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Jemand, den ich mal kannte

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Jemand, den ich mal kannte

Bunny war die ganze Nacht wach und zermarterte sich den Kopf. Sie lag sich den Futon leid, der für sie ohnehin nur mäßig bequem war, da sie immer schon ein normales Bett im europäischen Stil gewohnt war.

Die überraschende Gesamtsituation, dass sie niemand mehr wiedererkannte und, dass sie plötzlich kein Dach mehr über dem Kopf hatte, hatten alles andere ausgeblendet. Auch die Tatsache, Mamoru auf diese Weise wiederzusehen und feststellen zu müssen, dass er nun Reis Freund war, hatten sie vollkommen aus der Bahn geworfen. Aber nun machten sich neue Gedanken in ihrem Kopf breit, die sie nicht erwarten konnte, zu überprüfen.

Als alle sich beim Frühstück versammelten und Rei die Einzige war, die an diesem Montag ihre Schuluniform trug, konnte Bunny nicht länger warten und begann vorsichtig, doch etwas ungeschickt zu fragen. „Habt ihr schon mal etwas von Sailor Moon gehört?“

„Wer soll das sein?“, fragte Yuichiro.

„Ist das ein neuer Comic?“, hakte Rei nach.

Bunny stutzte und redete sich wieder raus. „Ja, aber der ist nicht so gut.“

Sie aßen ruhig weiter, bis Bunny den nächsten Versuch wagte. „Rei? Wie alt bist du eigentlich?“

Rei war etwas überrascht. „Ich bin 15.“

Bunny musste sich stützen, um nicht nach hinten zu kippen.

„Wie alt bist du denn Bunny?“, fragte Yuichiro neugierig.

Sie fing sich wieder. „Ich bin 17.“

„Solltest du denn nicht zur Schule gehen?“, legte Yuichiro nach.

Bunny zuckte zusammen, machte sich aber keine Mühe, eine Ausrede zu erfinden, denn sie hatte wahrhaft keine gute Erklärung. „Das ist kompliziert.“

„Lass sie in Ruhe, Yuichiro. Sie wird schon ihre Gründe haben!“, griff Rei ein, sprang auf und verabschiedete sich.

Bunny half nach dem Essen wieder beim Abwasch und machte sich daran, den Hof zu fegen. Sie nutzte diese Gelegenheit, um noch einmal gründlich über alles nachzudenken. Anscheinend befand sie sich in der Vergangenheit, und offenbar gab es in dieser weder Bunny Tsukino noch Sailor Moon. Sollte es wirklich ein Alptraum sein? Oben drauf war Bunny auch besorgt um den Kampf, den sie vor wenigen Tagen gefochten hatte, bevor sie in diesem Park erwacht war. Wo war sie nur gelandet und wie lange musste sie noch in dieser verrückten Hölle bleiben?

Plötzlich schoss Bunny ein Gedanke durch den Kopf. Dass es keine Sailor Kriegerinnen gab, bedeutete nicht, dass die Bösewichte sich zurückhielten. Sie warf den Besen zu Boden und lief sofort zu Yuichiro.

„Yuichiro!“, rief sie aufgeregt. „Welches Datum haben wir heute?“

„21.03.“, sagte Yuichiro verwundert.

„Welches Jahr?“, hakte Bunny etwas genervt nach.

„1994“, antwortete er noch verwunderter.

Bunny erklärte nicht, warum sie diese merkwürdige Frage stellte und lief sofort zu einem großen Baum vor dem Hikawa-Tempel. Es war ein ganz normaler, riesiger Kirschbaum kurz vor der Blüte, mit vielen kleinen Zetteln, die Rei und andere Besucher an ihn gebunden hatten, in der Hoffnung, ihre Wünsche würden sich erfüllen.

Bunny starrte dieses mächtige Gewächs an und überlegte.

