Im Kreuzfeuer
Im Kreuzfeuer
Die Sturmtruppler strömten aus dem Wagon, bevor Scorn die Tür verriegeln konnte. Styx und die beiden Mandalorianer feuerten vom anderen Wagon auf sie, während Scorn sich auf das Dach unseres Wagons rettete.
„Die Wachen sollten doch im dritten Wagon sein“, rief ich, während wir zurück auf das Dach kletterten.
„Und wo sind die Kredits“, hörte ich Styx Stimme über das Blasterfeuer, das zwischen den beiden Wagons ausgebrochen war.
Scorn und die anderen Mandalorianer zogen sich zu uns zurück, während immer mehr Wachen aus dem Wagon stürmten. Rote und blaue Blasterbolzen durchschnitten die Luft und wir waren so gut wie schutzlos auf dem Dach. Meine Lichtschwerter wären jetzt wirklich hilfreich gewesen. Ich kniete mit einem Bein auf dem Dach und schoss auf einen Sturmtruppler, der gerade versucht hatte die Leiter hochzuklettern. Er stürzte vom Zug und fiel in die Tiefe. Doch immer, wenn wir einen von ihnen trafen, trat sofort der nächste an seine Stelle. Wie viele waren das denn noch?!
„Rook, was ist da los?“ Mauls Stimme erklang über das Commlink und die Mandalorianerin duckte sich gerade noch rechtzeitig unter einem Blasterbolzen weg, um nicht getroffen zu werden.
„Wir haben Ärger. Der Wagon ist voll mit Wachen. Die Kredits müssen im fünften Wagon sein. Wir müssen uns Zugriff zum Ladungsverzeichnis verschaffen. Greift nicht ein, wir schaffen das.“
Da war ich mir nicht so sicher. Einer der Mandalorianer war bereits gefallen und Styx und ein weiterer waren leicht verletzt. Am liebsten hätte ich eine Bombe in den Wagon geworfen, doch das würde uns im schlimmsten Fall noch mehr Wachen aus anderen Wagons auf den Hals hetzen. Es war ohnehin ein Wunder, dass sie noch nichts mitbekommen hatten.
Die Geräusche waren ohrenbetäubend. Der Wind tobte tosend an uns vorbei und wurde von den Schüssen dutzender Blaster durchschnitten. Darüber tönten noch die Schreie, Befehle und Kampfrufe, die aus den Commlinks drangen.
Scorn feuerte ohne Unterlass mit seiner Laserkanone auf die Wachen und verschaffte uns damit zumindest ein bisschen Schutz. Gerade als es aussah, als würden wir die Oberhand gewinnen, spürte ich plötzlich eine Gefahr und fuhr herum.
„Achtung, hinter uns“, schrie ich, als weitere Sturmtruppler hinter uns auf das Dach kletterten. Sie mussten die Tür irgendwie aufbekommen haben. Doch meine Warnung kam zu spät.
Sie erschossen einen der Mandalorianer und gleich drei von ihnen hatten sich von hinten auf Icarus gestürzt. Sie rissen den Zabrak zu Boden, der sich mit all seiner Kraft gegen sie wehrte. Sein Blaster rutschte ihm aus der Hand, als eine der Wachen seinen Arm auf den Boden schmetterte. Icarus schrie wütend auf und versuchte die Angreifer abzuschütteln. Ich erschoss einen von ihnen und sein lebloser Körper fiel hinter uns auf die Schienen. Da ein weiterer Schuss zu riskant gewesen wäre, eilte ich auf Icarus zu und zog meinen Dolch. Mit aller Kraft packte ich eine der Wachen und zog sie von Icarus herunter. Er fiel auf mich und wollte seinen Blaster auf mich richten, doch ich kam ihm zuvor. Mit einem Aufschrei versenkte ich meinen Dolch in der Lücke zwischen seinem Helm und seiner Rüstung und rotes Blut sprudelte hervor. Als ich den Dolch wieder herauszog, spürte ich das heiße Blut auf meinem Gesicht und drehte meinen Kopf schnell zur Seite. Übelkeit stieg in mir auf. Ich stieß den Sterbenden von mir runter und er rollte über die Seite des Wagons.
