LNCrawler

Schneewittchen

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Schneewittchen

Als Mamoru die Turnhalle betrat, in der Reis Aufführung stattfinden sollte, konnte er seinen Augen nicht trauen. Direkt vor ihm, in der letzten Reihe, sah er diese unverkennbaren Haarknoten. Er wusste nicht, dass Bunny da sein würde, er hatte seit einer Woche nicht mit Rei geredet, weil sie mit dem Schulfest so beschäftigt war, und keine Zeit hatte, umso mehr überraschte ihn der Anblick.

Während auf der Bühne die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, trat Mamoru an die letzte Reihe heran und setzte sich auf einen freien Stuhl neben Bunny. Sie nahm zwar wahr, dass sich jemand neben sie setzte, machte sich aber keine Mühe, aufzuschauen, da sie diese Person sowieso nicht kennen würde, bis er sie ansprach.

„Du hast ein Talent dafür, mir aus dem Weg zu gehen.“, sagte er ihr leise ins Ohr und fixierte sie mit seinem Blick.

Ihr Atem stockte und ihr Herz fing an zu rasen. Sie schaute ihn mit aufgerissenen Augen an und konnte nichts erwidern. Nach einem kurzen Schweigen realisierte sie die Situation.

„Verfolgst du mich?“

„Nein, das ist nur ein Zufall.“, sagte er gelassen und fixierte sie weiter mit seinem Blick.

Sie wich ihm aus und senkte ihren Kopf. Er konnte nicht anders, als sie weiter anzuschauen. Ihr Gesicht wurde nur von den Scheinwerfern der Bühne beleuchtet, die ihre Konturen erkennen ließen. Er konnte seinen Blick nicht von ihr wenden, als hätte er Angst, dass sie ihm wieder entkam.

Es dauerte keine 5 Minuten, bis das Stück begann. Hinter der letzten Reihe versammelten sich weitere Zuschauer, die zu spät gekommen waren, um einen Sitzplatz zu bekommen, aber unbedingt zwei der schönsten Mädchen der Schule zusehen wollten.

Nun konnte Mamoru nicht mehr laut sprechen, da dies andere stören würde und man alles hören würde, was er von sich gab. Dennoch wollte er mit Bunny sprechen. Er schaute nur selten auf die Bühne und es machte keinen Unterschied, ob Rei dort stand oder eine andere ihrer Mitschülerinnen. In diesem Augenblick konnte er an nichts anderes denken als an Bunny, die direkt neben ihm saß und seinen Blicken auswich.

Er beugte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr. „Bist du alleine hier?“

Es dauerte eine Weile, bis ihm etwas eingefallen war, was er sie fragen konnte, doch als er diese Small-Talk Frage ausgesprochen hatte, musste er an Haruka denken und war umso neugieriger auf die Antwort.

Bunny fuhr zusammen und wurde ganz rot. Er kam ihr so nah, dass seine Lippen fast ihr Ohr berührten. Sie spürte seinen heißen, süßen Atem und musste sich zusammenreißen, seinen Blick nicht zu erwidern. Als Antwort schüttelte sie nur den Kopf.

Das bedeutete, dass sie alleine war, überlegte Mamoru und setzte zur nächsten Frage an.

„Wo ist Haruka?“, hauchte er ihr wieder so nah ins Ohr, dass seine Oberlippe ihr Ohr für den Bruchteil einer Sekunde berührte.

Eigentlich quälte er sich nur selbst. Ihr so nah zu kommen, löste so viele Gefühle in ihm aus, die er zu unterdrücken versuchte. Andererseits wollte er nichts anderes. Solange sie hier saßen, konnte er ihr wenigstens für kurze Zeit nah sein.

Bunny antwortete nicht, sie erhob ihren Kopf und funkelte ihn böse an, doch ihr Gesicht verriet, dass sie seine Nähe nicht kalt ließ. Sie hatte rote Wangen und in ihren Blick schlich sich ein Hauch von Sehnsucht. Warum tat er das mit ihr? Warum musste sie ihm immer wieder begegnen? Es war so ein großes Schulfest mit so vielen Menschen, und er hatte sie wieder gefunden. War es ihre Bestimmung?

Bunny entschloss sich, den Rest des Stücks zu schweigen und auch Mamoru besann sich eines Besseren und versuchte, sich auf die Aufführung zu konzentrieren. Er konnte es nur nicht lassen, immer wieder zu Bunny zu schauen.

