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Der Verdacht

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Der Verdacht

Es war ruhig in der Werkstatt. Der Geruch von heißem Metall und geschmolzenem Silikon lag in der Luft. Vor mir lag der Kabelbaum, an dem ich in den letzten zwei Tagen gearbeitet hatte. Ich stand noch ganz am Anfang, doch ich war entschlossen neue Unterschenkelprothesen für Maul zu bauen. Mein Blick glitt immer wieder zu den Scans, die ich von Mauls Beinen gemacht hatte. Wenn alles gut lief, würden die Kabel nicht nur die einzelnen Module steuern, sondern auch Signale an Mauls Nervenenden schicken. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg.

Die Tür zur Werkstatt öffnete sich und ich hob überrascht den Kopf. Durch meine Schutzbrille sah ich Icarus, der in den Raum eingetreten war und mich mit einem knappen Nicken grüßte. Er legte seine defekte Armschiene auf der Werkbank hinter mir ab und begann Werkzeug zusammenzusuchen.

Mein Blick richtete sich wieder zurück auf meine Arbeit. Seit unserer Rückkehr von Corvus hatte ich nicht mehr mit Icarus gesprochen. Es hatte sich auch keine Gelegenheit dazu geboten. Ich betrachtete es jedoch als Fortschritt, dass er mich nicht mehr mit todbringenden Blicken bedachte, wenn wir uns über den Weg liefen. Dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass seit seinem Angebot etwas Unausgesprochenes zwischen uns stand. Ich konnte jedoch beim besten Willen nicht sagen, was es war.

Wir arbeiteten eine ganze Zeit in angenehmer Stille. Jeder ging seiner Arbeit nach und ich lenkte meine volle Konzentration auf den Kabelbaum vor mir. Der schwierigste Part war der Übergang zur Oberschenkelprothese, da Maul mir nach wie vor keine Scans davon erlaubte. Gerade als ich über den Scans grübelte, spürte ich plötzlich Icarus Präsenz neben mir. Überrascht sah ich zu ihm auf. Ich hatte gar nicht gehört, dass er neben mich getreten war.

Die roten Augen des Zabrak musterten interessiert meine Arbeit und die Scans auf meinem Datapad. Als er meinen irritierten Blick bemerkte, räusperte er sich ertappt.

„Woran arbeitest du“, fragte er, auch wenn ich mir sicher war, dass er es bereits erkannt hatte.

„Ich will neue Unterschenkelprothesen für Maul bauen. Seine jetzigen weisen einen deutlichen Verschleiß auf. Ich habe sie so gut es ging gewartet, aber ich glaube das er neue und zuverlässigere Prothesen braucht.“ Icarus sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Er hat dich an seine Beine gelassen?“ Es lag ehrliche Überraschung in seiner Stimme. Ich zuckte mit den Schultern.

„Ich habe eines seiner Beine beschädigt, als er mich aufgespürt hat. Nachdem er mich dann nicht mehr töten wollte, hielt ich es nur für angebracht es auch wieder zu reparieren.“

Icarus lehnte sich mit der Hüfte gegen die Werkbank und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine roten Augen musterten mich nachdenklich.

„Er vertraut dir sehr“, stellte er fest und ich konnte das Lächeln nicht verhindern, dass sich dabei auf meine Lippen schlich.

„Darf ich dich etwas fragen?“ Etwas an seiner Stimme ließ mich aufhorchen. Ich schob meine Schutzbrille hoch und legte die Isolierzange beiseite, bevor ich mich auf meinem Hocker zu ihm drehte.

„Natürlich.“

„Warum hast du mich auf dem Zug gerettet?“ Da war es. Das Thema, das Icarus seit Corvus beschäftigte.

„Warum hätte ich es nicht tun sollen? Es war das Richtige“, antwortete ich, doch das schien nicht das zu sein, was Icarus hören wollte.

„Das meine ich nicht. Warum hast du dein Leben riskiert, um meins zu retten? Wärst du abgerutscht, dann wären wir beide in den Tod gestürzt. Und du wolltest nicht loslassen, als Maul es dir befohlen hat. Warum das alles? Du hättest nichts davon tun müssen.“

Ich sah Icarus einen Moment lang schweigend an. Auch wenn ich seine Verwirrung verstand, ich wusste nicht, was ich ihm sagen sollte.

