Im Fadenkreuz
Im Fadenkreuz
„Du willst das ich was mache“, fragte ich entgeistert und sah Pearson ungläubig an.
Das konnte nicht sein Ernst sein! Ich beschäftigte mich nicht viel mit den Syndikaten, doch natürlich war mir das Schattenkollektiv ein Begriff. Noch vor Ende der Klonkriege hatten sich alle großen Syndikate der Galaxis unter dem Namen Schattenkollektiv zu Verbündeten erklärt. Die Pykes, Crimson Dawn, Schwarze Sonne, Death Watch und selbst die eigenwilligen Hutten, hatte sich alle unter einem Anführer zusammengeschlossen. Es war ein mächtiger Pakt, gegen den selbst das Imperium keine Chance hatte. Der Anführer des Schattenkollektivs war mir bisher nur unter dem Alias Schattenlord bekannt gewesen und ich wusste nicht viel über ihn. Doch ich wusste, dass er ein mächtiger Mann sein musste, wenn er es fertigbrachte verfeindete Syndikate zu verbünden. Nun kannte ich auch seinen Namen. Maul.
Mein Blick klebte an dem Hologramm. Die Gestalt darauf war in einen schwarzen Umhang mit Kapuze gehüllt, sodass nicht viel zu erkennen war. Er war groß, schlank und hatte die Haltung eines Kriegers. Das einzige Detail, das ich erkennen konnte, war ein Teil seines Gesichts. Seine Haut war blutrot und mit schwarzen Tattoos verziert. Die glühend gelben Augen stachen selbst auf dem Hologramm heraus und jagten mir einen Schauer über den Rücken. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Was war er?
„Du bist verrückt! Niemals! Du willst mich allein gegen eine der mächtigsten Männer in der Galaxis schicken“, fragte ich aufgebracht, doch Pearson schien nicht im Geringsten beunruhigt.
„Ja, Maul ist mächtig und gefährlich. Aber im Moment ist die richtige Zeit, um zuzuschlagen. Laut meinen Informationen hält er sich nur mit einer kleinen Gruppe Mandalorianer auf Jaresh auf. Natürlich wäre es sicherer eine große Gruppe zu schicken, doch das wäre zu auffällig. Eine Person allein schafft es dicht genug an sie heran, ohne bemerkt zu werden. Und da du eine hervorragende Schützin bist, kannst du ihn aus sicherer Entfernung erledigen. Falls seine Schergen dich angreifen, kannst du dich wie wir gesehen haben gut verteidigen.“ Ich schüttelte ungläubig mit dem Kopf.
„Warum willst du ihn überhaupt tot sehen“, wollte ich verstehen und Pearson sah mich grimmig an.
„Es war immer lukrativ, wenn die großen Syndikate sich untereinander bekriegt haben. So ergaben sich Möglichkeiten für uns, unseren Reichtum zu steigern. Seit Maul die Syndikate im Griff hat, laufen die Geschäfte schlechter. Das muss sich ändern und du wirst das möglich machen“, erklärte Pearson und ich lachte freudlos.
„Nein danke, ohne mich. Selbst wenn ich es schaffen würde ihn zu töten, dann wären vermutlich alle Syndikate hinter mir her“, stellte ich bitter fest und sah Pearson finster an. Das teuflische Grinsen kehrte auf sein Gesicht zurück.
„Du missverstehst mich. Du kannst nicht ablehnen. Dir bleiben vier Optionen. Wenn du dich weigerst, dann bringe ich dich um. Wenn du versuchst zu fliehen, dann setzte ich ein Kopfgeld auf dich aus, dass dir alle Kopfgeldjäger der Galaxis auf die Fersen hetzt. Wenn du annimmst und versagst, dann bringt Maul dich mit Sicherheit um. Wenn du es aber schaffst ihn zu töten und mir einen Beweis bringst, dann werde ich dich mit Reichtum überschütten und dich mit meinem neuen Einfluss vor den Syndikaten schützen. Du siehst, es gibt nur eine Option lebend aus der Sache herauszukommen.“
Zu meinem Unmut hatte Pearson recht. Ich hatte keine Waffen und konnte mich unmöglich freikämpfen. Falls ich ihn hinterging, würde er mich jagen lassen und ich war nirgends mehr sicher. Doch der Versuch Maul zu töten, würde wahrscheinlich mit in meinem Tod enden. Egal wie ich es drehte und wendete, es sah finster für mich aus. Ich musste annehmen und versuchen seinen Auftrag zu erfüllen. Je nachdem ob ich Erfolg hatte oder scheiterte, musste ich mir einen Ausweg überlegen, der nicht für immer ein Kopfgeld auf meinen Kopf beinhaltete. Falls ich dafür überhaupt lange genug lebte.
„Also gut. Ich mache es“, willigte ich geschlagen ein und Pearson lachte zufrieden.
„Ich wusste doch, dass du klug bist. Hier nimm das. Da sind alle Informationen drauf die du brauchst. Mach dich sofort auf den Weg. Du hast 10 Tage. Wenn ich dann nichts von dir höre, lasse ich dich jagen“, versprach Pearson grimmig und hielt mir einen Speicherstick entgegen. Ich nahm ihn an und stand auf.
„Dann mache ich mich besser auf den Weg“, knurrte ich und wandte mich ohne Pearson eines weiteren Blickes zu würdigen um.
„Viel Glück, du wirst es brauchen“ rief Pearson mir nach und ich ballte wütend meine Hände zu Fäusten.
Ich bahnte mir einen Weg an Basko und der anderen Wache vorbei und stieß dem Trandoshaner dabei mit Absicht gegen die verletzte Schulter. Ich grinste zufrieden, als er schmerzvoll aufzischte und von Pearsons Befehl davon abgehalten wurde nach mir zu schlagen. Falls ich wiederkam, dann würde ich die Echse umbringen. Ein weiterer Grund erfolgreich zu sein.
