LNCrawler

Täuschung der Zeit

Böses Erwachen — www.fanfiktion.de · All chapters

Täuschung der Zeit

Vielen lieben Dank für die tollen Rezensionen, Herzen und Sterne bis hierhin.

Ich freue mich schon auf eure Meinung zum weiteren Verlauf der Geschichte.

LG

Bunny war deprimiert. Sie merkte, dass ihre Erinnerungen schwanden. Sie vergaß nicht, wer sie war oder wer die Menschen waren, die sie umgaben, aber Ereignisse, die mit dem Kampf gegen das Böse zu tun hatten, lösten sich auf und es blieben nur noch Bruchstücke übrig. Und auch ihre Ohnmacht gegen das Böse erschien ihr unüberwindbar. Sie war zwar in der Lage, einzelne Monster zu besiegen, aber was wäre, wenn sie auf eine der Hexen treffen oder es tatsächlich eskalieren würde? Sie glaubte, alleine keine Chance zu haben.

Sie zog die Schublade aus ihrem Schreibtisch, holte einen Notizblock und einen Stift heraus und begann, alles aufzuschreiben, was sie noch wusste, um wenigstens eine geringe Chance zu haben, dem Gegner zuvorzukommen, doch es war bei weitem nicht genug, woran sie sich erinnern konnte.

Nachdem sie das beendet hatte, setzte sie sich wieder auf die Veranda und blickte ins Leere. Sie war so erschöpft von dieser Belastung, dem Gefühl, alleine zu sein und verrückt zu werden. Am liebsten hätte sie sich in Luft aufgelöst, statt hier in Einsamkeit zu verharren. Wenn wenigstens Luna da wäre und ihr beistehen würde, aber da war keiner, der sie verstehen konnte.

„Alles in Ordnung, Bunny?“, fragte Rei, die sie da schon eine Weile sitzen sah.

„Eigentlich nicht.“, antwortete Bunny, und plötzlich begannen Tränen aus ihren starren Augen zu fließen.

„Du kannst mit mir reden, ich weiß nicht, ob ich dir helfen kann, aber ich kann es wenigstens versuchen.“, sagte Rei sanft.

„Glaubst du, dass wir in einer friedlichen Welt leben?“, fragte Bunny immer noch mit dem leeren Ausdruck in ihren Augen.

Rei schaute sie mit einem unruhigen Blick an. „Wieso fragst du das?“

„Hast du Visionen?“ Bunny war es nun fast egal, ob man sie für verrückt halten würde.

Rei schaute sie beinahe ängstlich an. „Ja, aber woher…?“

Bunnys Blick wandelte sich, denn diese Visionen musste sie haben, weil sie immer noch die Wiedergeburt von Sailor Mars war. Nun schaute Bunny Rei in die Augen.

„Es sind Visionen von der Zerstörung der Erde, nicht wahr?“

Rei wusste nicht, was das zu bedeuten hatte. Woher konnte dieses fremde Mädchen, das aus dem Nichts kam und kein Zuhause hatte, diese Dinge wissen, die sie nicht einmal Mamoru oder ihrem Opa anvertraut hatte?

„Wer bist du?“, fragte Rei fassungslos.

„Ich habe die gleichen Träume, aber in meinen Träumen gibt es Hoffnung. Das Mädchen, das dich gerettet hat, wird bestimmt nicht aufgeben, bis sie die Welt gerettet hat.“ Bunny lächelte.

Rei empfand diese Situation als höchst merkwürdig, doch Bunnys Worte waren auf ungeahnte Weise beruhigend und tröstend. Beide saßen noch eine Weile so da und unterhielten sich. Sie sprachen über ihre Vergangenheit, und die Träume für die Zukunft und die Hoffnung für die Erde. Bunny verriet nicht, wer sie wirklich war, aber beide spürten, dass zwischen ihnen eine Verbindung entstanden war, die keiner mehr durchtrennen konnte.

Bunny hatte an einem Dienstagnachmittag keine Aufgaben im Tempel und beschloss, in die Spielhalle zu gehen, um etwas Zerstreuung zu suchen. Sie hatte schon lange keine Zeit mehr an Automaten verbracht und wollte sehen, ob sie es endlich schaffen würde, das elende Sailor V Spiel zu knacken, an dem sie früher immer so verzweifelte.

Sie ging in das Crown Gamecenter und hoffte, einen Blick auf Motoki zu erhaschen, der sie zwar nicht wiedererkennen würde, doch sie wollte einfach sein freundliches Gesicht sehen. Tatsächlich war zu dieser Zeit recht wenig los, Motoki hatte nicht viel zu tun und hatte der unbekannten Blondine beim Spielen zugeschaut und ein wenig Smalltalk gehalten. Für Bunny war es erfrischend, nicht ignoriert oder angefaucht zu werden. Sie erinnerte sich daran, wie sie Motoki damals auf ähnliche Art und Weise kennenlernte, und wie sie für ihn schwärmte. Es war ein Moment in dieser schweren Zeit, der ihr ein behagliches Gefühl gab, ein Gefühl, das sie so dringend brauchte.