Mit wild pochendem Herzen setzte ich mich auf und wischte mir Blut und Schweiß aus den Augen. Sobald ich wieder klarsehen konnte, fuhr mein Blick zu Icarus, der neben mir lag. Er hatte die andere Wache mit seinem Wurfmesser getötet und den Leichnam von sich gestoßen. Der Zabrak wollte aufstehen, doch plötzlich begann er zu rutschen. Aus der Kontrolleinheit an seiner Armschiene sprühten blaue Funken und die Magneten an seinen Stiefel deaktivierten sich. Dann ging alles sehr schnell.
Icarus wurde vom Fahrtwind erfasst und über den Rand des Wagons gezogen. Er versuchte sich verzweifelt irgendwo festzuhalten, doch seine Finger rutschten von der Reling ab. Er fiel.
„Icarus“, schrie ich und handelte bevor ich nachdenken konnte.
Innerhalb eines Herzschlages hatte ich meine Magneten deaktiviert und rutschte hinter Icarus über die Seite des Wagons. Mit einer Hand griff ich nach der Reling des Zuges und mit der anderen erwischte ich gerade noch so Icarus Arm. Ein Ruck ging durch meinen Körper, als ich nun das Gewicht von uns beiden mit nur einem Arm hielt. Ich schrie auf, als ein brennender Schmerz durch meinen Arm schoss. Mein Körper fühlte sich an, als würde er zerreißen, doch ich ließ nicht los. Der Abgrund öffnete sich unter uns. Wenn ich jetzt abrutschte, würden wir direkt in die Lavaflüsse fallen
„Bruder!“
Scorns Stimme dröhnte über das Commlink und ich sah, dass er versuchte zu uns zu gelangen. Doch in dem Moment, in dem er seine Deckung vernachlässigte, traf ihn ein Schuss in den Arm. Mit einem wütenden Aufschrei eröffnete Scorn das Feuer wieder und versuchte uns zumindest vor den Blasterschüssen zu schützen.
Mein Blick fuhr nach unten und ich begegnete Icarus geweiteten roten Augen. Seine Finger krallten sich in meinen Arm, während der Wind an seinem Körper riss.
„Zieh uns hoch“, rief er über das Rauschen des Zuges und ich biss die Zähne zusammen.
Meine Muskeln drohten zu zerreißen, als ich vergeblich versuchte uns näher an den Wagon zu ziehen. Doch ich war nicht stark genug.
„Ich kann nicht“, schrie ich verzweifelt und spürte, wie meine Finger Millimeter für Millimeter von der Reling abrutschten. Lange würde ich das nicht mehr aushalten.
„Ren! Was ist los?“ Ich hörte die Besorgnis in Mauls Stimme und wünschte mir so sehr, dass er jetzt hier sein würde.
„Wir hängen an der Seite vom Zug. Ich kann uns nicht hochziehen“, brachte ich angestrengt hervor und wartete vergeblich auf Mauls Antwort.
„Haltet durch!“ Scorn kämpfte wie ein Besessener, doch er würde nicht rechtzeitig bei uns sein. So stark er auch sein mochte, es hätte zu lange gedauert uns beide hochzuziehen.
„Ren, lass Icarus los!“ Mauls Befehl kam über das Commlink und ich konnte nicht glauben, was ich da hörte.
„Was, bist du verrückt?! Auf keinen Fall!“
„Vertrau mir“, drängte Maul und auf einmal sah ich etwas aus meinem Augenwinkel.
Mein Blick fuhr nach unten und ich erblickte unser Schiff, das zu uns aufschlossen hatte. Maul stand auf der geöffneten Laderampe und seine glühenden Augen fixierten mich sofort. Das war doch verrückt!
„Tu es“, rief Icarus und ich sah mit geweiteten Augen zu ihm herunter. Er löste seine Hand von meinem Arm, doch ich zögerte.
„Ren, jetzt!“ Kriff!
Ich löste meine Hand und Icarus wurde sofort vom Wind mitgerissen. Doch er fiel nicht lange. Auf einmal hing er mitten in der Luft und wurde langsam in Richtung des Schiffes gezogen. Meine Augen schnellten zu Maul. Er hatte die Hand ausgestreckt und zog Icarus mit der Macht zu sich heran. Der andere Zabrak landete sicher auf der Laderampe und fiel auf die Knie. Mauls Augen fuhren zu mir herum.
„Jetzt du. Lass los!“ Ich war beinahe bereit dazu, doch Rooks Stimme hielt mich zurück.
