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Das Monster beim Laser Tag

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Das Monster beim Laser Tag

Mamoru saß mit verschränkten Armen und einem genervten Gesichtsausdruck im Crown Café und schaute in Reis eindringlich blickende Augen. Im Game Center war eine Menge los, trotzdem nahm sich Motoki die Zeit, um Rei zu unterstützen.

„Was ist denn neulich eigentlich passiert?“, fragte Rei ein wenig angesäuert. „Bunny hat mir erzählt, du wärst wieder gemein gewesen. Du hast es mir doch versprochen.“

Motoki blieb ganz locker und freundlich, pflichtete Rei aber voll bei. „Ich kann nicht verstehen, was du gegen sie hast.“

„Ich kann es auch nicht wirklich sagen, aber jedes Mal, wenn wir uns treffen, bringt sie mich auf die Palme. Wir haben einfach nichts gemeinsam.“

„Du wirst dich aber mit ihr abfinden müssen, schließlich ist sie jetzt meine Freundin und wohnt bei mir.“

„Wieso ist sie überhaupt bei dir eingezogen, hat sie kein Zuhause?“ Mamoru rollte mit den Augen. „Ich kann nur versuchen, ihr aus dem Weg zu gehen. Wie ihr seht, bin ich offenbar nicht in der Lage, mich bei ihr zusammenzureißen.“

Rei rieb sich die Schläfe und atmete durch. „Ihr ist irgendetwas Schlimmes passiert, was sie mir nicht erzählen will. Aber sie braucht jetzt Freunde und nicht Feinde. Und da sie Teil meines Lebens geworden ist, ist es mir wichtig, dass ihr euch auch versteht, darum habe ich sie auch hergebeten.“

‚Oh nein!‘, dachte sich Mamoru.

Er konnte es nicht glauben. War es Rei so wichtig, dass er sich mit dieser Weichbirne verstand? Aber wie sollte er es bei dieser Unachtsamkeit, Tollpatschigkeit und Planlosigkeit nur anstellen, sie zumindest neutral zu behandeln? Als er sie das letzte Mal traf, hatte sie sich eine Dose Sake reingepfiffen und irgendwas von Küssen geredet, wie sollte er bitte auf so etwas reagieren?

Bunny war pünktlich zu ihrer Verabredung mit Rei im Crown Café erschienen. Sie trug nach langer Zeit wieder ihre Schuluniform, und es erinnerte sie an eine Zeit, als es zum guten Ton gehörte, sich mit ihren liebsten Freundinnen auf eine Limonade zu treffen, bevor es in den Tempel zum Lernen ging. Neuerdings sah sie einen positiven Aspekt darin, den kleinen Umweg zum Café zu machen, weil sie Motoki sehen konnte, der ihr ein wohlig vertrautes Gefühl von Geborgenheit gab.

Sie schaute sich intensiv um und sah ihre beiden Freunde an einem Viererplatz sitzen, die angestrengt schauten. Dieser Umstand verwunderte sie etwas, doch als sie näherkam und bemerkte, wem diese Blicke galten, wäre sie am liebsten augenblicklich wieder rückwärts die Treppe runtergegangen.

Früher hatte sie kein Problem, sich den Konflikten mit Mamoru zu stellen, bis sich der Schleier ihrer Vergangenheit gelüftet hatte und sie erkannte, dass sie durch das Schicksal verbunden waren, doch das war Jahre her. Diesem Mamoru konnte und wollte sie sich nicht stellen. Motoki sah sie aus dem Augenwinkel und eilte sofort zu ihr, bevor sie einen Rückzieher machen konnte.

„Es tut mir leid, Motoki, aber ich will mich nicht wieder mit Mamoru streiten. Ich gehe lieber.“, sagte sie mit gesenktem Blick, noch bevor Motoki sie begrüßen konnte.

„Deswegen haben wir dich herbestellt.“, klärte er auf. „Ihr sollt euch aussprechen. Bitte, tue Rei den Gefallen!“

Bunny rollte mit den Augen und sagte etwas widerwillig: „Na gut.“

Beide gingen an den Tisch, und Motoki setzte sich dieses Mal neben Mamoru, während Bunny neben Rei Platz nahm. Bunnys Blick war sehr mürrisch, denn sie sah keine Hoffnung darin, dass sich nach diesem Gespräch auch nur das geringste zwischen ihnen ändern würde.

