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Die Prüfung

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Die Prüfung

Als ich erwachte, war ich mir nicht sicher wie lange ich geschlafen hatte. Es konnten allerdings nicht mehr als ein paar Stunden gewesen sein, da ich immer noch ziemlich müde war. Mein knurrender Magen verhinderte jedoch das ich wieder einschlafen konnte. Murrend setzte ich mich auf und verzog das Gesicht, als meine Schläfe schmerzhaft pochte. Maul hatte mich gut erwischt.

Ich rollte meine Schultern und streckte meine Arme und Beine, um die Trägheit aus ihnen zu vertreiben. Dann zog ich mir rasch ein Top und eine Hose an und verließ mein Zimmer. Mein knurrender Magen führte mich zielstrebig in die Küche. Überrascht hielt ich inne, als ich Maul dort über ein Datapad gebeugt sitzen sah. Er sah zu mir auf und wirkte ebenfalls überrascht über meinen Anblick.

„Du bist schon wieder wach“, fragte er und ich zuckte verlegen mit den Schultern.

„Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich hatte Hunger.“ Mein Magen untermalte meine Aussage mit einem lauten Knurren. Maul beäugte mich mit hochgezogenen Augenbrauen, als ich keine Anstalten machte die Küche zu betreten.

„Du weißt, wo die Rationen sind.“

Der peinliche Moment von gestern hatte mich zurückgehalten, doch Maul machte keine Anstalten es anzusprechen. Unsicher trat ich in die Küche und öffnete den Schrank mit den Rationen, wobei Mauls Augen mir folgten. Eine unangenehme Stille trat ein, die ich irgendwie brechen musste.

„Warum schläfst du nicht“, fragte ich, ohne ihn anzusehen.

„Ich brauche wenig Schlaf.“

Ich war mir nicht sicher, ob ich das glauben sollte. Er sah müde aus, doch ich wollte ihn nicht darauf ansprechen. Ich griff mir zwei Riegel, schloss den Schrank und wollte die Küche wieder verlassen, als Mauls Stimme mich aufhielt.

„Wohin gehst du“, fragte er und ich sah ihn überrascht an.

„In mein Zimmer. Ich will dich nicht stören“, erwiderte ich unschlüssig und Maul schüttelte den Kopf.

„Du störst nicht.“

Wollte er das ich bleibe? Da es jetzt komisch gewesen wäre zu gehen, ließ ich mich ihm gegenüber am Tisch nieder. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Also begann ich wortlos damit einen der Riegel zu öffnen und biss ein Stück davon ab. Plötzlich wurde mir bewusst, dass Maul mich die ganze Zeit beobachtete. Unsicher sah ich auf und begegnete seinem Blick. Ich konnte es nicht genau deuten, doch etwas blitzte in Mauls Augen auf.

„Du bist so ungewöhnlich schweigsam“, stellte er fest und lehnte sich lässig zurück.

„Ich bin nur müde“, versuchte ich mich rauszureden, auch wenn ich mich in Wahrheit gerade einfach nur unwohl fühlte. Für das, was ich gestern so gedankenlos gesagt hatte, hätte ich vor Scham im Boden versinken können. Hoffentlich hatte er es schon vergessen.

„Dir gefallen also meine Tattoos?“

Vor lauter Schreck ließ ich beinahe meinen Riegel fallen. Er hatte es nicht vergessen. Mit großen Augen sah ich zu ihm auf und erkannte den Hauch eines selbstgefälligen Grinsens auf seinen Lippen. Oh kriff. Ich spürte, wie meine Reaktion Maul amüsierte und fluchte still. Warum zu allen Höllen stand ihm dieses Grinsen auch noch so gut?!

„Ich … also…“, begann ich zu stammeln, wusste aber nicht, was ich sagen wollte. Mauls Mundwinkel zuckten und plötzlich begriff ich, dass er das absichtlich machte. Er spielte mit mir und genoss es wie peinlich mir das Ganze war.

„Ach halt die Klappe, Mistkerl“, murrte ich, bevor ich mich davon abhalten konnte.

Mein Blick schnellte zu Maul, der mich mit hochgezogenen Augenbrauen ansah. Wahrscheinlich hatte noch niemand sich getraut, so mit ihm zu sprechen. Und wenn doch, hatte dieser jemand es mit Sicherheit nicht überlebt. War ich zu weit gegangen? Doch ich spürte keine Wut, nur Überraschung und … Neugierde. Mein Blick schnellte zum Tisch und ich biss schnell noch einmal von meinem Riegel ab, damit ich ja nicht wieder etwas Dummes sagen konnte.

Mauls Lippen entwich ein Atemzug, der einem Lachen erstaunlich nahekam. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht wieder zu ihm aufzusehen.

„Eines muss ich dir lassen. Es ist erfrischend jemanden wie dich um mich zu haben.“

Ich spürte sein Grinsen, auch wenn ich meinen Blick weiterhin starr auf den Tisch gerichtet hatte.

Still aß ich meinen zweiten Riegel und endlich ließ Maul von mir ab, um sich wieder seinem Datapad zuzuwenden. Als ich fertig war, erhob ich mich eilig und wollte verschwinden. Mauls Stimme ließ mich jedoch innehalten.

„Du hast gut gekämpft gestern“, stellte Maul fest und ich sah nun doch wieder zu ihm auf. Ich konnte nicht umhin ein wenig Stolz über sein Lob zu verspüren. Der Themenwechsel überraschte mich dennoch.