„Wir haben nur noch 120 Sekunden, bis wir in Sichtweite des Lagers sind. Wir müssen auf den anderen Wagon. Vorrücken!“ Ich musste ihnen helfen!
„Ren, worauf wartest du?“ Mauls Augen verengten sich, als er den Ausdruck auf meinem Gesicht sah.
„Wage es nicht.“
„Ich bleibe.“
„Nein, das tust du nicht. Lass los, das ist ein Befehl!“
Ich ignorierte Maul und drehte mich, sodass ich nicht länger mit dem Rücken zum Wagon hing.
Mit aller Kraft, die ich noch aufbringen konnte, griff ich mit der anderen Hand nach der Reling und versuchte mich hochzuziehen. Gerade als ich mit dem Kinn auf Höhe der Reling war, schloss sich plötzlich eine starke Hand um meinen Arm.
„Ich hab dich, Kleine.“ Scorn zog mich hinter sich auf das Dach und ich musste mich für eine Sekunde an ihn klammern, bis ich meine Magno-Boots aktiviert hatte.
„Danke. Gib mir Deckung, ich muss die Wagons trennen.“ Scorn folgte mir ohne zu Zögern.
Mittlerweile waren nicht mehr viele Wache übrig, doch sie leisteten immer noch erbitterten Widerstand. Ich kämpfte mich gegen den Wind auf dem Dach voran und schoss auf die Wachen, während Scorn dicht hinter mir lief und mir mit seiner Laserkanone Deckung gab. Meine Beine brannten mit jedem Schritt, mit dem ich die Magneten vom Dach losreißen musste. Der Wind trieb Tränen in meine Augen und meine Atemwege waren gereizt von Rauch und Ruß. Ein Schuss streifte meine Schulter und versenkte meine Haut und meine Kleidung. Ich biss die Zähne fest zusammen und versuchte den Schmerz zu ignorieren.
Gemeinsam Rook und Scorn trat ich an den Rand des Daches. Scorn sprang herunter und metzelte die verbliebenen Wachen nieder. Ich deaktivierte die Magneten und sprang zum anderen Dach hinüber. Meine Füße landeten genau auf der Kante und ich kämpfte um mein Gleichgewicht. Styx packte gerade noch rechtzeitig meinen Arm und zog mich zu sich auf das Dach. Er war am Bein verletzt, doch er folgte mir humpelnd zum Ende des Wagons.
Ich sprang runter auf die Plattform und suchte das Kontrollpanel für die Energiekupplung. Es blieb keine Zeit es ordentlich zu machen. Schützend hielt ich meinen Arm vor mein Gesicht und schoss mit dem Blaster mehrfach auf das Kontrollpanel. Lila Blitze zuckten daraus hervor und endlich trennten sich die letzten beiden Wagons vom Rest des Zuges ab.
Der Zug entfernte sich schnell, während die beiden Wagons nur langsam an Tempo verloren. Ich verlor keine Zeit und klinkte mich in das Kontrollpanel der Tür ein, um sie zu öffnen. Auf einmal ging ein heftiger Ruck durch die Wagons und ich musste mich festhalten, um nicht umzukippen. Ich brauchte nicht nachzuschauen, um zu wissen, dass Maul die Wagons mit der Macht verlangsamte.
Gerade als wir zum Stehen kamen, öffnete sich die Tür zum Wagon. Erleichterung durchflutete mich, als ich den Inhalt des Wagons erblickte. Es waren mehr als ein Dutzend Paletten, alle vollbeladen mit Kreditbarren.
„Die Kredits sind hier“, rief ich und sofort waren die anderen an meiner Seite.
Das Schiff hielt vor uns an den Schienen an und fuhr die Laderampe aus, damit wir die Paletten einladen konnten. Rook lief über die Schienen am Schiff vorbei, um nach Ärger Ausschau zu halten. Wir machten uns derweil daran, die Paletten aus dem Wagon in das Schiff zu schaffen. Maul stand auf der geöffneten Laderampe und ich wich seinem Blick aus, als ich eine Palette an ihm vorbeischob. Ich wusste nicht ob er wütend war und ich hatte keine Lust es herauszufinden.
Uns fehlte noch eine Palette, als Rooks Stimme über das Commlink ertönte.