Mamoru verschränkte wieder die Arme. „Ich weiß nicht, welchen Zweck das haben soll. Wir verstehen uns nun mal nicht. Es ist nicht unser Schicksal, Freundschaft zu schließen.“

„Ganz genau.“, pflichtete Bunny bei. „Er kann mich nun mal nicht ausstehen. Das wird so ein Gespräch nicht ändern.“

„Als ob DU mich leiden könntest.“, stellte er verwundert infrage.

„Eigentlich hatte ich kein Problem mit dir, aber wenn du jedes Mal Streit suchst, kann ich nichts machen.“ Bunnys Blick wurde entschlossen.

„Du bist doch selbst schuld, wenn du dich so anstellst.“

„Deshalb muss man mich nicht jedes Mal angreifen.“, keift sie zurück.

Rei und Motoki saßen perplex da und wussten nicht, was sie dazu sagen sollten. Ihr Plan, die beiden zu versöhnen, war wohl etwas zu optimistisch gewesen.

Motoki ging in sich und überlegte: „Euer Problem ist, dass ihr euch überhaupt nicht kennt. Wir müssen etwas tun, damit ihr euch besser kennenlernt.“

„Genau!“ Rei war von der Idee hingerissen.

„Und was stellt ihr euch so vor?“, fragte Mamoru immer noch genervt.

„Wie wäre es mit Karaoke?“, meinte Rei.

„Kommt nicht infrage!“, reagierte Mamoru abwertend.

Motoki grübelte noch einmal und sein Gesichtsausdruck mutete plötzlich einen Geistesblitz an. „Was ist mit Lasertag?“

„Soll das ein Witz sein?“ Mamorus Begeisterung hielt sich immer noch in Grenzen.

Bunny schaute ihn herablassend an. „Du hast doch nur Angst, dass du gegen mich verlierst!“

„Von wegen!“, erwiderte er.

„Abgemacht, wir gehen zum Lasertag!“, sagte Motoki fröhlich. „Ich muss mich nur eben bei der Arbeit abmelden.“

Bunny hatte es geschafft, sich mit nur einem Satz um Kopf und Kragen zu reden. Warum zum Teufel musste sie ihn jetzt herausfordern. Sie wollte ihm doch eigentlich so gut es geht aus dem Weg gehen. Allein die Begegnung im Café, bei der sie eigentlich versöhnt werden sollten, wurde zu einem Streit. Mamoru konnte sie einfach nicht leiden, und sie wollte nichts mehr, als ihn meiden, denn es tat jedes Mal weh, auch wenn sie es niemandem zeigte.

Auf dem Weg zur nahegelegenen Lasertag-Halle diskutierten Rei und Motoki enthusiastisch über die Teamverteilung. Beide waren dafür, dass Bunny und Mamoru ein Team bilden, doch das ging ihnen absolut gegen den Strich. Natürlich war ein näheres Kennenlernen so fast unmöglich, aber eine gemeinsame Aktivität könnte den Stein ins Rollen bringen, weshalb Rei und Motoki sich geschlagen gaben. Sie hätten es schlimmer gefunden, wenn Mamoru es sich plötzlich anders überlegt hätte und gegangen wäre.

Schließlich freute sich Bunny, gemeinsam mit Motoki gegen den doofen Mamoru anzutreten.

Sie traten gemeinsam an die Kasse. Während Motoki und Rei es nicht erwarten konnten, schaute Mamoru ziemlich genervt aus der Wäsche. Bunny waren ihre gemischten Gefühle deutlich anzusehen.

Motoki wollte gerade loslegen und die Karten bezahlen, als aus dem Inneren der Halle laute Schreie ertönten. Bunny dachte nicht lange nach. Sie war es seit vielen Jahren gewohnt, dahin zu laufen, wo die Gefahr zu lauern schien, und so rannte sie auch dieses Mal ohne Vorwarnung los.

„Oh nein, wo will sie denn hin?“, rief Rei besorgt.

Mamoru schlug sich die Hand vor den Kopf. Er konnte Bunnys Verhalten nicht nachvollziehen, brachte es aber nicht übers Herz, sie blindlinks in ihr Verderben rennen zu lassen, egal, wie wenig er sie mochte.

„Motoki, pass bitte auf Rei auf.“, rief er kurz ab und lief Bunny hinterher.

„Mamoru!“, rief Rei ihm hinterher, doch Motoki hielt sie auf. Beide blicken Mamoru besorgt hinterher.

Bunny versuchte, den Ursprung der Schreie zu finden. Ihr Instinkt, die Menschen zu beschützen, war stärker als die Vernunft, und ihr Mut größer, als die Angst vor den Monstern. Sie rannte durch die dunklen, verzwickten Gänge, die durch bunte Neonröhren beleuchtet waren, und versuchte, sich auf die Geräusche zu konzentrieren.