Ein paar Desert Snakes begleiteten mich durch das Gebäude zur Tür und reichten mir meine Waffen zurück. Dann schlossen sie die Tür hinter mir und ich war endlich wieder allein. Ich entfernte mich ein paar Schritte von dem Haus und lehnte mich dann mit dem Rücken gegen eine Hauswand. Die Angst, die ich die ganze Zeit unterdrückt hatte, kam nun auf einmal in mir hoch. Zitternd holte ich Luft und versuchte mich zu beruhigen. In was war ich da reingeraten? Selbst wenn ich dieses Selbstmordkommando überlebte, war mein Leben wie ich es kannte vorbei. Kurz überlegte ich, ob ich einfach direkt fliehen und mich auf irgendeinem abgelegenen Planeten verkriechen sollte, doch den Gedanken verwarf ich schnell wieder. Ich war noch nie ein Feigling gewesen und ich würde meine einzige Chance hier heil rauszukommen nicht sinnlos verstreichen lassen.
Einatmen. Ausatmen. Fokus.
Der Entschluss war gefasst. Ich würde Maul finden und ihn töten. Das war der einzige Ausweg.
Auf dem schnellsten Weg ging ich zurück zu meinem Raumschiff. Ohne weitere Zeit zu verschwenden, startete ich das Schiff und verließ den Raumhafen. Ich steuerte mein Schiff aus der Atmosphäre in den Weltraum und zog den Chip von Pearson aus meiner Tasche. Den Chip setzet ich in meine Datapad ein und betrachtete die Koordinaten, die Pearson mir gegeben hatte. Mein Ziel war Jaresh, ein bewaldeter Planet im Corva-Sektor, im äußeren Rand. Ich gab die Koordinaten in meinen Bordcomputer ein und steuerte das Schiff zu der nächsten Hyperraumroute. Sobald ich sie erreicht hatte, sprang ich in den Hyperraum und stellte das Schiff auf Autopilot.
Erschöpft ließ ich mich in meinen Sitz zurückfallen und strich mir mit der Hand über die Tentakel an meinem Hinterkopf. Dann schnappte ich mir mein Datapad wieder und las mir die Informationen durch, die Pearson mir gegeben hatte. Es war nicht viel, um ehrlich zu sein und ich verfluchte den Nikto schon jetzt. Das Einzige, was er wusste, war das Maul sich in einem bestimmten Sektor des Planeten aufhalten sollte, doch er hatte keinen Ansatz wo. Allein die Suche nach dem vermutlich versteckten Stützpunkt könnte ewig dauern und das war nur das kleinste meiner Probleme. Ich wusste nicht wie viele Leute bei Maul waren und wie gut sie bewaffnet waren. Da es sich um Mandalorianer handelte, waren sie wahrscheinlich bis an die Zähne bewaffnet. Umso wichtiger war es ihre Zahl zu kennen. Doch am meisten beunruhigte mich, dass ich so gut wie nichts über Maul wusste.
Suchend tippte ich auf meinem Datapad herum und versuchte irgendwelche Informationen in verschiedenen Datenbanken zu finden, doch der Mann war ein Phantom. Frustriert rief ich noch einmal das Hologramm auf und studierte das tätowierte Gesicht genauer. Wenn ich zumindest herausfinden könnte, was für eine Spezies er war. Dann könnte ich mich besser auf eine mögliche kämpferische Auseinandersetzung vorbereiten. Ich machte einen Screenshot von seinem Gesicht und schickte es ohne große Hoffnung durch eine Sammlung von Datenbanken. Erstaunlicherweise landete ich einen Treffer und fand zwei Steckbriefe. Auf dem einem war offensichtlich Maul zu sehen, auch wenn er auch auf diesem Bild eine Kapuze trug. Nun erkannte ich auch, dass er eine Krone von Hörnern auf dem Kopf hatte. Ein Zabrak vielleicht? Leider gab es nur das Bild und keine Beschreibung dazu, da es sich um alte republikanische Steckbriefe handelte. Der zweite Steckbrief zeigte einen anderen, der aber definitiv dieselbe Spezies war wie Maul. Seine Haut war gelb, doch auch er war komplett tätowiert. Er war größer und kräftiger und sah verdammt wütend aus. Unter dem Steckbrief stand der Name Savage Opress und ich hoffte beim Meeresgeist, dass er nicht auch auf Jaresh sein würde. Mir reichte es einem von ihnen zu begegnen. Das Bild von Savage ließ ich noch einmal durch die Datenbank laufen und fand nun endlich einen Querverweis zu seiner Spezies. Maul war also tatsächlich ein Zabrak, auch wenn ich so jemanden wie ihn oder diesen Savage noch nie gesehen hatte.
Einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis warf ich einen Blick auf den Bordcomputer. Es würde einen Tag dauern, bis ich Jaresh erreichte. Genug Zeit mich auf dieses Himmelfahrtskommando bestmöglich vorzubereiten. Als erstes beschloss ich jedoch den Schaden in Augenschein zu nehmen, den mein Körper durch die Auseinandersetzung mit Pearsons Schlägern genommen hatte. Es war nichts schlimmes, aber da das Adrenalin nun abebbte kamen doch leichte Schmerzen durch. Und ich musste topfit sein, wenn ich mich Maul stellen wollte.
Daher ging ich in das Badezimmer und entledigte mich meiner Jacke und meines Tops. Im Sport-BH stand ich vor dem Spiegel und zog eine Grimasse, als ich die hässlichen Kratzer auf meiner Wange in Augenschein nahm. Vier lange Furchen hatte dieser verdammte Trandoshaner dort hinterlassen und ich bedauerte, dass ich ihn nicht noch öfter mit dem Blaster getroffen hatte. Glücklicherweise war die Haut von uns Nautolan dick und widerstandsfähig, sodass die Wunde nicht allzu tief war. Es war nichts das Bacta nicht richten konnte, aber es würde zumindest für ein paar Tage sichtbar sein. Ich war nur froh, dass er bei seinem Herumgefuchtel nicht die beiden gepiercten Ringe herausgerissen hatte, die ich in meiner Augenbraue trug. Das wäre schmerzhafter gewesen.