„Um ehrlich zu sein, ich habe nicht darüber nachgedacht. Ich habe eine Chance gesehen dich zu retten und ich habe sie ergriffen. Mehr nicht.“ Icarus musterte mich skeptisch.

„Niemand tut etwas ohne Grund. Und trotzdem hast du eine Gegenleistung abgelehnt. Warum?“ Da hatten wir wieder das Thema Schuld.

„Ich mag zwar eine Kopfgeldjägerin sein, aber nicht alles hat einen Preis“, erwiderte ich und verschränkte nun ebenfalls die Arme. Icarus Blick blieb skeptisch und ich seufzte.

„Hör zu, seit meiner Kindheit bin ich fast immer allein gewesen. Ich habe keine Familie und nur sehr wenige, denen ich vertrauen konnte. Maul hat mir die Chance gegeben Teil von etwas Größerem zu sein und diese Chance will ich nutzen. Ich kenne euch kaum und ich weiß, dass keiner von euch mich besonders gut leiden kann, aber Loyalität bedeutet mir viel. Und das beschränke ich nicht nur auf Maul. Ich habe dich nicht gerettet, weil ich dafür eine Gegenleistung wollte. Es war einfach das Richtige.“

Icarus musterte mich mit unverhohlener Neugierde und ich wich seinem Blick aus. Eine unangenehme Stille trat ein und ich kratzte mich verlegen am Nacken.

„Ich glaube ich sollte weitermachen.“ Das löste Icarus endlich aus seiner Starre.

„Ich kann dir helfen, wenn du willst“, bot er an und ich sah überrascht zu ihm auf.

„Icarus, du musst das nicht machen. Du schuldest mir nichts“, versicherte ich ihm abermals und Icarus nickte.

„Ich weiß. Aber ich kenne mich mit Mauls Beinen aus. Ich habe sie oft genug repariert. Wenn du es mir erlaubst, gehe ich dir gerne zur Hand.“

Seine Worte erstaunten mich, doch ich spürte das er es ernst meinte. Es war ein Friedensangebot. Mit einem Lächeln rutschte ich zur Seite, um ihm Platz zu machen.

„Wenn das so ist, nehme ich deine Hilfe gerne an.“

Icarus zog seinen Hocker zu mir herüber und ließ sich neben mir an der Werkbank nieder. Ich zeigte ihm die Scans, die ich gemacht hatte und erklärte meine Pläne und Ideen für die neuen Prothesen. Der Zabrak hörte mir aufmerksam zu und warf zwischendurch Anmerkungen ein, wie ich die Entwürfe noch verbessern könnte.

Aus Minuten wurden Stunden und langsam wurde die Atmosphäre zwischen uns entspannter. Ich konnte es zwar selbst nicht glauben, doch ich begann mich in seiner Gegenwart tatsächlich wohlzufühlen.

Wir überlegten gerade, wie wir die Reaktionszeit der Beine verbessern könnten, als einer der Knöpfe an meiner Armschiene aufblinkte. Ich wusste sofort, wer es war. Maul. Erschrocken blickte ich auf das Chrono auf meinem Datapad.

„Oh verdammt.“ Ich sprang vom Hocker auf und putzte eilig meine dreckigen Hände an einem Tuch ab. Icarus drehte sich zu mir und sah mich irritiert an.

„Was ist los?“

„Ich komme zu spät zum Training. Maul reißt mir den Kopf ab, wenn ich nicht sofort auftauche.“ Ich griff nach meinen Lichtschwertern und machte mich auf den Weg zur Tür. Bevor ich den Raum verließ, sah ich noch einmal zu Icarus.

„Danke für deine Hilfe. Vielleicht können wir ja weiter zusammen daran arbeiten“, schlug ich vor und lächelte als Icarus nickte.

Eilig verließ ich die Werkstatt und machte mich auf den Weg zum Trainingsraum. Als ich Schritte hinter mir hörte, hielt ich überrascht inne.

„Wo willst du denn hin“, fragte ich irritiert und sah Icarus an, der zu mir aufgeschlossen hatte. Er zuckte mit den Schultern.

„Ich will sehen, wie Maul dir den Kopf abreißt.“

Trotz seiner Maske erkannte ich das er lächelte. Mir blieb jedoch keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen. Kopfschüttelnd setzte ich mich wieder in Bewegung und Icarus folgte mir.