„Wir bekommen Gesellschaft! Lasst die Palette zurück, wir müssen abhauen!“
Sekunden später hörte ich ein näherkommendes Schiff und Kanonenfeuer. Wir rannten die Laderampe hinauf und Rook sprang uns eilig hinterher.
„Bringt uns hier raus“, befahl Maul und das Schiff setze sich sofort in Bewegung.
Die Laderampe schloss sich und wir flogen in einem halsbrecherischen Tempo in Richtung Planetenoberfläche. Schüsse explodierten um uns herum und erschütterten das Schiff. Ich klammerte mich an einer der Kisten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Für einen schrecklichen Moment hatte ich Angst, dass wir jede Sekunde abstürzen könnten. Doch wie durch ein Wunder entkamen wir dem Beschuss des Schiffes und der Verteidigungstürme beinahe unbeschadet. Sobald wir die Atmosphäre verlassen hatten, sprangen wir sofort in den Hyperraum. Es wurde still um uns herum und ich spürte ein kollektives Aufatmen. Wir hatten es geschafft!
Erschöpft ließ ich mich auf die Kiste sinken und lehnte mich mit dem Rücken gegen die angenehm kühle Wand. Ich zog das Halstuch von meinem dreckigen Gesicht und atmete erleichtert die klare Luft ein. Für einen Moment erlaubte ich es mir die Augen zu schließen. Mein ganzer Körper tat weh. Meine Augen und meine Lunge brannten, die Verbrennung des Blasterschusses schmerzte und mein Arm fühlte sich an, als wäre mindestens ein Muskel gezerrt. Aber ich lebte.
„Bist du verwundet“, fragte einer der Piloten, der mit einem Medkit aus dem Cockpit geeilt kam. Ich öffnete die Augen und schüttelte den Kopf.
„Es ist nur ein Kratzer. Sieh nach den anderen, die hat es schlimmer erwischt.“
Der Mandalorianer nickte und ging zu Styx, der auf dem Boden saß und sein verletztes Bein hielt. Ein Blasterschuss musste ihn dort getroffen haben und ich bewunderte, dass er damit noch so lange gelaufen war. Bis auf Rook, einen der Mandalorianer und Icarus hatten alle leichte Blessuren davongetragen. Glücklicherweise war niemand schwer verletzt. Die Mandalorianer waren bereits wieder bester Stimmung. Der Tod ihrer zwei Kameraden schien ihnen nicht besonders nahe zu gehen.
Während der Mandalorianer die Wunden der anderen versorgte, inspizierten Rook und Maul unsere Beute. Wir hatten 14 Paletten auf das Schiff laden können und jede war ein kleines Vermögen wert. Ein voller Erfolg.
Ich hatte gerade meine Wasserflasche abgesetzt, als ich jemanden auf mich zukommen sah. Mein Blick traf auf Icarus und Scorn, die vor mir zum Stehen kamen. Um Scorns Arm war ein Verband gewickelt, doch er schien nicht schlimm verletzt zu sein. Sie hatten ihre Sturmhauben abgesetzt und ich sah Icarus das erste Mal ohne verdecktes Gesicht. Er sollte sein Gesicht öfter zeigen, dachte ich und schüttelte den Gedanken schnell wieder ab.
Icarus trat einen Schritt vor und sah mich aus seinen roten Augen durchdringend an. Doch dieses Mal lag keine Spur von Hass oder Verachtung in seinem Blick.
„Du hast mich gerettet“, stellte Icarus fest und schien ehrlich überrascht über diesen Umstand. Dann legte er eine Faust an seine Brust und neigte den Kopf vor mir.
„Ich schulde dir mein Leben. Wenn du mich akzeptierst, schwöre ich dir zu dienen, bis diese Schuld beglichen ist.“ Was?!
Ich sah den Zabrak vor mir vollkommen fassungslos an. Gestern hatte er kaum ein Wort mit mir gesprochen und jetzt wollte er mir dienen?! Mein Blick schnellte hilfesuchend zu Scorn, für den das jedoch keineswegs seltsam zu sein schien. Plötzlich kam mir der Gedanke, dass es vielleicht eine Tradition auf Dathomir war. Immerhin waren sie in einem Matriarchat aufgewachsen. Egal was es war, dass konnte und wollte ich beim besten Willen nicht annehmen.
Ich stand unsicher auf und Icarus Blick schnellte zu mir.
„Icarus, du schuldest mir gar nichts. Und du musst mir ganz sicher nicht dienen.“ Icarus sah mich verständnislos an.