Mein Blick fuhr an meinem Körper herunter und auf der hellblauen Haut an meiner Vorderseite erkannte ich einen dunkellila Bluterguss, der sich über meinen Rippen bildete. Es tat weh, aber es war nichts gebrochen. Ich war mir sicher noch andere blaue Flecken zu haben, die aber glücklicherweise auf meinen dunkelblauen Hautpartien nicht sichtbar waren. Schnell entledigte ich mich meiner Kleidung und duschte mir den Staub von Amperon ab. Sobald ich abgetrocknet war, schmierte ich mir noch etwas Bactagel auf die Kratzwunden im Gesicht.
Müde von der Aufregung des Tages ging ich in mein Schlafzimmer und warf meine Kleidung und Ausrüstung achtlos auf den Boden. Ich hatte so ein Gefühl, dass das der letzte gute Schlaf sein würde, den ich für eine ganze Zeit bekommen würde.
Nach etwa acht Stunden wachte ich wieder auf und mache mich sogleich ans Werk. Ich zog mich an und trug meine Ausrüstung in die Küche, die ich gleichzeitig als Werkstatt nutzte. Meine eine Armschiene war von Bissspuren übersäht und dieser verdammte Trandoshaner hatte einen Teil meiner Steuereinheit zerbissen. Ich hoffte sehr, dass er davon einen Stromschlag bekommen hatte. Die Liste von Dingen, die ich mit dieser Echse abrechnen wollte, wuchs ständig weiter.
Nun war ich froh die neue Steuereinheit von Grollo gekauft zu haben und machte mich sofort daran, die Armschiene zu reparieren und zu erneuern. Die nächsten Stunden investierte ich darin die neue Steuereinheit zu programmieren und den Elektroschocker an die andere Armschiene anzubauen. Ich hätte Grollo dafür küssen können, dass er mir das Teil vorgeschlagen hatte. Es würde mit Sicherheit nützlich sein. Die Rolle mit dem Seil bastelte ich in eine Konstruktion, die das Seil dazu bringen würde, sich um den Gegner zu wickeln und ihn zu fixieren. Mit einer Berührung meiner Hand, konnte ich den Elektroschock dann gezielt weiterleiten. Diese Konstruktion brachte ich an einem meiner Gürtel an. Von dort aus konnte ich die abnehmen und schnell in den Adapter an meiner Armschiene einsetzen. Dann bastelte ich noch ein paar kleine Sprengkugel und Nebelbomben und nahm Justierungen an meinem Blaster und meiner Sniper vor. Alles musste perfekt sein, wenn ich den Auftrag überleben wollte. Die restliche Zeit des Fluges verbrachte ich damit, die Oberfläche von Jaresh zu studieren und einen möglichen ersten Ausgangspunkt für meine Suche zu bestimmen.
Als ich den endlich den Hyperraum verließ, tauchten die Planeten des Corva-Sektors vor mir auf. Ich steuerte das Schiff auf Jaresh zu, einen kleinen Planeten mit grüner und blauer Oberfläche. Die Überfläche bestand zu einem Großteil aus dichtem Urwald und war darin mit Seen und Flüssen durchzogen. Die Oberfläche war unwegsam und mit vielen Hügeln, Bergen und Klippen. Meine Scanner konnten durch die dichte Vegetation keine klaren Scans machen, was mir meine Suche noch erschweren würde. Maul hatte gut gewählt. Ein perfekter für eine geheime Basis.
Ich landete das Schiff am Rande des Sektors, den Pearson mir genannt hatte. Das Schiff versteckte ich so zwischen den Bäumen, dass es hoffentlich nicht so schnell entdeckt werden würde. Dann schnappte ich mir Deadeye und ging die geöffnete Rampe herunter. Das Klima des Planeten war angenehm warm, die Luft dafür aber relativ schwül. Das Licht der kleinen Sonne drang kaum durch den dichten Wald, sodass es unter den Bäumen sehr dunkel war. Um mich herum hörte ich die Rufe vieler Tiere, die allesamt nicht vertraut klangen. Soweit ich wusste, gab es aber keine allzu gefährlichen Raubtiere in den Wäldern.
Mit einem Knopfdruck aktivierte ich Deadeye und der kleine Droide erwachte surrend zum Leben. Erwartungsvoll piepste er mich an und ich zog meinen kleinen Holoprojektor hervor. Das Hologramm von Maul tauchte auch und ich hielt es Deadeye auffordernd hin.
„Suche den Sektor nach Spuren von einem Lager ab. Unsere Zielperson ist dieser Zabrak. Wenn du Mandalorianer oder die Zielperson siehst, schicke mir sofort ihren Standort. Spähe das Lager und die Klicks darum aus und fertige eine Karte an. Gib mir stündlich Rückmeldung zu deinem Standort“, befahl ich und Deadeye surrte zur Bestätigung. Dann glitt die kleine Kugel beinahe geräuschlos davon und verschwand in dem dichten Wald. Seufzend kehrte ich zurück auf das Schiff. Ich konnte nur hoffen, das Deadeye Maul finden würde.
Vier Tage vergangen und noch immer hatte Deadeye keinen Erfolg zu vermelden. Mittlerweile gingen mir die Sachen aus die ich tun konnte, um mich abzulenken. Ich hatte meine Ausrüstung schon zum zehnten Mal kontrolliert und justiert. Meine Nervosität stieg mit jeder Stunde. War Maul nicht hier? War sein Lager in einem anderen Sektor des Planeten? War es so gut versteckt, dass Deadeye es nicht finden konnte? Ich konnte unmöglich den ganzen Planten nach ihnen absuchen. Bis dahin wären die 10 Tage längst verstrichen und ohne einen Erfolg vorweisen zu können, brauchte ich Pearson nicht unter die Augen treten. Ich schlief immer nur ein paar Stunden, um immer einsatzbereit zu sein. Die Zeit, die ich nicht an irgendwas herumschraubte, verbrachte ich damit, den Wald um mich herum zu erkunden und mich mit der Umgebung vertraut zu machen. Es war das Einzige, was ich tun konnte, um nicht vollkommen durchzudrehen. Einerseits hoffte ich, dass Deadeye Maul bald fand und andererseits fürchtete ich mich vor der Finalität, die das mit sich bringen würde.