„Ich denke du bist bereit.“ Überrascht legte ich den Kopf schief.

„Bereit wofür?“

„Für dein eigenes Lichtschwert.“ Meine Augen weiteten sich ungläubig.

„Meinst du das Ernst“, fragte ich und konnte meine Aufregung kaum zurückhalten. Maul nickte entschlossen.

„Wir brechen noch vor Sonnenaufgang in das Adega-System auf. Bevor du dein Lichtschwert bauen kannst, brauchst du einen Kyberkristall. Normalerweise könnten wie einen synthetischen Kristall oder den eines besiegten Gegners verwenden, aber beides ist derzeit keine Option. Du musst einen eigenen Kyberkristall finden. Ich habe Archive durchsucht und Artefakte studiert. Die Jedi haben vor vielen Jahren die Kristalle aus dem Adega-System geborgen, bevor sie ihre Tempel auf Ilum errichtet haben. Mit etwas Glück findest du einen Kristall in einer der alten Höhlen. Es wird allerdings nicht einfach werden. Der Kristall wird dich auf die Probe stellen.“

Maul sah mich forschend an und ich erwiderte seinen Blick entschlossen.

„Ich bin bereit mich dem zu stellen.“ Ein kleines Lächeln zog an Mauls Mundwinkeln.

„Dann lass uns aufbrechen.“

Eine Stunde später steuerte Maul das Schiff aus der Höhle und zurück in den Weltraum. Die Reise zum Adega-System dauerte ganze zwei Tage.

In dieser Zeit trainierten wir nicht weiter. Maul wies mich an zu meditieren, um mich auf meine bevorstehende Prüfung vorzubereiten. Zwischen den Mediationen blieb noch genug Zeit, um Mauls Beine mit den neuen Teilen zu warten. Dazu musste ich ihn zwar erst überreden, doch er stimmte irgendwann widerwillig zu. Es lag nicht daran, dass er mir das nicht zutraute. Er war es nur zu sehr gewohnt seine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen, bis es nicht mehr anders ging.

Ich verbrachte den größten Teil des ersten Tages damit, die beiden Prothesen vom Fuß bis zur Knieplatte von Grund auf zu überholen. Es war ein schwieriger Prozess, der meine volle Konzentration erforderte. Maul ließ es stumm über sich ergehen, obwohl ich wusste das ihm einige besonders beschädigte Stellen bei der Wartung Schmerzen bereiteten. Geduldig beobachtete er jeden meiner Handgriffe. Ab und zu steuerte er hilfreiche Hinweise bei, wenn ich irgendwo ins Stocken kam. Ich merkte das auch Maul ein gutes Verständnis für Technik hatte. Das er mir seine Beine anvertraute, bedeutete mir daher noch mehr.

Am Ende waren Mauls Beine komplett überholt und neu kalibriert. Es war jedoch nur eine temporäre Lösung. Maul musste neue Prothesen haben, so viel war sicher. Ich bat Maul mehrfach mir die Oberschenkelprothesen anschauen zu dürfen, doch das lehnte er vehement ab. Nach meiner Einschätzung gingen sie mindestens bis zur Mitte seiner Oberschenkel. Doch da Maul mir auch keine Scans erlaubte, konnte ich ihr volles Ausmaß nicht einschätzen. Maul schien das Thema sehr unangenehm zu sein und ich spürte jedes Mal seine Wut und seine Scham, wenn ich das Thema ansprach. Es schmerzte mich ein wenig, doch ich beschloss fürs erste nicht mehr nachzubohren.

Mit den Scans und Notizen, die ich mir während der Wartung gemacht hatte, wollte ich neue Pläne für Mauls Beine entwerfen. Vielleicht würde ich es sogar schaffen ihm neue Beine zu bauen, die weniger anfällig waren als seine jetzigen. Doch das würde noch warten müssen.

Wir landeten auf Tarassi, einem der Planeten des Adega-Systems. Die Oberfläche des kargen Planeten war überzogen von schwarzem Lavagestein. Es waren die letzten Zeugen der Vulkane, die schon vor langer Zeit erloschen waren. Anstelle von Hitze herrschte eine unnatürliche Kälte auf dem Planeten.

Ein eisiger Wind riss mit unsichtbaren Fingern an meiner Jacke, als ich hinter Maul die Laderampe hinabstieg. Meine Füße berührten den gefrorenen Boden, auf dem eine dünne Schneeschicht lag. Die Kälte schien sofort vom Boden in meinen Körper zu steigen und ich zog die Jacke fröstelnd enger um mich. Hastig schloss ich näher zu Maul auf, der wie immer eine unglaubliche Körperwärme ausstrahlte.

Vor uns lagen die Ruinen eines alten Tempels, der aus dem schwarzen Gestein des Planeten gebaut worden war. Die Decke war längst eingestürzt und die Wände bröckelten unter dem rauen Klima. Einige Säulen waren noch intakt und standen stramm wie Soldaten, die den längst vergessenen Tempel bewachten.

Ich spürte Mauls Anspannung und wusste, dass es an diesem Ort lag. Die Macht war stark hier, doch der Ort war ein Heiligtum der Jedi gewesen. Und Mauls Hass für die Jedi war unvergleichlich. Ihm gefiel es nicht hier zu sein, doch er wusste das es keine andere Option gab. Um mich herum vibrierte die Macht mit dem vertrauten Surren und ich spürte etwas uraltes, dass weit unter unseren Füßen lag.