„Aber wie soll ich meine Schuld begleichen, wenn ich dir nicht dienen kann“, fragte er und ich merkte, dass es ihm todernst war. Vorsichtig legte ich meine Hand auf seine Schulter.
„Dein Angebot ehrt mich. Ich kann es aber nicht annehmen. Sieh deine Schuld als beglichen an. Dein Leben gehört dir.“ Das schien sie beide zu überraschen.
„Bist du dir sicher“, hakte Icarus verwirrt nach und schenkte ihm ein warmes Lächeln.
„Ganz sicher. Es reicht mir vollkommen, wenn du mich nicht mehr ansiehst, als würdest du mich im nächsten Moment umbringen wollen.“
Und dann passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Ein kleines Lächeln zog an Icarus Mundwinkeln.
„Ich danke dir.“ Icarus neigte noch einmal seinen Kopf vor mir.
„Auch ich danke dir für das Leben meines Bruders.“
Scorn folgte dem Beispiel seines Bruders und neigte ebenfalls den Kopf vor mir. Ich spürte ihren tiefen Respekt und ihre Dankbarkeit und ein warmes Gefühl bereitete sich in meiner Brust aus. Mit einem Lächeln erwiderte ich ihre Geste.
„Ich würde es jederzeit wieder tun.“
Die beiden verabschiedeten sich mit einem respektvollen Nicken und zogen sich in eine ruhige Ecke zurück. Plötzlich fühlte ich mich beobachtet und begegnete Mauls Blick. Der Zabrak hatte die ganze Situation aufmerksam beobachtete und ich konnte den Ausdruck auf seinem Gesicht beim besten Willen nicht deuten. Daher war ich froh, als der Mandalorianer mit dem Medkit vor mir auftauchte und meinen Blick auf Maul versperrte.
„Wo bist du verwundet“, fragte der Mandalorianer und studierte meinen rußbedeckten Körper.
„Ich habe einen Streifschuss an der Schulter. Nichts ernstes.“
„Das beurteile ich. Zieh die Robe aus. Ist das Blut da von dir?“ Er deutete auf mein Gesicht und ich schüttelte den Kopf.
Gerade als ich meine Robe auszog, ging Maul an uns vorbei zum Cockpit. Seine Augen streiften die Wunde auf meiner Schulter für eine Sekunde, bevor er wieder stur nach vorne sah und aus dem Laderaum verschwand.
Der Mandalorianer reinigte die Wunde und legte einen Verband um die Schulter. Die Wunde war nicht tief und würde bald heilen. Er verpasste mir trotz meines Protests noch eine Bacta-Spritze und ging dann wieder zu dem anderen Piloten ins Cockpit.
Das Bacta-Serum linderte den Schmerz in meinem Arm und machte mich müde. Ich versuchte angestrengt wach zu bleiben, doch das schummrige Licht und das monotone Brummen der Triebwerke machte es nicht gerade einfach. Um mich wachzuhalten, fischte ich mein Datapad aus meiner Tasche und verlor mich in Bauplänen und Lektüren über Kybernetik.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir endlich wieder die Basis auf Malastare. Das Schiff landete und vor der geöffneten Laderampe warteten neugierige Mandalorianer. Jubel ging durch die Reihen der Krieger, als sie unsere wertvolle Ladung erblickten. Während sie sich daran machten die Barren zu entladen, verließen wir anderen das Schiff, um zu unseren Quartieren zu gehen.
Ich griff nach meiner Tasche und warf sie über meine Schulter. Mein Gesicht verzog sich kurz, als mein gezerrter Arm bei der Bewegung schmerzte. Nach einer warmen Dusche und ausgiebigem Schlaf würde er sich bestimmt wieder besser anfühlen.
„Hey, Nixe!“ Ich hielt inne, als ich meinen verhassten Spitznamen hörte. Styx kam hinter mir die Laderampe heruntergehumpelt, gestützt von einem seiner Männer. Er war etwas blass, schien ansonsten aber wohlauf.
„Du hast dich entgegen meiner Erwartung gut geschlagen“, lobte er grinsend und ich konnte nicht umhin ihn überrascht anzusehen.
„Hat es dich auch am Kopf erwischt? Ich dachte du wurdest am Bein getroffen?“ Styx lachte.