Wir erreichten den Trainingsraum, in dem bereits drei Mandalorianer an ihren Kampfkünsten feilten. Mein Blick fand sofort Maul, der in der Mitte des Raumes bereits auf mich wartete. Er hatte wie üblich die Hände hinter dem Rücken verschränkt und ich spürte sofort seine Ungeduld. Seine glühenden Augen erfassten mich und ich bemerkte seine Überraschung, als er Icarus an meiner Seite entdeckte. Der andere Zabrak ließ sich auf einer der Kisten am Rande des Raums nieder, während ich zu Maul trat.

„Du bist spät“, stellte Maul kühl fest und musterte mich mit zusammengekniffenen Augen.

„Ich weiß, tut mir leid. Ich habe die Zeit vergessen.“ Maul begann mich zu umkreisen.

„Dann musst du auf deine Vorbereitung verzichten. Wir beginnen direkt mit dem Training.“

Ohne weitere Vorwarnung rief Maul sein Lichtschwert in seine Hand, aktivierte eine Seite und schwang die rote Klinge nach mir. Überrascht stolperte ich zurück und aktivierte meine Lichtschwerter, um Mauls Klinge abzufangen. Die Klingen kreischten, als sie aufeinandertrafen. Mauls Gesicht war nur wenige Zentimeter über mir, während er seine Klinge auf meine gekreuzten niederdrückte.

„Das war unfair“, murrte ich und sah, wie Mauls Mundwinkel zuckten.

„Gewöhn dich besser dran.“ So wollte er es also haben.

Mit aller Kraft stieß ich ihn von mir und machte ein paar Schritte zurück, um einen festen Stand zu bekommen. Maul ließ mir diesen Raum allerdings nicht lange. Er folgte mir und hieb mit seinem Lichtschwert schnell und präzise auf mich ein. Ich parierte seine Schläge und beobachtete Mauls Bewegungen aufmerksam.

Durch unsere unzähligen Übungsstunden wusste ich wie Maul sich bewegte, wie er sein Gewicht vor einem Angriff verlagerte und wann er mir Raum gab, um mich in eine Falle zu locken. Maul setzte deutlich auf die Offensive, doch seine Deckung war beinahe lückenlos. Seine einzige Schwachstelle waren seine Beine. Obwohl Maul sich beinahe akrobatisch bewegte und jede seiner Bewegungen schnell, geschmeidig und kontrolliert war, wusste ich das seine Beine ihn manchmal hinderten. Das machte es allerdings schwer vorstellbar, wie schnell er sich vor dem Verlust seiner Beine bewegt haben musste. Ein Angriff auf seine Beine wäre am effektivsten gewesen, doch ich weigerte mich das zu auszunutzen. Und Maul wusste das. Das brachte mir im Kampf jedoch leider keine Sympathiepunkte ein.

Maul täuschte vor sich zurückziehen und ich wusste das es eine Finte war. Als er stattdessen nach vorne stieß, war ich darauf vorbereitet. Ich machte einen Sprung nach hinten und brachte Maul damit für eine Sekunde aus dem Gleichgewicht. Den Moment nutzend hechtete ich nach vorne, duckte mich unter seiner Klinge hinweg und trat hinter ihn. Ein gewinnendes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus.

„Hab dich.“ Eine meiner Klingen schwebte bedrohlich über Mauls ungeschütztem Nacken. Maul drehte den Kopf und sah mich über seine Schulter mit einem zufriedenen Grinsen an.

„Gut beobachtet. Du wirst besser.“

„Gewöhn dich besser dran“, erwiderte ich grinsend und nahm die Klinge von Mauls Nacken.

„Erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad“, schlug Maul vor und aktivierte die zweite Seite seines Lichtschwertes.

Danach war mein kleiner Erfolg schnell vergessen. Wir trainierten rund eine Stunde lang und ich war öfter entwaffnet oder am Boden als mir lieb war. Unsere wachsende Zuschauerschaft amüsierte sich köstlich. Frust und Wut stiegen in mir auf und ich wagte einen riskanten Vorstoß. Maul fing meinen Arm allerdings geschickt ab und drehte ihn scharf, sodass ich mein Lichtschwert fallen lassen musste. Dann stieß er mich von sich und beförderte mich mit einem Tritt gegen die Brust zu Boden. Ich rang nach Atem und war bereit mein anderes Lichtschwert nach Maul zu schwingen, als er über mich trat. Bevor ich etwas machen konnte, platzierte er einen Fuß auf meiner Schulter, sodass mein Arm bewegungsunfähig war. Das Ende seiner roten Klinge schwebte über meiner Kehle und ich spürte die Hitze auf meiner Haut. Ich starrte Maul finster an, der mich über seine Nase hinweg musterte. Nach Unterwerfung würde er bei mir vergeblich suchen.