Mamoru suchte indes nach Bunny, doch diese Lasertaghalle entpuppte sich als Labyrinth, wenn man nicht den Signalen folgt, und dies war bei der Hast nicht so einfach.

Genau dieses impulsive und unüberlegte Handeln war es, was er an ihr nicht leiden konnte. Daran, dass die ersten Begegnungen unglücklich verlaufen waren, gab er einfach ihr die Schuld, und dass sie Dummheiten machte, wie einen Sake auf ex zu trinken oder dubiosen Schreien hinterherzulaufen, empfindet er einfach als dämlich. Er ahnte nicht, dass das alles nur geschah, weil Bunny nicht in diese Welt gehörte und nicht ein einfaches Schulmädchen, sondern die Kriegerin für Liebe und Gerechtigkeit war.

„Was soll das, bist du bescheuert?“, schrie er sie an, als er sie endlich eingeholt hatte.

Sie drehte sich erschrocken um. „Mamoru, was machst du hier, du darfst jetzt nicht hier sein!“

Bunny war verzweifelt. Sie durfte sich nicht vor ihm verwandeln, denn es war nicht ihr Mamoru, nicht der Mann, der sich in Tuxedo Mask verwandelte, um sie zu retten. Selbst wenn Tuxedo Mask in ihm schlummerte, er war noch nicht erweckt worden, und als Mensch konnte er nichts ausrichten.

Was sollte sie jetzt tun?

„Jetzt sei kein Idiot und komm mit!“, wies er sie böse an. „Das ist zu gefährlich!“

Er wollte gerade nach ihrer Hand greifen, um sie wieder herauszuführen, doch Bunny zog sie weg. Er durfte sie jetzt nicht aufhalten. Sie begann, sich ihren Kopf zu zerbrechen, wie sie ihn wieder in Sicherheit schicken konnte, als sich das wütende Monster vor ihnen aufbaute.

Mamoru war vollkommen perplex. Er hatte noch nie so ein merkwürdiges und furchterregendes Wesen gesehen, sodass er für einen Augenblick nicht in der Lage war, rational zu denken. Als das Monster zum Schlag ausholte und den paralysierten Mamoru angreifen wollte, musste Bunny reagieren. Sie hatte keine Zeit, sich zu verwandeln, aber ihr Kampfgeist und ihr Beschützerinstinkt waren ungebrochen. Sie sprang vor Mamoru und konnte ihn somit schützen, doch sie selbst wurde hart getroffen und weggeschleudert.

Mamoru erwachte aus seiner Trance und rannte zu Bunny. Obwohl das Monster noch wütete, kam es für ihn nicht infrage, davonzurennen und die Verletzte dort liegen zu lassen. Er begriff nicht, wie sie so tollkühn sein und sich vor ihn stellen konnte. Sie mochten sich nicht, und sie war ein schwaches Mädchen, trotzdem war es das Tapferste, was er je in seinem Leben gesehen hatte.

Er beugte sich über sie, um zu prüfen, wie es ihr ging, stützte ihren Kopf und sah sie besorgt an. „Bunny, Bunny! Bist du in Ordnung? Geht es dir gut?“

Bunny öffnete zaghaft die Augen, streckte ihre Hand aus und berührte mit den Fingerspitzen seine Wangen. „Mein Mamoru. Ich habe dich vermisst.“

Ihre Augen fielen wieder zu, und sie verlor ihr Bewusstsein.

Hinter Mamoru ertönte plötzlich ein lauter Ruf: „Uranus flieg!“

Er drehte sich um, und da stand eine Kriegerin, die ihm einen wütenden Blick zuwarf, den er nicht nachvollziehen konnte. Nun erschien eine zweite Kriegerin, die ebenfalls einen Angriffsruf rief und das Monster vernichtete. Bevor Mamoru etwas sagen oder fragen konnte, waren die Kriegerinnen verschwunden.

Er kümmerte sich nicht weiter darum, denn das Monster war aus dem Weg geräumt, nun musste er Bunny dringend helfen. Er nahm sie auf den Arm und schaute sich intensiv ihre weichen Gesichtszüge an. Wie konnte sie nur so töricht sein, ihr Leben für ihn zu riskieren?

Als er die Halle verlassen wollte, stand unvermittelt der junger Mann vor ihm, der sich letztes Mal als Bunnys Freund vorgestellt hatte. Es war Haruka.