Als das Stück sich dem Ende zuneigte, begann er zu überlegen. Er musste mit Bunny sprechen, daran führte für ihn kein Weg vorbei, doch er wollte auch Rei nach dem Stück besuchen. Doch wenn er jetzt zu Rei ginge, würde Bunny verschwinden und er würde sie nicht so schnell wieder zu fassen bekommen, schließlich wollte er nicht wie ein Stalker nach der Schule auf sie lauern. Rei wusste ohnehin nicht, dass er sich entschieden hatte, am Samstag und nicht am Sonntag zum Schulfest zu kommen. Er würde einfach morgen noch einmal kommen und sie nach dem Stück besuchen, wie er es sich vorgenommen hatte. Doch jetzt musste er das erledigen, was ihm seit Wochen keine Ruhe ließ, mit Bunny sprechen.

Das Stück war zu Ende und war so gut, dass sich die Zuschauer zu Standing Ovations erhoben, um den Mädchen auf der Bühne ihren Respekt zu erweisen. Für Bunny aber war es das Stichwort zu gehen. Sie hätte Rei gerne zugejubelt, aber sie musste einfach da weg. Sie hatte sich keine Minute auf das Stück konzentrieren können, ständig dachte sie an die flüchtige Berührung von Mamorus Lippen auf ihrem Ohr, seine leise Stimme und die Blicke, die sie die ganze Zeit über auf sich spürte. Es steigerte nur die Sehnsucht nach ihm, die sie so verzweifelt abzuschütteln versuchte. Wieso verlangte er schon wieder von ihr, sich einer, aus ihrer Sicht, geklärten Situation zu stellen? Schon wieder!

Sie sprang auf und ging. Sie musste sich durch die Menge an begeisterten Zuschauern quetschen, um nach draußen zu gelangen. Als Mamoru das merkte, tat er es ihr gleich, erhob sich eilig und folgte ihr. Es war kaum möglich, sie in diesem Gedränge im Blick zu behalten.

Auch Haruka und Michiru verschlug es zum Schulfest der T.A. Privatschule. Sie waren allerdings nicht zum Vergnügen dort, sondern folgten ihren Instinkten. Michiru spürte das Tosen des Meeres, und auch Haruka nahm den Wind wahr. Beiden war klar, dass ein schlimmes Unheil bevorstand, welches sich heute auf diesem Schulfest ereignen würde und das sie verhindern mussten.

Sie schlenderten bereits seit 20 Minuten wachsamen Auges auf dem Schulgelände umher und hofften, einen Anhaltspunkt zu erhalten, wo die Bedrohung lauerte, bis Michiru plötzlich anhielt und an Harukas Arm zog, wo sie sich untergehakt hatte.

„Sieh mal.“, sagte sie und deutete in Richtung der Turnhalle. „Ist das nicht Usagi?

„Ja, und da ist auch Mamoru.“, stellte Haruka missmutig fest. Sein Blick verfinsterte sich.

Beide beobachteten, wie Bunny die Turnhalle verließ, indem sie sich an einem Pulk begeisterter Menschen vorbeidrückte und ziemlich entschlossen davonging. Ihr folgte sogleich Mamoru, der sie zum Anhalten bewegen wollte. Als sie nicht reagierte, ergriff er ihre Hand, wodurch sie zum Stehen kam.

Haruka bemerkte, wie energisch Mamoru auf Bunny einredete und diese sich abwendete und zaghaft ihre Hand wegziehen wollte. Es war offensichtlich, dass sie nicht mit ihm reden wollte. Das schien ihn aber nicht zu interessieren, und sie wollte weg, doch Mamoru ließ ihre Hand nicht los und zog sie in die andere Richtung mit sich. Sie schien ihre Unzufriedenheit zu äußern, doch Mamoru schien entschlossen.

Haruka packte die Eifersucht und sein Beschützerinstinkt wurde wach.

„Ich kann mir das nicht mit ansehen.“, sagte er verstimmt und machte sich in die Richtung auf, in die Mamoru Bunny führte.

Auch Michiru bekümmerte diese Szene. Bunny hatte ihr nicht so viel anvertraut, dass sie daraus etwas schließen konnte, doch was sie sah, gefiel ihr nicht, und sie folgte Haruka.

Mamoru führte Bunny an einen Ort hinter dem Schulgebäude, wo sie fern vom Gedränge des Schulfests waren. Er kam zum Stehen, drehte sich zu Bunny und blickte ihr in die Augen. Ihre Hand hielt er weiter fest, als könnte sie ihm davonlaufen, sobald er sie losließe. Bunny erwiderte seinen Blick nicht.

„Warum meidest du mich oder läufst mir davon?“, fragte Mamoru fast flehend.

Nun schaute sie ihn doch verständnislos an.