„Meinem Kopf geht es gut. Hast du dir etwa Sorgen gemacht?“ Seine Augen funkelten neckisch und ich konnte das Grinsen nicht verhindern, dass sich auf meine Lippen schlich.
„So weit würde ich nicht gehen“, erwiderte ich grinsend und Styx schüttelte lächelnd den Kopf.
Bevor er jedoch antworten konnte, spürte ich Mauls dunkle Präsenz hinter mir. Styx Grinsen erstarb sofort und er nahm so gut es ging Haltung an.
„Lord Maul.“
Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Mauls finsterer Blick auf mir lag.
„Folge mir“, befahl er und schritt dann an mir vorbei. Ich warf Styx noch einen kurzen Blick zu, bevor ich dem Zabrak hinterhereilte.
Maul führte mich durch den langen Korridor, der zu unseren Quartieren führte. Er schwieg und dieses Mal brach ich die Stille nicht. Wenn er wütend war, dann sollte er es mir sagen. Erst als wir in den Flur einbogen, in dem unsere Räume lagen, hielt Maul an. Unschlüssig blieb ich hinter ihm stehen und starrte auf seine angespannten Schultern. Er war definitiv wütend, doch da war auch noch etwas anderes…
„Wie stark bist du verletzt?“ Maul drehte sich nicht zu mir um, sondern starrte weiterhin stur nach vorne.
„Es ist nur ein Streifschuss“, erklärte ich beschwichtigend und Maul nickte.
„Und dein Arm?“ Ich sah ihn überrascht an. Woher wusste er das nun wieder?
„Wahrscheinlich eine Zerrung. Nichts Schlimmes.“ Ich bemerkte wie Mauls Hände sich zu Fäusten ballten.
„Du hast dich in Gefahr gebracht und meinen direkten Befehl missachtet“, knurrte Maul und nun drehte er sich endlich zu mir um. Ich sah die Wut in seinem Blick, doch ich war nicht bereit sie einfach hinzunehmen.
„Wir waren alle in Gefahr. Ich habe nur getan, was ich für richtig gehalten habe. Wäre ich deinem Befehl gefolgt, hätten wir den Wagon vielleicht nicht mehr rechtzeitig abkoppeln können. Dann wäre nicht nur die Ware verloren gewesen, sondern wir wären auch viel früher entdeckt worden. Wäre dir das lieber gewesen?“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und erwiderte Mauls Blick stur. Ein Knurren entwich seiner Kehle und ich merkte, dass er um seine Beherrschung kämpfte.
„Du bist ein zu hohes Risiko eingegangen.“
„Ist das nicht genau das, wofür ich hier bin? Risikos einzugehen, damit wir deine Pläne umsetzten können?“
In meiner Stimme lag kein Vorwurf, nur ehrliche Verwirrung. Maul bildete mich aus, damit ich eine Waffe in seinem Kampf für Macht und Rache war. Und das ging wohl kaum ohne Risiko. Maul schien das anders zu sehen.
„Nein, dafür brauche ich dich lebend. Und das wirst du nicht mehr lange sein, wenn du dich immer Hals über Kopf in Gefahren stürzt!“
Für eine Sekunde bröckelte seine wütende Fassade und ich sah Sorge auf seinem Gesicht. Maul wandte schnell den Kopf ab und endlich begriff ich, warum er so wütend war. Ich seufzte und legte vorsichtig meine Hand auf Mauls Arm. Sein glühender Blick fuhr zu mir herum, doch er wurde etwas sanfter, als unsere Augen sich begegneten.
„Maul, ich habe deinen Befehl doch nicht missachtet, um mich dir zu widersetzen. Mein einziges Ziel war der Erfolg der Mission und ich würde es wieder tun. Ich werde versuchen deinen Befehlen zu folgen. Aber ich kann dir nicht versprechen, dass ich eine Chance nicht ergreife, wenn sie sich bietet. Das Einzige, was ich dir versprechen kann, ist das ich vorsichtiger sein werde. Reicht dir das?“
Maul sah mich einen langen Moment an, doch dann schien seine Wut sich endlich aufzulösen. Er seufzte und auf seine Lippen schlich sich der Hauch eines Lächelns.
„Das muss es wohl.“
„Du wusstest, worauf du dich einlässt“, erinnerte ich ihn grinsend und Maul schüttelte lächelnd den Kopf.