‚Es muss hier gewesen sein, hier wurde Rei ihr Herzkristall geraubt. Und es war genau heute vor 2 Jahren!‘

Das versetzte Bunny in höchste Alarmbereitschaft, denn wenn es hier keine Sailor Kriegerinnen gab, würde sie auch niemand retten. Und Bunny konnte nicht riskieren, dass es ein böser Traum ohne Konsequenzen war, sondern musste mit allem rechnen, denn sie hatte schon viele unwahrscheinliche Dinge in ihrem Leben erlebt.

Als Rei nach Hause kam, legte sich Bunny auf die Lauer. Entweder half sie ihr oder versuchte, sie im Auge zu behalten. So verging der Tag und die Stunden, ohne dass sich ein Monster blicken ließ. Auch, wenn es eine möglicherweise monsterfreie Vergangenheit war, in der Bunny gelandet war, konnte sie sich nicht darauf ausruhen, denn die Monster könnten auch zu einer anderen Zeit angreifen, als es das letzte Mal der Fall gewesen war.

Es vergingen einige Tage, ohne dass irgendetwas passierte, und Bunny glaubte allmählich daran, dass es sich um eine friedliche Welt handeln könnte. Ihre Achtsamkeit ließ nach und sie integrierte sich immer mehr in ihr neues Leben im Hikawa-Tempel.

Am darauffolgenden Freitag war sie mit Einkaufen dran, während Rei noch in der Schule war. Sie zog sich eine bequeme Jeans und einen hübschen Pulli an und zog eine pinke Jeansjacke über, holte sich bei Opa das Geld und die Einkaufsliste ab und ging los. Der Einkauf dauerte lange, denn Bunny musste den gesamten Weg zu Fuß gehen, doch das machte ihr nichts aus.

Sie nutzte die Gelegenheit, erkundete die Gegend, bummelte durch die Straßen und schaute, was es in dieser Vergangenheit anderes gab.

Als sie nach zwei Stunden wieder in der Nähe des Tempels war, hörte sie diesen langen, durchdringenden Schrei, den sie schon damals gehört hatte. Sie ließ die Einkaufstaschen fallen und rannte augenblicklich los.

Ihre Brosche trug sie stets bei sich, auch wenn sie fast nicht mehr daran geglaubt hatte, sie zu brauchen.

Zu Eternal Sailor Moon verwandelt, lief sie auf das Monster zu, welches sich gerade Reis Herzkristalls bemächtigte und griff sofort ein.

„Licht des Silbermonds, schein' und heile!“

Das Monster löste sich sofort auf und der Baum, aus dem es entsprungen war, stand etwas versetzt wieder fest im Boden verwurzelt. Sailor Moon wunderte sich zunächst über den allzu leichten Sieg, doch ihr wurde schnell klar, dass sie nicht mehr die kleine, schwache Sailor Moon war, die damals so kläglich versagt hatte.

Sie nahm behutsam den Herzkristall und wollte ihn der bewusstlosen Rei wieder einsetzen, doch sie wurde von einer blitzschnellen Bewegung abgelenkt und der Kristall wurde ihr entrissen.

Mit ihren Augen suchte Sailor Moon panisch nach den Übeltätern und vermutete einen weiteren Feind aus dem Hinterhalt. Doch es waren die Silhouetten zweiter wohlbekannter Gestalten, die sie in einer Baumkrone entdeckte und die sich Reis Herzkristall genauer anschauten, diesen als ungeeignet erachteten und wieder hinunterschickten.

‚Das sind doch nicht etwa...‘, dachte sich Sailor Moon aufgeregt.

Sie fing den Herzkristall auf, setzte ihn Rei zügig wieder ein und nahm die Verfolgung der Gestalten auf.

Ihr war bewusst, dass sie Rei in dieser Lage alleine ließ, doch sie musste hinterher, wenn es nur die geringste Chance gab, jemanden zu finden, der ihr möglicherweise aus der Situation helfen oder ihr zumindest beistehen konnte. Es gelang ihr, die Schatten, die wie der Wind durch die Bäume verschwanden, einzuholen, doch sie dachten gar nicht daran anzuhalten. Um sie zu stoppen, blieb Sailor Moon nichts anderes übrig, als sie zu rufen.