„Ist das dein Ernst? Seit…“ Bunny hielt kurz inne und überlegte. Sie wusste gar nicht, seit wann, und setzte fort. „Na, seit du angefangen hast, mich ständig zur Rede stellen zu wollen.“

„Das ist nicht wahr.“

Bunny schaute verdutzt zu ihm. „Du hast mich gerade hierhergeschleppt und willst schon wieder darüber reden. Ich habe aber schon alles gesagt.“

Mamoru sah ein, dass sie nicht ganz unrecht hatte und eigentlich hätte er sich so ein Verhalten selbst nie zugetraut, aber irgendetwas zog ihn immer zu ihr, als wäre er der Mond, der nicht anders konnte, als um sie zu kreisen und der verzweifelte, wenn sie nicht in der Nähe war.

„Es wird verrückt klingen, aber ich kann an nichts mehr anderes denken, als an dich und finde nicht, dass du mir eindeutige Signale gibst.“, sagte Mamoru mit geneigtem Kopf.

„Aber klar!“, reagierte Bunny empört. „Ich habe dir schon mehrfach gesagt, dass ich mit Haruka zusammen bin.“

Bunny ahnte nicht, dass Haruka und Michiru sich hinter einer Ecke versteckten und alles hörten. Haruka wäre sofort dazwischen gegangen, doch Michiru war es wichtig, dass Bunny erst die Gelegenheit hatte, ihre Probleme selbst zu lösen, also zog sie ihn unsanft zurück, damit er nicht schnurstracks in die Auseinandersetzung zwischen Mamoru und Bunny reinplatzte. Still hinter der Ecke zu warten, nervte ihn gewaltig, doch Bunnys Worte zu hören, ließen sein Herz klopfen.

„Ja, das hast du gesagt,“, erwiderte Mamoru. „aber ich spüre, dass da etwas zwischen uns ist. Das willst du doch nicht verleugnen?“

„Ich habe dir doch schon erklärt, dass du mich an jemanden erinnerst, der mir viel bedeutet hat!“, reagierte Bunny trotzig.

„Das kann nicht alles sein. Kannst du mir denn in die Augen schauen und mir ehrlich sagen, dass du Haruka liebst?“ Er fixierte sie mit seinem Blick.

Bunny wusste nicht, was sie darauf entgegnen sollte. Wenn sie ganz ehrlich in sich hineinging, konnte sie diese Tatsache nicht abstreiten. Sie wusste nicht, wie und warum das geschehen war, doch es war so. Aber sie liebte Mamoru nach wie vor mehr als alles andere. Wenn sie sich zwischen ihrem Mamoru und diesem Haruka entscheiden müsste, war die Antwort mehr als klar, aber sie stand nicht vor ihrem Mamoru, und auch, wenn sie sich in diesen Mamoru auch verliebt hatte, war ihr klar, dass das keine Zukunft hatte. Sie konnte ihm nicht versprechen, an seiner Seite zu bleiben, Rei zu verletzten und dann plötzlich zu verschwinden. Haruka wusste um ihre Lage, und ihm war bewusst, dass alles früher oder später vorbei sein könnte, und trotzdem wollte er mit ihr zusammen sein, aber Mamoru wusste es nicht und er würde es nicht verstehen. Das konnte sie ihm nicht antun. Lieber sollte er jetzt kurz leiden, bevor er später noch mehr leiden würde, wenn sie einfach verschwand.

Bunny blickte entschlossen auf. „Ja, ich liebe Haruka!“

Harukas Augen weiteten sich, und sein Herz begann regelrecht zu rasen. Er machte sich keine Gedanken, ob sie das nur sagte, um Mamoru von sich wegzustoßen, oder ob all diese Worte ehrlich waren, doch er fühlte eine Erleichterung. Es bedeutete nicht, dass seine Differenzen mit Bunny aus der Welt waren, doch das würde schon werden, dachte er sich.

„Bunny…“, begann Mamoru wieder, weil er es einfach nicht glauben wollte, doch da traten auch schon Haruka und Michiru hervor und schauten ihn an. Harukas Blick hätte töten können.

Als Bunny sah, das Mamoru an ihr vorbei jemanden anschaute, der gerade erschienen zu sein schien, drehte sie sich um. Kurz dachte sie, dass es Rei oder Unazuki sein könnten, das wäre eine Katastrophe, doch es waren ihre Gefährten. Als sie registrierte, was sie gerade gesagt hatte, lief sie rot an. Hatte Haruka etwas gehört, was sie gesagt hatte?

„Ich finde, das reicht jetzt.“, sagte Haruka in einem barschen Ton.