Wir schritten durch die Geröllberge, unter denen noch Überreste des verzierten Bodens zu sehen waren. Mit zitternden Fingern schlug ich meinen Kragen hoch, um zumindest ein wenig Schutz vor den eisigen Krallen des Windes zu haben. Ich war Kälte gewohnt und konnte auch in kalten Gewässern ohne Probleme leben, doch diese Kälte war etwas anderes. Sie ging durch Mark und Bein und war intensiver, als alles das ich je zuvor erlebt hatte.

Maul blieb vor einem besonders großen Steinhaufen stehen und ich trat an seine Seite.

„Hier ist es.“ Ich musterte den Steinhaufen skeptisch.

„Ich sehe nichts.“

Maul antwortete nicht. Er streckte seine Hände aus und schloss die Augen. Ein Zittern ging durch das schwarze Gestein und ich traute meinen Augen nicht. Maul bewegte seine Hände auseinander und die Steine wurden von der Macht zu beiden Seiten weggeschoben. Ich konnte nicht einmal schätzen, wie viele Tonnen Gestein Maul hier gerade bewegte. Wenn ich daran dachte, dass ich nur unter Anstrengung kleine Objekte wie mein Datapad kontrolliert mit der Macht bewegen konnte, wurde mir plötzlich wieder bewusst wie mächtig Maul eigentlich war. Sicher, er hatte mir viele Jahre brutalen Trainings voraus, doch ich war mir sicher, dass ich zu so etwas nie in der Lage sein würde.

Der Boden erbebte, als die großen Steine zur Seite fielen. Dahinter tauchte ein riesiger Halbkreis in der Felswand auf. Der Halbkreis war geziert mit verschiedenen Runen und in ihn war ein riesiges Tor eingelassen. Nur ließ sich nicht erkennen, wie man das Tor öffnen konnte. Maul schien es zu wissen, denn er schritt bestimmt durch die Schneise von Steinen, die er geschaffen hatte. Vor dem Tor blieb er stehen und richtete seine Hand darauf. Er versuchte es mit der Macht zu öffnen. Staub rieselte von Tor herab, als der schwarze Stein erzitterte. Doch das Tor öffnete sich nicht. Ich sah die Irritation auf Mauls Gesicht und er hob seine zweite Hand, um seinen Machtgriff zu verstärken. Das Tor gab nicht nach.

Ein Surren hallte in meinen Ohren wider und mein Blick richtete sich auf das Tor. Obwohl ich wusste, dass meine Kräfte nichts im Vergleich zu denen von Maul waren, streckte auch ich meine Hand aus.

„Was machst du da“, fragte Maul irritiert und sah mich über seine Schulter hinweg an.

„Ich glaube wir müssen es zusammen versuchen.“

Ich hatte keine Ahnung, woher ich das wusste. Es fühlte sich einfach richtig an. Konzentriert schloss ich die Augen und versuchte das Tor zu visualisieren. Auch Maul sah wieder zum Tor und plötzlich bewegte es sich. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, hob sich das riesige Tor an. Ich spürte, wie es oben in der Felswand verschwand und immer mehr von dem Höhleneingang freigab. Die Macht durchströmte mich, wie ich es noch nie zuvor gefühlte hatte. Mauls Präsenz neben mir gab mir zusätzlich Kraft, meine Konzentration aufrecht zu erhalten.

Mit einem markdurchdringenden Grollen versank das Tor komplett im Felsen. Ein eisiger Windzug drang aus der Höhle und wirbelte uns jahrhundertealten Staub entgegen. Blinzelnd öffnete ich die Augen und starrte in die dunkle Kluft, die sich vor uns aufgetan hatte.

Mein Blick fuhr zu Maul, der mich mit einem unleserlichen Blick musterte. Nach einem kurzen Moment richtete sich sein Blick nach vorne.

„Die Kristalle sind in dieser Höhle. Ich kann sie spüren.“ Auch ich konnte spüren, dass etwas uraltes in der Finsternis verborgen lag. Es machte mir Angst und zog mich dennoch zu sich hin. Maul sah auf mich herab.

„Du musst deinen Weg alleine fortsetzen.“ Unsicherheit stieg in mir auf, auch wenn ich wusste das Maul recht hatte.

„Was ist, wenn ich nichts finde“, fragte ich und Mauls Augen wurden kaum merklich sanfter.

„Die Macht wird dich leiten. Sie wird dich zu dem Kristall führen, der für dich bestimmt ist. Aber sei auf der Hut. Der Kristall könnte dich mit deinen Ängsten konfrontieren, um zu prüfen, ob du seiner würdig bist.“

Das klang ja beruhigend. Maul bemerkte meine Unsicherheit und legte mir sanft seine Hand auf die Schulter.

„Du schaffst das, Ren.“ Seine Worte ließen mein Herz schneller schlagen und ich fasste all meinen Mut zusammen. Ich würde es schaffen!

Entschlossen nickte ich und legte dann meine Jacke ab. Maul nahm ihn mir aus der Hand und ich übergab ihm auch meine Waffen. Ich musste unbewaffnet in den uralten Tempel eintreten. Das gefiel mir gar nicht. Ein Schauer durchfuhr meinen Körper, als die Kälte auf die bloße Haut meiner Arme traf.