Es war wieder Nacht geworden und ich hatte mich kurz hingelegt. Plötzlich piepte mein Commlink und ich schreckte aufgeregt hoch. Deadeye hatte was gefunden! Schnell aktivierte ich den Transponder und ein Holobild von Deadeyes Sichtfeld tauchte vor mir auf. Dort waren sie. Mandalorianer. Die Helme waren unverkennbar und ich wusste, dass Deadeye das richtige Lager gefunden hatte. Er schwirrte weiter und zoomte etwas heraus, um mir die Größe des Lagers und die zwei danebenstehenden Raumschiffe zu zeigen. Leider konnte ich nicht abschätzen wie viele Mandalorianer es waren, da die meisten bestimmt schliefen. Auch Maul war nicht zu sehen, doch wenn Pearson recht hatte, dann würde er bei ihnen sein.
„Gut gemacht. Bleib dort und beobachte alles. Lass dich nicht erwischen und sag mir Bescheid, wenn du die Zielperson siehst“, lobte ich den Droiden, der zufrieden summte und die Übertragung dann beendete.
Schnell lief ich in das Cockpit und startete mein Raumschiff. Ich aktivierte den Tarnkappenmodus, der mein Schiff vor der Ortung durch andere schützte. Dadurch war es zwar nicht unsichtbar, doch dafür würde die tiefschwarze Nacht schon sorgen. Mit ausgeschalteten Lichtern und langsam, um möglichst wenig Lärm zu erzeugen, näherte ich mich dem Standort von Deadeye. Er hatte mir eine Karte geschickt und ich steuerte auf einen See zu, der etwa vier Klicks von dem Lager entfernt war und an einer Klippe lag. In der Hoffnung sie würden mich nicht bemerken scannte ich den See und stellte zufrieden fest, dass er gut zehn Meter tief war. Langsam senkte ich mein Schiff ab und stellte die Triebwerke aus, als wir auf der Wasseroberfläche landeten. Einen Moment hielt sich das Schiff, doch dann sank es langsam Unterwasser. Es wurde noch dunkler, als das fahle Mondlicht langsam verschwand, doch ich konnte dennoch etwas sehen. Meine großen dunkelblauen Augen waren wie bei allen Nautolanern perfekt an dunkle Umgebungen angepasst, da es Unterwasser außerhalb der Städte immer dunkel war.
Mit einer Schubdüse steuerte ich das Schiff so, dass es auf einem in einigermaßen ebenen Grund zum Stehen kam. Über uns waren 7 Meter Wasser, was mein Schiff perfekt verstecken würde. Da es keine Strömung gab, musste ich das Schiff auch nicht verankern. Den Bordcomputer ließ ich auf Standby, damit ich bei meiner ziemlich sicher notwendigen Flucht schnell verschwinden konnte. Ich sprang aus meinem Sitz und schnappte mir den Rucksack, den ich seit Tagen fertig gepackt auf meinem Copilotensitz liegen hatte. Mit dem Rucksack über der Schulter ging ich zu der Luftschleuse meines Schiffes und verschloss die abgedichtete Tür hinter mir. Schnell zog ich meine Stiefel, meine Hose und mein Top aus und verstaute sie mit meiner Ausrüstung in dem wasserdichten Rucksack. Sobald ich mir den Rucksack über Schulter geworfen hatte, drückte ich den Knopf an der Luftschleuse und die Außentür öffnete sich langsam. Das Wasser drang hinein und ich wartete geduldig, bis die Tür ganz geöffnet war. Nun vollkommen Unterwasser begann ich durch meine Kiemen zu atmen. Mein Herzschlag verlangsamte sich und meine anderen beiden Herzen begannen kräftiger zu schlagen und mein Blut durch die Kiemen mit Sauerstoff aus dem Wasser zu versorgen. Schnell schwamm ich aus der geöffneten Tür in den See hinein. Mit einem Knopfdruck meiner Steuereinheit schloss ich die Tür wieder, ließ das Wasser jedoch in der Schleuse stehen. So konnte ich später schneller wieder in das Schiff hineingelangen.
Das Wasser war angenehm warm auf meiner Haut und ich freute mich, endlich mal wieder komplett im Wasser zu sein. Zwar war das Wasser nicht annähernd so klar wie auf Glee Anselm, doch ich war mittlerweile nicht mehr sehr wählerisch. Am liebsten wäre ich Stunden hier gewesen, aber ich hatte eine Mission zu erledigen. Mit kräftigen Zügen und unterstützt von den Schwimmhäuten zwischen meinen Fingern und Zehen glitt ich wie ein Pfeil durch das Wasser und erreichte in Sekunden die Oberfläche. Vorsichtig tauchte ich auf und sah mich forschend um. Außer den nachtaktiven Tieren war nichts zu hören oder zu sehen und so schwamm ich zum Ufer des Sees. Schnell schritt ich aus dem Wasser und in den Schutz der Bäume. Den Rucksack ließ ich auf den Boden fallen und öffnete ihn, um ein kleines Handtuch herauszuholen. Ich tupfte mich grob ab und zog dann meine Kleidung und Ausrüstung über meine schnelltrocknende Unterwäsche. Dann klappte ich meine Sniper auseinander und schraubte das Zielfernrohr an. Zuletzt schnappte ich mir noch ein Fernglas und klemmte es an meinen Gürtel. Meinen nun leeren Rucksack würde ich hierlassen, da er mir nur ein Hindernis wäre.
Ein letztes Mal überprüfte ich die Vollständigkeit meiner Ausrüstung, bevor ich die Holokarte von Deadeye wieder öffnete. Das Lager lag in einem kleinen Talkessel, vier Klicks entfernt von meiner Position. Ich würde mir dort im Schutz der Dunkelheit einen guten Platz suchen und mich dann auf die Lauer legen.
„Dann mal los“, raunte ich leise und atmete noch einmal tief durch, bevor ich mich in Bewegung setzte.