„Uranus, Neptun!“

Doch sie hielten nicht an.

„HARUKA, MICHIRU!“, schrie Sailor Moon aus vollem Halse, da sie keine andere Möglichkeit mehr sah, sie zu erreichen, und es funktionierte.

Die Gestalten hielten an, drehten sich um und kamen bedrohlich auf sie zu.

Sailor Moon erkannte sie sofort, es waren tatsächlich Uranus und Neptun, aber sie schienen ihr ganz und gar nicht wohlgesonnen zu sein.

„Wer bist du?“, fragte Uranus in einem unheilvollen Unterton, und auch Neptun schaute sie misstrauisch an.

„Erkennt ihr mich denn nicht?“, entgegnete Sailor Moon fragend.

Die Erleichterung, dass es doch Sailor Kriegerinnen gab, wich der Sorge, dass diese sich nicht mit ihr verbünden würden, so feindselig, wie sie ihr gegenübertraten.

Sailor Moons Blick wurde bitter, denn auch diese ihr wohlbekannten Sailor Kriegerinnen wussten nicht, wer sie war. Sie musste sich zusammenreißen.

„Ich bin Eternal Sailor Moon.“

„Woher kennst du unsere richtigen Namen?“, fragte Uranus fauchend, wie ein in die Enge getriebenes Raubtier.

„Ich werde euch alles erklären. Bitte kommt in einer Stunde zum Crown-Café. Ihr seid die einzigen, denen ich noch vertrauen kann. Bitte vertraut auch mir!“

Sailor Moon wartete nicht und sprang direkt davon, denn sie konnte und wollte Rei nicht länger alleine lassen. Die beiden Kriegerinnen schauten ihr hinterher, die Blicke voller Sorge um ihre Identität und Mission.

Als Rei erwachte, saß Bunny neben ihr.

„Was ist passiert?“, fragte sie angeschlagen, doch plötzlich war alles wieder da und Reis Blick wurde panisch. „Oh mein Gott!“

„Mach dir keine Sorgen, es ist alles wieder gut. Da kam ein Mädchen und hat das Monster besiegt.“, beruhigte Bunny sie sanft. „Kannst du aufstehen oder soll ich Yuichiro rufen?“

„Nein, nein.“ Rei stand auf und wurde von Bunny langsam wieder zum Tempel begleitet.

Bunny verdonnerte Yuichiro dazu ein Auge auf Rei zu werfen, denn sie musste in 30 Minuten im Crown-Café sein. Sie sammelte die Einkaufstüten ein, die sie auf den Stufen zum Tempel verloren hatte, verfrachtete sie in die Küche und rannte los.

Es war ein komisches Gefühl, das Café zu betreten. Sie musste sofort an die vielen schönen Stunden mit Rei, Makoto, Minako und Ami denken, und auch an die netten Pläuschchen mit Unazuki, welche sie nun keines Blickes würdigte.

Bunny war etwas abgehetzt, aber sie hatte es geschafft pünktlich dort zu sein, doch egal wo sie hinschaute, Haruka und Michiru waren nirgends zu sehen. Sie entschloss sich zu warten und genehmigte sich einen Milchshake, da es unhöflich wäre, den Platz sinnlos zu blockieren. Sie hatte sich einen Platz ausgesucht, von dem aus sie den Eingang gut überblicken konnte und wartete, bis die beiden kamen.

Es vergingen 30 Minuten, in denen nichts geschah. Bunny war hin- und hergerissen. Sollte sie es aufgeben und nach Hause gehen oder sollte sie noch warten? Was, wenn sie dann kämen, wenn sie das Lokal gerade verlassen hätte?