„Da bin ich mir nicht sicher“, erwiderte er und griff dann an seinen Gürtel. Er nahm meine beiden Lichtschwerter davon ab und hielt sie mir auffordernd hin.
„Die wirst du brauchen. Sobald dein Arm verheilt ist, werden wir dein Training fortsetzen.“
„Ich kann es kaum erwarten.“
Ich nahm erst das eine Lichtschwert aus seiner Hand und griff dann nach dem anderen. Doch als meine Finger sich um den Griff schlossen, festigte sich Mauls Griff darum.
„Maul?“ Seine Finger streiften meine und ich sah unsicher zu ihm auf.
„Warum hast du Icarus Gesuch abgelehnt?“ Mit der Frage hatte ich nicht gerechnet. Wie viel von unserem Gespräch hatte er gehört?
„Warum in aller Welt hätte ich es annehmen sollen? Sag bitte nicht, dass das für dich auch normal gewesen wäre“, bat ich ihn, doch Mauls Miene blieb ernst.
„Es ist Tradition auf Dathomir. Wenn eine Nachtschwester einem Nachtbruder das Leben rettet, dann nur weil sie ihn als würdigen Gefährten und Diener betrachtet. Er verpflichtet sich ihr und beschützt sie im Gegenzug mit seinem Leben.“ Gefährte?! Das heißt wenn ich angenommen hätte… Oh Sterne!
„Aber ich bin keine Nachtschwester. Und ich habe Icarus nicht gerettet, weil ich eine Gegenleistung erwarte. Ich habe es getan, weil es das Richtige war. Ich hätte es auch bei jedem anderen getan, sogar bei Rook“, scherzte ich, doch Maul blieb ernst. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck, den ich nicht deuten konnte.
„Icarus wäre ein guter Beschützer gewesen.“ Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte ich den kleinsten Funken Eifersucht in ihm zu spüren. Doch wahrscheinlich hatte ich mich getäuscht. Schließlich hatte er keinen Grund dafür.
„Ich brauche keinen Beschützer. Außerdem passt du ja schon auf mich auf, oder?“ Ich schenkte Maul ein Lächeln und sah Überraschung über sein Gesicht huschen. Ich hatte seine Worte von heute Morgen nicht vergessen.
„So ist es.“ Der raue Klang seiner Stimme jagte einen Schauer über meinen Rücken.
„Siehst du, was brauche ich dann noch?“
Mit einem Zwinkern nahm ich das Lichtschwert aus seiner Hand und ging zu meinem Zimmer. Die Tür öffnete sich und ich sah noch einmal zu Maul. Er hatte sich nicht bewegt und musterte mich mit seinem durchdringenden Blick. Dieser Blick weckte etwas tief in mir, dass mir Angst machte. Wenn ich jetzt nicht verschwand, wusste ich nicht, was ich tun würde. Die Erinnerungen und Gefühle von heute Morgen waren noch allzu präsent und ich sehnte mich danach, wieder seine Berührung zu spüren. Alles in mir zog mich zu ihm. Doch so sehr ich es wollte, es war keine gute Idee.
„Gute Nacht“, sagte ich leise und schloss dann die Tür hinter mir.
Erleichtert atmete ich auf und fuhr mir mit der Hand über das dreckige Gesicht. Was machte dieser Zabrak nur mit mir?
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Notes:
Hallo zusammen.
Ich war die ganze Woche unglaublich krank und bin so froh, dass ich dieses Kapitel bereits vorgeschrieben hatte. Ich wollte euch auf keinen Fall hängen lassen. Leider bin ich im Moment ein bisschen im Rückstand, aber ich hoffe, dass ich das wieder aufholen kann.
Ich hoffe, euch hat dieses Kapitel gefallen. ^-^
Und an alle, die auf die Romanze warten – sie kommt, das verspreche ich. Ich nehme den Begriff „Slow Burn“ sehr ernst. Aber genau wie ihr möchte ich unbedingt dahin kommen. XD
Ich glaube, für jemanden wie Maul, der noch nie Liebe erfahren hat, ist es schwer sich für irgendeine Art von Beziehung zu öffnen. Er kennt nur Disziplin und alles, was mit Gefühlen zu tun hat, schreckt ihn ab. Deshalb wird es für Ren und Maul kein einfacher Weg sein, aber es wird sich lohnen.
Ich hoffe, ihr bleibt dabei. :)