Sie verabschiedete sich herzlich, und Motoki lud sie ein, bald wieder vorbeizukommen, was sie ihm fest versprach. Sie ging rückwärts, winkend durch die Glasschiebetür, und da war es schon geschehen, sie stieß mit Mamoru zusammen.

„Kannst du denn nicht aufpassen?“, blökte er sie an.

Als Bunny realisierte, wer gerade in sie reingerannt war, zog sich alles in ihrer Brust zusammen, doch dieser Kerl hatte nichts von dem charmanten Mamoru, der sich am Flughafen mit ihr verlobt hatte. Ganz im Gegenteil war es ein auf Krawall gebürsteter Typ, der sich nicht mal entschuldigte, wenn er ein Mädchen umrempelte. Sie konnte ihn nur ungläubig anstarren.

„Was glotzt du denn so, Weichbirne? Hat es dir die Sprache verschlagen?“, moserte er weiter rum.

Bunny riss sich zusammen. „Musst du gerade sagen, schließlich hast du doch gesehen, dass ich aus der Tür gehe.“

„Hat dir eigentlich schon einmal jemand gesagt, dass du frech bist?“

„Na und? Wen stört das schon, der nette Typ aus der Spielhalle fand mich eben gar nicht frech.“

„Der hat wohl Tomaten auf den Augen. Kein Mann, der bei Verstand ist, kann dich nett finden.“

Bunny traf es, so etwas aus dem Mund ihres Geliebten zu hören, doch es war nicht mehr ihr Geliebter, es war nun der Geliebte von Rei. Bunny war den Tränen nahe, doch sie wollte nicht nachgeben und verlieren, nicht gegen dieses verzerrte Abbild eines Mannes, der einst ihr Schicksal war. Mamoru schien Bunnys Sprachlosigkeit zu genießen und fühlte sich schon als Sieger in dieser Auseinandersetzung. Plötzlich tauchte ein stattlicher junger Mann hinter Bunny auf und legte seinen Arm um ihre Schulter.

„Alles in Ordnung, Engelchen? Oder hat er dir was getan?“

Bunny blickte verdutzt zur Seite, und neben ihr stand tatsächlich Haruka Tenou. Sie war wie erstarrt, und da sonst keiner einen Ton rausbrachte, schaute Haruka Mamoru feindselig in die Augen und sprach einfach weiter.

„Ich würde sagen, dass ich sehr wohl bei Verstand bin.“ Ihre Augen verengten sich. „Wenn ich noch einmal erlebe, dass du meine Freundin ärgerst, werde ich nicht mehr so freundlich bleiben.“

Haruka nahm Bunny an der Hand und ging mit ihr davon. Diese blickte noch einmal zurück. Dieses Mal schaute Mamoru ihr hinterher, doch es war eher der fassungslose Blick eines Mannes, der einem anderen Mann unterlegen war.

Die Glastür des Gamecenters öffnete sich, und Motoki trat heraus. „Hallo Mamoru. Kennst du das Mädchen?“

„Hallo Motoki. Nicht wirklich, sie ist die neue Mitbewohnerin von Rei.“

„Warum habt ihr euch denn gestritten?“, fragte Motoki neugierig.

„Eigentlich wegen nichts, aber jedes Mal, wenn ich sie treffe, beschmeißt sie mich mit Müll oder rempelt mich um, und regt sich dann auf.“

Motoki lachte. „So wie es gerade aussah, hast DU dich aufgeregt.“

„Bei ihr kann ich einfach nicht anders. Unglaublich, dass sie einen Freund hat, der auch noch auf eine Privatschule geht.“

„Ich weiß ja nicht, ich finde sie unheimlich nett und ziemlich süß.“

„Aber sonst geht’s dir gut?!“ Mamoru lachte, und beide gingen wieder rein.

Ein paar Ecken weiter blieb Haruka stehen, ließ Bunnys Hand los und drehte sich um.

„Aber Haruka?“ Bunny schaute sie mit großen Augen an.

„Du hast wohl gerade meinen Beschützerinstinkt geweckt.“, grinste Haruka. „Aber ich habe sowieso nach dir gesucht.“

„Was?“, fragte Bunny verwundert.

„Ich musste lange darüber nachdenken, was du uns erzählt hast, und wir haben beschlossen, dir zu glauben. Wenn wir nur den geringsten Anhaltspunkt bekommen können, wird uns das weiterbringen. Und eine weitere Kriegerin an unserer Seite kann auch nicht schaden.“

Bunny konnte ihre Tränen kaum unterdrücken. Sie konnte es einfach nicht glauben.