„Ich warte hier auf dich“, sagte Maul und ich warf ihm einen letzten Blick zu, bevor ich mich dem klaffenden Höhleneingang zuwandte. Dann mal los.

Entschlossen betrat ich die Höhle und folgte ihrem Weg in den Felsen hinein. Mauls glühende Augen folgten mir, bis ich von der Dunkelheit verschlungen wurde. Die Finsternis war dicht und drückend und ich verfluchte mich schon nach ein paar Schritten dafür, dass ich keine Taschenlampe mitgenommen hatte. Doch sobald meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich zumindest grob den Verlauf des Tunnels vor mir erkennen.

Mit jedem Schritt, den ich machte, wurde es kälter und kälter. Der Boden fiel leicht ab und ich begab mich immer tiefer unter die Erde. Ein paar Mal wäre ich auf dem eisigen Boden fast ausgerutscht, doch ich konnte mich gerade noch fangen. Das Surren der Macht umgab mich und wurde immer deutlicher, umso tiefer ich in die Höhle vordrang.

Ich wusste nicht, wie lange ich schon gelaufen war, als etwas in der Ferne glitzerte. Neugierig beschleunigte ich meinen Schritt und erreichte das Ende des Tunnels. Vor mir erstreckte sich eine unterirdische Kammer mit hoher Decke. Ich sah mich um, doch es gab keinen weiteren Tunnel in der Höhle. Es war eine Sackgasse. Kurz vor meinen Füßen lag das Ufer eines Sees, der zum Großteil von einer Eisschicht bedeckt war. Für die meisten wäre ein Weiterkommen unmöglich gewesen. Ich grinste. Wasser würde mich nie aufhalten.

Obwohl mein Körper ohnehin schon zitterte, zog ich meine Stiefel, meine Cargohose und mein Top aus. Nur noch in meinen Sport-BH und meine Shorts gekleidet, trat ich vorsichtig an eines der Löcher im Eis. Zitternd ließ ich mich auf dem Eis nieder und streckte meine Beine in das tiefschwarze Wasser. Ein erschrockener Laut entfuhr meiner Kehle, als die Kälte wie Messer in meine Beine stach. Ich war schon in arktischem Wasser geschwommen, doch das hier war kein Vergleich. Es war zwar unmöglich, doch dieses Wasser war definitiv viel kälter als 0 Grad. Jeder andere See wäre bei einer so extremen Temperatur längst komplett gefroren. Doch dies war kein gewöhnlicher See.

Ich atmete tief durch und stieß mich vom Eis ab. Das Wasser umschloss meinen Körper und meine Muskeln verkrampften sich schmerzhaft. Meine Kiemen begannen zu arbeiten und das Eiswasser stach schmerzhaft bei jedem Atemzug. Der erste Instinkt war wieder aufzutauchen, doch ich hielt mich zurück. Ich durfte nicht so schnell aufgeben.

Mit kräftigen Zügen setzte ich mich in Bewegung und schwamm weiter in die Tiefe hinab. Die Dunkelheit wurde so allumfassend, dass selbst ich nichts mehr erkennen konnte. Ich schloss meine Augen, um sie vor der Kälte zu schützen. Nun konnte ich mich nur noch an der Strömung des Wassers orientieren, um mich weiter in die Tiefe vorzutasten.

Irgendwann erreichte ich den Grund und hielt inne. Wo sollte ich nun lang? Mauls Worte hallten in meinem Kopf wider. Die Macht würde mich leiten. Konzentriert lauschte ich dem Summen und mich herum und schwamm in die Richtung, in der es am lautesten war. Tatsächlich ertastete ich eine Öffnung im Felsen und spürte eine Strömung im Wasser. Es musste ein Tunnel sein. Vorsichtig schwamm ich hinein und tastete mich mit meinen Händen über den felsigen Untergrund. Der Tunnel war so eng, dass ich gerade so hindurchpasste. Zwar hatte ich keine Klaustrophobie, doch die Enge trug neben der Dunkelheit und meiner Orientierungslosigkeit nicht gerade zu meinem Wohlbefinden bei.

Endlich erreichte ich das Ende des Tunnels und ich schwamm in einer weiteren Kammer. Das Wasser war hier noch kälter und kroch beißend in meine Glieder. Zwar konnte ich es nicht sehen, doch ich wusste das überall um mich herum Eiskristalle im Wasser trieben. Das Wasser hatte den Gefrierpunkt unterschritten. Lange würde ich es hier nicht mehr aushalten.

Angestrengt lauschte ich nach dem Summen, doch was war verschwunden. Alles, was mich umgab war Kälte und Dunkelheit. Plötzlich tauchten Bilder vor meinem inneren Auge auf und ich schüttelte energisch den Kopf. Nein, ich war nicht dort. Nicht auf Glee Anselm. Nicht in dieser Schlucht. Und trotzdem umgab mich auf einmal der beißende Geruch von Blut. Angst machte sich in mir breit. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Meine Muskelns verkrampften sich und ich war wie gelähmt.

Langsam versank ich und die Bilder aus jener Nacht spielten sich in meinem Kopf ab. Ich spürte Angst, Schmerz und Verzweiflung. Die Gefühle konsumierten mich, egal wie sehr ich mich dagegen wehrte. Mein Herz klopfte wild und mein Körper wurde taub. Wenn ich mich nicht bald bewegte, dann würde ich erfrieren. Ein Gedanke huschte durch meinen Kopf. Vielleicht war es besser so. Dann war ich endlich wieder bei denen, die ich verloren hatte.