Plötzlich piepte Mauls Armschiene und er nahm das Gespräch an, als hätte er gerade nichts Besseres zu tun. Oh, der Bastard genoss das.

„Was gibt es, Rook?“ Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, den Maul nur mit einem selbstgefälligen Grinsen erwiderte.

„Lord Maul, es gibt etwas das Ihr Euch ansehen solltet“, antwortete Rook und Maul seufzte.

„In Ordnung, ich bin in fünf Minuten in der Zentrale.“

„Verstanden.“

Da ich höflich war, hatte ich mit meinem Zug gewartet, bis Maul das Commlink deaktiviert hatte. Ich rief mein verlorenes Lichtschwert in meine freie Hand und schlug damit Mauls Klinge zur Seite. Mit einem Machtstoß brachte ich ihn aus dem Gleichgewicht, sodass er seinen Fuß von meiner Schulter nehmen musste. Blitzschnell rollte ich mich zur Seite und sprang auf meine Beine. Mauls erstaunter Blick entging mir dabei nicht.

„Fünf Minuten, ja?“ Ich hob herausfordernd meine Lichtschwerter, doch zu meinem Erstaunen deaktivierte Maul seines.

„In der Tat, aber dieses Mal wirst du nicht gegen mich kämpfen.“ Ich deaktivierte meine Lichtschwerter und klemmte sie zurück an meinen Gürtel.

„Gegen wen dann“, fragte ich irritiert und Maul deutete in Richtung unserer Zuschauer.

„Such dir einen Gegner aus. Ich will sehen, wie gut du deine Nahkampflektionen verinnerlicht hast“, forderte Maul mich auf und ich sah zu den anderen.

Während des Kampfes hatten sich vier weitere Mandalorianer zu ihren Waffenbrüdern gesellt und Scorn hatte sich neben Icarus auf den Kisten niedergelassen. Ich hatte also die Wahl zwischen einem der sieben Mandalorianer und den Zabraks.  Die Mandalorianer musterten mich, als wäre ich keine Herausforderung für sie. Und nachdem wie Maul mich gerade zur Schnecke gemacht hatte, konnte ich es ihnen nicht verdenken. Um ihren Respekt zu gewinnen, musste ich gegen den größten und stärksten Gegner bestehen. Meine Wahl stand also fest.

„Ich wähle Scorn.“ Die Mandalorianer lachten hämisch, doch mein Blick blieb ernst. Scorn erhob sich und kam langsam auf mich zu.

„Bist du dir sicher, Kleine?“

„Ganz sicher. Du hast mich bei unserem ersten Treffen herausgefordert, wenn ich mich richtig erinnere. Also, was ist?“ Ich sah herausfordernd zu Scorn hoch, der grinsend vor mir zum Stehen kam.

Er war mindestens zwei Köpfe größer als ich und verdammt war er muskulös. Seiner Stärke konnte ich nichts entgegensetzen, aber ich würde ihn schon kleinkriegen.

„Wie du willst, aber keine Tricks“, warnte Scorn und rollte seine breiten Schultern.

„Einverstanden.“ Ich würde die Macht nicht brauchen, um ihn zu besiegen.

„Irgendwelche Regeln“, hakte er nach und ich schüttelte den Kopf.

„Keine. Und halte dich nicht zurück“, forderte ich und nahm meine Kampfhaltung ein.

Scorn und ich umkreisten uns wie Raubtiere. Wir schätzten einander ab und suchten nach einem Angriffspunkt. Mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit griff Scorn an und hieb mit einer seiner gewaltigen Fäuste nach mir. Geschickt machte ich einen Schritt zur Seite und wich seinem Schlag aus. Ich ließ Scorn einen Angriff nach dem Nächsten ausführen und beobachtete seine Bewegungen aufmerksam. Er hatte eine unglaubliche Reichweite und ich hatte keine Chance ihn auf Distanz zu treffen. Sein Vorteil war der Höhenunterschied, also musste ich ihm den nehmen. Doch dafür musste ich nah an ihn heran.

