. Es waren immer normale Pfannkuchen, die aber mit verschiedenen Toppings garniert waren und so köstlich aussahen, dass Bunny sich entschied, endlich einen Blick in die Karte zu werfen, zumal sie Unazuki unter den vorhandenen Kellnerinnen noch nicht erblickt hatte.
Gerade als sie ihre Nase in die Karte steckte, kam die Gesuchte mit einem Tablett rein und servierte einem Jungen einer anderen Mittelschule seine Pfannkuchen. Dieser lächelte Unazuki verschämt an und bekam auch beim Anblick seiner Bestellung glänzende Augen. Aus dem Augenwinkel sah Unazuki Bunny, die sie sofort an ihrer blauen Matrosenschuluniform erkannte.
„Hallo Bunny!“ Unazuki presste das Tablett an sich, wie sie es auch schon im Fruit Parlor immer tat, und strahle Bunny an.
„Unazuki!“, entgegnete Bunny fröhlich.
„Wie schön, dass du vorbeigekommen bist!“
„Aber klar, ich habe Rei extra gefragt, in welcher Klasse du bist.“
Da nicht so viel los war und die anderen Mädchen Unazuki ein wenig entbehren konnten, hatte Bunny die Bestellung bei einer anderen Maid aufgegeben und konnte mit Unazuki quatschen. Sie hatten sich schon eine Weile nicht gesehen und Unazuki war sehr neugierig, wie es Bunny ergangen war.
„Du warst jetzt schon so lange nicht mehr im Fruit Parlor.“, schmollte Unazuki. „Und auch nicht im Crown.“
„Ich hatte keine Zeit.“, log Bunny, die Unazuki unmöglich sagen konnte, dass sie Mamoru, Reis Freund, aus dem Weg gehen wollte.
„Motoki vermisst dich auch schon und liegt mir in den Ohren, dass du nicht mehr kommst.“
Bunny schaute Unazuki überrascht an. Was hätte die 14-jährige Bunny dafür gegeben, diese Worte zu hören. Sie musste schmunzeln.
„Dann lass uns doch dort treffen, wenn deine Schicht vorbei ist, und vielleicht hat Motoki dann auch Zeit.“, überlegte Bunny laut. Das wäre zumindest eine Möglichkeit, sich vor Mamoru zu schützen, wenn sie ihm auch begegnen würde.
Überhaupt war es irgendwie merkwürdig, wie oft sie ihm zufällig in einer der größten Städte der Welt begegnete, sowohl in ihrer Realität als auch in dieser. Konnte das Schicksal dafür verantwortlich sein und die beiden einfach immer wieder zusammenführen? Aber heute wäre keiner dieser Tage, dachte sie sich, und versprach Unazuki, dass sie das wirklich ernst meinte.
Als Bunny den Teller ihres doppelten Pfannkuchens mit einer süßen Kirschsauce und viel Sprühsahne verputzt hatte, warf sie einen Blick auf die Uhr, die über der schön gestalteten Tafel hing, und merkte, dass es höchste Zeit wurde. Reis Stück sollte um 14 Uhr beginnen und es war bereits 13:48 Uhr.
Bunny sprang auf. „Oh nein, ich habe ganz die Zeit vergessen, ich wollte doch Reis Stück gucken.“
„Dann beeil dich.“
„Kannst du es dir nicht anschauen?“, fragte Bunny.
„Ich schaue es mir morgen mit Motoki an.“
„Ach so. Äähh, sag Mal, wie komme ich zur Turnhalle?“, fragte Bunny etwas verloren.
Unazuki erklärte ihr den Weg und verabschiedete sie.
Eigentlich wollte Bunny sich nicht verspäten, um einen guten Platz zu bekommen, aber nun war das Kind in den Brunnen gefallen. Sie konnte nur hoffen, dass sie nicht stehen musste, obwohl sie gerade gut eine Stunde rumgesessen hatte.
Etwas verwirrt, aber ohne sich zu verlaufen, hatte sie die Turnhalle gefunden. Als sie diese betrat, war es bereits sehr voll und fast alle Plätze waren besetzt. Nur in der letzten Reihe waren wenige Plätze frei und sie entschloss sich, dort Platz zu nehmen. Das war besser, als nichts.
Eigentlich hatte Mamoru nicht beabsichtigt, am ersten Tag zu Reis Schulfest zu gehen. Solche Feste interessierten ihn auch gar nicht. Zwar musste er selbst jedes Jahr in seinem Schul- und Unileben an solchen Veranstaltungen teilnehmen, aber er hatte wenig Ambitionen, die Feste anderer Schulen und Leute zu besuchen. Aber er wollte Rei den Gefallen tun und sie überraschen. Schließlich war sie seine Freundin und da musste er gewisse ‚Pflichten‘ erfüllen, wozu auch solche Gesten gehörten.
Er würde sich das Stück geduldig ansehen und Rei nach der Aufführung treffen. Danach würden sie ein wenig reden und dann würde es für Rei auch schon weitergehen. Der Gedanke, dass es sich um das Stück „Schneewittchen“ handeln würde und es eine Kussszene gab, berührte ihn gar nicht. Er grübelte sogar, ob es ihm etwas ausmachen würde, wenn es keine Mädchenschule wäre und der Prinz von einem Jungen gespielt werden würde, aber auch das löste nichts in ihm aus.
Dieser Gedanke führte ihn unweigerlich wieder dazu, an Bunny zu denken. Weder der gespielte Kuss einer Klassenkameradin noch Reis Mitbewohner Yuichiro störten Mamoru, aber wenn er an Haruka dachte, wurde ihm ganz heiß vor Eifersucht.
Er überlegte sich in jeder freien Minute, wie er sich mit Bunny aussprechen könnte, doch sie war anscheinend nicht an einer Klärung interessiert. Und nun war er auf diesem Schulfest voller Menschen, mit dem Ziel, sich einmal seiner Freundin zu widmen.
Und da war sie schon wieder, Bunny.
www.youtube.com/watch?v=DxT0XrzjOBI&list=RDDxT0XrzjOBI&start_radio=1