Ich hörte auf zu kämpfen und kam am Grunde der Höhle zum Liegen. Die Eiskristalle fraßen sich in meine Haut und ich ließ es zu. Gleich würde ich nicht mehr alleine sein.

„Du bist nicht mehr alleine. Du bist jetzt bei mir.“

Maul! Vor meinem inneren Auge flackerte die rote Flamme auf, die ich so gut kannte. Eine Wärme breitete sich in meiner Brust aus und plötzlich sah ich Maul vor mir. Er streckte mir seine Hand entgegen und sah mich aus seinen leuchtend goldenen Augen auffordernd an.

„Komm zurück zu mir.“

Mehr brauchte es nicht.

Ich riss meine Augen auf und die Welt rückte wieder in den Vordergrund. Was ich nun sah, verschlug mir den Atem. Die ganze Höhle war erfüllt von unendlich vielen kleinen Lichtern. Sie sahen aus wie Sterne, die den Nachthimmel füllten. Es dauerte einen Moment, bis ich erkannte, dass es alles Kristalle waren. Ihr fahles weißes Licht erhellte die Höhle und spiegelte sich in den Eiskristallen im Wasser wider. Ich hatte die Kyberkristalle gefunden!

Mit neuer Kraft stieß ich mich vom Boden ab und sah mich in der Höhle um. Es waren so viele Kristalle, welcher war der richtige? Das Summen der Macht kehrte zu mir zurück und mein Blick fuhr nach rechts. Dort leuchtete ein Stück über mir ein Kristall besonders hell. Das musste er sein! Schnell schwamm ich zu dem Kristall und griff mit meinen tauben Fingern danach. Der Kristall leuchtete auf, als meine Finger ihn berührten. Er fiel praktisch von der Felswand in meine Hand und ich schloss meine Finger fest darum. Der Kristall vibrierte leicht, als würde er mich begrüßen. Er war der richtige.

Nun da ich ihn gefunden hatte, musste ich verschwinden. Sonst würde ich die Kälte nicht länger ertragen. Schnell sah ich mich um und fand den Tunneleingang, durch den ich gekommen war. Ich hatte ihn fast erreicht, als mich das starke Surren der Macht aufhielt. Verwirrt sah ich mich um und erblickte unter mir einen weiteren flackernden Kristall. Er war kleiner als der andere, aber er rief nach mir. Zögerlich griff ich danach und der Kristall fiel mit einem leisen Surren in meine Handfläche. Sobald er meine Haut berührte, erloschen die Lichter der anderen Kristalle und die Finsternis kehrte zurück. Mir blieb keine Zeit darüber nachzudenken.

Ich klemmte die Kristalle unter den breiten Träger meines BHs und tastete mich nun wieder blind zu dem Tunnel. Mein Körper protestierte mit jeder Bewegung mehr und ich fühlte mich wie gelähmt. Nach gefühlten Stunden erreichte ich wieder die Haupthöhle und schwamm eilig in Richtung Oberfläche. Endlich konnte ich wieder etwas sehen, doch was ich sah erschrak mich.

Die Oberfläche war in meiner Abwesenheit komplett zugefroren und nun von einer dicken Eisschicht bedeckt. Panisch hämmerte ich mit den Fäusten gegen das Eis, das einfach nicht nachgeben wollte. Mein Körper schrie vor Schmerzen und ich musste mich zwingen ruhig zu bleiben. Zitternd atmete ich ein und legte meine Finger von unten an das Eis. Mit aller Konzentration, die ich noch aufbringen konnte, versuchte ich das Eis mit der Macht zu brechen. Erst geschah nichts und meine Panik wuchs. Dann begann das Eis um meine Hände plötzlich zu beben. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen brach das Eis auf und ich durchbrach die Wasseroberfläche.

Die kalte Luft brannte ich meinen Lungen, als ich tief einatmete. Ich zog mich aus dem Wasser und blieb eine Sekunde kraftlos auf dem Eis liegen. Der Frost biss sofort meine Haut und ich zwang mich aufzustehen, damit ich nicht am Eis festfror. Wankend lief ich zu der Stelle, an der ich meine Kleidung zurückgelassen hatte. Mit tauben Fingern zog ich mich unbeholfen an. Die erhoffte wärmende Wirkung der Kleidung blieb allerdings aus, da sie klamm an meiner nassen Haut klebte. Ich musste hier dringend raus.

So schnell ich konnte lief ich den Weg zurück, den ich gekommen war. Meine Arme schlangen sich fest um meinen wild zitternden Körper und meine Zähne klapperten laut. Mir war noch nie so kalt gewesen. Ich hatte den halben Weg zurückgelegt, als ein lautes Donnern in der Ferne ertönte. Das Tor!

Ein Adrenalinschub durchfuhr mich und ich begann zu rennen. Meine Schritte hallten von den Höhlenwänden wider und ich musste aufpassen, nicht auf dem gefrorenen Boden auszurutschen. Endlich sah ich das Licht am Ende des Tunnels. Ich erkannte Maul, der mit der Macht versuchte das Tor aufzuhalten. Leider ohne Erfolg. Das Tor schloss sich gnadenlos weiter.

Ich streckte meine Hand aus und griff ebenfalls mit der Macht nach dem Tor. Dieses Mal ließ sich das Tor von unserer gemeinsamen Macht nicht beeinflussen.