Ich stieg den steilen Hang empor, der zum See hin in einer etwa 30 Meter hohen Klippe abfiel. Es war anstrengend in der Dunkelheit auf dem unebenen Grund Halt zu finden, doch ich bewegte mich zielstrebig und lautlos voran. Umso näher ich dem Lager kam, umso lauter pochten meine Herzen. Mein Gefühl sagte mir, dass etwas schief gehen würde, doch ich hatte keine Wahl. Solange ich nur Maul tötete, würde ich den Rest schon irgendwie bewältigen.
Nach etwas weniger als einer Stunde, in der es fast nur bergauf ging, erreichte ich endlich den Bereich des Lagers. Ich checkte noch einmal die Karte und stellte zu meinem Unmut fest, dass ich durch die dichte Bewaldung auf mindestens einen Klick an das Lager heranmusste, um ein freies Sichtfeld zu haben. Das war zu nahe für meinen Geschmack. Der einzige Punkt, der sich besser eignete, lag auf der anderen Seite des Lagers. Doch dafür hätte ich das Lager umrunden müssen und würde mir meinen Fluchtweg abschneiden. Beides klang nicht gerade vielversprechend.
Ich merkte mir den Punkt auf der Karte und schlich mich langsam näher heran. Als ich den Aussichtspunkt an dem Felsvorsprung erreichte, suchte ich mir eine Position zwischen dichten Büschen, die mich vor neugierigen Augen verstecken würden. Leise nahm ich die Sniper von meinem Rücken und kroch vorsichtig unter die Büsche. Ich rutschte auf dem Bauch bis zum Rand des Vorsprungs vor und sah, dass ich weise gewählt hatte.
Von hier aus hatte ich einen perfekten Blick auf das ca. einen Klick entfernte Lager. Ich konnte alles sehen, doch blieb ihren Blicken vollkommen verborgen. Mit geschickten Fingern löste ich das kleine Dreibein von meinem Gürtel und stellte es vor mir auf den Felsen. Die Beine des Stativs waren nur in etwa so lang wie meine Finger und hatten oben einen halboffenen Ring, in den ich den Lauf meiner Sniper zur Stabilisierung legen konnte. Zunächst legte ich das Gewehr jedoch zur Seite und nahm mein Fernglas zur Hand. Mit wachsamen Augen nahm ich die kleinen Hütten in Augenschein, um die die Mandalorianer ihr Lager errichtet hatten. Momentan waren fünf zu sehen die Wache hielten, aber es waren mit Sicherheit mehr. Da von Maul immer noch nichts zu sehen war, beschloss ich zu warten. Irgendwann musste er sein tätowiertes Gesicht ja zeigen.
Die ganze Nacht lag ich auf der Lauer und beobachtete das Lager durch mein Fernglas. Deadeye war auf der anderen Seite und würde sich sofort melden, falls etwas Verdächtiges passierte. Meine Muskeln wurden steif von der angespannten, halbliegenden Position und ich musste meine Arme und Beine immer wieder strecken, um sie einsatzbereit zu halten.
Der Morgen graute und das erste Licht fiel in das kleine Tal vor mir. Immer mehr Mandalorianer tauchten aus den Hütten auf und ich zählte mittlerweile 23 von ihnen. Ich verfluchte Pearson. Eine Hand voll, von wegen! Mandalorianer waren geborene Krieger und im Einzelkampf schon äußerst gefährlich. Doch gegen zwei Dutzend von ihnen hatte ich nicht den kleinsten Hauch einer Chance.
Nach einer weiteren Stunde sah ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich drehte meinen Kopf und erstarrte. Da war er. Maul. Der Zabrak sah in echt noch viel beeindruckender aus als auf den Holobildern. Das erste Mal sah ich ihn auch ohne Umhang und Kapuze, was mir einen genaueren Blick auf ihn erlaubte. Sein Gesicht war vollkommen mit schwarzen Tattoos überzogen, die seine rote Haut zum Leuchten brachten. Sein Hinterkopf und seine Ohren waren komplett schwarz und auf seinem Kopf waren nun die spitzen Hörner deutlich sichtbar. Die Tattoos zogen sich auch über seine Brust, die durch den tiefen Ausschnitt seiner Robe zu sehen war. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie schmerzhaft diese Tattoos gewesen sein mussten.
Nun ohne seinen Umhang, konnte ich auch seine Statur besser einschätzen. Er war schlank, aber muskulös. Der Körper eines Kriegers. Jede seiner Bewegungen schien präzise und kontrolliert und seine Körperhaltung war perfekt. Von ihm ging eine Dominanz und Stärke aus, die ich bis hierhin deutlich spüren konnte. Mein Blick fuhr an ihm herunter und blieb an der Waffe an seinem Gürtel hängen. Der Stab oder was auch immer es war, reichte von seinem Gürtel fast bis an sein Knie und war aus verschiedenen Metallteilen zusammengesetzt. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Was es wohl für eine Waffe war? Meine Augen wanderten noch tiefer und fanden seinen Beinen. War das eine Rüstung? Nein, er hatte Metallbeine! Die Prothesen waren aus dunklem Metall gefertigt und gingen auf jedem Fall bis über seine Knie. Danach wurden sie von einer weiten Hose verdeckt, die keine Spekulationen über das Ausmaß seiner Prothesen erlaubte. Unwillkürlich fragte ich mich, wodurch er beide Beine verloren hatte. Sein Anblick fesselte mich aus irgendeinem Grund und ich musste mich kopfschüttelnd ermahnen mich zusammenzureißen.
Maul sprach mit einer Mandalorianerin in voller Rüstung und war wie auf dem Präsentierteller. Eine bessere Chance würde ich nicht bekommen. Ich nahm das Fernglas herunter und klemmte es wieder an meinen Gürtel. Dann schnappte ich mir meine Sniper und legte ihren Lauf in das kleine Stativ. Im Gegensatz zu anderen Scharfschützen verzichtete ich auch für große Entfernungen auf einen Windmesser. Meine Schüsse saßen immer perfekt, egal unter welchen Bedingungen. Hoffentlich war heute keine Ausnahme.