Die Mandalorianer johlten laut und feuerten den Zabrak an. Mein Herz pochte wild und ich beschloss zu handeln. Als Scorn zum nächsten Schlag ausholte, packte ich sein Handgelenk. Wie erwartet schlug er den Arm zur Seite und öffnete damit seine Deckung. Ich sprang in die Lücke, duckte mich und schlang meine Arme kurz über seinen Kniekehlen um die Oberschenkel. Scorn verpasste mir einen Schlag in die Seite und versuchte mich zu packen. Ich ging schnell in die Hocke und verlagerte meinen Schwerpunkt nach unten. Dann stieß ich mich mit aller Kraft ab und rammte mein Körpergewicht gegen Scorn. Er versuchte einen Schritt nach hinten zu machen, doch ich hielt seine Beine fest umklammert. Der große Zabrak fiel wie ein Baumstamm und wir landeten gemeinsam auf den Trainingsmatten. Bevor er reagieren konnte, wirbelte ich herum und schlang meine Beine quer über seinen Oberkörper. Ich griff seinen Arm, der nun zwischen meinen Beinen lag und zog ihn kraftvoll zu mir. Scorn versuchte sich zu bewegen und ich erhöhte sofort die Spannung auf seinen Arm. Ein frustrierter Laut verließ Scorns Kehle. Sein Arm war überspannt und mit einer Bewegung hätte ich ihn mindestens auskugeln, wenn nicht gar brechen können. Ich hatte ihn.

Es war totenstill geworden. Scorn schien einen Moment mit sich zu hadern, doch dann klopfte er mit seiner freien Hand auf mein Bein. Er ergab sich. Ich ließ ihn sofort los und sprang auf die Beine. Mit einem Grinsen streckte ich Scorn meine Hand entgegen. Er ergriff sie und ließ sich von mir auf die Beine ziehen.

„Na, beeindruckt“, neckte ich ihn grinsend und Scorn lachte laut.

„Das war Anfängerglück. Nochmal schaffst du das nicht.“

„Lass es uns herausfinden“, schlug ich grinsend vor, doch Maul unterbrach unsere Stichelei.

„Das reicht für heute. Wir setzen das Training zu einem anderen Zeitpunkt fort“, ordnete Maul an und ich wusste es besser, als ihm zu widersprechen. Vielleicht irrte ich mich, aber ich glaubte ein bisschen Stolz in dem Blick des Zabrak zu entdecken.

Maul machte sich auf den Weg zur Zentrale und ich blieb mit Scorn in der Mitte des Trainingsraumes zurück. Icarus gesellte sich zu uns und klopfte seinem Bruder aufmunternd auf die Schulter.

„Ich glaube ich habe dich noch nie so schnell am Boden gesehen, Bruder“, zog er Scorn auf, der ihm dafür hart den Ellenbogen in die Seite stieß.

„Sie hat mich unvorbereitet erwischt, das ist alles“, knurrte Scorn und ich musste lachen.

„Rede dir das ruhig ein, Großer. Ich bin immer offen für eine Revanche.“

Mit einem Zwinkern drehte ich mich um und verließ den Trainingsraum. Auf dem Weg in mein Zimmer schnappte ich mir noch etwas zu Essen aus der Küche. Das Kämpfen hatte mich hungrig gemacht.

Als ich gegessen und geduscht hatte, war es bereits später Abend. Ich saß in der Sitzecke in meinem Zimmer und hatte die Beine locker auf den Tisch gelegt. Mein Blick war auf das Datapad in meiner Hand gerichtet. Mit aufmerksamen Augen sichtete ich Aufträge und Fahndungsbriefe in der Kopfgeldjägerbörse, auf der Suche nach etwas Interessantem. Zwar hatte ich nicht vor einen Auftrag anzunehmen, doch ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht die Börse im Blick zu behalten. Es war besser auf dem Laufenden zu bleiben und vielleicht entdeckte ich sogar etwas, dass dem Schattenkollektiv dienlich sein könnte.

Bisher hatte nichts mein Interesse geweckt. Es waren die üblichen Kopfgelder, Überfälle und Transporte wie immer. Ich war erleichtert das unsere Gesichter dort nicht kursierten, doch ich war mir sicher, dass das Imperium mit Hochdruck nach Maul und all seinen Anhängern suchte. Und ihre Inquisitoren würden kaum mit Kopfgeldjägern zusammenarbeiten.

