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Der Messias der Stille

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Der Messias der Stille

Dr. Tomoe und Mistress 9 betraten das Labor des Doktors. Es war ein dunkler, riesiger Raum mit verschiedenen technischen Vorrichtungen. Überall führten Rohre entlang, und hin und wieder hörte man ein Zischen oder Poltern, das diese verursachten. Mehrere Säulen ragten hervor und stützten die Decke. Der Doktor hatte diesen Raum in weiser Voraussicht errichtet, da er wusste, dass sein Unterfangen nicht in einem winzigen Labor stattfinden konnte.

Er führte Mistress 9 zu einer Vorrichtung, ein gläserner Zylinder, an dem viele Kabel angebracht waren, um ihn mit Energie zu speisen. Als er einen großen roten Druckknopf betätigte, begann der Zylinder zu leuchten, und der Doktor drehte sich zu Mistress 9.

„Es ist alles bereit, endlich.“, sagte er, gefolgt von einem wahnsinnigen Lachen. „Wenn du erst den heiligen Gral in deinen Händen hältst, Messias, und ihn mit dieser Anlage hier verbindest, dann wird das Licht der Dunkelheit bis zum Planeten Tao Nebula erstrahlen und das Licht wird den großen Pharao zu uns führen, den großen Meister Pharao, der aus der unendlichen Energie der Dunkelheit besteht. Wenn er auf dieser Welt erscheint, wird sie vernichtet werden und für ewige Zeiten in Dunkelheit gehüllt sein. Ha ha ha ha! Die Zeit der Lebensenergie ist vorbei. Die Energie der Dunkelheit wird von nun an regieren und das Licht des Lebens für immer auslöschen.“

Bunny, Haruka, Michiru und Hotaru standen vor dem Schulgebäude und schauten es gebannt an. Es war umgeben von einer dunklen und bedrohlichen Aura. Es galt nun, sich dem Feind zu stellen.

„Wir sollten uns sofort verwandeln!“, sagte Bunny entschlossen. „Ich bin nicht mehr sicher, was passieren könnte, darum dürfen wir nicht unvorbereitet sein.“

„Dann verlieren wir keine Zeit.“, erwiderte Haruka.

Die drei Kriegerinnen verwandelten sich noch an Ort und Stelle, nur Hotaru stand daneben und schaute ihnen gebannt zu.

Als die Verwandlungen abgeschlossen waren, drehte sich Sailor Moon zu Hotaru. „Du solltest erstmal in Sicherheit hier warten, es ist noch zu gefährlich für dich.“

„Nein.“, sagte Hotaru zur Überraschung aller. „Ich weiß, dass ich noch nicht helfen kann, aber…“

Uranus unterbrach sie streng. „Das können wir nicht verantworten.“

„Ich bitte euch, wenn ihr meine Hilfe braucht, weiß ich nicht, ob ich euch dort drinnen finde, und wenn ich auf Feinde treffe, weiß ich auch nicht, ob ich sie besiegen kann.“, argumentierte sie.

Aber es half alles nichts, keine der drei Kriegerinnen konnte sich vorstellen, dass Hotaru dort in ihrer jetzigen Form überleben würde. Sie konnte sich mit keinem Argument durchsetzen, denn es war zu gefährlich, solange ihre Kräfte nicht vollständig erwacht waren. Natürlich war Sailor Moon bewusst, dass sie das letzte Mal sich und auch sie beschützt hatte, doch es bestand immer noch die geringe Möglichkeit, dass es ein Zufall war und sie diesen Effekt nicht wiederholen konnte. In diesem Fall wäre sie eine Last, denn dann müsste man sie, zusätzlich zum Kampf gegen das Böse, auch noch beschützen.

„Bitte warte hier, Hotaru. Wenn wir dich brauchen, werde ich einen Weg finden, dich zu rufen.“, sagte Sailor Moon sanft.

Die drei Kriegerinnen drehten sich um und schritten auf das Gebäude zu, doch es sollte nicht bei einer düsteren Aura bleiben, die es umgab. Plötzlich erhob sich eine riesige Kuppel um das Hochhaus und verschloss den Weg.

„Was ist das?“, bemerkte Neptun entsetzt.

„Sie wollen offensichtlich verhindern, dass wir eindringen.“, antwortete Uranus ungehalten.

„Oh nein!“, rief Sailor Moon erschrocken, weil ein Bruchstück der alten Erinnerungen wiederkam. „Es könnten gleich Monster kommen, und wenn wir nicht aufpassen, dann ist Hotaru jetzt schon in Gefahr!“

„Wie meinst du das?“, frage Uranus, doch da war es schon zu spät.