Einatmen. Ausatmen. Fokus.
Ich legte die Sniper an und brachte mein Auge an das Zielfernrohr. Mit geübter Präzision brachte ich das Fadenkreuz schnell an sein Ziel. Maul stand abgewandt zu mir, sodass das Fadenkreuz mittig auf seinem Hinterkopf lag. Ein gezielter Schuss und es war vorbei. Mit ruhiger Atmung legte ich meinen Finger an den Abzug und war bereit abzudrücken. Plötzlich, als hätte er die Bedrohung gespürt, drehte Maul sich um. Er sah in meine Richtung und es war mir, als könnte er mich sehen. Ich zuckte erschrocken zusammen. Nein, das konnte nicht sein! Niemals konnte er mich aus einem Klick Entfernung in meinem Versteck gesehen haben!
Doch ich wusste das er es tat. Sein Blick bohrte sich in meinen und ich war unfähig mein Auge von dem Fernrohr zu lösen. Ich war wie gefangen in seinen glühenden Augen, die direkt in meine Seele zu schauen schienen. Kalte Angst machte sich in mir breit. Was zur Hölle war er?!
Ich musste handeln und zwar schnell. Mit einem tiefen Atemzug brachte ich meine zitternde Hand zur Ruhe und visierte seinen Kopf an. Dann schoss ich. Voller Schrecken sah ich dabei zu, wie Maul in aller Ruhe seinen Kopf zur Seite lehnte, sodass der Schuss ihn knapp verfehlte. Das war unmöglich! Die Mandalorianer stoben unruhig auseinander und versuchten zu ermitteln, woher der Schuss kam. Mauls Blick löste sich keinen Moment von mir und seine Augen verengten sich bedrohlich. Panik ergriff mich und ich feuerte drei weitere Schüsse ab, denen er ohne jegliche Mühen und mit einer unglaublichen Geschicklichkeit auswich. Dann hob er seinen Arm und zeigte mit seinem ausgestreckten Finger in meine Richtung. Bevor ich begriff was passierte, hörte ich das entfernte Geräusch von Jetpacks. Die Mandalorianer waren in die Luft gestartet und kamen rasend schnell auf mich zu.
Nein, nein, nein!
Panisch riss ich meinen Blick von ihm los und sprang auf die Beine. Sofort begann ich zu rennen, wobei ich mir meine Sniper über den Rücken schnallte. Über mein Holotransponder rief ich Deadeye, damit er sich ebenfalls zurückziehen konnte. Kurz hörte ich sein alarmiertes Surren, doch dann riss das Signal ab. Verdammt! So schnell mich meine Beine trugen, rannte ich zurück in den Schutz des Waldes. Die Mandalorianer hatten mich fast erreicht, doch auch sie konnten in dem dichten Wald nicht fliegen und würden mich zu Fuß verfolgen müssen. Das verschaffte mir hoffentlich einen Vorteil.
Über meine Steuereinheit startete ich mein Raumschiff, damit es bei meiner Ankunft bereit zum Abflug war. Mit einem halsbrecherischen Tempo rannte ich den Hügel hinab und sprang über Wurzeln und Felsen. In meiner Eile versuchte ich nicht einmal den tiefhängenden Ästen auszuweichen, die mir wild ins Gesicht peitschten. Um mich herum flogen Blasterbolzen durch die Luft, die die Mandalorianer auf mich abfeuerten. Kurz überlegte ich das Feuer zu erwidern, doch das würde nichts bringen und mich nur langsamer machen. Auf Knopfdruck öffnete ich die Karte und sah, dass ich meinen Kurs nach links korrigieren musste. Durch meine Unachtsamkeit stolperte ich über eine Wurzel und fiel hart zu Boden. Ich rollte ein paar Meter über den abschüssigen Waldboden, wobei der felsige Untergrund meine Arme zerkratzte.
Irgendwie schaffte ich es mich wieder aufzurappeln und rannte weiter in die Richtung meines Schiffes. Doch noch trennten mich mehr als 2 Klicks von meinem rettenden Ziel. Meine Lungen brannten und mein Körper protestierte, als ich mich zwang noch schneller zu rennen. Wenn das Adrenalin nicht gewesen wäre, dann hätten meine Beine mit Sicherheit schon unter mir nachgegeben. Der wenige Schlaf und der Stress der letzten Tage, forderten nun ihren Tribut. Durch meinen Sturz waren die Mandalorianer nähergekommen und auch ihre Schüsse wurden immer präziser. Glücklicherweise konnten auch sie durch das hohe Tempo nicht genau zielen. In einem Versuch meinen Kurs abermals nach links zu korrigieren, entging ich knapp einen Blasterschuss in meine Schulter. Ich spürte die Hitze auf meiner Haut, als der Schuss sie knapp verfehlte. Fluchend schlug ich einen Haken nach rechts und hoffte, dass ich auch so den Fuß des Hügels erreichen würde. Mein Herz klopfte so wild in meiner Brust, dass ich kaum noch etwas anderes hören konnte.
Als ich schon dachte, dass ich es nicht mehr schaffen würde, wurde der Wald vor mir endlich lichter. Ich war da! Mit einem neuen Energieschub rannte ich noch einmal schneller und brach aus dem Unterholz heraus. Doch ich sah keinen See, nur Himmel.
„Kriff“, fluchte ich laut und grub meine Fersen in den Boden. Schlitternd kam ich kurz vor der Kante der Klippe zum Stehen und sah entgeistert herunter. Mein Schiff war direkt vor mir, allerdings trennten mich und das Wasser gute 30 Meter. Hinter mir hörte ich die Mandalorianer näherkommen und wusste, dass ich nirgendwo mehr hinlaufen konnte. Verzweifelt sah ich wieder auf das Wasser. Sollte ich springen? Ein Sprung aus einer solchen Höhe ohne jegliche Schutzkleidung war gefährlich. Ein Mensch würde das nicht überstehen. Doch vielleicht hatte ich mit meinem flexiblen Skelett ja eine Chance. Bevor ich noch länger überlegen konnte, hörte ich eine Stimme hinter mir.