Ein Gähnen entrang sich meiner Kehle und ich fuhr mir mit der Hand über die müden Augen. Es war schon spät, vielleicht sollte ich mich schlafen legen. Doch gerade, als ich das Datapad ausschalten wollte, klopfte es an meiner Tür. Ich brauchte nicht zu raten, wer es war.

„Komm rein“, rief ich und legte mein Datapad zur Seite. Die Tür öffnete sich leise und Maul trat in den Raum. Er zog die Augenbrauen hoch, als er meine ungewöhnliche Sitzposition entdeckte.

„Was verschafft mir die Ehre?“ Ich schenkte ihm ein Lächeln und nahm die Beine vom Tisch, um mich gerade hinzusetzen.

Maul trat zu mir und ließ sich auf meine Einladung hin neben mir auf der Sitzbank nieder. Er legte ein Datapad auf den Tisch und schob es auffordernd zu mir herüber.

„Ich will, dass du dir etwas ansiehst.“

Neugierig griff ich nach dem Datapad und scrollte durch den Bericht, den Maul geöffnet hatte. Es waren Statistiken, Verzeichnisse über Transaktionen und Wetten, Warenverzeichnisse und Zahlungsverläufe. Anscheinend ging es um eine Art Rennen und soweit ich erkennen konnte auch um Schmuggel.

„Das ist ein Geschäftsbericht“, stellte ich fest und Maul nickte.

„Er stammt von einer meiner Unternehmungen. Die Geschäfte werden von dem Gouverneur der Stadt geführt, aber er arbeitet in meinem Auftrag. Er ist nur ein Strohmann.“

„Und wonach genau suche ich“, hakte ich nach, unsicher worauf er hinauswollte.

„Das musst du selbst herausfinden“, antwortete Maul mit einem Lächeln und lehnte sich lässig auf der Bank zurück. Ich rollte genervt mit den Augen und konzentrierte mich wieder auf die Berichte. Mauls aufmerksamen Blick versuchte ich dabei zu ignorieren.

Zunächst war nichts auffällig. Alle Einnahmen aus Wetten und Schmuggel waren verzeichnet und die Credits wurden immer zu 80% an das Schattenkollektiv weitergegeben. Die Überweisungen erfolgten jeden Monat exakt zur selben Zeit und mit jeder Transaktion war auch der entsprechende Bericht verbunden. Es sah alles ordnungsgemäß auf. Obwohl…

Mir fiel auf, dass die Einnahmen in den letzten Monaten zurückgegangen waren. Die Differenz von Monat zu Monat war nicht groß, doch über das letzte halbe Jahr betrachtet, war ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Seltsam war, dass weder die Anzahl der Rennen zurückgegangen war noch weniger Ware geschmuggelt wurde. Vielleicht war es unbedeutend, aber wenn Maul mich so darauf stieß, hatte es mit Sicherheit einen Grund. Und ich hatte auch schon eine Vermutung.

„Du glaubst, dass er dich hintergeht und Credits für sich abzweigt, richtig?“ Ein Grinsen stahl sich auf Mauls Lippen.

„So ist es. Seitdem sich die anderen Syndikate gegen mich gestellt haben, glauben einige meiner Geschäftspartner, dass sie diesen Umstand ausnutzen können. Sie nutzen das Machtvakuum, um sich selbst zu bereichern und mich zu hintergehen.“ Verachtung triefte von Mauls Lippen und ich konnte deutlich die Wut in ihm spüren. Ich legte das Datapad zur Seite und sah Maul nachdenklich an.

„Wirst du ihn zur Rede stellen?“

„Ja, ich werde ihm einen unangekündigten Besuch abstatten“, bestätigte Maul finster und blickte auf seine geballte Faust herab. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen was jemandem drohte, der Maul hinterging und beklaute.

„Wirst du ihn umbringen?“ Meine Frage ließ Maul wieder zu mir aufsehen.

„Ich höre mir an, was er zu sagen hat. Sollte sich mein Verdacht als wahr erweisen, werde ich ein Exempel statuieren müssen. Stört dich das?“ Mauls Augen musterten mich forschend, doch ich schüttelte den Kopf.

„Nein. Wenn er dich verraten hat, dann muss er die Konsequenzen dafür tragen“, stimmte ihm zu und ein Lächeln huschte über Mauls Lippen.