Plötzlich schnellten Monster durch die Kuppel, die wie Geschosse auf sie zurasten. Sie sahen alle gleich aus, waren grässlich pink, schleimig und zogen sich wie Gummi. Sie umringten die Kriegerinnen und begannen, sie niederzuringen. Nacheinander feuerten Uranus, Neptun und Sailor Moon ihre Waffen ab, doch diese Masse an Monstern war schier unerschöpflich und griff unermüdlich immer wieder an. Sailor Moon konnte sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren und musste immer wieder zusehen, wie sie Uranus und Neptun aus den Fängen der Ungeheuer befreite. Hotaru hatte sich erfolgreich versteckt, doch auch sie konnte nicht ewig verschont bleiben. Und als Sailor Moon sah, dass Hotaru nun doch entdeckt wurde und ihr zur Rettung eilte, musste sie Neptun und Uranus den Rücken zudrehen. Gerade noch so konnte sie Hotaru retten, die einen Angriff der Monster so nicht überlebt hätte, doch sie verlor ihre Gefährtinnen. Beide wurden von den Monstern umwickelt und mit einer Wucht zu der Kuppel und dann in sie hineingezogen. Als das vollbracht war, zogen sich die Monster zurück und hefteten sich wie eine Schutzschicht an die Kuppel.

„Uranus, Neptun!“. Sailor Moon konnte nicht glauben, dass das gerade geschehen war. Sie stellte sich vor die Kuppel und Hotaru trat zu ihr.

Wie sollten sie diese Barriere durchdringen? Sailor Moon erkannte, dass hier nicht Kraft, sondern Geschwindigkeit das Problem war. Sie spürte keinen Schaden, wenn sie durch diese, im Verhältnis, schwachen Monster angegriffen wurde, doch sie würden es schaffen, sie handlungsunfähig zu machen, und bis sie sich aus den Fängen befreien würde, würde zu viel Zeit vergehen. Sie alle auf einmal zu vernichten, hatte nicht funktioniert, weswegen sie in diesem Hinblick ihre Kräfte durchaus schonen konnte. Die größere Gefahr bestand darin, dass es ihr bei der Masse an Monstern schwer fallen würde auch Hotaru zu beschützen, denn ihre Kräfte waren noch unvorhersehbar. Sie musste es dennoch versuchen, sich einen Weg in die Kuppel zu bahnen, denn ihre Freunde Michiru und Haruka konnte sie ebenfalls nicht im Stich lassen.

„Tritt zurück, Hotaru!“

Diese folgte Sailor Moons Bitte und trat zehn Schritte nach hinten.

„Ich werde jetzt versuchen, uns einen Weg in die Kuppel zu schaffen. Wenn ich es geschafft habe, rennen wir zusammen rein.“

„Darf ich also doch mit?“

„Hier draußen ist es genauso gefährlich, wie es drinnen sein wird, aber ich kann dich wenigstens beschützen.“, gab Sailor Moon zu.

Sie atmete tief durch und erhob ihren Stab. Sie wollte gerade ihre Macht entfalten, sich einen Weg durch die Kuppel zu bahnen, doch diese biestigen Monster ließen ihr keinen Augenblick Zeit dazu. Sie schnellten wieder aus der Barriere hervor und wickelten sich um ihre Taille und ihren Stab und rangen sie nieder.

„Nein!“, schrie Sailor Moon.

Hotaru konnte die Situation nicht einschätzen und konnte auch nicht helfen, sie hatte keine Macht. Doch als sie sah, wie Sailor Moon vor ihren Augen übermannt wurde, glaubte sie fest daran, dass es ihr Ende war. Sie rannte zu Sailor Moon und fing an, an den Wickeln zu ziehen, um sie zu befreien.

„Hotaru, lauf weg!“, rief Sailor Moon ihr warnend zu. „Sie können mich nicht töten!“

Doch Hotaru konnte es nicht, sie wollte Sailor Moon nicht im Stich lassen und machte einfach weiter. Sailor Moon verstand nicht, warum Hotaru so unvernünftig war. Warum wollte sie sie, so ganz ohne Kräfte, beschützen? Aber Sailor Moon wusste, dass sie nicht anders gehandelt hätte und auch jemanden beschützt hätte, der sie zurückgewiesen hätte. Doch nun konnte sie nur zusehen, wie Hotaru selbst von den Monstern umschlossen wurde. Sie hatte Angst und schrie vor Schmerzen, bis sie in den pinken Wickeln vollkommen verschwunden war und es plötzlich still wurde.

„Hotaru! Nein!“, rief Sailor Moon verzweifelt und zerrte nur noch mehr an den Wickeln.

Hotaru war doch nur ein einfaches Mädchen, warum war sie nur so stur? Sailor Moon dachte, dass es zu spät war und sie Hotaru im Inneren des Kokons getötet hätten, aber dann spürte sie wieder diese Macht, die sie auch letztes Mal gespürt hatte, als Hotaru in die Enge gedrängt wurde. Es erstrahlte ein helles Licht, das durch die Wickel drang und plötzlich wurden die Monster förmlich von einer Macht zerrissen. Vor Sailor Moons Augen erschien Sailor Saturn.

Sailor Moon war noch gefesselt und starrte zu ihr auf. Es war unglaublich, aber Sailor Saturn war tatsächlich erwacht.