Sie sprach nicht, aber ihr Blick verriet, dass sie ihm die Schuld an Bunnys Verletzungen gab. Sie nahm ihm Bunny aus den Armen und trug sie ohne ein einziges Wort aus der Halle. Mamoru spürte die Feindseligkeit, konnte in dem Augenblick aber wenig tun, denn schließlich war es Bunnys Freund, der vor ihm stand.

Vor der Halle warteten Rei und Motoki voller Sorge auf Bunny und Mamoru. Es dauerte eine Weile, bis jemand aus der Halle heraustrat. Es war ein junger Mann, der Bunny auf seinen Armen trug, gefolgt von einem schönen Mädchen mit einem Geigenkasten. Rei wusste nicht, wer sie waren, und was mit Bunny geschehen war, und fragte panisch nach.

„Ich bin Haruka.“, klärte sie kurz auf. „Ich bringe sie ins Krankenhaus.“

Rei schaute nur hinterher und konnte die Sorgen nicht mehr abschütteln. Mamoru, der nun auch nach draußen kam, musste Rei und Motoki erzählen, was sich im Inneren abgespielt hatte, doch er ließ aus, dass Bunny wieder merkwürdige Dinge gesagt hatte.

„Wer war dieser Kerl?“, fragte Rei immer noch verwundert.

„Das ist Bunnys Freund.“, sagte Mamoru trocken.

„Was?“, reagierte Rei verwundert. „Bunny erzählte mir, dass das ein Mädchen ist und auch nicht ihr Freund. Aber sie sieht wirklich nicht aus wie ein Mädchen.“

Alle drei schauten skeptisch in die Richtung, in die Haruka, Michiru und Bunny verschwunden waren.

Als Mamoru wieder zu Hause war, machte er sich noch lange Gedanken um Bunny.  Es war schon das zweite Mal, dass sie ihm merkwürdige Dinge gesagt hatte. Das erste Mal sprach sie davon, ihn küssen zu wollen, und nun, dass sie ihn vermisst hätte. Natürlich waren es jedes Mal widrige Umstände, aber sie waren doch Erzfeinde.

Diese Gedanken hielten ihn noch die ganze Nacht wach, und ohne es zu wollen, tauchte Bunnys Gesicht immer wieder vor seinem geistigen Auge auf.

Bunny wachte auf. Sie schaute sich um und konnte nicht sagen, wo sie sich befand. Als sie sich genauer umsah, stellte sie fest, dass sie sich im Zimmer eines Krankenhauses befand.

Neben ihrem Bett saß Haruka lässig in einem Stuhl gelehnt und schaute sie an. „Na, endlich wach?“

„Was mache ich denn im Krankenhaus?“ Bunny war immer noch benommen und traute sich nicht, sich aufzusetzen.

„Das Monster hat dich ziemlich hart getroffen.“

Bunny erinnerte sich plötzlich, dass sie sich schützend vor Mamoru gestellt hatte, was danach geschah, war aber nicht mehr da.

„Und Mamoru?“, fragte sie bang.

„Dem geht es gut.“, reagierte Haruka trocken.

„Wie lange habe ich geschlafen?“, erkundigte Bunny sich sichtlich beruhigter.

„24 Stunden.“

„So lange? Aber Rei...“ Bunny wollte niemandem Kummer bereiten.

„Keine Sorge, Michiru hat im Tempel angerufen.“, sagte Haruka zu ihrer Erleichterung. „Du musst dich jetzt schonen, du hast eine Gehirnerschütterung.“

Eine Krankenschwester betrat den Raum und lächelte Haruka schüchtern an. „Sie müssen jetzt leider gehen, der Doktor kommt gleich, um die Patientin zu untersuchen.“

Haruka erhob sich und lächelte Bunny an. „Bis später, Engelchen.“

Haruka verließ das Krankenzimmer, und die Schwester warf ihr noch einen schmachtenden Blick hinterher.

„Sie haben aber einen attraktiven Freund.“, lächelte sie Bunny neidisch an. „Er ist seit ihrer Einlieferung gestern, bei ihnen geblieben.“

‚Das hat sie getan?‘, dachte sich Bunny geschmeichelt und klärte schließlich die Krankenschwester auf. „Das ist nicht mein Freund.“

„Ach wirklich. Dann hat er mich ja angeflunkert.“, sagte die Krankenschwester, ihre Chance witternd.

Bunny musste schmunzeln. Wenn die Krankenschwester nur wüsste, dass sie gerade ein Mädchen anhimmelte. Aber eines verstand sie nicht, warum behauptete Haruka schon wieder, sie sei ihr Freund, und warum ist sie so lange bei ihr geblieben?

‚Das hatte bestimmt seine Gründe.‘, dachte sie sich und wartete auf den Arzt.

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