„Gut, denn ich will das du mitkommst.“

„Natürlich. Wann brechen wir auf?“

„Morgen früh. Sei um 0700 im Hangar.“ Maul wollte aufstehen, doch ich hielt ihn zurück.

„Maul, warte. Willst du vielleicht noch bleiben?“ Maul sah mich überrascht an und ich spürte, wie Wärme in meine Wangen schoss.

„Ich hatte gedacht, dass wir noch eine Partie Dejarik spielen könnten“, murmelte ich verlegen und hatte das Gefühl unter Mauls intensivem Blick zu schrumpfen. Der Zabrak zog erstaunt die Augenbrauen hoch und seine Augen glitzerten teuflisch.

„Und ich dachte, dass du heute schon oft genug gegen mich verloren hast.“ Mein Herz machte einen Hüpfer.

„Einmal mehr ertrage ich noch“, strahlte ich und stand eilig auf, um das Holobrett zu holen.

Wir spielten sogar zwei Partien und natürlich hatte ich keine Chance gegen Maul. Doch genoss ich jede Sekunde. In den letzten Tagen hatten wir uns so wenig gesehen und ich vermisste die kleinen Routinen, die wir auf Kashyyyk gehabt hatten. Es war noch mehr als das. Ich vermisste Maul. Und es wurde immer schwerer dieses Gefühl abzustellen.

Als wir aus dem Hyperraum sprangen, war unser Ziel bereits in Sicht. Kyrell war ein Wüstenplanet mit roter Oberfläche. Das Klima auf dem Planeten war so unerbittlich, dass die einzige große Stadt unter einer klimatisierten Kuppel gebaut worden war. Auf den ersten Blick musste man sich wundern, warum auf so einem lebensfeindlichen Planeten eine so große Stadt existierte. Der Grund war nicht der Planet selbst, sondern das, was ihn umgab. Kyrell war umgeben von einem breiten Meteoritenring, der Schauplatz einer der gefährlichsten Rennen der Galaxis war. Auf dem sogenannten Todesring traten einige der besten Piloten aus allen Welten an, um ihr Können zu beweisen und hohe Preisgelder einzustreichen. Dabei mussten sie neben ihren Konkurrenten auch den unzähligen Gesteinsbrocken ausweichen, die in dem Meteoritenring um den Planeten kreisten. Bei jedem Rennen starben Teilnehmer, was das Spektakel für Vergnügungssüchtige und Glücksspieler nur umso interessanter machte. Ich selbst war noch nie hier gewesen, doch ich wusste das der Gouverneur der Stadt oft Kopfgeldjäger beschäftigte, um sich vor den Kriminellen auf dem Planeten zu schützen oder Schulden von den Teilnehmern einzutreiben.

Wir flogen durch die geöffnete Luftschleuse der Kuppel und landeten in einem der zahlreichen Raumhäfen. Maul hatte mich zu sich ins Cockpit gerufen und sah auf als ich eintrat.

„Lasst uns alleine.“

Die beiden Piloten standen auf und verließen eilig das Cockpit. Rook, die eben noch neben ihrem Lord gestanden hatte, schob sich an mir vorbei und warf mir einen vernichtenden Blick zu. Sie traute mir nicht weiter, als sie mich werfen konnte und es gefiel ihr gar nicht, Maul und ich so vertraut miteinander umgingen. Ich hoffte wirklich, dass wir irgendwann miteinander zurechtkommen würden, doch das würde in naher Zukunft mit Sicherheit nicht passieren.

„Wie willst du jetzt vorgehen“, fragte ich und trat neben Maul, um aus dem Cockpit in den Raumhafen zu sehen.

„Meine Anwesenheit soll vorerst geheim bleiben. Ich will herausfinden, was der Gouverneur treibt, wen er trifft und was bei den Rennen vor sich geht. Dabei müssen wir allerdings äußerst diskret vorgehen“, erklärte Maul und ich nickte zustimmend.

„Wir sollten ihn observieren“, schlug ich vor und nun wandte Maul sich mir zu.

„Das wird deine Aufgabe sein. Ich möchte das du ihn beobachtest und ihm unauffällig folgst. Morgen findet wieder ein Rennen statt. Berichte mir über alles, was dir seltsam erscheint. Aber lasse dich auf gar keinen Fall entdecken. Schaffst du das?“

Ich verschränkte die Arme vor der Brust und schenkte Maul ein selbstsicheres Lächeln.