Haruka trat auf die beiden zu und schaute demonstrativ auf Mamorus Hand, der Bunny immer noch festhielt. Dieser ließ sofort los.

„Beim nächsten Mal werde ich nicht so freundlich bleiben.“, funkelte Haruka Mamoru an.

Er erntete einen bösen Blick von Mamoru, doch gerade jetzt hatte er kein Recht, etwas zu sagen. Er schien tatsächlich Bunnys Freund zu sein, und sie hatte gerade noch ihre Liebe zu ihm zugegeben. Mamoru war unzufrieden, aber er konnte nur aufgeben.

„Komm, Usagi!“, sagte Michiru sanft.

Bunny und Haruka drehten sich um und gingen zu Michiru, um diesen Ort gemeinsam zu verlassen. Bunny drehte sich noch einmal zurück, um Mamoru anzusehen. Ihre Blicke trafen sich und sie sah die Sehnsucht in seinen Augen. Auch er erkannte, dass sie mit dem Ausgang nicht ganz glücklich war, doch nun hatte er so viele Versuche gestartet, sie von seiner Liebe zu überzeugen und ihre wahren Gefühle zu erfahren, oder zumindest, was er glaubte, was ihre wahren Gefühle waren. Er benahm sich verrückt und konnte sich selbst nicht mehr ertragen.

„Ich hoffe, wir haben euch nicht gestört?“, fragte Michiru, als sie um die Ecke gebogen waren und Mamoru nicht mehr in Sicht war. Es war eine etwas scheinheilige Frage.

„Nein. Es wäre auch in Ordnung gewesen, wenn ihr früher gekommen wärt.“, gab Bunny errötet zu, als sie an all ihre Aussagen dachte, die Haruka gehört haben könnte.

Um die Situation zu überspielen, wechselte sie prompt das Thema.

„Warum seid ihr hier? Besucht ihr gerne Schulfeste oder wollte ihr euch auch Reis Stück ansehen?“, fragte sie etwas naiv.

Die beiden kannten Rei nicht so gut, als dass sie ihre Aufführung interessiert hätte.

„Nein, wir spüren, dass hier etwas Böses geschehen wird, darum sind wir hier.“, erklärte Michiru. „Wir haben im Tempel angerufen und Yuichiro sagte uns, dass du hier bist.“

„Ach so.“, entgegnete Bunny und begann laut zu denken. „Wollen die Death Busters uns angreifen, um an die Talismane zu kommen?“

„Nein, sonst hätten sie letztes Mal nicht dich angegriffen. Sie versuchen bestimmt, reine Herzen zu finden, um den Messias der Stille zu erwecken.“, entgegnete Michiru.

„Und, weil du so ein reines Herz hast, haben sie dich zwei Mal angegriffen, Engelchen.“

Bunny blieb stehen und wurde bleich. „Aber das bedeutet, dass Mamoru, Rei und Unazuki in Gefahr sind, wenn sie die Leute ein zweites Mal angreifen!“

Haruka und Michiru schauten sich erschrocken an, an diese Möglichkeit hatten sie nicht gedacht. Noch bevor sie auf Bunnys Worte reagieren konnten, war diese schon losgerannt. Sie wollte zurück zu Mamoru, den sie ganz ohne Schutz zurückgelassen hatten. Natürlich musste er in den 5 Minuten, nachdem sie ihn verlassen hatten nicht in Gefahr geraten sein, aber Bunny hatte plötzlich so ein ungutes Gefühl und wollte ihn in Sicherheit wissen. Er würde sich damit abfinden müssen, mit ihr, Haruka und Michiru Rei nach ihrer Aufführung zu besuchen.

Als Bunny um die Ecke bog, wo sie gerade noch mit Mamoru gestanden hatte, konnte sie nicht fassen, dass es schon zu spät war. Mamoru lag bewusstlos am Boden, und über ihm schwebte Kaorinite und ein Monster mit den Merkmalen einer Schlange. Die Hexe lachte siegessicher und hielt einen Herzkristall in der Hand, der golden schimmerte und hell leuchtete. Sie funkelte Bunny nur kurz an und verschwand im Nichts, so dass man ihr und dem Monster nicht folgen konnte. Bunny sank zusammen.

Als Haruka und Michiru sie einholten und Mamoru da liegen sahen, wussten sie kaum, was sie dazu sagen sollten.

„Kaorinite, es war Kaorinite, sie hat sein Herz.“ Bunnys Stimme zitterte und ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich habe ihn schon wieder verloren.“

https://www.youtube.com/watch?v=mI6K9HR4pwk&list=RDmI6K9HR4pwk&start_radio=1