Die Glasschiebetür öffnete sich und da standen sie, Haruka und Michiru, in ihren Schuluniformen. Bunny erwartete, dass sie sie sahen und direkt auf sie zukamen, doch sie blieben stehen und schauten sich um, obwohl ihre Verabredung beinahe vor ihnen saß. Bunny hatte es noch nicht verinnerlicht, dass niemand sie erkannte, doch es tat nicht mehr so weh. Sie stand auf und schaute die beiden unverhohlen und ernst an.

Als sie sich zu Bunny setzten, sprachen Haruka und Michiru kein Wort, sie starrten sie nur mit einem misstrauischen und argwöhnischen Blick an. Bunny erwartete nicht, dass sich die beiden sofort öffnen würden, denn schließlich schien sie eine Fremde zu sein, die sie enttarnt hatte.

„Mein Name ist Usagi Tsukino und ich bin, wie ihr, eine Sailor Kriegerin.“, sagte sie leise, aber bestimmt, damit sie die anderen Gäste nicht hören konnten.

Das brachte die beiden aber nicht dazu, ihr Schweigen zu brechen und Bunny schnürte es die Kehle zu. Sie senkte ihren verzweifelten Blick und konnte diese Reaktion kaum ertragen, doch es gab kein Zurück.

„Ich komme aus einer Zukunft, in der wir Freunde sind. Ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin und wieso mich niemand wiedererkennt, nicht einmal meine Mutter, aber ich war so glücklich, andere Sailor Kriegerinnen zu sehen, dass ich dachte, ich wäre nicht alleine, aber ich habe mich wohl geirrt.“

„Was soll das bedeuten, du kommst aus der Zukunft.“, brach Michiru skeptisch das Schweigen.

„Das ist die Dümmste, was ich je gehört habe.“, fügte Haruka abfällig hinzu.

„Woher sollte ich denn sonst wissen, wer ihr seid?“, fragte Bunny verzweifelt.

„Du hast gesehen, wie wir uns verwandeln.“, reagierte Haruka. „Wenn du sowas behauptest, dann nenn uns wenigstens gute Gründe, warum wir dir das glauben sollten!“

„Du bist Rennfahrer und du bist Malerin und Geigerin.“

„Das weiß doch jeder!“, entgegnete Haruka schnippisch.

Bunny wollte sich nicht damit abfinden, dass man sie zur Lügnerin erklärte und legte los. „Ihr spürt die drohende Gefahr auf der Erde durch den Wind und das tosende Meer, ihr seid auf der Suche nach drei Talismanen und dem Messias und ihr wollt die Auferstehung des Messias der Stille verhindern. Ihr tragt die Schuluniform der Mugen-Schule, da ihr vermutet, dass das Unheil von dort aus ausgeht.“, flüsterte Bunny sehr bestimmt.

Nun änderten sich die Blicke der beiden.

„Woher weißt du das alles?“, fragte Michiru misstrauisch.

„Weil ich aus der Zukunft komme und das alles hinter mir habe, aber die Vergangenheit, die ich erlebt habe, war anders. Jetzt kennt mich keiner mehr und ich kann niemandem sagen, was ich euch gerade erzählt habe, weil mir niemand glauben würde.“ Bunnys Stimme klang traurig und hoffnungslos.

„Du scheinst das Ganze überlebt zu haben.“, stellte Haruka fest. „Dann kannst du uns doch bestimmt sagen, wo wir die Talismane und die Übeltäter finden!“

„Ja.“, sagte Bunny optimistisch, doch als sie loslegen wollte, stutzte sie. Ihr Blick wurde leer und sie packte sich an den Kopf, als würde sie Schmerzen empfinden.

„Was hast du?“, fragte Michiru besorgt.

„Ich weiß es nicht, es ist weg, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.“

„Dann hat das hier alles keinen Sinn.“ Haruka stand auf und forderte auch Michiru auf, zu gehen.

Bunny blieb alleine und hoffnungslos zurück.

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