„Halt, keine Bewegung!“ Ich brauchte mich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass viele Blaster auf mich gerichtet waren. Daher versuchte ich gar nicht erst meine Waffe zu ziehen, sondern hob die Hände nach oben.
„Umdrehen“, bellte die Frau wieder und ich tat wie mir geheißen.
Wie vermutet blickte ich in die Läufe von rund 20 Blastern. Es schien das mir ein Großteil der Mandalorianer gefolgt war, während der Rest das Lager bewachte. Die Mandalorianerin, die vorhin mit Maul gesprochen hatte, trat nun vor und richtete bedrohlich ihren Blaster auf meine Brust. Unwillkürlich zuckte meine Hand zu meinem Blaster, doch das bemerkte sie sofort.
„Mach keine Dummheiten. Eine falsche Bewegung und ich blase dir deinen Tentakelschädel weg“, drohte sie und ich blickte sie grimmig an. Als ob sie das nicht eh vorhatte.
„Tritt zurück Rook. Lass mich unseren Gast begrüßen“, erklang auf einmal eine dunkle Stimme, die mir einen Schauer über den Körper jagte. Ohne zu zögern trat Rook zurück und nun sah ich, zu wem die Stimme gehörte.
Maul schritt durch die Mandalorianer hindurch, die sich um ihn teilten wie ein Fluss um einen Felsen. Sofort spürte ich den Respekt der Krieger für ihren Anführer und ich merkte sofort warum. Als Mauls stechende Augen mich trafen, zuckte ich unwillkürlich zusammen. Er kam langsam auf mich zu, wie ein Raubtier auf seine Beute. Unsicher machte ich einen Schritt zurück und spürte, wie ein Teil der Klippe unter meinem Stiefel wegbröckelte. Ich konnte nirgendwo hin.
Maul blieb gut einen Meter vor mir stehen und sah mich interessiert an. Falls auch er mir zu Fuß durch den Wald gefolgt war, so ließ er es sich nicht anmerken. Sein Atem war ruhig und gleichmäßig und er wirkte kein bisschen angestrengt. Ich dagegen hatte immer noch Mühe meine Atmung wieder zu beruhigen, was mit Sicherheit auch an der Angst lag, die ich in diesem Moment verspürte. Trotzdem hielt ich seinem Blick stand und versuchte ihm meine Angst nicht zu zeigen.
„Ich bin neugierig. Wer bist du, dass du es wagst mich anzugreifen“, fragte Maul mit einer ruhigen Stimme, die mich mehr erschreckte, als wenn er mich angebrüllt hätte. Das Beste war es wohl zu schweigen und so antwortete ich nicht auf seine Frage. Maul sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Nicht gesprächig was? Versuchen wir es anders, wer hat dich geschickt?“ Ich schwieg weiterhin und Maul musterte mich neugierig.
„Du denkst es ist klug nicht zu antworten“, stellte Maul fest und griff an seinen Gürtel.
Meine Augen folgte seiner Bewegung, als er nach der Metallstange griff und sie von seinem Gürtel nahm. Plötzlich schoss ein roter Plasmastrahl aus einer Seite der Stange und ich erstarrte. Ein Lichtschwert! Das konnte nicht sein. In was war ich da nur hereingeraten?!
Mit geweiteten Augen sah ich das Lichtschwert an, dass Maul in seinem roten Schein noch bedrohlicher wirken ließ.
„Hast du schon mal ein Lichtschwert gesehen? Gesehen was es anstellen kann?“
Er wartete nicht auf eine Antwort. Mit einer fließenden Bewegung schwang Maul das Lichtschwert und schnitt mit der Klinge durch einen nahen Felsen. Die Kappe des Felsens rutschte sauber herunter und hinterließ eine glühende Schnittfläche. Maul sah mich an, zufrieden mit meiner verängstigten Reaktion.
„Stell dir nur vor, was es mit Fleisch und Knochen macht. Wenn du mir auf meine Fragen antwortest, dann müssen wir es nicht herausfinden“, sagte Maul in einem beinahe sanften Tonfall, der mich aber keineswegs beruhigte. Nun beschloss ich mein Schweigen zu brechen.
„Du wirst mich so oder so töten“, sagte ich und war erstaunt, wie selbstsicher meine Stimme war. Maul sah mich erstaunt an.
„Da hast du recht“, stimmte er zu und versuchte nicht einmal es zu leugnen.
„Aber du hast keine Wahl. Du bist jetzt in meiner Gewalt und du wirst mir alles erzählen“, sagte er zufrieden und bei seinen Worten legte sich ein Schalter in mir um.
Ich hatte eine Wahl. Meine Augen fuhren kurz zu der Klippenkante und ich wusste, dass meine Entscheidung getroffen war. Falls es schief ging, würde ich lieber durch das Wasser sterben als durch Mauls Lichtschwert. Ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht.
„Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich bestimme selbst über mein Schicksal“, erwiderte ich und zwinkerte ihm zu.
Dann ohne weiter nachzudenken, stieß ich mich kräftig mit den Beinen von der Klippe ab. Ich fiel in hohem Bogen rückwärts, die Arme wie Flügel ausgebreitet. Maul warf mit einem wütenden Aufschrei sein Lichtschwert nach mir, doch es verfehlte mich um Zentimeter. Ich überschlug mich in der Luft und fiel mit dem Kopf voran nach unten. Die Mandalorianer feuerten Schüsse auf mich ab, doch ich fiel zu schnell.
Mir blieben nur Sekunden, bis ich auf das Wasser aufschlagen würde. Ich schaffte es meinen Körper so zu drehen, dass ich nun mit den Füßen voran fiel. Vor dem Aufprall schloss ich die Augen. Mit geraden Beinen, verschränkten Armen und angekipptem Kinn, tauchte ich wie ein Pfeil in das Wasser ein. Der Aufprall erschütterte meinen Körper und ich war wie geblendet von dem Schmerz. Meine Sniper wurde bei dem Aufprall noch oben gerissen und würgte mich kurz, bevor der Gurt riss.