„Maul“, schrie ich panisch, als sein Gesicht hinter dem Felstor verschwand.

„Ren, beeil dich! Ich kann es nicht aufhalten!“

Meine verbliebenen Kraftreserven nutzend, beschleunigte ich mein Tempo ein letztes Mal. Ich erreichte das Tor, als nur noch Mauls Füße zu sehen waren. In vollem Tempo ließ ich mich fallen und rutschte über den glatten Boden. Direkt unter dem Tor kam ich zum Liegen und kniff vor Schreck die Augen zu. Maul zog mich gerade noch rechtzeitig heraus, damit ich nicht vom Tor zerquetscht wurde. Mit einem lauten Knall fiel das Tor zu und versiegelte die Höhle abermals.

Für einen Moment war es still. Meine Augen flogen auf, als ich Mauls Hand an meiner eisigen Wange spürte.

„Ren, was ist passiert“, fragte Maul und blickte auf meinen unkontrolliert zitternden Körper hinab. Ich schaffte es meine Hand zu heben und die beiden Kristalle unter meinem BH-Träger hervorzuziehen. Meine Hand zitterte so stark, dass die Kristalle beinahe heruntergefallen wären. Maul schloss seine warme Hand um meine, um sie ruhig zu halten. Seine Augen landeten auf den beiden Kristallen in meiner Handfläche, bevor sie zu meinem Gesicht zurückfanden.

„I-Ich habe e-es geschafft“, stammelte ich durch meine klappernden Zähne und brachte tatsächlich ein Grinsen zustande.

„Das hast du. Aber jetzt müssen wir dich ins Warme bringen. Du bist eiskalt.“

Mauls Ton war sanft und ich spürte seine Besorgnis. Bevor ich protestieren konnte, schob er einen Arm unter meine Beine, den anderen unter meinen Rücken und hob mich dann hoch. Seine Wärme durchströmte mich in der Sekunde, in der mein Körper seine Brust berührte. In diesem Moment war es mir egal was richtig oder falsch war und ich lehnte mich unwillkürlich näher an ihn. Maul ließ sich davon nicht irritieren und trug mich auf dem schnellsten Wege zurück zu Schiff.

Von dem Weg bekam ich nicht viel mit. Dicke Schneeflocken fielen auf uns herab und tauten nicht auf meiner eiskalten Haut. Meine Augen waren geschlossen und ich genoss die Wärme und den Geruch, die von Maul ausgingen. Das Nächste, was ich mitbekam, war das Maul mich absetzte und gegen eine Wand lehnte. Ich brauchte einen Moment, doch dann erkannte ich das Badezimmer um uns herum.

Wortlos begann er meine Stiefel auszuziehen. Er zögerte einen Moment, doch dann machte er sich an meiner Hose zu schaffen. Ich wollte protestieren, doch ich zitterte zu sehr, um auch nur ein Wort rauszubringen. Maul half mir aus meiner Hose und griff dann nach dem Rand meines Tops. Mit größter Vorsicht zog er es über meinen Kopf, um meinen Tentakel nicht wehzutun. Diese waren zwar zu taub, um etwas zu spüren, doch ich schätze den Versuch.

Nun saß ich nur noch in meiner Unterwäsche vor Maul. Ich hatte kein Problem mit nackter Haut, nur meine Hilflosigkeit war mir unangenehm. Maul ließ seine Augen nicht eine Sekunde lang schweifen. Entweder interessierte ihn sowas generell nicht, oder er war einfach zu konzentriert auf seine Aufgabe. So oder so war ich in diesem Moment dankbar dafür.

Maul holte ein Handtuch und sah mich unschlüssig an. Da ich jedoch keine Kraft hatte mich selbst abzutrocknen, begann er vorsichtig meine nasse Haut trocken zu reiben. Ich hielt still und ließ ihn gewähren, etwas anderes konnte ich gerade eh nicht machen. Als Maul zufrieden war, hob er mich wieder hoch und trug mich aus dem Badezimmer.

„M-Maul, ich bin s-so m-üde“, murmelte ich gegen seine Brust und ich spürte, wie Maul sich anspannte.

„Du musst wach bleiben. Wir müssen dich erstmal aufwärmen.“

Maul trug mich in mein Schlafzimmer und setzte mich auf der Bettkante ab. Sein Blick fuhr über meinen bebenden Körper und er räusperte sich.

„Du musste die nasse Unterwäsche ausziehen. Schaffst du das?“

Trotz der unglaublichen Kälte in mir, wurden meine Wangen etwas wärmer. Ich nickte schwach und Maul drehte sich um, um mir etwas Privatsphäre zu geben. Später wusste ich nicht mehr wie, doch ich schaffte es trotz meiner tauben Finger meine Unterhose auszuziehen. Vielleicht motivierte mich auch der Gedanke, das Maul es sonst getan hätte. Und dann hätte ich ihm nicht mehr in die Augen schauen können.

An meinem BH scheiterte ich jedoch. Ich schloss resigniert die Augen.

„M-Maul. Ich s-schaffe es n-nicht“, brachte ich hervor und spürte sofort Mauls Unsicherheit.

„Dreh dich um“, befahl er knapp und ich tat wie mir geheißen. Ich schaffte es noch die Decke über meinen Schoss zu ziehen, damit ich nicht komplett nackt sein würde.