Sie schwang ihre Sense, durchtrennte die Wickel, die sich um Sailor Moon schlangen. Befreit von den Monstern saß sie auf dem Boden und starrte nur ungläubig auf. Saturn reichte ihr die Hand und Sailor Moon erhob sich.

„Wenn ich erwacht bin, ist die Bedrohung sehr nah.“, sagte sie besorgt und holte ihre Gefährtin wieder ins Hier und Jetzt.

„Wir müssen da irgendwie reinkommen.“, reagierte Sailor Moon und biss sich auf die Unterlippe. „Ich mache mir Sorgen um Uranus und Neptun!“

Gerade als sie das ausgesprochen hatte, formierte sich die Flut aus Monstern neu und begann, sie erneut anzugreifen. Saturn schwang beherzt die Sense und schnitt einen großen Spalt in die Kuppel, während Sailor Moon die Monster vernichtete, die unaufhörlich angriffen.

„Los, Sailor Moon, wir müssen schnell dadurch, es beginnt, sich wieder zu schließen!“, rief Saturn und rannte los.

Sailor Moon fegte noch einmal den Platz leer und folgte ihr schnellen Schrittes. Sie schafften es gerade so, in die Kuppel zu gelangen, bevor sich der Spalt schloss, doch auch hier machten die Monster nicht Halt. Saturn und Sailor Moon rannten weiter, bis sie endlich die Eingangstür des Hochhauses erreichten. Es war mal eine Schiebetür aus Glas gewesen, die zersplittert war. Die beiden liefen hinein, und die Scherben knirschten unter ihren Schuhen, erst dann hielten die Monster inne und die Kriegerinnen konnten verschnaufen.

Sailor Moon stützte ihre Hände auf die Knie, in einer Hand den Mond Stab.

„Warum haben sie angehalten?“, fragte Sailor Moon mit einem Blick zurück durch die Tür.

„Vermutlich, weil hier etwas schlimmeres herrscht.“, erwiderte Saturn.

„Ich dachte, wir schaffen es gar nicht.“, japste Sailor Moon vollkommen außer Atem und richtete sich dann mit einem Lächeln auf. „Ich bin froh, dass du endlich erwacht bist, Saturn.“

Diese erwiderte das Lächeln.

„Ich denke, wir müssen zu Papas Labor.“, sagte Saturn nach einer kurzen Pause. „Ich war da zwar nie drin, aber ich weiß, wo das ist.“

Sailor Moon dachte sich erleichtert, dass sie doppeltes Glück hatte, denn alleine hätte sie sich dumm und dämlich gesucht.

Als sie losliefen und sich endlich die Zeit nahmen, sich umzusehen, stellten sie fest, dass die Eingangshalle, in der Sailor Moon schon vor einigen Monaten gewesen war, nicht mehr dieselbe war. Es gab Risse in den Wänden und vereinzelt lagen Trümmer herum. Sie konnten nur hoffen, dass das Gebäude nicht über ihnen einstürzte.

Die Stimmung war bedrückend und die Sorge um Uranus und Neptun präsent. Warum die beiden hineingezogen wurden, war Sailor Moon ganz klar, es waren die fehlenden Talismane, die die Bösen benötigten, um den heiligen Gral zu erschaffen. Was genau sie damit vorhatten, wusste sie nicht, doch es konnte nur mit der Zerstörung der Erde zu tun haben.

Sailor Moon hielt es für richtig, dass Saturn alles wusste, um sie im Notfall unterstützen zu können, weswegen sie ihr auf dem Weg durch die Schule alles erklärte.

Als sie die Eingangstür zum Labor erreicht hatten, war diese verschlossen. Aber sie wollten und konnten keine Zeit verlieren, weswegen Saturn erneut die Sense schwang und die Tür spaltete. Es war nicht die Sense selbst, die die Barriere zum Zerbersten brachte, sondern eine klingenscharfe Energie, die der Sense entwich und eine unheilvolle Macht besaß.

Sie stiegen über die Trümmer und sahen ein düsteres Bild vor sich. Vor ihnen stand eine Frau erhaben und dunkel. Sailor Moon und Saturn schauten unwillkürlich zu ihr und erkannten ihr Gesicht. Saturn sah die Assistentin ihres Vaters, der sie so oft das wunderschöne dunkelgrüne Haar gekämmt hatte, und Sailor Moon erkannte ihre Gefährtin Sailor Pluto, doch ihr Blick war nicht derselbe. Sonst so sanft und überlegt, sah diese Setsuna einfach nur böse und bedrohlich aus.

Sailor Moon hielt inne und bemerkte im Augenwinkel, dass sie nicht die einzige Person in diesem Raum war. Der Doktor lag bewusstlos am Rand des Labors am Boden. Uranus und Neptun waren mit langem dunkelgrünem Haar an zwei tragenden Säulen des riesigen Labors gefesselt und schienen ebenfalls ohne Bewusstsein zu sein.

‚Was ist hier nur passiert?‘, fragte sich Sailor Moon.

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