Für ein paar Sekunden trieb ich benommen im Wasser, doch ich durfte jetzt nicht schwach werden. Mit zusammengebissenen Zähnen zwang ich meinen schmerzenden Körper sich zu bewegen. Ich schnappte mir meine Sniper, die neben mir herabsank und schwamm so schnell ich konnte zu meinem Raumschiff. Das Cockpit war schon erleuchtet als ich näherkam und ich schwamm schnell in die offene Luftschleuse. Sobald ich drinnen war, hieb ich mit der Faust auf den Knopf an der Wand. Die Außenschleuse schloss sich und mit einem lauten Brummen wurde das Wasser quälend langsam rausgepumpt. Ungeduldig verharrte ich vor der Tür und streifte mir bereits die Stiefel ab, die gleich eh mit Wasser vollgelaufen sein würden.
Nach etwa 30 Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, war das Wasser abgepumpt und die Innenschleuse öffnete sich. Ich rannte durch das Raumschiff zum Cockpit und hinterließ eine Spur von Wasser. Schnell warf ich meine Sniper zur Seite, schmiss mich in den Pilotensitz und startete die vorbereiteten Triebwerke. Das Raumschiff stob nach oben und durchbrach tosend die Wasseroberfläche. Sofort eröffneten die Mandalorianer das Feuer, doch ihre Blaster konnten meinem Schiff nichts anhaben.
Als ich die Höhe der Klippe erreichte, erstarrte ich. Mauls Augen trafen meine und ich spürte, wie mein Atem stockte. Die Intensität seines Blickes war unglaublich stark, obwohl uns mehrere Meter trennten. Plötzlich sagte etwas in mir, dass ich nicht vor ihm fliehen sollte. Das ich mein Raumschiff landen und zu ihm gehen sollte. Doch das war Wahnsinn! Ich musste verschwinden solange ich noch konnte.
Ein paar Mandalorianer hatten sich wieder in die Luft erhoben und kamen auf mein Schiff zu. Endlich machte ich mich von Mauls Blick los und riss das Steuer herum. Ich steuerte das Schiff steil in Richtung Himmel und holte alles aus den Schubdüsen heraus, was irgendwie möglich war. Als ich aus der Atmosphäre brach, setzte ich trotz des Risikos sofort einen Hyperraumsprung an. Zwar wusste ich, dass sie mir so schnell nicht mit ihren Schiffen folgen konnten, doch ich war nicht bereit meine Flucht deshalb aufs Spiel zu setzten. Für einen kurzen Moment sprang ich in den Hyperraum und kam kurz vor der Hyperraumroute wieder heraus. Glücklicherweise war ich auf dem Weg dahin mit nichts kollidiert. Schnell lenkte ich mein Schiff in Position und sprang nun kontrolliert in den Hyperraum.
Erst als die Sterne in verschwommenen Streifen an mir vorbeizogen und mein Schiff im Autopiloten war, verarbeitete ich erst was eben passiert war. Ich war so kurz davor gewesen Maul zu töten und all meine Probleme zu lösen. Doch noch schlechter hätte es kaum laufen können. Alle Hoffnung, die ich noch hatte, konnte ich nun begraben.
Mit einem wütenden Aufschrei sprang ich aus dem Stuhl und hieb mit der Faust gegen die Schiffswand. Schmerz durchzuckte mich, doch das war mir gleich. All meine Angst, Verzweiflung und Anspannung entluden sich mit einem Mal in mir und ich sackte an der Wand zusammen. Ich schlang meine Arme um meine Knie und legte meinen Kopf erschöpft darauf ab.
An nur einem Tag hatte ich alles verloren. Meine Freiheit, mein Leben und sogar Deadeye. Maul hatte meinem Angriff ohne jegliche Schwierigkeiten widerstanden und er hatte mich gesehen. Zwar kannte ich ihn nicht, doch ich hielt ihn für einen Mann, der Anschläge auf sein Leben vergelten würde. Er würde nach mir suchen lassen, da war ich mir sicher. Und Pearsons Leute würden in ein paar Tagen auch hinter mir her sein. Kurz überlegte ich ihn zu kontaktieren und ihm von meinem Fehlschlag zu erzählen, doch das wäre unklug. Pearson würde mich jagen lassen, wenn er von meinem Misserfolg erfahren würde und spätestens dann wären mir alle Kopfgeldjäger auf den Fersen. Wenn ich ihn im Dunkeln ließ, würde ich mir wenigstens noch ein paar Tage für meine Flucht erkaufen. Ich musste irgendwo hin verschwinden, wo weder Maul noch Pearson mich je finden würden. Es musste ein so abgelegener und einsamer Planet sein, dass meine Anwesenheit niemandem auffallen würde.
Mir war bewusst, dass ich ein paar Monate, wenn nicht länger, so gut wie jeden Kontakt zu anderen vermeiden musste. Mit etwas Glück würden Maul und Pearson mich bald vergessen und ich könnte unter anderem Namen wieder ins Leben zurückkehren. Doch bis dahin hieß es Füße stillhalten.
Ich atmete tief durch und stand auf. Mit schweren und schmerzenden Gliedern ging ich zu meinem Sitz zurück und ließ mich darin nieder. Auf der Weltraumkarte suchte ich nach einem Planeten der so klein und abgelegen war, dass keiner mich dort finden würde. Es dauerte eine Weile, doch dann wurde ich fündig. Der Planet hatte auf meiner Karte nicht mal einen Namen und lag am äußersten Rand der Galaxis. Es würde zwei Tage dauern dort hinzukommen, da auch keine Hyperraumroute in direkter Nähe war. Ich gab die Koordinaten in den Bordcomputer ein und änderte den Kurs.
Dann also auf in die Isolation.
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Jetzt haben Maul und Ren sich getroffen. Nicht der beste Start für eine Partnerschaft, um es milde auszudrücken. Wird Maul nach Ren suchen und sich rächen oder kann Ren vor ihm fliehen? Wir werden es erfahren. ;)
Ich werde versuchen jeden Sonntag ein Kapitel hochzuladen. Das heißt diese Woche sind es drei.