Maul trat von hinten an mich heran und einen Moment passierte nichts. Dann berührten seine Fingerspitzen zögerlich meine Haut und schoben sich unter den Rand meines BHs. Als seine Finger über meine Rippen fuhren, ging ein Schauer durch meinen Körper. Dieses Mal jedoch nicht von der Kälte. Langsam schob Maul den BH nach oben und ich tat mein Bestes meine Arme zu heben. Er zog den nassen BH über meinen Kopf und führte ihn vorsichtig über meine Tentakel. Ich hörte, wie der nasse Stoff auf den Boden fiel und schlang frierend meine Arme um meine entblößte Brust. Mauls Schritte entfernten sich kurz, bevor er wieder hinter mich trat.

„Hebe bitte noch einmal deine Arme.“

Sobald ich das tat, zog Maul mir das weite T-Shirt über den Kopf, das über meinem Stuhl gehangen hatte. Mit seinen behandschuhten Händen zog er meine Tentakel unter dem Stoff hervor und zog dann das Shirt bis zur Decke herunter, um meine Blöße zu bedecken. Maul hob die Decke, ohne mich dabei anzusehen. Ich legte mich hin und Maul zog die Decke sofort über mich. Seine Augen nahmen meinen nach wie vor heftig zitternden Körper mit Sorge in Augenschein.

„Ich hole etwas um dich aufzuwärmen. Ich bin gleich wieder da. Und wage es ja nicht einzuschlafen.“

Sein strenger Blick fixierte mich und ich nickte schwach. Maul verschwand aus meinem Zimmer und ging eilig in Richtung Küche.

Ich kuschelte mich weiter unter meine Decke, doch sie half nicht gegen die unendliche Kälte, die meinen Körper durchströmte. Meine Zähne klapperten schmerzhaft, mein Körper zitterte unaufhörlich und ich war einfach nur unfassbar müde. Trotz Mauls Anweisung wurden meine Lider immer schwerer. Nur für einen Augenblick, sagte ich mir und schloss meine Augen.

„Ren!“

Mauls strenge Stimme erschrak mich und ich riss ertappt meine Augen auf. Der Zabrak stand vor meinem Bett und sah aus seinen glühenden Augen finster auf mich herab.

„Ich habe gesagt du sollst wach bleiben!“ Sein wütender Tonfall ließ mich zusammenzucken. Maul bemerkte es und sein Gesicht wurde wieder sanfter.

„E-Entschuldige“, brachte ich durch meine klappernden Zähne hervor und Maul seufzte. Er setzte die Sachen, die er mitgebracht hatte, auf dem Tisch neben meinem Bett ab. Dann breitete er eine weitere Decke über mir aus, die Mauls Geruch an sich trug. Es war seine Decke.

Maul setzte sich zu mir auf das Bett und rutschte neben mich. Überrascht sah ich zu, wie er sich gegen das Kopfende lehnte und seine Metallbeine auf dem Bett ausstreckte.

„W-Was machst du?“ Maul half mir mich ebenfalls etwas aufzusetzen, sodass ich nun Schulter an Schulter mit ihm saß.

„Du bist unterkühlt. Wir müssen dich aufwärmen und ich habe genug Wärme für uns beide. Außerdem muss ich dich in deinem Zustand im Auge behalten“, erklärte Maul, als wäre das alles ganz normal. Trotz meines schmerzenden Körpers schlich sich ein Grinsen auf meine Lippen.

„V-Vorsicht. Das k-klingt fast, als w-würdest du d-dir Sorgen m-machen.“ Mauls brennender Blick traf mich, doch er verkniff sich eine Antwort. Stattdessen griff er nach dem Gefäß auf dem Beistelltisch und hielt es mir auffordernd hin.

„Sei still und trink das“, murrte er und ich nahm die dampfende Tasse von ihm entgegen.

Meine Hand zitterte so stark, dass ich die heiße Flüssigkeit fast verschüttete. Auch als ich die zweite Hand dazu nahm, wurde es nicht besser. Mauls große Hand legte sich um meine und stoppte damit das Zittern. Mit sanftem Druck führte er die Tasse zu meinem Mund und der Geruch von Cassius Tee stieg in meine Nase. Mir wurde klar, dass er seine geliebte Teezeremonie übersprungen haben musste, um den Tee so schnell zuzubereiten.

Vorsichtig nahm ich einen Schluck und seufzte erleichtert auf, als die Wärme durch meinen strömte. Schluck für Schluck leerte ich die halbe Tasse und mein Körper wurde langsam wärmer. Plötzlich schoss ein Schmerz durch meine Beine, als würde mir jemand Elektroschocks verpassen. Ein unterdrückter Schrei verließ meine Kehle und Maul nahm mir schnell die Tasse ab, bevor ich den Inhalt über mir verteilen konnte.

„Was ist los“, fragte er alarmiert und ich versuchte durch den Schmerz zu atmen, der sich in meinem ganzen Körper ausbreitete. Ich brachte allerdings keinen Ton heraus.

„Du hast Schmerzen. Ich gebe dir eine Bacta-Spritze.“

Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte nicht schwach sein. Maul interessierte das jedoch wenig. Er griff nach der Bacta-Spritze, die er mitgebracht hatte und rammte sie in meinen Arm. Es dauerte ein paar Sekunden, doch dann ebbte der Schmerz langsam ab.