„Das ist meine leichteste Übung. Sowas habe ich schon tausend Mal gemacht. Ich bringe dir die Beweise, die du brauchst.“ Ein Lächeln stahl sich auf Mauls Lippen.

„Daran habe ich keinen Zweifel.“

Maul griff nach etwas, das hinter ihm gelegen hatte und hielt es mir auffordernd hin. Es war ein schwarzes Stoffbündel.

„Zieh den an und zeige unter keinen Umständen dein Gesicht“, ordnete Maul an und ich nahm ihm den Stoff überrascht ab.

Ich erkannte das es ein weiter Mantel war, sowie er ihn immer trug. Der schwarze Stoff sah etwas mitgenommen aus und deutete darauf hin, dass Maul ihn schon oft getragen hatte. Ich lächelte, als ich das kleine Loch in der Kapuze entdeckte, dass eines seiner spitzen Hörner dort hinterlassen hatte.

„Man könnte meinen du schämst dich für mich“, scherzte ich grinsend und bemerkte zufrieden, wie Maul die Augen verdrehte.

Ich öffnete das Band, dass zwei meiner Tentakel vor meiner Brust zusammenhielt und warf sie nach hinten über meine Schultern. Schließlich sollten sie ungesehen bleiben. Danach streifte ich mir den Mantel über den Kopf. Der Stoff roch nach Rauch und Metall. Er roch nach Maul. Ich schob den Gedanken schnell beiseite und zog den Stoff glatt. Meine Tentakel ließ ich dabei ebenfalls unter dem Stoff verschwinden, da sie nicht in die Kapuze gepasst hätten. Das machte die Kragenöffnung zu eng, doch es würde schon gehen. Auf Dauer musste ich mir aber eine Lösung überlegen.

Ich zog mir die Kapuze über den Kopf und sah zu Maul, der mich zufrieden musterte.

„Und wie sehe ich aus?“

„Unauffällig“, antwortete Maul knapp und ich grinste.

„Du weißt, was eine Frau hören will." Ich zwinkerte ihm zu und spürte deutlich Mauls Irritation. Mit Mühe verkniff ich mir ein Lachen. Es war wirklich zu leicht ihn mit sowas aus der Fassung zu bringen.

„Ich sollte aufbrechen und mir einen Überblick über die Stadt verschaffen. Danach lege ich mich auf die Lauer“, schlug ich vor und Maul nickte zustimmend.

„Spybot wird dich begleiten und dich unterstützen. Wir bleiben in Verbindung.“

Ich wollte zunächst protestieren, doch ich besann mich eines Besseren. Es hätte eh nichts gebracht. Ich würde Mauls launischen Droiden wohl oder über ertragen müssen.

Nachdem ich mich von Maul verabschiedet hatte, sammelte ich meine Ausrüstung zusammen und schulterte meine Sniper. Gefolgt von Spybot stieg ich die Gangway hinab und trat in das grelle Sonnenlicht. Der Raumhafen wimmelte nur so vor Leben. Piloten scheuchten ihre Wartungsdroiden umher, um ihre Schiffe auf das morgige Rennen vorzubereiten. In dem Durcheinander schenkte niemand uns Beachtung. Das war auch besser so. Wir hatten schließlich einen Auftrag zu erfüllen.

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Notes:

Das Kapitel ist quasi druckfrisch, da ich den letzten Teil erst gerade eben fertiggeschrieben habe.

Den Vorsprung, den ich mir in meinem Urlaub erarbeitet habe, ist leider durch meine Krankheit letzte Woche und das Lernen für meine Klausuren wieder dahin.

Ab nächster Woche beginne ich offiziell damit meine Bachelorarbeit zu schreiben, dass heißt ich werde noch weniger Zeit zum Schreiben haben.

Da ich keine Lust habe mich zu stressen und damit die Qualität meiner Geschichte leiden zu lassen, werde ich vermutlich nur noch alle zwei Wochen neue Kapitel hochladen.

Wir schauen mal, wie die nächsten Wochen so laufen.

Ende Januar ist der ganze Spuk dann hoffentlich vorbei und ich muss dann nur noch auf das Ergebnis der Bachelorarbeit warten.

Aber bis dahin heißt es durchhalten.

Ich hoffe ihr bleibt trotzdem dran. Ich freue mich riesig über euren Support!

Bis zum nächsten Kapitel!