„Nun wein doch nicht.“ Haruka reichte ihr ein Taschentuch. „Beruhig dich erst einmal, und dann reden wir über die ganze Sache.“

Sie saßen auf einer Bank und Haruka sah Bunny eine Weile zu, wie sie weinte. Es war, als wäre eine große Last von ihren Schultern gefallen, und sie konnte nicht fassen, welches Glück sie hatte. Auch dass sie sie vor diesem harschen Mamoru beschützt hatte, bedeutete ihr so viel.

„Wer war der Kerl?“, fragte Haruka, nachdem Bunny endlich die letzten Tränen aus ihrem Gesicht gewischt hatte.

„Das war mein Freund.“

„Wie bitte?!“

„Nein, nicht in dieser Zeit. Früher war ich mit ihm zusammen und es war unser Schicksal, irgendwann einmal zu heiraten, doch in dieser Welt weiß er nicht, wer ich bin und ist der Freund meiner Freundin.“

„Ich finde diese Umstände immer noch merkwürdig. Wir sollen uns in einer anderen Zukunft schon einmal begegnet sein?“, fragte Haruka ungläubig mit einem Blick in den Himmel.

„Ja, aber das letzte Mal war ich viel jünger als du, dieses Mal sind wir wohl gleich alt.“, lachte Bunny.

„Und wie haben wir uns kennengelernt?“

„In der Spielhalle, vor der du mich gerade getroffen hast. Ich habe dort mit Minako ein Rennspiel gespielt und du hast uns herausgefordert.“, erzählte Bunny wehmütig.

„Minako?“

„Das war meine Freundin, aber ich weiß nicht, wie es ihr geht. Ich weiß nur, dass sie in der Zukunft, aus der ich komme, nicht mehr existiert.“ Bunny senkte den Blick zu Boden, denn sie erinnerte sich plötzlich an ihre gefallenen Freundinnen und den Kampf, den sie gegen Galaxia gefochten hatte.

„Willst du wissen, was sie gerade macht?“

„Das kannst du mir sagen?“, fragte Bunny aufgeregt.

„Ich kenne da einen Privatdetektiv, der mir noch einen Gefallen schuldet.“

Bunny war überglücklich und begann, Namen runterzurattern, bis Haruka sie stoppte und ihr einen Zettel und Stift in die Hand drückte. Am Ende des Zettels schrieb Bunny ihre Telefonnummer auf, unter der Haruka sie erreichen konnte und bat auch sie um ihre Nummer. Als das erledigt war, musste Bunny noch etwas loswerden.

„Warum hast du eigentlich behauptet, ich sei deine Freundin?“

Haruka stand auf, ging einen Schritt und drehte sich noch einmal zu Bunny um. „Hat doch geholfen. Wir sehen uns, Engelchen.“

Bunny schaute ihr nur verwundert hinterher.

Zufrieden, dass sie nun doch etwas erreicht hatte, begann sie zuhause, mit Rei die Talisman-Verkäufe für den kommenden Tag vorzubereiten.

„Mein Freund Motoki hat mich vorhin angerufen, das ist der Junge aus der Spielhalle, in der du gerade warst.“, begann Rei.

Bunny schaute sie überrascht an. Natürlich wusste sie, wer Motoki war, aber dass er und Rei befreundet waren, wunderte sie.

‚Woher weiß er, dass ich hier wohne?‘, dachte sie sich.

„Er hat gesehen, wie du und Mamoru euch gestritten habt. Manchmal ist mein Freund etwas aufbrausend. Das darfst du ihm nicht übelnehmen.“, entschuldigte sich Rei stellvertretend.

„Ist schon in Ordnung, das ist wohl Schicksal.“, seufzte Bunny. Sie dachte an ihr erstes Jahr als Kriegerin für Gerechtigkeit und die ständigen Streitereien zwischen ihr und Mamoru.

„Aber Motoki hat erzählt, dass dein Freund dich verteidigt hat. Das ist so romantisch.“, schwärmte Rei ein wenig.

Bunny musste verschämt lächeln. „Das ist ein Missverständnis! Das ist nicht mein Freund, das ist nicht mal ein Junge, sie sieht nur so aus... Und sie hat auch eine feste Freundin.“

„Wie meinst du das?“ Rei verstand es nicht ganz.

„Haruka ist sehr maskulin und trägt gerne Männerkleidung.“, erklärte Bunny.

„Ach so!“ Beide begannen zu lachen.

https://www.youtube.com/watch?v=BDfCKxWAvIg&list=RDBDfCKxWAvIg&start_radio=1