Erschöpft sank ich gegen das Kopfende und spürte die Schwere in meinem Körper. Die Kälte, die Anstrengung und die Bacta-Spritze gaben meinem Körper endgültig den Rest. Meine Augen fielen zu und mein Kopf kippte gegen Mauls Schulter.

„Schlaf jetzt. Ich passe auf dich auf“, hörte ich Mauls entfernte Stimme, als der Schlaf mich übermannte. Bevor mich die Dunkelheit einhüllte, brachte mein vernebelter Verstand noch einen Satz heraus.

„Du hast mich gerettet.“ Meine Worte waren so leise, dass ich nicht wusste, ob Maul sie überhaupt gehört hatte.

Ich meinte damit nicht, dass er mich vor dem Erfrieren gerettet hatte. Es war viel mehr als das. Maul hatte mich aus dem bedeutungslosen Leben gerettet, das ich vor unserer Begegnung geführt hatte. Er hatte mir gezeigt, wozu ich fähig war. Ohne Maul wäre ich in dieser Höhle gestorben. Ich hätte mich meiner Angst und Trauer hingegeben und wäre langsam erfroren. Doch die Erinnerung an Maul hatte mich wachgerüttelt. Er hatte es auf Kashyyyk zu mir gesagt. Ich war nicht länger alleine. Ich war bei ihm. Diese Worte hatten etwas tief in mir entfacht, dass immer heller brannte. Und mit etwas Glück würde sein Licht die Schatten vertreiben, die in mir wohnten.

Mit diesem letzten Gedanken schlief ich schließlich ein.

Maul erstarrte, als Rens Kopf gegen seine Schulter sackte. Er war körperliche Nähe nicht gewohnt. Niemand würde es wagen ihm zu nahe zu kommen oder ihn zu berühren. Die einzige Ausnahme war Icarus, wenn er mal wieder seine Beine reparieren musste. Die letzte Person, mit der er Schulter an Schulter gesessen hatte, war Savage gewesen. Doch damals waren sie beide halbtot gewesen und nach ihrer Flucht von Florrum von der Death Watch gerettet worden. Das hier war etwas ganz anderes.

Mauls Blick fuhr zu Ren herunter und er sah, dass sie die Augen geschlossen hatte. Ihr Körper strahlte eine unglaubliche Kälte aus, die den Zabrak beunruhigte. Rens Zustand war kritisch, das war ihm klar. Zumindest hatte sich das Zittern ihres Körpers endlich beruhigt, wobei das Bacta-Serum eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hatte.

„Du hast mich gerettet.“ Rens Worte waren kaum hörbar und doch schlugen Mauls Zwillingsherzen bei ihrem Klang schneller. Wie stellte sie das nur an?

Die Kopfgeldjägerin war für Maul ein Rätsel. Etwas an der Art wie sie ihn ansah, unterschied sich von allem, was er kannte. Seine Feinde fürchteten ihn und von seinen Anhängern wurde er respektiert. Ren respektierte ihn auch, aber nicht so bedingungslos wie Rook. Die Nautolanerin lehnte jede Form der Unterwürfigkeit vehement ab. Am Anfang hatte es Maul wütend gemacht, doch mittlerweile machte es ihn neugierig. Sie betrachtete ihn nicht als einen ehemaligen Sith oder den Schattenlord, sondern einfach nur als Maul. Sie forderte nichts von ihm und hatte keine geheimen Hintergedanken. Dessen hatte er sich durch einen Blick in ihren Geist versichert. Das war neu für ihn.

Maul erinnerte sich an ihre erste Begegnung. Es hatte ihn beeindruckt, dass sie im Alleingang versucht hatte ihn zu töten. Zuerst hielt er es für töricht, doch in ihren großen dunklen Augen hatte er ihre Tapferkeit erkannt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich von der Klippe stürzen würde, um ihm zu entkommen. Und Maul plante sonst immer alle Eventualitäten mit ein. Ren hatte ihn damals überrascht und das tat sie noch.

Am meisten überraschte ihn, das Ren nicht vor seine Nähe zurückschreckte und seine Gesellschaft suchte. Wie viele andere hielt er sich für ein Monster und konnte nicht verstehen, warum sie sich in seiner Nähe so wohl fühlte. Und auch er hatte in den letzten Wochen begonnen, die Gesellschaft der Nautolanerin zu schätzen. Sie jetzt so zu sehen, löste ein bisher unbekanntes Gefühl in ihm aus.

Maul redete sich ein, dass er sich um sie genau so sehr sorgte, wie um den Rest seiner Leute. Schließlich stellte er sich immer in die erste Linie, um den größten Schaden von seinen Anhängern fernzuhalten. Und doch hätte er sich zu keinem von ihnen gesetzt, um sie zu wärmen. Maul schätze Rook sehr, doch er würde nie auf die Idee kommen, dasselbe bei ihr zu tun. Rook würde ihm ohnehin den Kopf abreißen, wenn er es auch nur versuchen würde. Was war an Ren also so anders?

Plötzlich verspürte Maul den Drang einen Arm um sie zu legen, doch er hielt sich zurück. Stattdessen zog er die Decken enger um sie und beobachtete jeden ihrer ruhigen Atemzüge. Ren lag nah bei ihm und er hoffte, dass seine Körperwärme ausreichen würde, um sie aufzuwärmen.

Er würde an ihrer Seite bleiben, bis sich ihr Zustand verbesserte. Egal wie lange es dauerte.